Kategorie: Lautsprecher Stereo

Einzeltest: Cube Audio Nenuphar Mini


Breitbandlautsprecher extrem

Lautsprecher Stereo Cube Audio Nenuphar Mini im Test, Bild 1
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Sie müssen jetzt ganz tapfer sein. Das hier, das ist ein Lautsprecher, der mit einer Vielzahl von Konventionen bricht, richtig viel Geld kostet und beileibe nicht die richtige Lösung für Jeden ist. Wenn’s aber passt, dann ist man im HiFi-Himmel angekommen

Eigentlich sollte ich Ihnen raten, sich bei der Suche nach einem neuen Lautsprecher mit den aktuellen Modellen der einschlägig bekannten Boxengroßisten umzusehen. Die haben mit ihren Produkten mittlerweile einen so hohen Qualitätsstandard erreicht, dass noch nicht einmal mehr der Selbstbau einer konventionellen Standbox lohnt. Allerdings gebe ich zu, dass das eine ziemlich pragmatische Herangehensweise ans Thema ist und die liegt nicht jedem. Manche Zeitgenossen suchen die Herausforderung und wollen das Besondere. Koste es was es wollen. Kosten tut es in diesem Falle 12900 Euro pro Paar und ist so besonders, dass man lange nach Vergleichbarem suchen muss.

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Die Nenuphar Mini ist ein Produkt des noch relativ jungen Herstellers Cube Audio aus Polen. Jener zeichnet sich dadurch aus, dass er sich mit Haut und Haaren dem Archetypus aller Lautsprdcher verschrieben hat, nämlich dem Full-Range-Breitbänder. Soll heißen: Hier obliegt es einem einzigen Treiber, den gesamten musikalisch relevanten Frequenzbereich wiederzugeben. Die heutzutage praktisch obligatorische Aufteilung des Geschehens in zwei, drei oder noch mehr Wege entfällt. Okay, Cube Audio hat auch Modelle mit Subwooferunterstützung, den Kern bildet aber immer ein Breitbänder. Diese Preziosen sind wahre Extremisten in Sachen Konstruktion, Cube Audio baut alle Treiber in Eigenregie. Eigentlich versteht man sich hauptsächlich als Treiberhersteller und verkauft die Preziosen auch einzeln. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es Modelle mit acht und zehn Zoll Durchmesser, es wurden aber schon Prototypen eines 15-Zoll-Typen gesichtet. In der Standbox Nenuphar Mini steckt eines der aufwändigsten Chassis von Cube Audio mit dem Namen F8 Neo, das Flaggschiff unter den Acht-Zoll-Typen. Man kann ein Paar davon für 5500 Euro auch ohne Lautsprecherbox drum herum erwerben, falls man für die Konzeption eines passenden Gehäuses seine eigenen Vorstellungen hat.

Bei der Nenuphar Mini stecken die Leckereien in meterhohen Standboxen, deren Besonderheiten sich nicht auf den ersten Blick erschließen. Der Lautsprecher muss ein wenig nach hinten geneigt betrieben werden, die Box „atmet“ nämlich über eine Öffnung im Boden. Das Gehäusevolumen wird mittels einer schrägen Trennwand in zwei Abschnitte einer sich zum Boden hin erweiternden „Leitung“ unterteilt. Der Treiber strahlt ziemlich weit am Anfang in diese Leitung ein. Der Hersteller nennt diese Anordnung eine TQWT – „Tapered Quarter Wave Tube“, zu Deutsch in etwa „konisches Viertelwellenlängenrohr“. An dieser Stelle muss ich allerdings mein Veto einlegen, dem Nenuphar-Mini-Gehäuse fehlt nämlich am Ende der Leitung die Querschnittsreduktion – wenn Sie so wollen, eine Bassreflexöffnung – um den Vorgaben des TQWT-Prinzips zu genügen. So wie ich das sehe, haben wir es mit einem lupenreinen einmal gefalteten Horngehäuse zu tun, das gegen den Boden strahlt, was die Messungen der Box auch bestätigen.

Das definierte Kippen des Gehäuses besorgen zwei nadelscharfe Spikes, für die man auf alle Fälle passende Untersetzer benutzen will, zumal man an der Positionierung des Lautsprechers öfter wird arbeiten müssen. Weil: Einfach so hinstellen und Musik hören – das ist bei einem so extremen Konzept wie diesem hier nicht. Die Box hat Charakter, und dem sollte man im Betrieb Rechnung tragen. Jener Umstand resultiert aus zwei Dingen: erstens dem völligen Fehlen jeglicher Form von elektrischer Filterung und zweitens dem ziemlich extremen Treiber. Jener ist nun wirklich ein prächtiges Stück Lautsprecherbau und vereinigt viele Merkmale aus der Frühzeit des Lautsprechers an sich mit sehr modernen technischen Elementen. Die Membran zum Beispiel ist tatsächlich vierteilig. Neben dem großen Konus für die tiefen Töne gibt es noch drei „Schwirrkonusse“, die die Hochtonwiedergabe in unterschiedlichen Bereichen unterstützen sollen. Ohne so etwas wäre der Treiber nicht zu nennenswerter Wiedergabe hoher Frequenzen geeignet. Die Membranen bestehen aus sehr steifem Papier. Den Antrieb dieses Ensembles besorgt eine stattliche Ansammlung von 81 zylindrischen Neodymmagneten, Stahlplatten auf beiden Seiten fokussieren deren Energie dort, wo sie wirken soll. Die sehr kurze Schwingspule des bewegt sich immer komplett im Magnetfeld dieser Anordnung, man nennt das einen „Unterhangantrieb“ Sein Hauptvorteil ist die geringe Masse, die der bewegliche Teil davon auf die Waage bringt.

