Kategorie: Lautsprecher Stereo

Einzeltest: Burmester B18


Schöner hören für Erwachsene

Lautsprecher Stereo Burmester B18 im Test, Bild 1
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Was super aussieht, kann auch super klingen. Die Burmester B18 ist vielleicht das attraktivste Lautsprecherangebot, das die Berliner je gemacht haben

2017 ist das Jahr vieler Audio-Jubiläen und so feiert auch Burmester seinen 40. Geburtstag. Dieter Burmester hat High End aus Deutschland weltweit bekannt und salonfähig gemacht. Nur verbindet man die Marke in erster Linie mit Verstärkern und dann erst mit Lautsprechern. Mir ging es ebenso und offen gestanden hat sich das erst geändert, als ich die Gelegenheit hatte, mich etwas intensiver mit der Phase-3-Anlage und ihren hervorragenden Lautsprechern zu beschäftigen. Nach der Premiere der B18 im vergangenen Jahr auf den Westdeutschen HiFi-Tagen wollte ich dann sofort einen Bericht über diese Lautsprecher schreiben, weil sie mich klanglich von Anfang an überzeugt haben. Nun ist es endlich so weit. Man erkennt die B18 eigentlich sofort als Burmester-Produkt: rank, schlank, elegant, mit zeitlos klaren Formen.

