Kategorie: Kopfhörer Hifi

Einzeltest: Sennheiser HD 800


Großangriff

Kopfhörer Hifi Sennheiser HD 800 im Test, Bild 1
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Nichts anderes ist Sennheisers neues Spitzenmodell HD 800, in vielerlei Hinsicht. Sei es die neue Wandlertechnologie mit besonders großen Membranen, die schiere Masse des Kopfhörers oder schlicht das Ziel, welches Sennheiser sich selbst mit „dem Neuen“ gesteckt hat: die absolute Spitze des Kopfhörerbaus zu erreichen.

1945 im niedersächsischen Wedemark ansässigen und bis heute vor Ort fertigenden Unternehmens, dass man sich mit dem HD 800 Zeit gelassen hat. Zeit, um nicht nur ein auf den neusten Stand gebrachtes Spitzenmodell zu entwickeln. Nein, der HD 800 begann auf einem leeren Blatt Papier und mit nur einer Vorgabe: den perfekten dynamischen Kopfhörer zu bauen. Die Entwickler warfen ihre gesamte Erfahrung im Kopfhörerbau in die Waagschale, garnierten dies mit viel Experimentierfreude (und der dazugehörigen Geduld) und präsentierten das Endergebnis vor kurzer Zeit der versammelten Presse.

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Technik & Design


Das Öffnen des edlen, mit Samt ausgekleideten und weich gepolsterten Kartons erzeugt Ehrfurcht und schickt jede fummelige Plastikpackung zum Schämen in die Ecke. Schon bei kleineren Modellen setzen die Niedersachsen auf ein ansehnliches und praktisches Drumherum; hier schalten sie noch zwei Gänge rauf und machen unmissverständlich klar, dass es sich beim HD 800 um ein absolutes Spitzenprodukt handelt. Vorsichtig schälen die Finger die edle Technik aus ihrer Hülle, gleiten andächtig über Edelstahl, feines Metallgewebe, Mikrofaser und ... Kunststoff? „Ja,“, sagt Chefentwickler Axel Grell, „nur dieser hochbelastbare Spezialkunststoff erreichte das von uns angestrebte optimale Verhältnis aus Steifigkeit und Resonanzarmut.“ Offensichtlich sind Kompromisse fehl am Platz, jedes einzelne Element des HD 800 dient einem einzigen Ziel: der Reproduktion des perfekten Klangs.

Großmembran


Den Grundstein dazu legt eine revolutionäre Veränderung des Wandlerdesigns im Hörer. Im HD 800 greift die antreibende Schwingspule nicht mehr im Zentrum der Membran, sondern weiter außen an, um sie effektiv in einen inneren und einen äußeren Ring zu trennen.

Kopfhörer Hifi Sennheiser HD 800 im Test, Bild 2Kopfhörer Hifi Sennheiser HD 800 im Test, Bild 3Kopfhörer Hifi Sennheiser HD 800 im Test, Bild 4Kopfhörer Hifi Sennheiser HD 800 im Test, Bild 5
Das schafft deutlich mehr Kontrolle über ihre Bewegung. Gleichzeitig kann die Membranfläche ohne Reue vergrößert werden, was Dynamik und Basswiedergabe zugute kommt. Eingebettet in filigrane und doch ultrastabile Muscheln können die Membranen zudem nach innen wie nach außen frei „atmen“ – für die störungsfreie Wiedergabe ebenfalls nicht zu vernachlässigen. Der HD 800 ist so offen, wie ein Kopfhörer nur sein kann, seine Sitznachbarn beschallt man genüsslich mit. Für die abendliche Fernsehunterhaltung ohne Zeugen ist der neue Sennheiser aber sowieso viel zu schade, er gehört in die Hände von Musikliebhabern, die keine Kompromisse eingehen wollen. Die erfreuen sich an der speziellen Muschelform mit leicht nach vorne verschobenen und eingewinkelten Wandlern, welche die ebenfalls den Klang relevante Ohrmuschel ähnlich wie ein Lautsprecher beschallt und für ein natürlicheres Raumerlebnis sorgt. Ebenso angenehm gestaltet sich der Erstkontakt mit dem mehrfach isolierten 3-Meter-Kabel und dem massiven, exklusiv für den HD 800 in der Schweiz hergestellten Klinkenstecker. Und auch die schiere Größe des HD 800 verblüfft – da kaum ein Kopfhörer den Kopf aber ernsthaft kleidet – reine Nebensache. Zudem schmiegt sich der Sennheiser eng an das Haupt an und wirkt dank der filigranen Bauweise im Endeffekt kleiner als wuchtige Holzkonkurrenten. Zudem umhüllt der HD 800 das Ohr trotz seines gesunden Gewichts von über 400 Gramm fast behutsam. Das sehr luftige Sitzgefühl wird durch den großen Durchmesser der weichen Polster und den ausbalancierten, nicht zu hohen Anpressdruck perfektioniert.

