Kategorie: Hifi sonstiges

Einzeltest: DSPeaker Antimode 8033 S


Resonanzkiller

Hifi sonstiges DSPeaker Antimode 8033 S im Test, Bild 1
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Jeder Hörraum hat seine individuellen Eigenschaften, welche die Musikwiedergabe jeder(!) HiFi-Anlage beeinflussen. Zu den deutlich hörbaren Raumakustik-Phänomenen gehören Raumresonanzen, die zu schwammiger, unsauberer Basswiedergabe führen. Ein kleines, schwarzes Kästchen – der DSPeaker Antimode 8033 – soll diese Problem auf Knopfdruck lösen können.

HiFi-Fans und Musikhörer kennen das Problem: An bestimmten Stellen im Raum klingen einige tiefe Frequenzen extrem laut, an anderen Stellen wiederum sind diese Töne kaum zu hören. Warum ist das so?

Raummoden


Für das genaue Verständnis des „Resonanzkillers“ Antimode 8033 brauchen wir zuerst ein wenig Theorie. Jeder Raum hat aufgrund paralleler Wände, an denen Schallwellen reflektiert werden, mehr oder wenig stark ausgeprägte Echos. Besonders bei tiefen Frequenzen unter 100 Hertz tritt zudem der Effekt auf, dass bestimmte Wellenlängen exakt in die Raumabmessungen passen und somit bei Reflexion an den Raumwänden sich genau mit sich selbst überlagern.

Hifi sonstiges DSPeaker Antimode 8033 S im Test, Bild 2Hifi sonstiges DSPeaker Antimode 8033 S im Test, Bild 3Hifi sonstiges DSPeaker Antimode 8033 S im Test, Bild 4Hifi sonstiges DSPeaker Antimode 8033 S im Test, Bild 5Hifi sonstiges DSPeaker Antimode 8033 S im Test, Bild 6
Der Akustiker spricht dabei von den Raummoden, die bei geradzahligen Vielfachen derjenigen Wellenlänge auftreten, die genau ein halbes Mal in den Raum passt. Ein Beispiel: Hat der Raum Abmessungen von 4 x 6 Metern, errechnen sich nach der Formel

Frequenz (Hz) = 344 Meter pro Sekunde / Wellenlänge (m)


Frequenzen von 86 Hz und 57,3 Hertz, die genau ein ganzes Mal in die Raumlänge bzw. Breite passen. Für die Raummoden bedeutet dies, dass jeweils bei Vielfachen von der halben Wellenlänge dieser Frequenzen Raumresonanzen (auch Moden genannt) entstehen. In unserem Beispielraum treten also Raummoden (in der Raumlänge von 6 Metern) auf bei etwa

28,6 Hz
57,3 Hz
86 Hzz
114 Hz und in der Raumbreite von 4 Metern bei etwa
43 Hz
86 Hz
129 Hz Bei diesen Frequenzen werden demnach Stellen im Raum zu finden sein, an denen sich der Schallpegel dieser Frequenzen deutlich hörbar ändert. Diese kritischen Stellen finden Sie an den Wänden, in der Raummitte, bei einem Viertel der Raumlänge (bzw. -breite) , bei einem Fünftel und Sechstel ebenso. Dieses Phänomen hat nichts(!) mit der Qualität Ihrer HiFi-Anlage zu tun, sondern ist physikalisch bedingte Eigenschaft jedes geschlossenen Raumes mit parallelen Wänden. Doch was kann man tun? 

Die Lösungen


Mit geschickter Platzierung von Lautsprechern und Hörplatz kann man dem Effekt der Raummoden effektiv entgegenwirken, allerdings ist hierzu ein wenig Akustikwissen nötig und oftmals lassen sich aufgrund der Wohnsituation die theoretisch „guten“ Lösungen in der Praxis gar nicht umsetzen. Einfacher und meist vollautomatisch arbeiten digitale Messsysteme, die oftmals in höherwertigen AV-Receivern eingebaut sind und mithilfe eines Messmikrofons die Raumakustik analysieren und später mit aufwendigen Signalprozessoren den Frequenzgang einer HiFi- oder AV-Anlage „geradebügeln“. Nicht jeder HiFi-Fan hat solch einen AV-Receiver, herkömmliche Stereo-Verstärker bieten diesen Luxus nur selten. Und externe Signalprozessoren zur Raumkorrektur kosten oftmals ein kleines Vermögen. Genau hier setzt das Produkt vom finnischen Hersteller DSPeaker an, der für vergleichsweise faire 375 Euro mit dem Antimode 8033 S die Korrektur der Raummoden verspricht, wenn ein aktiver Subwoofer in der Anlage mitspielt. Die Mono-Version 8033 C ist für 275 Euro erhältlich und ideal, wenn Verstärker einen Mono-Subwoofer-Ausgang haben.

