Kategorie: Aktivlautsprecher

Einzeltest: Gauder Akustik Vescova MkII


Standlautsprecher Gauder Vescova MKII

Aktivlautsprecher Gauder Akustik Vescova MkII im Test, Bild 1
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„Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert!“ Da kann ich dem Chef des A-Teams nur zustimmen: Auch im Lautsprecherbau ist ein guter, durchdachter Plan das A und O fürs Gelingen des Projekts, und wenn es im deutschen High-End-Business jemanden gibt, der sich (sehr) viele und gute Gedanken über alle möglichen Aspekte seiner Produkte macht, dann ist das wohl Dr. Roland Gauder

Ich mag es, wenn ein High-End-Hersteller sich auch Gedanken um Usability gemacht hat und es dem Besitzer seiner Lautsprecher erspart, würdelos auf dem Boden herumzukriechen, um seine neuen Schallwandler korrekt in die Waage zu bringen. Klar, eigentlich ist das kein großes Ding, jedoch ist es meistens ja die Summe der vermeintlich kleinen Dinge, die am Ende über Wohl und Wehe entscheidet. Und die Spike-Ausleger der Gauder Akustik Vescova MkII sind unter den praktischsten, die ich kenne. Sie lassen sich kinderleicht von oben drehen und fixieren, und sie sind dabei massiv gearbeitet und doch relativ wenig ausladend, sodass selbst mir Schussel schmerzhafte dynamische Berührungen mit dem kleinen Zeh erspart bleiben dürften.

