Kategorie: Vollverstärker, CD-Player

Systemtest: Rotel A11 Tribute, Rotel CD-11 Tribute


Rotel Vollverstärker A11 Tribute und CD-Player CD11 Tribute

Vollverstärker Rotel A11 Tribute, Rotel CD-11 Tribute im Test , Bild 1
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Das ist eine besondere Geschichte, die zu erzählen mir große Freude macht. Die japanische Firma Rotel behauptet sich schon seit 1957 im Konzert der Audiohersteller.

Vor allem tut sie das mit günstigen und im besten Wortsinn preiswerten Verstärkern und CD-Playern, die häufig als No-Nonsense- Geheimtipps gelten und wegen ihres besonders guten Preis-Klang-Leistungsverhältnisses geschätzt werden. Natürlich gibt es auch ambitioniertere Geräte, so sorgt gerade die neue „Michi“-Serie für Furore. Und doch scheint es mir, dass Rotels Fokus nie wirklich auf dem Hochpreissegment war. Also habe ich mich darüber gefreut, dass es noch so etwas wie einen „normalen“ Verstärker und einen noch normaleren CD-Player gibt, zumal von Rotel, denn solche Komponenten werden immer seltener. Dass die A11 und CD11 Tribute außerdem keine ganz normalen Komponenten sind, erhöht ihren Reiz noch, aber dazu gleich mehr.

