Kategorie: Lautsprecher Stereo

Einzeltest: Horns FP12


Charmant und irgendwie gut aussehend

Lautsprecher Stereo hORNS FP12 im Test, Bild 1
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12-Zoll-Tieftöner und Horn, aus Polymerbeton gegossene Schallwand, Wandstärken von 38 Millimetern, eine Bassreflexöffnung mit zehn Zentimetern Durchmesser und Proportionen, die breiter als tief sind – die Horns FP12 ist eine richtige „Männerbox“. Und charmant und mit Charakter – da wird sogar „sie“ schwach.

Die Horns FP12 ist in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich. Da sind vor allem erst mal die Proportionen. Während das Gros der lautsprecherproduzierenden Welt schlanke, hohe Säulen auf den Markt bringt, wirken die Horns mit 443 x 655 x 417 mm Breite x Höhe x Tiefe ausgesprochen stämmig. Das Format erinnert eher an klassische englische Monitore als an moderne High-End-Lautsprecher. Aufgrund der Höhe gehören die FP12 auf Ständer, damit die Hochtonhörner auf Ohrhöhe kommen. Womit wir gleich beim nächsten, ungewöhnlichen Aspekt der FP12 sind, dem Hochtöner.
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Während man bei „klassischen“ Lautsprechern dieses Formats eine Kalotte erwarten würde, übernimmt hier ein Horn die Wiedergabe des Hochtons und eines Gutteils des oberen Mitteltons. Der Horntreiber, eine von Horns selbst zusammengestellte Konstruktion mit 1-Zoll- Alumembran, übernimmt schon bei 1200 Hz die Staffel vom Tiefmitteltöner. Der Firmenname „Horns“ ist also Programm. Die Sache mit dem Horn kommt nicht von ungefähr. Die hinter Horns stehende Firma Autotech ist im Wesentlichen im Automotive- Bereich aktiv und auf GFK- und Kunststoffverarbeitung spezialisiert. Hier fertigt Autotech unter anderem Teile für Firmen wie Bosch oder Siemens. Darüber hinaus produziert Autotech spezielle Fahrzeugauf- und anbauten, z.B. für Anhänger und Wohnmobile. Firmenchef Lukasz Lewandowski ist passionierter High-Ender. Als ihn Bekannte aus der Lautprecher- Selbstbauszene fragten, ob er die Kompetenz, die Autotech im Bau komplexer Formen aus Kunststoff und GFK hat, nicht auch für Hornlautsprecher einsetzen könne, ließ er sich nicht lange bitten. Seit mehreren Jahren versorgt Horns die Selbstbauszene mit Hörnern – das reicht von einem Basshorn mit zwei Metern Länge und 1300 x 700 mm Mundfläche bis zu hoch komplex geformten Mittel- und Hochtonhörnern. Wen es interessiert: auf www.horns-diy.pl präsentiert Autotech sein beeindruckendes Portfolio. Doch zurück zur FP12. Selbstverständlich kommt das Know-how, das man in Polen in Sachen Hörner aufgebaut hat, auch bei den eigenen Lautsprechern zum Tragen. Das Horn der FP12 trägt dabei nicht nur den neuesten Erkenntnissen in Sachen Horngeometrie Rechnung, auch fertigungstechnisch hat man bei Horns hier einiges an Aufwand betrieben: So ist das Horn zusammen mit der Schallwand ein einziges Gussteil aus einem speziellen Polymerbeton. Die Öffnung für den Tieftöner und die Befestigungsschrauben sind hier genauso Bestandteil der Form wie die abgerundeten Kanten, die den Übergang zum Gehäuse bilden. Das restliche Gehäuse besteht aus MDF mit einer Stärke von 38 mm. Die Verarbeitung lässt keine Wünsche offen. Die Gehäuse sind sauber furniert, das (Single-Wiring-)Anschlussterminal (von WBT) ist sauber eingelassen und selbst das mächtige Bassreflexrohr auf der Rückseite ist nicht nur ultrasolide und strömungstechnisch optimiert geformt, es ist auch in derselben Farbe lackiert wie die Front unseres Testmodells. Dass die Lautsprecher bei allem Aufwand einzeln auf Bestellung gefertigt werden, erkennt man schon daran, dass sich Horns bei der Gestaltung sehr flexibel zeigt. Bei der FP12 hat man schier unbegrenzte Möglichkeiten: Furniere, Lacke, Carbon etc. für das Gehäuse, alle nur denkbaren Farben für die Schallwand (und das Bassreflexrohr). Und das meiste gibt es ohne Aufpreis. Ich finde unsere Testmuster, bei denen die Gehäuse mit weiß-lasierend beschichteter Eiche furniert und die Schallwand in einem passenden Beige-Grau lackiert sind, extrem gelungen. Apropos Bassreflex: Das 12-Zoll-Bass- Chassis kommt von Beyma. Im Gegensatz zu den „Geschwisterlautsprechern“ aus FP-Serie – der kleineren FP10 mit 10-Zoll- Tieftöner und der größeren FP15 mit 15-Zoll-Tieftöner – handelt es sich hierbei nicht um ein hart eingespanntes