Antimode 8033


Was dieses kleine, unscheinbare schwarze Kästchen tut, ist von der Logik recht einfach, technisch jedoch hoch anspruchsvoll. Es wird per Cinchkabel zwischen den Subwoofer-Ausgang des Verstärkers und den Eingang eines Aktiv-Subwoofer geschaltet – es kann also eingehende Frequenzen von 10 Hertz bis ca. 160 Hertz bearbeiten. Für die Stromversorgung des 8033 gehört ein Steckernetzteil zum Lieferumfang. Zum Antimode 8033 gehört zudem ein kleines Kondensator- Messmikrofon, welches man zur Raumeinmessung in die entsprechende Buchse am Antimode 8033 einstecken kann. Dank des ausreichend langen Mikrofonkabels (5 Meter) ist es egal, ob der 8033 direkt am Verstärker oder am Subwoofer aufgestellt wird, Hauptsache, das Messmikrofon wird zur Einmessungen am Hörplatz aufgebaut. Auf simplen Knopfdruck am Antimode startet die automatische Einmessung, die aus vier aufeinanderfolgenden Frequenz- Sweeps basiert. Ist die Messung beendet, ermittelt ein Signalprozessor im 8033 mit 40 Bit Rechengenauigkeit die Einstellungen für die insgesamt 24 Filter, die mit einer unglaublichen Präzision von bis zu 1/82 Oktave exakt den ermittelten Raummoden entgegenwirken. Dabei geht der Antimode laut Herstellerangaben sehr dezent und neutral vor, denn Absicht ist es nicht, den Klang der HiFi-Anlage zu verändern und gnadenlos glattzubügeln. Vielmehr sorgt sich der 8033 um die „kritischen Spitzen“ im Frequenzgang, die messerscharf gekappt werden; Eventuelle Einbrüche im Frequenzgang werden nicht aufgefüllt, da dies die Klangcharakteristik zu sehr verändern würde. Auch bietet der Antimode 8033 die Möglichkeit, an mehren Stellen im Raum zu messen und so einen guten Kompromiss für mehrere Hörplätze zu ermitteln. Wer mag, kann zusätzlich per Knopfdruck eine leichte Bassanhebung bei 25 oder 35 Hertz aktivieren. So weit, so gut in der Theorie. Wie schlägt sich der 8033 in der Praxis?

Hörraum und Messlabor


In unserem Hörraum habe ich die Probe aufs Exempel gemacht und einen kräftigen Aktiv-Subwoofer mit dem Antimode 8033 verbunden. Zusätzlich zum Messmikrofon des DSPeaker haben wir unser Akustik-Messsystem Clio samt Microtech-Geffel-Messmikro exakt am Hörplatz aufgebaut, um die Vorher-Nachher- Situation zu dokumentieren. Die automatische Einmessung des DSPeaker dauert ungefähr 5 Minuten und bedarf tatsächlich nur eines einzigen Knopfdrucks – prima! Die Vergleichsmessung der Raumakustik mit unserem professionellen Setup ergab nur geringe Änderungen im Frequenzgang des Woofers. Zwar war aufgrund der vorhanden Raumakustik die „Kurve“ des Woofers immer noch alles andere als linear, was aber normal ist (ich habe ja ausnahmsweise NICHT in unserem reflexionsfreiem Messlabor, sondern in einem echten Raum gemessen). Doch ein wenig mehr Effekt hätte ich schon erwartet. Die Erklärung dazu ist allerdings einfach und spricht für die Qualität des 8033: Unser akustisch aufwendig bedämpfter Hörraum hat so gut wie keine Raummoden oder andere störenden Effekte. Der DSPeaker hat diesen Umstand tatsächlich erkannt und meinen Testsubwoofer praktisch nicht verändert. Also zog ich mit dem gesamten Mess- und Testaufbau in den akustisch denkbar schlechtesten Raum in unserem Redaktionsgebäude: ein komplett leer stehendes Büro. Den Subwoofer stellte ich an die Wand, den Hörplatz (bzw. Messmikros) in die Raummitte. Und siehe da: Ganz fiese Peaks im Frequenzgang hat der 8033 exakt erkannt und präzise reduziert. Dass lediglich die Spitzen der offensichtlichen Raummoden gekappt werden, spricht für die sehr genaue Analyse und Filterdimensionierung des DSPeaker. Ein klassischer Equalizer hätte schlichtweg aufgrund zu großer Bandbreite der Filter die gesamte Wiedergabe des Woofers verändert und sich zu sehr ins Musikgeschehen eingemischt. Auch hat der Antimode 8033 nicht einfach einen komplett linearen Frequenzgang gezaubert, dafür wäre eine dramatische Filterwirkung vonnöten gewesen, die lediglich an anderen Stellen weitere Probleme erzeugt hätte. Tatsächlich arbeitet der Antimode 8033 wie ein routinierter Tontechniker im Studio; der nämlich setzt Equalizer nur ganz gezielt und sparsam für wirklich hörbare Probleme ein, um den ursprünglichen Klang der Instrumente möglichst wenig zu verändern.

