Kategorie: Lautsprecher Stereo

Einzeltest: Orbid Sound NESO


Preisgünstiger und dynamischer Kompaktlautsprecher

Lautsprecher Stereo Orbid Sound NESO im Test, Bild 1
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Zwischen all den technisch extrem sauberen und extrem klangtreuen High Endern muss es einfach ab und zu einen kleinen Rebellen geben, der sich ein bisschen gegen das Klang-Establishment aufl ehnt. Voilà – die Orbid Sound NESO

Orbid Sound – das sind doch die…. ? Genau, die, deren Lautsprecher-Kreationen wir alle schon einmal mit einer Mischung aus Unglauben und Amüsement betrachtet haben, weil wir nach den japanischen Kabuki-Boxen der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts keine Lautsprecher mehr gesehen haben, die mit so vielen Chassis aufwarteten wie die Kreationen aus Balingen. Und auch im letzten Jahr, als mir der Kontakt zu Orbid Sound zum ersten Mal real vermittelt wurde, war ich ein bisschen skeptisch. Durch die Testbox wurde ich aber eines besseren belehrt. Okay, es handelte sich in diesem Falle (wie ja auch in diesem Testbericht) um keine Exotenbox mit unzähligen Treibern, aber ich habe zumindest die Herangehensweise von Orbid Sound an das Thema Lautsprecher verstanden.

Denn so konventionell die Bauform auch aussehen mag: Man verwendet fast ausschließlich Treiber von einem renommierten spanischen PA-Hersteller und legt dadurch die Marschrichtung fest: Dynamik und Wirkungsgrad sind gefragt.

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Was im Lautsprecher-Selbstbau schon ab und zu einmal auftaucht, nämlich Boxen in einem konventionellen Hifi-Formfaktor, die aber mit Profi treibern bestückt sind, traut man sich im Fertiglautsprechersegment selten so richtig. Okay, es gibt diese riesigen Systeme mit aufgesetzten Hörnern, aber wenn es kompakter werden soll, dann setzt man auf die „braven“ Hifi-Treiber.

Nun, die Orbid Sound NESO, die unser diesjähriger Kandidat ist, sieht erst einmal aus wie eine ganz normale Zwei-Wege- Box: Eine recht kompakte Kiste mit zwei Treibern an der Front und einen Reflexrohr und einem Terminal an der Rückseite. Das hochwertige Terminal ist übrigens recht neu und ersetzt bei allen Boxen des Herstellers das alte Plastik-Standardteil, das zwar auch seinen Zweck erfüllte, aber eben nach nichts aussah. A propos Aussehen: Die NESO wird wohl keinen Designpreis gewinnen und das will sie auch gar nicht: Für einen Preis, der ab 395 Euro pro Stück losgeht, kann das ein Lautsprecher made in Germany auch nicht. Der 17-Zentimeter-Tieftöner mit dem PA-typischen massiven Korbrand mit Pappmanschette ist einfach auf die Schallwand aufgesetzt. Immerhin kann man für einen moderaten Aufpreis einen Zierring ordern, der die rustikale Bauform etwas kaschiert. Die Aufpreisliste endet dann auch schon beim seidenmatten Lack, der vom Kunden wie der Basis- Strukturlack auch in einer individuellen Farbe geordert werden kann. Zusammen mit dem Zierring schlägt die NESO dann mit 460 Euro zu Buche.

