Kategorie: Lautsprecher Stereo

Einzeltest: Hornmanufaktur Marimba


Jennersdorfer Spezialitäten

Lautsprecher Stereo Hornmanufaktur Marimba im Test, Bild 1
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Gerald Hüpfel, Chef und Mastermind der im österreichischen Jennersdorf ansässigen Hornmanufaktur, ist offensichtlich Überzeugungstäter. Seit Jahren entwickelt und produziert er Hornlautsprecher, die in vielen Punkten gegen den Mainstream schwimmen. Auch seine jüngste, Marimba getaufte Konstruktion, weist einige Besonderheiten auf

Eine Marimba ist ein auf afrikanische Vorläufer zurückgehendes Musikinstrument, das ähnlich wie das bekanntere Xylophon aufgebaut ist. Der Name selber geht wieder auf eine afrikanische Göttin zurück – ursprünglich eine Frau, die aufgrund ihrer Verdienste um die Musik unsterblich wurde. Warum Gerald Hüpfel diesen Namen gewählt hat? Keine Ahnung. Denn im Gegensatz zu den konstruktiven Aspekten seiner Lautsprecher, die er konsequent pflegt und weiterentwickelt, wirkt die Namensgebung seiner Konstruktionen eher willkürlich.

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Die reicht von A90 und A100 über Aurora und Eurydike bis eben zu Marimba.

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Backloaded Horn und Breitbänder

Konstruktiv handelt es sich bei den Marimba natürlich um Hornlautsprecher, genauer um Backloadedhörner, in denen ein Breitband-Chassis für den gesamten oder zumindest für den größten Teil der Wiedergabe des Audio-Frequenzspektrums zuständig ist. Das ist allen Lautsprechern der Hornmanufaktur gemeinsam. Unterschiede gibt es im Wesentlichen bei den eingesetzten Breitbändern, die mal alleine, mal mit Unterstützung durch einen Superhochtöner eingesetzt werden. Bei den Horngehäusen verfolgt Gerald Hüpfel zwei verschiedene Ansätze. Mal lässt er die Hornöffnung nach vorne abstrahlen, baut dann aber eine Art akustischen Widerstand vor dem Hornmund ein, um die Ankopplung zwischen Hornmund und Hörraum zu optimieren. Oder er lässt die Hornöffnung hinten münden, wo die rückwärtigen Zimmerwände diese Ankopplung übernehmen und das Horn quasi vergrößern. Die Marimba arbeiten mit einem 8 Zoll großen Breitbänder, in dessen Rücken ein 2,6 Meter langes Basshorn sitzt, das nach hinten abstrahlt. Das Chassis arbeitet ungefi ltert bis zu seiner konstruktionsbedingten Grenze, die bei etwa 17 kHz liegt. Darüber erhält es Unterstützung durch einen rechteckigen magnetostatischen Hochtöner, der ungewöhnlicherweise quer eingebaut ist. Hüpfel sagt, durch die ungewöhnliche Einbauposition gelänge ihm eine bessere Phasenlage bei der Ankopplung an den Tieftöner. Dem Superhochtöner ist ein Kondensator vorgeschaltet, der tiefe Frequenzen, die ihn überfordern würden, herausfiltert. Der Breitbänder hängt dagegen unmittelbar und ungefiltert am Verstärker. Dass die Gehäuse mit einer Höhe von gerade mal 106 x 30 x 34/47 (oben/unten) cm für ein Basshorn recht zierlich ausfallen liegt daran, dass Gerald Hüpfel die Öffnung des Horns einer hyperbolischen Funktion folgen lässt, bei der sich der Hornquerschnitt zuerst nur sehr langsam vergrößert. Um die irgendwann erforderliche große Mundfläche zu realisieren, bezieht er, wie gesagt, den Hörraum ein – Fußboden und rückwärtige Zimmerwand sowie ggf. die Seitenwände werden quasi ein Teil des Hornmundes. Den Breitbänder bezieht die Hornmanufaktur vom französischen Spezialisten EMS. Er hat eine vergleichsweise hohe Impedanz von 16 Ohm, was die Marimba für den Betrieb an Röhrenendstufen interessant macht. Aufgrund ihres durchschnittlichen Wirkungsgrades sind Kleinleistungsröhren jedoch nicht zu empfehlen; ein paar mehr Röhrenwatt dürfen es schon sein. Die Impedanz sinkt im Hochton auf knapp 5 Ohm, da hier aber keine Leistung gefordert ist, macht das dem Röhrenverstärker wenig. Im Gegenteil könnte das den sehr frischen Hochton, den die Frequenzgangmessung verspricht, ein wenig zügeln. Ein Gehäuse mit einem so aufwendigen Innenleben wie ein Horngehäuse ist für jeden Schreiner eine Herausforderung. Kein Wunder, dass die äußere Erscheinung das Können des Schreiners widerspiegelt: Mit ihrer weißen Hochglanz-Front und dem in ein Furnier aus astiger Eiche gewandeten restlichen Gehäuse sehen die Marimba für meinen Geschmack unglaublich gut aus. Wer andere Vorstellungen von der Gehäusegestaltung hat, kann seine Wünsche äußern. Schließlich ist die Hornmanufaktur ein Manufakturbetrieb, bei dem jeder Lautsprecher individuell gefertigt wird. Dadurch können fast sämtliche Wünsche, ggf. gegen einen entsprechenden Aufpreis, erfüllt werden. Ansonsten ist noch bemerkenswert, dass die Marimba serienmäßig mit Rollen geliefert wird. Laut Gerald Hüpfel entkoppeln die Rollen die Lautsprecher so gut wie Spikes vom Untergrund, bieten aber den Vorteil, dass man sie leicht verschieben kann.