PA-Chassis, sondern um ein HiFi-Chassis, dessen Membran etwas weicher eingespannt ist. Man sieht das an der breiteren Gummisicke sowie im ausgebauten Zustand am normal dimensionierten Magnetsystem. Die schlichte Papiermembran mit den Befestigungsschrauben lässt sich prima hinter der mitgelieferten runden, magnetisch haftenden Abdeckung verstecken. Zwei-Wege-Systeme sind unter den HiFi- Lautsprechern bei Weitem keine Seltenheit. Zwei-Wege-Systeme, bei denen der Tieftöner einen Durchmesser im zweistelligen Zoll-Bereich hat, dagegen schon. Interessanterweise findet man einige solcher Konstruktionen im professionellen Bereich. Der aktuelle Profi -Monitor von JBL, der M2, ist ein Zwei-Wege-System mit einem 15-Zoll-Tieftöner und einem Hochtonhorn, das vor einem 3-Zoll-Druckkammertreiber sitzt. Ähnlich sind die hoch beleumundeten Mastering-Monitore von Strauss Elektroakustik bestückt. Und ja, gaanz alleine steht Horns auch im HiFi- Bereich nicht da. Aus meiner Hörerfahrung mit solchen Konstruktionen heraus erwarte ich angesichts der Horns FP12 vor allem ein anspringendes, sehr dynamisches Klangbild und eine große Abbildung. Das machen die meisten ähnlichen Konstruktionen, die eine „große Pappe“, vulgo einen großen Tieftöner mit leichter Papiermembran, mit einem Horn kombinieren und einen guten Wirkungsgrad bieten, so. Bei den FP12 sind es übrigens 91 dB bei 8 Ohm. Und ja, die FP12 erfüllen einerseits meine Erwartungen, geben sich auf der anderen Seite jedoch extrem zivilisiert und geradezu audiophil. Diese Lautsprecher schaffen es, viele Talente zu vereinen. Sie spielen tonal ausgewogen und langzeithörtauglich, geben sich dabei jedoch nie langweilig. Sie lösen das Klanggeschehen über den kompletten Frequenzbereich fein auf, andererseits sezieren sie nicht und stellen Musik im Gesamtzusammenhang dar. Sie zeichnen feine Dynamikabstufungen sauber nach und können grobdynamisch richtig Schub machen, spielen dabei jedoch weder den Feingeist noch den Muskelprotz. Selten habe ich Lautsprecher gehört, die hochwertige Aufnahmen eindrucksvoll zur Geltung bringen und auf der anderen Seite auch mit mittelmäßigen Aufnahmen richtig Spaß machen. Auch die Abbildung ist eindrucksvoll. Einerseits bilden sie das Geschehen etwas größer und näher ab als viele audiophile Boxen, andererseits überfallen sie einen weder mit der krassen Nähe noch der übergroßen Abbildung, mit der viele Hochwirkungsgradlautsprecher auf normale Hördistanz Nahfeldfeeling aufkommen lassen. So funktioniert auch Klassik toll. Ja, ich bin näher dran als üblicherweise bei HiFi-Boxen, trotzdem ist der Raum tief und weit. Ich sitze weder auf den Rängen noch in der ersten Reihe, sondern stehe akustisch auf dem Dirigentenpult. Was übrigens ziemlich grandios ist. Überhaupt bin ich überrascht, was für eine homogene und präzise räumliche Abbildung die FP12 liefern. Klar umrissene Konturen, perfekte Lokalisation, alles in der richtigen Größe, immer ein wenig näher dran, nie zu nah. Wow!

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Fazit

Auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich, auf den zweiten bis ins Detail durchdacht und handwerklich auf hohem Niveau gefertigt, bieten die Horns einen faszinierenden Klang, der die perfekte Waage zwischen unmittelbaranspringender und entspannt-souveräner Musikwiedergabe hält. Absolut faszinierende Lautsprecher und im besten Sinne des Wortes preiswert.

Preis: um 6500 Euro

Lautsprecher Stereo

Horns FP12


03/2019 - Dr. Martin Mertens

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb LEN Hifi 
Telefon 02065 544139 
Internet www.lenhifi.de 
Garantie 2 Jahre 
H x B x T 655 x 443 x 417 mm 
Gewicht: 35 kg 
E-Mail: info@lenhifi.de 
Unterm Strich... Auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich, auf den zweiten bis ins Detail durchdacht und handwerklich auf hohem Niveau gefertigt, bieten die Horns einen faszinierenden Klang, der die perfekte Waage zwischen unmittelbaranspringender und entspannt-souveräner Musikwiedergabe hält. Absolut faszinierende Lautsprecher und im besten Sinne des Wortes preiswert. 
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Dr. Martin Mertens
Autor Dr. Martin Mertens
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Datum 02.03.2019, 15:00 Uhr
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