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Ich würde sie als Designobjekt bezeichnen, das sich in praktisch jede Wohnumgebung ausgezeichnet integrieren lässt. Doch die B18 kann nicht nur visuell punkten, sie tritt selbstbewusst als bis dato preislich attraktivste Standbox der Berliner in einem hart umkämpften Marktsegment an. Ich habe aber nicht den geringsten Zweifel daran, dass sie sich dort auch behaupten wird. Bei seiner Chassisbestückung unterscheidet sich dieser 2,5-Wege- Standlautsprecher in einem Punkt von fast allen anderen Burmester-Modellen: beim Verzicht auf den AMT-Hochtöner. Stattdessen wird wie in der B10 ab 2300 Hz ein Ringradiator mit sehr leichter Titanmembran und einem besonders kräftigen Neodym-Magneten eingesetzt. Das soll für gute Feindynamik, optimale Transparenz und Auflösung sorgen, was ich absolut bestätigen kann. Ich habe den freien, transparenten, luftigen Klang des Magnetostaten nicht vermisst. Darunter arbeitet ein 17-Zentimeter-Mitteltöner, dessen Membran aus einem Glasfasergemisch besteht, sowie ein gleich großer Bass, der das Duo bis 400 Hz unterstützt. Die Chassis sind wie der gesamte Lautsprecher konstruktiv eine Weiterentwicklung der kompakten B10 mit dem Ziel, ein optimiertes Impulsverhalten und natürlich eine größere Ausdehnung im Bass zu erzielen. Alle Treiber werden nach Burmester-Vorgaben exklusiv von einem Partner gefertigt, mit dem die Berliner auch im Automotive-Bereich erfolgreich zusammenarbeiten. Jedes Chassis hat zudem ein eigenes Gehäuse, wodurch sie sich gegenseitig nicht negativ beeinflussen können. Auch die Weiche sitzt in ihrer eigenen Kammer, was ihr lästige Mikrofonieeffekte erspart. Sie ist auf kurze Ausschwingvorgänge und optimales Impulsverhalten hin optimiert worden und bedient sich einer Mischung aus Filtern 2. Ordnung und Saugkreisen mit möglichst wenigen Bauteilen und geringsten Innenwiderständen im Signalweg. Das eigentliche Lautsprechergehäuse ist aus einem Verbund von Stahl, MDF und einem nicht näher bezeichnetem Kunststoff gefertigt. In Verbindung mit der Frontplatte aus einem massiven, verwindungssteifen Aluminium-MDF-Sandwich, die von der B10 bekannt ist, und gezielten Verstrebungen im Inneren ließ sich eine besonders hohe innere Dämpfung erreichen. Der Sockel ist vom eigentlichen Gehäuse entkoppelt und bleibt auch bei höheren Pegeln nahezu vollständig von Körperschall isoliert. Spikes braucht es bei dieser Lösung nicht, wer unbedingt möchte, kann aber welche eindrehen. Zusätzlich zur mechanischen Bedämpfung des Bassreflexkanals durch einen Schaumstoffzylinder hat die B18 einen praktischen 2-stufigen Bassschalter zur Anpassung an räumliche Gegebenheiten und den persönlichen Hörgeschmack. Ich habe am liebsten ohne Schaumstoff und mit Bassanhebung gehört. Die B18 lässt sich leicht aufstellen, muss nur etwas eingewinkelt werden und rastet dann akustisch schnell ein. Sie hat ein sehr gutes Rundstrahlverhalten und spielt auch leise schon vollwertig. Minimalst präsenzbetont mag sie eher etwas wärmer abgestimmte Amps wie den Musical Fidelity M6i. Und ich mag diesen Lautsprecher richtig gerne, was sicher auch etwas mit meinem Alter und meiner Erfahrung zu tun hat. Wenn man sich die akustischen Hörner an vielen scheinbar originellen Konzepten abgestoßen hat, gibt es einen Moment, an dem man das vermeintlich Konventionelle zu schätzen beginnt. Und genau das fasziniert mich immer wieder an unserer Audiowelt: Hersteller propagieren teilweise diametral auseinander liegende Philosophien und kommen dennoch alle ins Ziel, manche sogar gleichzeitig. Doch genug davon – wie klingt sie jetzt, die B18? Wenig überraschend war das klangliche Entwicklungsziel bei der B18 laut Entwicklungschef Martin Lorenz: „Eine homogene neutrale Wiedergabe, die das richtige Maß an Durchzeichnung, Transparenz und Tiefenstaffelung ergibt. Zusätzlich sollte der Lautsprecher im Bassbereich trotz kompakter Abmaße nichts vermissen lassen.“ Punktlandung würde ich sagen, wobei die B18 einen Heidenspaß macht und Neutralität hier goldrichtig verstanden wurde. Den Anfang macht Ryan Adams mit „Cienaga Smile“ von seinem vielleicht besten Album „Gold“. Das intensive Gitarrenstrumming baut feinhypnotisch die Stimmung auf, über die sich Adams’ Stimme legt. Auffällig und sehr einnehmend ist eine Art von Räumlichkeit, die jede künstliche Raumanmutung vermissen lässt und den Eindruck erweckt, dass die Lautsprecher wirklich das abbilden, was auch aufgenommen wurde. „Sultans of Swing“, der erste große Hit der Dire Straits, war eine Art Schock für mich, als ich das Stück irgendwann 1978 zum ersten Mal im Radio gehört habe. Ich dachte, das müsse Musik von Außerirdischen sein, denn es gab nichts auch nur im Entferntesten Vergleichbares zu Mark Knopflers lässigem Stratocaster-Swing, den er später leider aufgab. Und genau in diesen Gefühlsrahmen fühle ich mich wieder zurück, was nun wirklich nicht jeder Schallwandler zu leisten in der Lage ist. Noch ein Lieblingsalbum: Ry Cooders „Bop Til You Drop“ ist sowohl klanglich als auch musikalisch eine Jahrhundertaufnahme. „Go Home, Girl“ perlt so was von fluffi g aus den B18, das An- und Abschwellen der Noten klingt so licht, so klar, frisch und unverfärbt, dass ich beginne, mich in diesen Lautsprecher zu verlieben. Nichts verschmiert, wenn bei „The Very Thing“ die Instrumente nacheinander einsetzen und sich dieser göttliche Rhythmus von Bassist Tim Drummond und Schlagzeuger Jim Keltner aufbaut: „so geht Highend“, schießt es mir durch den Kopf. Dasselbe erlebe ich bei „Look at Granny Run Run“ oder „Trouble You Can’t Fool Me“. Wieder packt mich so ein verschleppter Groove mit diesen traumwandlerischen Rhythmusakzenten, Cooders Leadgitarre und den wunderschönen Backgroundvocals, angeführt von Bobby King und garniert mit über raschenden Beckenakzenten von Jim Keltner. Das klingt so schön, so differenziert, so gut auf- und gleich wieder musikalisch eingelöst, dass ich an diesem wunderschönen Novembertag einfach weiterhöre, bis die Sonne untergeht – und darüber hinaus. Weil es so eine Freude macht, mit einem Lautsprecher dieser Qualität Musik hören zu können. Zugegeben, manchmal lieben wir es – übertragen gesprochen –, im Dreck zu spielen. Aber wenn man erwachsen geworden ist, ausgeschlafen, geduscht und frisch angezogen und sich ernsthaft so einen Lautsprecher anhört – dann ist das nichts weniger als ein großer Genuss. Und dazu noch ein bezahlbarer.

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Fazit

Die Burmester B18 ist eine akustische Lupe, ein großer Monitor, der zudem noch riesigen Hörspaß bereitet. Ein großer Wurf.

Preis: um 7800 Euro

Burmester B18

07/2018 - Hans Heid

Ausstattung & technische Daten 
Paarpreis 7.800 Euro 
Vertrieb Burmester Berlin 
Telefon 030 7879680 
Internet www.burmester.de 
Garantie 5 Jahre (bei Registrierung) 
Abmessungen (D x H) 20.4 x 105.6 / 39.5 cm 
Gewicht: 34,8 kg 
Fazit Die Burmester B18 ist eine akustische Lupe, ein großer Monitor, der zudem noch riesigen Hörspaß bereitet. Ein großer Wurf. 
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Autor Hans Heid
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Datum 28.07.2018, 09:59 Uhr
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Topthema: Norddeutsche HiFi–Tage 2022
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