Jetzt mit Musik


Zum Musikhören war der „Testraum“ wiederum zu schlecht, daher zog ich in einen Hörraum mit einer „durchschnittlichen“, realitätsnahen Akustik, wie sie in 90 Prozent der Wohnzimmer zu finden sein wird – mit erkennbaren Raummoden. Und ja, leider gibt es dort bei einigen wenigen Frequenzen im Bassbereich Auffälligkeiten. Ein ganz bestimmter Ton im Bass auf Adeles „Set fire to the rain“ springt einfach aus dem Gesamtklang heraus. Nicht so nach der Einmessung und Kompensation mit dem Antimode 8033. Nicht, dass dieser Ton verschwunden wäre, er ist einfach nicht mehr auffällig – wunderbar! Wer glaubt, mit diesem vermeintlichen Wunderkästchen sämtliche Akustikprobleme seines Hörraumes lösen zu können, den muss ich leider enttäuschen. Der Antimode 8033 setzt zwar technisch ausgefeilte Algorithmen ein, um extreme Raumresonanzen unter 100 Hertz zu zügeln, ersetzt jedoch nicht einen akustisch halbwegs brauchbaren Hörraum, der diffuse und absorbierende Materialien beinhalten sollte.

Fazit

Der DSPeaker Antimode 8033 S tut genau das, was sein Name verspricht: In Verbindung mit einem aktiven Subwoofer zügelt er die in praktisch allen Räumen vorhandenen Raumresonanzen auf ein unkritisches Maß. Dabei geht der Antimode 8033 sehr vorsichtig und präzise vor, mischt sich nicht in die grundsätzliche Wiedergabekurve oder gar Klangqualität eines Subwoofers ein, sondern erledigt ein sehr sinnvolles und effektives Feintuning. Dabei sind Inbetriebnahme und Bedienung des 8033 kinderleicht und erfordern keinerlei technisches Fachwissen. Vergleichbare Produkte am Markt können zwar Ähnliches, sind aber mindestens doppelt bis dreimal so teuer – für deutlich unter 400 Euro ist der DSPeaker Antimode 8033 S daher eine echte Empfehlung wert!

Preis: um 375 Euro

Ganze Bewertung anzeigen

Hifi sonstiges

DSPeaker Antimode 8033 S

Spitzenklasse

4.0 von 5 Sternen

04/2012 - Michael Voigt

Bewertung 
Klang 70%

Labor 15%

Praxis 15%

Ausstattung & technische Daten 
Kategorie Resonanzkiller 
Vertrieb AK SoundService, Eppertsheim 
Telefon 06071 303610 
Internet www.ak-soundservices.de 
Ausstattung
Abmessungen (B x H x T in mm) 0/0/80 
Gewicht (in g) 230 
Input 2 x Cinch 
Output 2 x Cinch (0° / 180°) 
Zubehör inkl. Messmikrofon, Netzteil 
Arbeitsbereich 16-145 Hz 
Filter 24 x Digitalfilter (max. 1/82 Oktave) 
Rauschabstand 91 dB (A) 
Kurz und knapp
+ extrem einfache Bedienung 
+ dezente & präzise Wirkung 
Klasse Spitzenklasse 
Preis/Leistung hervorragend 
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Dipl.-Ing. Michael Voigt
Autor Dipl.-Ing. Michael Voigt
Kontakt E-Mail
Datum 03.04.2012, 14:05 Uhr
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Topthema: DIE MUSIKTRUHE IST ZURÜCK
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