Kategorie: Kopfhörerverstärker

Einzeltest: Feliks-Audio Euforia mark II


Glückliche Töne

Kopfhörerverstärker Feliks-Audio Euforia mark II im Test, Bild 1
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Ich bin bekennender Europa-Fan. Warum? Europa macht das Leben bunt und vielfältig! Ich mag italienisches Essen und französisches Savoir-vivre, ich liebe die Algarve genauso wie die Ramblas von Barcelona. Und ich mag polnische Röhren-Kopfhörerverstärker wie den Feliks-Audio Euforia mark II.

Und sorry, den separatistischeren Bestrebungen ewiger Betonköpfe kann ich überhaupt nichts abgewinnen. Die unglaublich spannende Vielfalt, die Europa bietet, kann man nur mit offenen Grenzen und einem offenen Geist genießen. Alles andere wäre meiner Meinung nach Selbstbeschränkung. Oder Beschränktheit? Und wo ich gerade dabei bin, möchte ich noch eine Lanze für unsere östlichen Nachbarn brechen. Ja, da gibt es Vorbehalte auf polnischer wie auf deutscher Seite, die man, sofern noch nicht geschehen, doch bitte endlich mal überwinden kann.

Kopfhörerverstärker Feliks-Audio Euforia mark II im Test, Bild 2Kopfhörerverstärker Feliks-Audio Euforia mark II im Test, Bild 3
Wer aus Deutschland nach Polen reist, trifft dort in den allermeisten Fällen auf freundliche, hilfsbereite Menschen, die sich über ehrliches Interesse an ihrem Land und ihrer Kultur freuen. Was bei uns nur wenige Menschen wissen ist, dass Polen auch eine sehr lebendige und innovative HiFi-Szene hat. Wer es nicht glaubt, besuche mal die Audio Video Show in Warschau (16. bis 18.11.2018). Und spätestens bei der gemeinsamen Leidenschaft zur Musik sollte man doch endlich zusammenfinden. Okay, Sie haben recht, die EAR IN ist kein politisches Magazin. Also wenden wir uns dem Euforia mark II zu.


Ausstattung

Was Feliks Audio mir da geschickt hat, ist was ziemlich Feines. Kein Wunder, denn das Unternehmen aus Lubliniec beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der Entwicklung und dem Bau von Audio-Elektronik. Es handelt sich um einen Single-Ended-OTL-Röhrenverstärker, das heißt, die Schaltung kommt ohne aufwendigen Ausgangsübertrager aus (OTL = Output Transformerless). Es gibt einige sehr ernst zu nehmende Experten, die OTL-Schaltungen für den Königsweg bei der Konstruktion von Röhrenverstärkern halten, etwa Dr. Burkhardt Schwäbe, der in glorreichen Zeiten von Grundig aufsehenerregende Röhrenverstärker konstruiert hat und maßgeblich an der Entwicklung des legendären Sennheiser Orpheus beteiligt war. Wobei Feliks-Audio das Kunststück hinbekommen hat, ein OTL-Design mit einer Single-Ended- Class-A-Schaltung der Leistungsröhren zu realisieren. Nähere Details gibt man dazu nicht preis, sondern verweist darauf, dass hier zahlreiche bei Feliks-Audio entwickelte Techniken zum Einsatz kommen. An Röhren sitzen im Euforia mark II eine 6SN7 – hier in der Version einer CV181-TII vom PsVane – und eine 6AS7G, hier kommt eine russische „New Old Stock“ (NOS – eine unbenutzte Röhre aus alter Produktion) zum Einsatz. Russisch heißt sie 6N13S. Die CV181 stellt dabei die Treiberstufe dar. Die 6N13S ist eine Doppeltriode, bei der man die beiden Triodensysteme im Single-Ended-Betrieb meist parallel schaltet. Dank der ausgeklügelten Schaltung soll der Euforia mark II Kopfhörer bis zu einer Impedanz von 32 Ohm versorgen können. Das ist eine Ansage – gewöhnlich funktionieren OTL-Verstärker nur an höheren Impedanzen gut. Damit die Röhren immer am optimalen Arbeitspunkt arbeiten, verfügt das Gerät über eine automatische Ruhestromregelung. Alterungserscheinungen der Röhren oder ein Röhrenwechsel müssen einem damit keine Sorgen machen. An Anschlüssen bietet der Euforia mark II auf der Front links neben dem zentral angeordneten Lautstärkeregler eine Buchse für einen 6,3-mm-Stereo-Klinkenstecker, auf der Rückseite finden sich ein Paar Cinchbuchsen für den Eingang sowie eines, das als Ausgang dient. Dabei wird das Signal nicht durchgeschleift, sondern durchläuft die Verstärkerschaltung und das Lautstärkepoti. Damit kann der Kopfhörerverstärker auch als Vorverstärker eingesetzt werden. Beachtenswert ist der kleine Schalter links neben dem Netzanschluss. Mit ihm kann man eine Crossfeed-Schaltung aktivieren. Dabei werden gezielt Schallanteile des rechten und des linken Stereokanals gemischt, was die bei für Kopfhörer typische Im-Kopf-Ortung mindert und für ein ähnliches Hörgefühl wie über Lautsprecher sorgen soll. Anzumerken ist noch, dass der Euforia mark II piekfein verarbeitet ist. Bei Feliks-Audio verstehen sie ihr Handwerk.

