Kategorie: Kopfhörerverstärker

Einzeltest: Harmony Design Ear 09


Mögen Schweden Dänen?

Kopfhörerverstärker Harmony Design Ear 09 im Test, Bild 1
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Das Erscheinungsbild des Harmony Design Ear 09 ist so geradlinig, so gekonnt schlicht, dass ich gleich „dänisches Design“ denke. Dabei kommt der wunderschöne Kopfhörerverstärker aus Schweden. Hoffentlich gibt es da keine Feindschaften, sonst mache ich mich unbeliebt ...

Unter den Herstellern von Kopfhörerverstärkern ist die schwedische Firma Harmony Design eine feste Größe. Die Firmengeschichte reicht mehrere Dekaden, wenn man will, bis in die 1960er-Jahre, zurück. Kopfhörerverstärker bildeten die Grundlage des Erfolgs, den Harmony Design mit Elektronikkomponenten hat, seit der aktuelle Firmeninhaber Mattias Stridbeck die Firma von seinem Vater übernommen hat. Nicht nur in Schweden, auch europaweit. Am Anfang stand das Modell Ear 90, das kurz nach der Jahrtausendwende auf den Markt kam – eine beachtliche Zeit, bevor Kopfhörer ihre aktuelle Popularität hatten.
Kopfhörerverstärker Harmony Design Ear 09 im Test, Bild 2Kopfhörerverstärker Harmony Design Ear 09 im Test, Bild 3
Recht schnell folgte das Einstiegsmodell Ear 9, das bis vor Kurzem, hauptsächlich auf Betreiben des deutschen Vertriebs, für den hiesigen Markt als Ear 9 ltd. produziert wurde. Nachdem Harmony Design in den letzten Jahren die Modelle Ear 903 und 

Ear 90 MKII herausgebracht und dabei neue Schaltungsdesigns mit aktuellen Operationsverstärkern entwickelt hat, war es wohl endgültig an der Zeit, den Ear 9 ltd. durch ein moderneres Modell zu ersetzen. Der hier vorgestellte Ear 09 ist der legitime Nachfolger des langjährigen Einstiegsmodells.


Ausstattung

Auf der Homepage von Harmony Design argumentiert Mattias Stridbeck ausgiebig über die Vorteile einer symmetrische Signalverarbeitung und eines entsprechend komplett symmetrischen Schaltungslayouts. Und viele seiner Geräte sind konsequent vom Eingang bis zum Kopfhörerausgang symmetrisch ge

baut. Beeindruckendes Beispiel ist hier sein Kopfhörerverstärker Spitzenmodell Ear 909 ltd. (vgl. EAR IN 10/2014) Der „kleine“ Ear 09 muss dagegen mit einer konventionellen Schaltung auskommen. Der Aufwand, den eine symmetrische Schaltung bedeutet, war bei einem begrenzten Budget wohl einfach nicht zu realisieren. Die Folge ist, dass es auf der Rückseite des Ear 09 lediglich ein Paar Cinchbuchsen für ein unsymmetrisches Eingangssignal gibt. Symmetrische Eingänge in Form von XLR-Buchsen sind den großen Modellen vorbehalten. Dass die Rückseite bis auf die Kaltgerätebuchse für das Netzkabel leer ist, ist auch der Tatsache zu verdanken, dass Harmony Design den Kopfhörerausgang auf die Vorderseite des Gerätes verlegt hat. Ja, richtig, beim Vorgänger, dem Ear 9 ltd. und einigen anderen Modellen sitzen die Kopfhöreranschlüsse auf der Rückseite. Wenn man sowieso immer mit ein und demselben Kopfhörer hört, ist das die ästhetisch und praktisch sinnvollere Lösung. Der aus dem Gerät herausragende Stecker samt Kabel ist nicht im Weg und baumelt nicht störend vor anderen Komponenten der Anlage herum und so schön sind die meisten Kopfhörerstecker samt Kabeln auch nicht. Doch da der Trend bei Kopfhörerfans ja mittlerweile zum Zweit-, Dritt- und was-weiß-ich-wie-vielten Kopfhörer geht, war die Entscheidung, die Kopfhörerbuchse beim Ear 09 auf die Front zu verlegen, eine richtige. Dort teilt er sich den Platz mit dem Netzschalter, der LED zur Anzeige der Betriebsbereitschaft und dem Lautstärkeregler.


