Kategorie: Lautsprecher Stereo

Einzeltest: Klipsch Klipschorn AK5


Grosse Töne

Lautsprecher Stereo Klipsch Klipschorn AK5 im Test, Bild 1
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Denken Sie mal intensiv nach: Fällt Ihnen irgendein komplexes technisches Produkt ein, das seit 67 Jahren weitgehend unverändert produziert wird? Möglicherweise wäre das ja ein Zeichen dafür, dass an einem solchen Produkt irgendetwas richtig ist?

Mitspieler


Plattenspieler:

 Kuzma Stabi M / 4Point / Lyra Atlas
 Clearaudio Master Innovation / TT2 / Goldfinger

69
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Phonovorstufen:

 MalValve preamp three phono

Vorstufen:

 Rogue Audio 99
 Malvalve preamp four line

Endverstärker:

 Rogue Audio Stereo 90
 DIY 6CB5A SE

Vollverstärker:

 Krell S-550i
 ASR Emitter 1

Zubehör:

 Netzsynthesizer PS Audio P10
 NF-Kabel von van den Hul und Transparent
 Phonokabel van den Hul
 Lautsprecherkabel von Transparent
 Plattenwaschmaschine von Clearaudio 


Gegenspieler


Lautsprecher:

 Audio Physic Avantera
 Klang + Ton Nada 


Vielleicht ist es völlig überflüssig, über diesen Lautsprecher überhaupt noch irgendwelche Worte zu verlieren. Es gibt so ziemlich nichts, was seit 1946 nicht über das Klipschorn gesagt, geschrieben, gepostet, gesimst, getwittert oder was auch immer wurde. Und? Diese Box ist immer noch eine absolute Ausnahmeerscheinung, und es wurde Zeit, dass auch wir unseren Senf dazugeben. Nein, wir haben kein „h“ vergessen. Es heißt, seiner uramerikanischen Herkunft geschuldet, wirklich „Klipschorn“. Seinen Erbauer Paul Wilbur Klipsch macht das „Orn“ in jedem Fall zur Legende, und alle anderen Lautsprecher des Herstellers tragen das eine oder anderen Gen dieses Monsters bis heute in sich. Und was gibt‘s heutzutage für die verlangten 14.000 Euro pro Paar? Zwei großvolumige Scheidungsgründe, bei deren Farbgebung man sich zwischen schwarz und amerikanischer Walnuss entscheiden darf. Nach Lautsprecher sehen die näherungsweise dreieckigen Schränke jedenfalls erst einmal nicht aus.