Vollverstärker Rotel A11 Tribute, Rotel CD-11 Tribute im Test , Bild 2Vollverstärker Rotel A11 Tribute, Rotel CD-11 Tribute im Test , Bild 3Vollverstärker Rotel A11 Tribute, Rotel CD-11 Tribute im Test , Bild 4Vollverstärker Rotel A11 Tribute, Rotel CD-11 Tribute im Test , Bild 5Vollverstärker Rotel A11 Tribute, Rotel CD-11 Tribute im Test , Bild 6Vollverstärker Rotel A11 Tribute, Rotel CD-11 Tribute im Test , Bild 7Vollverstärker Rotel A11 Tribute, Rotel CD-11 Tribute im Test , Bild 8
Entgegen der weit verbreiteten und sicher auch weitestgehend richtigen Erzählung in unserer Branche, es verkaufe sich nur noch teures Gerät, höre ich inzwischen auch das Gegenteil. So erzählte mir letzte Woche ein Vertriebsprofi mit eigenem Ladengeschäft, das gerade in diesem Jahr mehr und mehr „kleine“ Anlagen gefragt und gekauft würden. Erleben wir am Ende sogar das Comeback der guten alten HiFi-Anlage? Rotel ist vor 20 Jahren eine strategische Allianz mit der B&W-Gruppe eingegangen, die Firma ist aber nach wie vor inhabergeführt. Inzwischen bestimmt Peter Kao, der Neffe des Firmengründers Tomoki Tachikawa, die Geschicke. Und nun kommt ein legendärer Akteur der Audiogeschichte ins Spiel: Ken Ishiwata. Auch wenn Ishiwata natürlich durch seine jahrzehntelange Arbeit für Marantz berühmt wurde, kannte er die Familie Tachikawa, man begegnete sich in denselben Kreisen mit wohlwollendem Respekt. Nur schien es nie zu einer Zusammenarbeit zu kommen, da war wohl Ishiwatas Job bei Marantz im Weg. Doch nachdem der im Mai 2019 nach 41 Jahren Marantz verließ, der Abschied war wohl kein eleganter, nahm Rotel die Gelegenheit sofort wahr. Und das war ein perfektes Timing, denn eine zweite Gelegenheit sollte es nicht mehr geben - Ishiwata starb ein halbes Jahr später am 25. November 2019. Auftritt Karl-Heinz Fink, Lautsprecherkoryphäe aus Essen. Er und Ishiwata kannten sich seit über 30 Jahren, Fink bezeichnete ihn in einem Interview mit der englischen Zeitschrift HiFi- Choice sogar als Mentor. Ishiwata und Fink hatten ebenfalls eine Kooperation beschlossen und so konnte Fink den Rotel-Auftrag nach Kens Tod in seinem Sinn zu Ende bringen. Erstaunlich ist, am Rande bemerkt, dass bis zur Verkündigung der Tribute Serie auf einer Pressekonferenz kein Wort darüber bekannt wurde. Die Basisgeräte, also den A11 Verstärker und den CD11 CD-Player, hatte Rotel Anfang 2019 vorgestellt, beide wurden sehr positiv aufgenommen. Ishiwata wollte auch genau diese beiden Einstiegskomponenten tunen, da er solche Herausforderungen schätzte. Sie scheinen seinem und dem Geist der Firma exakt zu entsprechen. Der A11 Vollverstärker ist ein fast altmodisch-klassischer A/B-Verstärker mit 50 Watt Leistung. Ein Vorstufenausgang ermöglicht den Anschluss potenterer Endstufen, eines Aktivsubwoofers oder von Aktivlautsprechern. Dazu kommen vier Hochpegel- und ein Phono- MM-Eingang sowie Anschlüsse für RS232- Schnittstelle und dem hauseigenen Rotel Link. Außerdem kann man praktischerweise gleich zwei paar Lautsprecher verwenden. Einzig das Blue-Tooth-Modul ist ein sinnvolles Zugeständnis an die Moderne. Über die Fernbedienung kann man alle Funktionen sowie eine spezielle Rotel-Klangregelung mit den Sonderfunktionen Rotel-Boost und -Max steuern und natürlich auch linearisieren. Alle Einstellungen sind sinnvoll und praxisgerecht ausgelegt und sehr hilfreich bei akustisch nicht optimalen Räumen oder klanglich unterbelichteten Aufnahmen. Der CD11 Tribute verbindet selbstbewusst Rotels Erfahrung aus mehr als 30 Jahren CD-Player- Entwicklung ohne jeglichen Schnickschnack. Ich habe ihn anfangs das noch normalere der beiden Geräte genannt und das hat seinen Grund: hier gibt es außer den üblichen Bedienelementen und Anschlüssen nichts extra, hier werden nur CDs und sogar gebrannte MP3 Dateien abgespielt. Immerhin hat man ihm noch einen Coax-Ausgang für externe Wandler spendiert. Überflüssig finde ich, denn der interne Texas Instruments PCM5102A Delta- Sigma-Wandler mit einer Auflösung von 32 Bit / 192 kHz macht seinen Job prima. Ishiwatas Tuning, das aus den Beiden nun Tribute-Modelle macht, umfasst beim CD-Player den Austausch diverser Kondensatoren im D/A-Wandler sowie den eines Widerstands. Im Netzteil mussten gleich alle neun Kondensatoren weichen, außerdem wurde die Erdung optimiert und der Deckel bedämpft. Im Verstärker schaffte es auch nur der kleinere Teil der Kondensatoren: 10 Stück wurden samt zwei Widerständen in der Class-A/B-Endstufe ersetzt, dazu die Hälfte der Kondensatoren in der Vorstufe. In der Lautstärkeregelung mussten sogar alle Sechse besseren Exemplaren weichen. Bei solchen Kondensatortunings werden vor allem Kapazitäten, Spannungs- und Temperaturfestigkeit sowie die Toleranzen durch Hörtests und Messungen optimiert. Außerdem werden beim Verstärker Teile des Gehäuses gezielt bedämpft. Ishiwata stimmte alle Änderungen mit den Rotel-Verantwortlichen ab und so waren sie bereits abgewunken, als er dann doch überraschend starb. Wie immer soll durch sein Tuning die Auflösung bei gleichzeitiger musikalischerer Darbietung gesteigert werden, Rhythmus und Timing gewinnen. Letztlich dienen das wie immer bei Ishiwata dazu, den Hörer stärker in die Musik zu involvieren und weg vom technischen Gerät zu lenken - und das eben auch schon für den kleinen Geldbeutel. Ist ihm das gelungen? Und wie! Während ich das schreibe, schüttle ich mehrfach den Kopf, in den immer noch nicht hinein möchte, dass ich es hier mit einem CD-Player und einem analogen Vollverstärker mit Phonostufe für insgesamt knapp über 1000 Euro zu tun habe, die spielen, als wären ihnen Preisklassen fast völlig egal. Kann es wirklich Zufall sein, dass ich zuerst Leonhard Cohens letztes Album „Thanks for the dance“ höre? Wahrscheinlich nicht, denn es gibt keine Zufälle. Und was machen die Rotels - ich beurteile beide als Duo und nicht einzeln - mit dem alten Herren? Sie begegnen ihm auf Augenhöhe und erweisen ihm höchsten Respekt. Cohens Stimme kommt tief aus der Mitte, wo sie zu Hause ist. Nichts lenkt vom hypnotischen Vortrag des Kanadiers ab, der sich dank eines schön und tief ausgeleuchteten Raums direkt vor mir zu befinden scheint. Die kapverdische Sängerin Mayra Andrade kommt zackig, knackig, sauber, aber nicht clean in meinen Hörraum. Die schnelleren Nummern machen richtig Spaß, hier stimmen Rhythmus und Timing perfekt. Die sehr feine Auflösung und Durchzeichnung in den Mitten geht einher mit einer Art freundlichem Ausklingen an den Frequenzenden. Die Rotels tun damit genau das Richtige: sie fokussieren auf das Wesentliche wie ein richtig guter Breitbänder, der nicht alles kann, das aber weiß und sich auf das konzentriert was er kann. Und das kommt aus der Mitte und direkt aus der Seele. Ob sie deshalb so viele feine Musikstunden ermöglicht haben – übrigens auch mit dem guten Phonoeingang? Vielleicht habe ich deshalb so viele schöne Stimmen gehört? Am Ende muss noch mal Donald Fagens Überklassiker „Nightfly“ in den CD-Player und ich bleibe bei „Maxine“ hängen: habe ich das je so gut gehört? Nochmal!