Klang

Apropos Zweitkopfhörer. Beim Durchhören des Harmony Designs Ear 09 habe ich, wie ich das bei Kopfhörerverstärkern immer mache, neben meinen vertrauten „Referenzkopfhörern“ viele möglichst unterschiedliche Kopfhörer angeschlossen. Das vermittelt meist einen guten Eindruck davon, ob ein Kopfhörerverstärker irgendwelche „Vorlieben“ hat, die natürlich letztendlich technisch bedingt sind. Manche Verstärker, wie etwa viele Röhrenverstärker, vertragen sich weniger gut mit Kopfhörern mit niedriger Impedanz, andere, vor allem mobile Geräte, haben dagegen Probleme, Kopfhörer mit hoher Impedanz zu treiben. Außerdem zeigt der Test mit vielen Kopfhörern, die unterschiedliche Wirkungsgrade haben, ob der Verstärkungsfaktor und der Regelbereich der Lautstärkeregelung praxisgerecht ausgelegt sind. Der Ear 09 spielte mit allen angeschlossenen Kopfhörern einwandfrei. Wobei ich allerdings den Eindruck hatte, dass er mit Kopfhörern mittlerer bis hoher Impedanz, sagen wir mal ab 100 Ohm, einen Hauch besser klarkommt. Ja, auch an einem Magnetostaten mit 18 Ohm macht der schwedische Beau richtig Laune, löst filigran auf, gibt sich tonal neutral und weiß sowohl grobdynamisch wie auch mit Feingeist zu überzeugen. Mit eher klassisch ausgelegten Kopfhörern wie dem auf dem Aufmacherfoto abgebildeten Sennheiser HD 660 S (150 Ohm) oder einem Beyerdynamic DT 1990 Pro (250 Ohm) legt er in den unteren Lagen allerdings noch eine Nuance an Kontrolle und Substanz zu. Es ist keinesfalls so, dass ich die an einem MrSpeakers Ether Flow (23 Ohm) vermissen würde. Doch wenn sie da sind, wirkt das wunderbar klar aufgelöste und dynamisch spritzige Klangbild wenige Grade fester, substanzieller, übertrieben gesagt einen Hauch satter. Letztendlich ist auch das eine Geschmackssache: Der eine bevorzugt ein etwas schlankeres Klangbild, der andere mag es etwas kräftiger. Wobei sich die klangliche Varianz beim Ear 09 wirklich nur in Nuancen abspielt. Über alles betrachtet ist der Harmony Design Ear 09 ein hervorragender Kopfhörerverstärker, den ich vorbehaltlos empfehlen kann, und ein würdiger Nachfolger für den beliebten Ear 9 ltd.

Fazit

Der Harmony Design Ear 09 ist ein hervorragend klingender, exzellent verarbeiteter Kopfhörerverstärker mit dem Zeug zur Designikone.

Kategorie: Kopfhörerverstärker

Produkt: Harmony Design Ear 09

Preis: um 650 Euro


4/2019
4.0 von 5 Sternen

Spitzenklasse
Harmony Design Ear 09

Bewertung 
Klang 70%

Ausstattung: 15%

Bedienung 15%

Ausstattung & technische Daten 
Preis: 650 Euro 
Vertrieb: Applied Acoustics, Berlin 
Internet: www.applied-acoustics.de/ 
Abmessungen (B x H x T in mm): 245/55/220 
Gewicht: 1,95 kg 
Ausführungen: Silber oder Schwarz 
geeignet für: HiFi, High End 
Anschlüsse:
Eingänge: 1 x Cinch 
Ausgänge: 1 x 6,3-mm-Stereo-Klinkenbuchse 
Klasse: Spitzenklasse 
Preis/Leistung: sehr gut 
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Dr. Martin Mertens
Autor Dr. Martin Mertens
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Datum 16.04.2019, 10:03 Uhr
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