Lautsprecher Stereo Klipsch Klipschorn AK5 im Test, Bild 2Lautsprecher Stereo Klipsch Klipschorn AK5 im Test, Bild 3Lautsprecher Stereo Klipsch Klipschorn AK5 im Test, Bild 4Lautsprecher Stereo Klipsch Klipschorn AK5 im Test, Bild 5Lautsprecher Stereo Klipsch Klipschorn AK5 im Test, Bild 6Lautsprecher Stereo Klipsch Klipschorn AK5 im Test, Bild 7Lautsprecher Stereo Klipsch Klipschorn AK5 im Test, Bild 8
Die beiden Hörner für den Mittel- und Hochtonbereich verstecken sich hinter grobmaschigem Bespannstoff, den Bass sieht man gar nicht. Und jener ist der Teil dieses Lautsprechers, der den besonderen Reiz des Klipschorns ausmacht: Wir haben es nämlich mit einem Vertreter der relativ raren Spezies „Eckhorn“ zu tun. Diese wurde übrigens, entgegen landläufiger Meinungen, keinesfalls von Paul W. Klipsch erfunden, das war einige Jahre zuvor der Brite Paul A. G. H. Voigt. Zu Ruhm und Ehre verholfen jedoch hat der Konstruktion zweifellos Mr. Klipsch. Und worum geht‘s? Darum, dass Hörner für die Abstrahlung tiefer Frequenzen riesig sein müssen, sonst funktioniert das Prinzip nicht. Es sei denn, man bedient sich eines „natürlichen“ Horns wie zum Beispiel zwei angrenzenden Zimmerwänden, die letztlich nichts anderes darstellen als einen Trichter. Ein Eckhorn ist eine Box, die einem Tieftöner zunächst einen „Hornhals“ verpasst und diesen im Nachgang an die Raumecke als Verlängerung anpasst. Die untere Grenzfrequenz wird dabei theoretisch nur von der Größe des Raumes bestimmt. Der Trick ist genial, hat aber Folgen: Die Boxen müssen zwingend in zwei benachbarte Ecken geschoben werden und Dinge wie „Ausrichtung auf den Hörplatz“ kann man gleich mal vergessen. Was in Anbetracht dessen, was ein Klipschorn zu leisten imstande ist, eigentlich auch völlig egal ist. Wenn es einen Lautsprecher gibt, bei dem audiophil geprägtes Zutun eher ein Sakrileg denn sinnvolle Aktion darstellt, dann ist es der hier. Ein Alptraum ist das Bassgehäuse des Klipschorns für Schreiner. Die komplizierte Faltkonstruktion rund um den Fünfzehnzöller ist nicht ganz einfach zu verstehen, geschweige denn aufzubauen. Natürlich hat es immer wieder Bemühungen gegeben, ähnliche Gehäuse oder auch Kopien des Klipschorns zu bauen, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Ein Geheimnis des Originals ist zweifellos der Basstreiber. Der legendäre „K33“ ist, oberflächlich betrachtet, ein Scheiß. Billiger Stahlblechkorb, hundsgewöhnliche Papiermembran, mittelprächtiger Ferritantrieb. Auf gar keinen Fall ein Grund nach Hause zu schreiben. Nun passt der unorthodoxe Parametersatz des Billigheimers aber so perfekt, dass das Chassis beim Einsatz im Klipschorn zum Monster mutiert. Und viele Nachbauer haben, obschon mit ihren fremdbestückten Lautsprechern hoch zufrieden, nach dem versuchsweisen Einsatz eines K33 die Tränen in den Augen gehabt. Nur dieses Ding ist der einzig wahre Stoff. Das Erstaunliche ist: Dafür, dass der Fünfzehner keinerlei direkten Kontakt zur Außenwelt hat, spielt er erstaunlich weit rauf. Ein paar hundert Hertz muss er sich indirekt abstrahlend abnötigen, bevor er an das trotzdem erstaunlich weit herunter betriebene Mitteltonhorn übergibt. Jenes und sein kleiner hochtönender Bruder wurde irgendwann in der Klipschorn-Historie mal von Metall- auf stabil verrippte Kunststofftypen umgestellt, was ihrem Klang dem Vernehmen nach erhebliche Zugewinne eingebracht hat. Vorher musst man, wenn man dem Lautsprecher zivilisierte Töne entlocken wollte, die Blechtrichter mit Bitumen bekleben. Die beiden kleineren Hörner bewohnen ein eigenes Abteil, das über drei Gummipuffer vom Bassgehäuse entkoppelt ist. Darüber, ob man die Schallwandabdeckung hört oder nicht, muss man sich keine Gedanken machen – man kann sie ohnehin nicht entfernen. Wohl aber eine Seitenwand des Basskabinetts, hinter der die Frequenzweiche zum Vorschein kommt. Und das ist der Part, bei dem sich im Laufe der Zeit das meiste getan hat: Bei der aktuellen Klipschorn-Variante „AK5“ ist das ein ziemlich aufwendiges Filterwerk mit sehr anständigen Bauteilen; augenscheinlich wurde hier vielfältig eingegriffen, um dem Lautsprecher Tugend anzuerziehen. Auch wenn es den Anschein hat, als ob das Klipschorn ein eher grober Klotz ist – gegen die Verarbeitung des Ganzen ist rein gar nichts zu sagen. Das Gehäuse ist sehr ordentlich furniert und lackiert, alle Teile passen ausgezeichnet aneinander. Das löst das Problem der nicht ganz einfachen Unterbringung der zwei Schränke nicht, vermittelt aber einen reellen Gegenwert fürs Geld. Das Bassgehäuse trägt auf den rückseitigen Kanten Dichtungen, die den Abschluss zur Wand bewerkstelligen sollen. Optimalerweise. Tatsächlich aber zeigt die Praxis, dass das Thema lange nicht so heiß gegessen wie gekocht wird, wir jedenfalls haben einfach keine Ecken gefunden, die frei von Steckdosen, Kabelkanälen, Fußleisten und ähnlichen Problemen waren – den einen oder anderen Zentimeter Luft mussten wir immer in Kauf nehmen. Wenn wir irgendetwas trotz dieser Einschränkungen nicht hatten, dann ein Problem mit dem Tiefton. Und ja, die Gerüchte sind wahr, der Bass eines Klipschorns ist nichts weniger als sensationell. Interessanterweise ist das der Frequenzbereich, der am wenigsten deutlich auf die Wahl des Verstärkers reagiert. Was auch immer man die Bi-Wiring- Terminals klemmt, der Tiefton kommt mit beispielloser Leichtigkeit und Akkuratesse daher. Der Witz an der Sache ist nicht, wie man vielleicht vermuten könnte, ein Bass, der einen durch die rückwärtige Wand katapultiert, sondern einer, der einfach frei von Aufdickung, Trägheit und Langeweile ist. Natürlich kann man es sich damit auch richtig geben, wenn der Antrieb stimmt: Das Experiment, einfach mal den pro Kanal 500 Watt starken Krell S-550i anzuschließen, mag bei einem Lautsprecher mit über 100 Dezibel Wirkungsgrad idiotisch erscheinen, funktioniert in der Praxis aber erstaunlich gut. Okay, auch bei der niedrigsten Pegeleinstellung kommt schon nennenswert Musik aus dem Setup und vielleicht gibt‘s noch ein paar etwas musikalischere Kombinationen als diese hier, aber Krach lässt sich damit in unglaublichem Maße machen. Und wenn‘s wie hier guter Krach ist, dann erstaunt die Lautstärke, die man völlig entspannt ertragen kann. Die Fuhre schiebt bis in tiefste Regionen wie die sprichwörtliche Sau, alle nicht angeschraubten Einrichtungsgegenstände vermelden ihr Vorhandensein akustisch. Natürlich ist das nicht der Sinn der Sache. Schon eher die Kombination mit zwei entzückenden Selbstbaumonos auf Basis der Fernsehröhre 6CB5A, die gerade bei uns zu Gast sind. Der Bass ist immer noch eine Show, aber hier gibt‘s Details, Wärme und so etwas wie „Gnade“. Der Königsweg liegt irgendwo dazwischen, je nach Geschmack. Das Klipschorn kann definitiv sanft und seidig, es geht aber bei Bedarf auch wie ein Abbruchhammer. Mir persönlich gefiel die Kombination mit der KT88-Gegentaktendstufe von Rogue Audio am besten; das hat die nötige Disziplin, offenbart Mengen von Details, reicht aber auch für einen Anschlag auf Leib und Leben. Ein möglicher Lautsprecher fürs ganze Musikhörerleben? Aber definitiv! 

Fazit

Dass das Klipschorn seit so langer Zeit ein Erfolgsmodell ist, hat es sich redlich verdient. Die aktuelle Ausgabe „AK5“ kapituliert vor keiner Herausforderung von hart bis zart und lässt sich für jeden Hörgeschmack auf Höchstleistung trimmen. 

Preis: um 14000 Euro

Klipsch Klipschorn AK5

06/2013 - Holger Barske

Ausstattung & technische Daten 
Paarpreis 14000 
Vertrieb Osiris Audio, Wiesbaden 
Telefon 06122 727600 
E-Mail: Nein 
Internet www.osirisaudio.de 
Garantie (in Jahre)
B x H x T (in mm) 800/1320/730 
Gewicht (in Kg) 76 
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Holger Barske
Autor Holger Barske
Kontakt E-Mail
Datum 25.06.2013, 09:44 Uhr
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Topthema: Philips 65OLED936
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