Ebenfalls hoch interessant: die Zentrierspinne, die den Schwingspulenträger an Ort und Stelle hält. Hier gibt’s keine der üblichen geriffelten Gewebemodelle, sondern die schon fast sprichwörtliche gesägte Pertinaxspinne, eine Art flacher Feder aus Hartpapier, die viel weniger Dämpfung hat als übliche Konstruktionen. All das steckt in einer mehrteiligen geschraubten Korbkonstruktion. Nicht ein Teil dieses zweifellos hoch spannende Treibers stammt aus den Regalen der Lautsprecherindustrie, hier ist jede einzelne Komponente eine Sonderanfertigung.

So einen Treiber zu bauen ist eine Kunst und das noch viel mehr, wenn man ihn ohne Filterung betreiben will. Dann muss man nämlich Sorgen dafür tragen, dass der praktisch unvermeidliche Frequenzganganstieg zu hohen Pegeln hin nicht unerfreuliche Dimensionen annimmt. Das hat Cube Audio alles in allem sehr gut hinbekommen.

Ja, richtig. Wir hatten den Cube Audio- Achtzöller schon vor geraumer Zeit unter der Ägide unseres Selbstbaumagazins Klang + Ton in der Mache. Sprich: Wir hatten ein Paar dieser außergewöhnlichen Treiber vor dem Mikrophon, haben die akribisch vermessen, analysiert und für durchaus spannend befunden. An der Realisation eines Projektes damit allerdings sind wir irgendwie gescheitert, weil uns nichts dem Preisschild angemessen Außergewöhnliches dazu eingefallen ist. Die Nenuphar Mini nun lässt mich ein wenig beschämt aus der Wäsche gucken. Technisch ist sie eigentlich keine Sensa tion, sondern ein solides Standardkonzept, in der sich der Breitbänder offenbar wohl fühlt. Aber sie ist eben nicht das große sensationelle Ding, das hier eigentlich angemessen wäre. Der Witz an der Sache ist: Das tut offenbar auch nicht Not, es spielt nämlich auch so schlicht fantastisch., wenn man sich der besonderen Klangästhetik dieses Lautsprechers einfach hingibt. Und sich von der vollkommen geschlossenen und selbstverständlichen Leichtigkeit des minimalistischen Konzeptes in den Bann ziehen lässt. Was ziemlich schnell geht. Die Nenuphar Mini ist zwar kein echtes Wirkungsgradwunder, braucht aber nicht viel Leistung, so das eine Vielzahl von Verstärkern in Betracht kommt. Der Hersteller hat eine Liste mit geeigneten Kandidaten veröffentlicht, in der viele illustre Namen und Konzepte vertreten sind, von 300B-Röhreneintaktern bis hin zu Schaltverstärkern aus modernen Multimedialösungen. Ich lassen den Job zunächst den wunderbaren Hybrid „Collector’s Edition“ von Silvercore machen, das passt perfekt. Der Trick bei der Nenuphar Mini ist der Winkel, mit dem sie in Richtung Zuhörer strahlen. Gerade aufs Ohr – das ist eindeutig zuviel Präsenzbereich. In den meisten Fällen kommt man mit einer fast parallelen Ausrichtung bestens zurecht und die tonalen Verhältnisse passen bestens. Dieser Lautsprecher ist ein Schatzkiste, in dem unendlich viele Details stecken, der eine wunderbar souveräne Bühne aufspannt und den Zuhörer ganz tief und selbstverständlich in die Musik zieht. Ja, es gibt Einschränkungen beim Maximalpegel und in Sachen Bassausdehnung, aber die verlieren schlagartig an Bedeutung, wenn Musik spielt. Wenn zum Beispiel Anouar Brahems Saitenanrisse völlig ansatzlos im Raum explodieren und Jack DeJonettes Beckentupfer wie von Geisterhand leicht und flüssig daneben Platz nehmen. Alle Musiker auf „Blue Maqams“ präsentieren sich unglaublich locker und unangestrengt. Die Nenuphar Mini lässt uns so tief ins Geschehen eindringen, wie ich es selten erlebt habe. Nina Simones Gänsehaut- Perfrmance bei ihrem Carnegie-Hall- Konzert begeistert mindestens genau so. Bei Bill Evans live eingfangenem Klavier drehe ich die Lautsprecher noch etwas weiter nach außen, dann stimmt auch hie der Ton. Der bruchlosen Abbildung der Nenuphar Mini tut das keinen Abbruch, die Mittenordnung funktioniert nach wie vor perfekt. So, und jetzt lassen Sie mich bitte in Ruhe hier und besorgen sich gefälligste einen eigenen Hörtermin mit der Nenuphar Mini. Ich muss derweil noch ganz viele Platten auflegen.

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Fazit

Keinerlei Filterung, Breitband pur: Selten ging dieser minimalistische Ansatz so hervorragend auf wie bei der Nenuphar Mini. Für den puren Musikgenuss gibt’s kaum Überzeugenderes

Preis: um 12900 Euro

Lautsprecher Stereo

Cube Audio Nenuphar Mini


09/2021 - Holger Barske

 
Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb KlangLoft MĂŒnchen mediabit GmbH, Aschheim 
Telefon 089 96058981 
Internet klangloft.de 
Garantie 2 Jahre 
B x H x T 250 x 1000 x 400 mm 
Gewicht: ca. 30 kg 
Unterm Strich... Keinerlei Filterung, Breitband pur: Selten ging dieser minimalistische Ansatz so hervorragend auf wie bei der Nenuphar Mini. FĂŒr den puren Musikgenuss gibt’s kaum Überzeugenderes. 
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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 27.09.2021, 10:03 Uhr
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