Fazit

Beim moderaten Aufpreis von deutlich weniger als 200 Euro für A11 und CD11 Tribute kann ich nur eins sagen: das ist ein Set, das man guten Freunden empfiehlt. Das Comeback der guten, alten HiFi-Anlage ist geglückt. Aber sowas von.

Preis: um 600 Euro

Ganze Bewertung anzeigen

Vollverstärker

Rotel A11 Tribute

Spitzenklasse

5.0 von 5 Sternen

08/2021 - Christian Bayer

Preis: um 450 Euro

Ganze Bewertung anzeigen

CD-Player

Rotel CD-11 Tribute

Spitzenklasse

5.0 von 5 Sternen

08/2021 - Christian Bayer

Bewertung: Rotel A11 Tribute
Klang 70%

Labor 15%

Praxis 15%

Ausstattung & technische Daten: Rotel A11 Tribute
Preis: um 600 Euro (silber / schwarz) 
Kontakt: www.gute-anlage.de 
Ausstattung
Leistung (8 Ohm): 2 x 50 Watt 
Frequenzgang: Hochpegel: 10Hz – 100kHz, ±0.5dB; Phono: 20Hz – 20kHz, ±0.5dB 
Klirrfaktor: <0.03 % (20 Hz–20 kHz) 
Geräuschspannungsabstand: Hochpegel: 100 dB; Phono: 85 dB 
Dämpfungsfaktor: 140 
Eingänge: 4 x Hochpegel Cinch; 1 x Phono MM; Bluetooth apt-X / AAC 
Ausgänge: 2 x Lautsprecher Stereo; 1 x 3,5 mm Kopfhörer 
Abmessungen (B x H x T in mm): 430 x 93 x 345 
Gewicht: 6,85 kg 
Garantie 2 Jahre 
+ sehr guter Klang 
+ günstiger Preis 
+/- + gute Ausstattung 
Klasse: Spitzenklasse 
Preis/Leistung: hervorragend 
Bewertung: Rotel CD-11 Tribute
Klang 70% :
Klang 70%

Labor 15% :
Labor 15%

Praxis 15% :
Praxis 15%

Ausstattung & technische Daten: Rotel CD-11 Tribute
Kontakt: www.gute-anlage.de 
Klirrfaktor <0.005 % (20 Hz–20 kHz) 
Rauschabstand: > 125 dB 
Wandler TI PCM5102A Delta-Sigma 32 Bit / 192 kHz 
Ausgänge: 1 x Cinch Analog; 1 x S/PDIF koaxial; Rotel-Link; RS232; 12 Volt Trigger 
Abmessungen (B x H x T in mm) 430/98/314 
Gewicht (in Kg) 5.8 
Garantie (in Jahre)
Kurz und knapp:
+ sehr guter Klang 
+ günstiger Preis 
+/- + gute Ausstattung 
Klasse Spitzenklasse 
Preis/Leistung hervorragend 
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Autor Christian Bayer
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Datum 19.08.2021, 17:30 Uhr
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