Klang

Piekfein trifft auch auf den Klang des Feliks- Audio Euforia mark II zu. Der entpuppt sich als echtes High-End-Gerät. Hier geht es längst nicht mehr um tonale Neutralität, dynamische Qualitäten oder Auflösungsvermögen. Das macht der polnische Kopfhörerverstärker aus dem Effeff perfekt. Beeindruckend ist vielmehr die Kür. Und dazu gehört, dass der Euforia mark II an jedem Kopfhörer, den ich an ihn angeschlossen habe, ein unglaublich weites und entspanntes Klangbild realisiert. Er scheint jedem einzelnen Ton, jedem Klang mehr Platz zur Entfaltung zu geben, als andere Kopfhörerverstärker das tun, auch wenn die unter den eingangs genannten Basiskriterien genauso sauber agieren. Das ist sehr gut zu hören doch schwer zu beschreiben. Ich versuche es mal mit einem völlig subjektiven Eindruck. Ich sitze hier an einem der heißesten Tage des Jahres in meinem Büro unter dem Dach des Verlagsgebäudes, es ist stickig, der Ventilator verwirbelt nur heiße Luft und die glühenden Röhren des Feliks-Audio Verstärkers machen die Sache nicht gerade besser. Doch kaum setze ich die angeschlossenen Kopfhörer auf – auf der Playlist steht gerade das Album „Niña del Fuego“ von Buika – entspannt sich die Situation. Ich fühle mich an einen Stand versetzt, vom Meer kommt ein kühlender Wind, über mir ein sternklarer Himmel. Im Schein eines Feuers singt Buika mit kehliger, eindringlicher Stimme ihre Lieder. Das hört sich wunderbar weiträumig an und doch bin ich so in diese Situation involviert, dass es sich schlagartig 10 Grad kühler anfühlt. Die Wirkung der Crossfeed-Schaltung ist gut bemessen, nicht zu stark, und bewirkt, dass sich der Klangeindruck noch mal ein wenig weitet und sich das Klangbild etwas nach vorne verlagert. Das hört sich zwar nicht wie das Hören über Lautsprecher an, mir gefällt es so aber fast besser – wozu höre ich denn über Kopfhörer?

Fazit

Was die Ausstattung und das Design betrifft, gibt sich der Feliks-Audio Euforia mark II eher minimalistisch. Klanglich ist er dafür umso beeindruckender: neutral und doch eindringlich, hoch dynamisch und gleichzeitig unheimlich entspannt.

Preis: um 2000 Euro

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Kopfhörerverstärker

Feliks-Audio Euforia mark II

Referenzklasse

4.0 von 5 Sternen

11/2018 - Martin Mertens

Bewertung 
Klang 70%

Ausstattung: 15%

Bedienung 15%

Ausstattung & technische Daten 
Preis: 2.000 Euro 
Vertrieb: AudioNext, Essen 
Internet: www.audionext.de 
B x H x T (in mm): 205/175/310 mm 
Gewicht: 6 kg 
Ausführungen: schwarz 
geeignet für: HiFi, High-End 
Eingänge: 1 x Cinch 
Ausgänge: 1 x 6,3-mm-Stereoklinke, 1 x Cinch 
Klasse: Referenzklasse 
Preis/Leistung: sehr gut 
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Dr. Martin Mertens
Autor Dr. Martin Mertens
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Datum 20.11.2018, 14:57 Uhr
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