Dem typischen Parametersatz des PA-Tieftöners wird man gerecht, indem man ihm im Vergleich zu gleich großen Hifi-Treibern etwas mehr Volumen spendiert – deswegen baut die NESO auch fast genau so weit in die Tiefe wie in die Höhe. Mit der Reflexabstimmung sorgt das für einen Pegel von etwa 87 Dezibel im Bass- und Grundtonbereich mit einer unteren Grenzfrequenz in der 50-Hertz-Region. Beim Hochtöner könnte man auf den ersten Blick meinen, es handele sich um ein Horn. Tatsächlich ist hier aber eine konventionelle Kalotte mit einem so genannten Waveguide verbaut, der das Abstrahlverhalten etwas verengt und dafür den nutzbaren Schalldruck an der unteren Grenze des Einsatzbereichs vergrößert – so einen Hochtöner kann man also tiefer trennen und der Wirkungsgrad auf Achse ist höher als bei einer konventionellen Kalotte. Nun, wenn man sich den Frequenzgang der Hochtöner ansieht, dann kann man klar erkennen, dass hier in erster Linie der Wirkungsgrad im Vordergrund stand und nicht die Linearität: Es gibt etliche Auf und Abs im Frequenzgang, der im Mittel aber doch ausgewogen dasteht. Im Mittel bei gut 90 Dezibel liegt der Schalldruck der NESO ab einem Kilohertz, also rund 4-5 Dezibel höher als im Wirkungsbereich des Tieftöners. Das wäre bei einer komplett freien Aufstellung eine ungünstige Gewichtung, die zu einem recht dünnen Klangbild führen würde. Deswegen gibt es die Empfehlung, den Lautsprecher erstens in einem kleinen Hörraum bis 25 Quadratmetern zu verwenden und ihn nahe an eine Rückwand zu stellen. Kleine Info am Rande: Die NESO wird recht häufig als Klein-Beschallungsbox für die Gastronomie verkauft – und wo hängen die Boxen da? Richtig – sogar in der Ecke! Die Frequenzweiche dürfte recht einfach gehalten sein, um möglichst keine elektrische Energie in den Bauteilen zu vernichten, dafür ist sie mit sehr ordentlichen Bauteilen, unter anderem von Mundorf bestückt.

In meinem kleinen privaten Hörraum durften die NESO auf Ständern etwa 50 Zentimeter von Rückwand entfernt Platz nehmen. Und ja, das rockt! Vielleicht werden die Orbid Sound nicht meine erste Wahl in Sachen „Andächtiges Erlauschen von Kammermusik“, aber mit allen Arten von Popmusik machen sie einfach eine Menge Spaß. Die knackigen und dynamischen Bässe erhalten durch die Rückwand genügend Schub untenrum, um ein stabiles und wuchtiges Fundament für Bassdrum und E-Bass zu schaffen – so kann man so fantastischen Rhythmus-Sektionen wie bei den Dire Straits oder Deep Purple angemessen Respekt zollen. Stimmen klingen natürlich und authentisch, mit vielleicht einem leichten Hauch von Betonung auf dem Kehlkopf – aber das verleiht ihnen Durchsetzungsvermögen und den ihnen gebührenden Platz im musikalischen Kontext. Überhaupt ist die räumliche Abbildung aller Ehren wert: Vor allem in der Breite der virtuellen Bühne ist die Aufteilung sehr weit und klar definiert. Und trotz des gemessen unruhigen Frequenzgangs macht auch der Hochtöner seine Sache mehr als ordentlich: Da nervt nichts, da wird nichts überbetont – der kleine Treiber macht einfach seinen Job und das mehr als ordentlich.

Und wenn es bei der richtigen Musik auch einmal wieder ein bisschen oder sehr viel lauter wird, dann behält die NESO zu jedem Zeitpunkt die Contenance, selbst wenn beim Zuhörer aus dem Fußwippen Headbangen oder gar Mittanzen wird. Denn das ist die große Stärke dieses kleinen Monitors: Er überzeugt sein Publikum durch seine griffige und zupackende Spielweise. Und einen kleinen Geheimtipp gebe ich noch mit: Im Heimkinoeinsatz in Mehrfachbestückung mit Subwoofer- Unterstützung kann die NESO auch mehr als überzeugen – dann auch gerne in großen Sälen.

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Fazit

Nicht der neutralste Lautsprecher der Welt, aber unter den kleinen Boxen, die ich kenne, mit Sicherheit einer der dynamischsten: Ein echter Spaßmacher!

Preis: um 395 Euro

Lautsprecher Stereo

Orbid Sound NESO


04/2021 - Thomas Schmidt

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb TF Klangmanufaktur, Balingen 
Internet www.orbid-sound.de 
Gewicht ca. 8 kg 
Garantie 2 Jahre 
B x H x T 33 x 22 x 32 cm 
Fazit Nicht der neutralste Lautsprecher der Welt, aber unter den kleinen Boxen, die ich kenne, mit Sicherheit einer der dynamischsten: Ein echter Spaßmacher! 
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Thomas Schmidt
Autor Thomas Schmidt
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Datum 07.04.2021, 09:56 Uhr
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