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Nun aber von vorne: Die Gauder Akustik Vescova MkII ist das kleinere der beiden Standlautsprechermodelle aus der Keramikserie und das Erfolgsmodell der badenwürttembergischen Lautsprechermanufaktur. Zu haben ist die Box in so gut wie jeder Ausführung, jedoch hat man sich bei Gauder Akustik entschlossen, die beiden begehrtesten Versionen (weiß und schwarz Hochglanz) mit einer im Detail anhand der neuesten Erkenntnisse upgedateten Version zu ehren: Vorhang auf für die Gauder Vescova MkII Black Edition. Das Design der Vescova ist äußerst gefällig und elegant, nicht zuletzt wegen der sich stark nach hinten verjüngenden Form des Gehäuses. Mit 28 Kilogramm pro Lautsprecher sind die Vescova MkII Black Edition nicht gerade Leichtgewichte, was schon darauf hindeutet, dass bei den Gehäusen mit ordentlichen Wandstärken – in der Tat mehrlagig mit MDF und Tischlerplatten – gearbeitet wurde. Dazu kommt eine Sandfüllung. In der Black Edition darf sich der stolze Besitzer zudem über ein serienmäßiges Bi-Wiring-Terminal mit neuen WBT-Nextgen-0703-Klemmen, die erwähnten, ab Werk montierten schwarzen Spike-Extender, handselektierte Frequenzweichen mit noch aufwendigeren und besser klingenden Bauteilen als bisher schon und auf ebenso streng selektierte Chassis freuen. Apropos Chassis: Da gibt es ja immer noch hinlänglich viele Diskussionen über die perfekten Membranmaterialien; innere Dämpfung, Gewicht und Steifigkeit sind dabei die entscheidenden Parameter. Unglücklicherweise ist es ziemlich schwierig, alles gleichermaßen gut miteinander zu kombinieren, und die meisten Chassis opfern mehr oder weniger viel eines anderen Parameters, um in einem oder zwei Bereichen bestmögliche Ergebnisse zu erzielen. Dr. Roland Gauder, Gründer und Chef von Gauder Akustik, ist promovierter Physiker, und als solcher weiß er, dass Musiksignale (also Schallwellen) nichts anderes sind als Dichte-Impuls-„Wellen“ von Luftmolekülen. Und um Impulse möglichst präzise widergeben zu können, sind möglichst steife und leichte Membranen im Vorteil gegenüber weichen, sich potenziell stark verbiegenden Membranmaterialien wie Polypropylen. Wie dem auch sei, Roland Gauder setzt in der Vescova MkII auf für die Black Edition neu konstruierte und schwarz eingefärbte Keramik (und optional Diamant) als Chassismaterial und bedient sich aus den Regalen des deutschen Marktprimus Accuton: „Man braucht leichte, harte und steife Membranen, die diese unglaublichen Beschleunigungen ohne große Verformungen aushalten und den Impulsen folgen können. Keramik und Diamant sind hierfür ideal“, so Gauder. Um die durchaus divenhaften Chassis aus Keramik oder Diamant in Sachen Resonanzen im Zaum zu halten, setzt Gauder auf sehr steilflankige Filter, aus mehreren Gründen. Zum einen lassen sich so die Frequenzüberlappungen der Chassis minimieren, was eine bessere Kontrolle über die einzelnen Chassis erlaubt. Andererseits wird er nicht müde zu erklären, dass 6-dB-Weichen aus seiner Sicht ein Irrweg sind: „Man kann zeigen, dass ein 6-dBFilter bei Hochtönern nur dann keine Überschwinger und Frequenzgang-Ripple erzeugt, wenn man den Hochtöner unterhalb seiner Resonanzfrequenz einsetzt. Die meisten Hochtöner haben zum Beispiel ihre Resonanzfrequenz bei ungefähr 1.000 Hz. Will man ein maximal flaches Butterworth-Filter aufbauen, also eines der besten Filter, das keine Überschwinger erzeugt, dann muss man den Hochtöner bei 707 Hz einsteigen lassen, was ihn natürlich innerhalb von Sekunden zum Verbrennen bringt. Setzt man ihn wie üblich oberhalb von 3.000 Hz ein, ergibt sich ein stark überschwingendes Filter mit Tschebyscheff- Charakteristik“, so Roland Gauder. Resultat in der Vescova MkII sind Filter mit einer Flankensteilheit von über 60 dB pro Oktave – und damit ein maximal anderes Konzept als es zum Beispiel Ayon in der BlackFalcon verfolgt. Die Vescova MkII ist, ob nun mit oder ohne den Zusatz „Black Edition“, ein 2,5-Wege- Lautsprecher mit identischer Bestückung im Bass und Mitteltonbereich. Hier werkeln je Box zwei Accuton-Keramiktreiber mit einem Korbdurchmesser von 17,8 Zentimetern. Im Hochton sitzt ein 25-Millimeter- Hochtontreiber mit Keramikmembran, der ab 3.400 Hz die Federführung übernimmt. Letzterer lässt sich gegen einen nicht unerheblichen Aufpreis von 5.000 Euro auch durch eine Diamantausführung von Accuton ersetzen. Die ist natürlich auch nachrüstbar, der Frequenzbereich ist bereits entsprechend vorbereitet. Im Boden der Box sitzt ein Bassreflexrohr, das ausschließlich den reinen Basstreiber in seinem Einsatzbereich bis 120 Hz hinauf ventiliert. Das obere Chassis dagegen sitzt in einem geschlossenen Gehäuse und läuft ebenfalls bis ganz nach unten mit. Auch findet sich in der Bodenplatte der Vescova MkII ein Steckerfeld, mit dessen Hilfe sich der Bassbereich um +/- 1,5 dB auf den jeweiligen Raum anpassen lässt. In unserem Hörraum und bei freier Aufstellung im Raum passt die neutrale Stellung am besten, bei mir zu Hause (25 Quadratmeter) würde ich sicherlich zu -1,5 dB tendieren.     