Ohren anlegen

Im Hörtest beeindrucken die Hornmanufaktur Marimba sofort mit dem, was man von Breitbändern erwartet: eine unheimlich konkrete, fast holografische Räumlichkeit. Bill Evans „At the Montreaux Jazz Festival“ nimmt mich sofort gefangen – und zwar schon bei der „Spoken Introduction“. Die Stimme des Sprechers steht klar links, das Raunen des Publikums vermittelt die exakte Größe des Konzertsaals, ich bin sofort mitten im Geschehen. Als das Piano dann mit „One for Helen“ einsetzt, schwelge ich bereits. Die Marimba klingen einfach unglaublich schnell, jeder Anschlag explodiert förmlich. Dagegen klingen andere Lautsprecher fast langweilig. Als das Schlagzeug einsetzt, bin ich überrascht: Zum einen, wie klar es rechts neben dem Flügel platziert ist; zum anderen springen mich die Hochtonqualitäten der Marimba an. Mir erschließt sich sofort, wozu Gerald Hüpfel auf den Superhochtöner setzt: Einen so klaren, fein aufgelösten Hochton bietet einfach kein Breitbandchassis allein. Die hohe Einkopplung des Magnetostaten ist auf jeden Fall 100-prozentig gelungen – das Ganze wirkt vollkommen bruchlos und organisch. Ein bisschen überrascht bin ich, als der Kontrabass einsetzt. Weniger wegen der Bassqualität der Marimba – dazu später mehr –, vielmehr darüber, wie er im Raum positioniert ist. Irgendwie steht das Instrument vor Piano und Schlagzeug, aber so, als ob es sich den Raum mit ihnen teilt, also quasi teilweise im Flügel und im Schlagzeug steht, als wären hier zwei Bilder ineinander kopiert und durchdrängen sich. Nach ein paar Querchecks bin ich mir sicher – es liegt an der Aufnahme. Offensichtlich hat hier jemand einen ungebührlichen Anteil eins Stützmikrofons vor dem Bass eingemischt, was die räumliche Sortierung auf der Aufnahme ein bisschen durcheinanderbringt. Das ist mir noch nie so aufgefallen. Trotzdem macht das ganze unglaublichen Spaß. Der Bass? Klasse! Schnell, federnd, präzise und vor allem deutlich tiefer, als die Messung vermuten lässt. Aber den Bass messen wir nun mal im Nahfeld, wobei die Wirkung des Raumes nicht berücksichtigt werden kann. Und die ist bei der Auslegung des Horns eben einkalkuliert. Ich verspreche Ihnen, das Ganze funktioniert in der Praxis hervorragend. Ich wechsele zu Ursula Rucker, „Silver or Lead“. Auch hier beeindruckt die Räumlichkeit der Geräuscheffekte am Anfang des ersten Tracks. Das Anzünden der Zigarette wirkt wie ein extremes Close-up im Kino, und genau so ist das beabsichtigt. Als dann der rollende Bass einsetzt, habe ich überhaupt keine Zweifel mehr an der Basskompetenz der Österreicherinnen. Die Stimme kommt unmittelbar und direkt, auch das ist genau so gedacht. Während ich an der tonalen „Reinheit“ der Marimba bei akustischen oder synthetischen Instrumenten keinen Anstoß nehme, nehme ich bei Stimmen, die einfach noch mal komplexer sind als normale Töne, schon eine, nun, nennen wir es mal „tonale Rauigkeit“ war. Durch die recht starke Mittenbetonung wirken manche Stimmen einfach nur intensiver – Bettye LaVette zum Beispiel kommt sehr eindringlich rüber und macht Gänsehaut. Andere Stimmen, etwa Zaz, wirken anders, als ich es gewohnt bin. Das klingt nicht falsch, aber gerade bei Stimmen ist das Gehör unglaublich empfindlich und reagiert auf die kleinsten tonalen Eigenheiten. Andere stimmliche Eigenschaften bleiben davon unberührt. So habe ich immer noch den Eindruck, dass Zaz beim Singen eine unglaubliche Freude empfi ndet. Der Stimme wohnt ein Strahlen inne das fasziniert, mitreißt, und das transportieren die Marimba überaus eindringlich und machen die Interpretation von Zaz zum Erlebnis.

Fazit

Die Hornmanufaktur Marimba sind bestimmt keine Lautsprecher für jeden. Wer Wert auf höchste tonale Neutralität und linealglatte Frequenzgänge legt, sollte sich bei anderen Herstellern umsehen. Wer ein mitreißendes, authentisches Klangbild sucht, das Energie und Emotionen von Musik ungefiltert überträgt, wird mit den Marimba schnell Freundschaft schließen.

Preis: um 6600 Euro

Lautsprecher Stereo

Hornmanufaktur Marimba


08/2017 - Dr. Martin Mertens

Ausstattung & technische Daten 
Paarpreis 6.600 Euro, abhängig von der Ausführung 
Vertrieb Hornmanufaktur, Jännersdorf, Österreich 
Telefon +43 699 127 38868 
Internet www.hornmanufaktur.at 
Garantie (in Jahre) 5 Jahre 
Ausführungen diverse 
B x H x T (in mm) 300/1060/340/470 (oben/unten) 
Gewicht (in Kg) 32 kg 
Unterm Strich... Die Hornmanufaktur Marimba sind bestimmt keine Lautsprecher für jeden. Wer Wert auf höchste tonale Neutralität und linealglatte Frequenzgänge legt, sollte sich bei anderen Herstellern umsehen. Wer ein mitreißendes, authentisches Klangbild sucht, das Energie und Emotionen von Musik ungefiltert überträgt, wird mit den Marimba schnell Freundschaft schließen. 
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Autor Dr. Martin Mertens
Kontakt E-Mail
Datum 12.08.2017, 09:58 Uhr
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