Klang


Dass ein guter Kopfhörerverstärker für den Betrieb des HD 800 Pflicht ist, erwähne ich nur mal am Rande – den wird der Käufer sowieso haben. Und er kann gar nicht gut genug sein, denn was der HD 800 an Feininformationen herausarbeitet, ist schlicht unglaublich. Fast beiläufig findet der Kopfhörer selbst die minimalsten Nebengeräusche, von deren Existenz man bisher nicht mal wusste, und stellt sie vor dem imaginären Auge des verdutzten Hörers völlig selbstverständlich dar. Gleichzeitig bewahrt er Fein- wie Grobdynamik im perfekten Verhältnis und reproduziert Orchestertutti auch als solche. Tonal geht es ähnlich kompromisslos zu: Der HD 800 bietet alles, von abgrundtiefen Bässen bis zu den strahlenden Höhen, in absoluter Ausgewogenheit. Selbst von Kraftwerks live eingespieltem Schallwandler-Stolperstein „Die Mensch-Maschine“, welcher mit knallharter Dynamik bei bis unter 20 Hz reichenden Bässen Technik an ihre Grenzen treibt, lässt sich der HD 800 in keiner Weise beeindrucken. Das letzte Mal, dass ich dieses Stück so markerschütternd und gleichermaßen klangrein erlebt habe, kam es aus übergroßen Lautsprechern für deutlich über 100.000 Euro pro Paar. Es ist diese Lockerheit, mit welcher der Sennheiser das Geschehen zwischen seine Muscheln stellt, die am Ende am meisten beeindruckt. Vollkommen unangestrengt lösen sich die Klänge von den Membranen und schaffen ein Klangbild, welches unter Kopfhörern einmalig ist. Der HD 650? Ein toller Kopfhörer, aber gegen den HD 800 chancenlos. Selbst der legendäre „Orpheus“ – Sennheisers „Über-Kopfhörer“ von 1991 mit Elektrostaten-Wandlern und speziellem Röhren-Speiseteil – kann sich nur noch mit Mühen gegen den HD 800 behaupten, wenn überhaupt. Sofern Sie die für den HD 800 aufgerufenen 1.000 Euro für viel halten, betrachten Sie einmal das (sehr übersichtliche) Feld an Konkurrenz.

Fazit

Das Warten hat sich gelohnt: Sennheiser präsentiert mit dem HD 800 den neuen Überflieger der Kopfhörerwelt, an dem in Zukunft alle Anwärter auf den Thron vorbei müssen. Ein in allen Belangen perfekter Schallwandler mit absolut beeindruckender Klangqualität.

Preis: um 1000 Euro

Sennheiser HD 800

02/2010 - Christian Gather

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Autor Christian Gather
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Datum 22.02.2010, 13:04 Uhr
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Topthema: Norddeutsche HiFi–Tage 2022
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