Klang


Die Gauder Vescova MkII Black Edition macht dem Hörer unmittelbar klar, wes Geistes Kind sie ist: Unbestechlich neutral bis hin zur Nüchternheit enthält sie sich jeden Kommentars zur Interpretation des musikalischen Geschehens. Sie geizt weder mit Details im Mittel- und Hochton noch mit physisch spürbarem Druck im bei Bedarf knallharten und perfekt pointierten Bass. Die Raumabbildung gerät ihr äußerst präzise: Die virtuelle Bühne materialisiert sich in unserem Setting eher auf und leicht vor der Lautsprecherbasis als allzu weit dahinter, doch der kompaktnatürliche, bestens organisierte und stabile Raumeindruck mit seiner geradezu holografischen Präsenz passt bestens zum disziplinierten, zackig-knackigen Spiel der Vescova MkII Black Edition – die diffus-poetische Überhöhung von räumlichen Gegebenheiten überlässt die Vescova MkII Black Edition lieber weniger wahrheitsbehafteten Konzepten. Man nimmt einfach zu keinem Zeitpunkt auch nur den geringsten Anflug einer Laissez-faire-Attitüde wahr – die Souveränität und Kontrolle, mit der diese ja relativ kompakten Lautsprecher heftige Bassattacken (Yellos „Toy“) ins Sofa feuern, und die Intensität, mit der sie Minuten später die fragilen Klanggespinste auf Natalie Merchants „The House Carpenter’s Daughter“, Mark Hollis‘ Solo-Album und Lynni Treekrems „Haugtussa“ in die Gehörgänge schmeicheln, ist mehr als beeindruckend. Die Gauder Vescova MkII Black Edition transportieren dabei die Magie von Merchants höchst leidenschaftlich vorgetragenen Gesangsparts so sauber, ungezügelt dynamisch und intensiv, dass mir ein Schauer nach dem anderen über den Rücken läuft – und das, wie gesagt, ohne die pure Musik mit einem euphorischen Zuckerguss zu besudeln. Tonal tendieren die Gauder Vescona MkII Black Edition in der Nullstellung einen klitzekleinen Tick ins Warme, was vor allem an ihrem druckvollen und kontrollierten (Ober-) Bass liegt, der federnde Impulse mit soliden Klangkörpern vereint – auch bei heftigsten dynamischen Anforderungen und hohen Lautstärken. Ebenfalls tragen die unaufdringlich spielenden und sehr homogen an den Mittenbereich anschließenden Hochtöner dazu bei, dass die Vescova MkII niemals stressig oder gar nervig klingen. Die Abstimmung dieser Lautsprecher ist im Resultat famos langzeittauglich, ohne dass dies zulasten der Auflösung oder des Detailreichtums ginge, der insbesondere im oberen Mittelton und Präsenzbereich überzeugend ausfällt. Klasse!

Fazit

So soll es sein: Mustergültige Neutralität, unbedingte Kontrolle, hohe Belastbarkeit, unaufdringlicher Detailreichtum und verlässliche Langzeittauglichkeit vereint in einem hochattraktiven Gehäuse. Wenn das mal nicht an Schwarze Magie grenzt …

Preis: um 10098 Euro

Aktivlautsprecher

Gauder Akustik Vescova MkII


03/2019 - Michael Bruss

Ausstattung & technische Daten 
Paarpreis: 10.098 Euro (mit Diamanthochtöner 15.998 Euro) 
Vertrieb Gauder Akustik, Renningen 
Telefon +49 7159 920161 
Internet www.gauderakustik.com 
B x H x T (in mm) 21/106/41 
Garantie 10 Jahre 
Gewicht: 28 kg 
Ausführungen Klavierlack Schwarz und Weiß 
Verstärkerleistung Nein 
Fazit So soll es sein: Mustergültige Neutralität, unbedingte Kontrolle, hohe Belastbarkeit, unaufdringlicher Detailreichtum und verlässliche Langzeittauglichkeit vereint in einem hochattraktiven Gehäuse. Wenn das mal nicht an Schwarze Magie grenzt … 
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Autor Michael Bruss
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Datum 12.03.2019, 09:58 Uhr
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