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Kategorie: Lautsprecher Stereo

Einzeltest: Reflector Audio Touch F10


Nordöstliches

Lautsprecher Stereo Reflector Audio Touch F10 im Test, Bild 1
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Sehen wir uns doch mal abseits der ausgetretenen Pfade um und kümmern uns um Lautsprecher von Leuten, die noch kaum einer auf dem Schirm hat. Wir zum Beispiel Reflector Audio aus Lettland

Ja. Schon. Irgendwie. Nicht supergrazil und anmutig, aber wenigstens mal anders. Und angenehm reduziert. Zugegeben, ich schwimme ein wenig: Ihnen zwei 200-Liter-Quader fürs Wohnzimmer schmackhaft zu machen ist nicht ganz leicht. Auch wenn sie sehr gelungen sanft nach hinten geneigt sind und ob des zarten Metallguss-Fußes vorne durchaus – Achtung: schlechter Wortwitz – eine gewisse optische Leichtfüßigkeit versprühen. Zumindest optisch ausgefallene Dinge sind bei Reflector Audio Programm: Da gibt’s ein Modell namens „Bespoke P18“, das durch die Abwesenheit jeden Gehäuses glänzt, es gibt noch nicht mal eine Schallwand, in der die fünf Treiber stecken. Nur ein rudimentäres Gerüst, das vier umgedrehte Achtzehnzöller und ein mittig angeordnetes Hochtonhorn mit dem tragenden Stativ verbindet. Geht nicht? Aber ja doch: Dank massiver aktiver Korrektur per DSP und viel Verstärkerleistung klingt die Alien-Skulptur ganz ausgezeichnet. Die Entwickung dieses Ausnahmewandlers war sowohl mutig als auch eine gute Idee, bewies man doch eindrucksvoll Kompetenz sowohl im digitalen Sektor als auch bei der Lautsprechertechnik. Ansonsten kann ich über das Unternehmen nicht allzu viel erzählen. Mit zwei der Jungs mit für uns ziemlich unaussprechlichen Namen war ich mal essen, das war sehr angenehm. Es gibt reichlich Erfahrung im Studio- und Beschallungsbereich, die Herren benutzen und beherrschen modernstes Equipment in Sachen Laustsprecherentwicklung, Gegen das Flaggschiffmodell ist die „Touch F10“, unser heutiger Proband, ein ziemlich klassischer Lautsprecher. Einer mit nur einem Tieftöner (zehn Zoll Durchmesser), einem richtigen Gehäuse und einem Hochtöner, der allerdings ebenfalls mit vorgesetztem Horn arbeitet.

Lautsprecher Stereo Reflector Audio Touch F10 im Test, Bild 2Lautsprecher Stereo Reflector Audio Touch F10 im Test, Bild 3Lautsprecher Stereo Reflector Audio Touch F10 im Test, Bild 4Lautsprecher Stereo Reflector Audio Touch F10 im Test, Bild 5Lautsprecher Stereo Reflector Audio Touch F10 im Test, Bild 6Lautsprecher Stereo Reflector Audio Touch F10 im Test, Bild 7Lautsprecher Stereo Reflector Audio Touch F10 im Test, Bild 8Lautsprecher Stereo Reflector Audio Touch F10 im Test, Bild 9Lautsprecher Stereo Reflector Audio Touch F10 im Test, Bild 10Lautsprecher Stereo Reflector Audio Touch F10 im Test, Bild 11
Das Ganze funktioniert klassisch passiv, verfügt über erfreulich viel Wirkungsgrad (so 92 Dezibel bei 2,83 Volt) und ist, so viel vorweg, das exakte Gegenteil eines Kindes von Traurigkeit. Die auf der Herstellerseite zitierte Entwicklungsmaxime ist jetzt keine so ganz seltene: Man verschreibt sich maximaler Lebendigkeit und Kraft – kann man machen. Betrachten wir die Mittel der Wahl etwas genauer: Beim Gehäuse fällt zunächst das Fehlen des üblichen Bassreflexrohres auf. Im Boden gibt’s aber zwei großflächige rechteckige Öffnungen, die den Blick ins Innere ermöglichen. Was es gibt: reichlich Verstrebungen fürs dickwandige MDF-Kabinett, sonst keinerlei Anzeichen einer irgendwie gearteten Schallführung. Der Hersteller nennt das Gehäuseprinzip „ventilierter Hybridresonator“. Das ist nicht falsch, vermutlich kommt das Ganze einer Transmissionline recht nahe. Sprich: Die Länge der Luftsäule zwischen Basstreiber und Austrittsöffnung spielt eine Rolle, das eingeschlossene Volumen ebenfalls. Das Resultat ist eine „Bassverstärkung“ in manchen Frequenzbereichen, in denen sich der Schall von der Membran und der aus der Öffnung konstruktiv addieren. Für den Antrieb des Systems sorgt ein in Italien gefertigter Zehnzöller: leichte Papiermembran, klassischer Ferritantrieb, Gewebesicke, kleine 1,5-Zoll-Schwingspule. Sehr interessanter Treiber und in seiner Machart so herrlich altmodisch, dass man sich über das pure Vorhandensein von so was freuen darf. Die Kerhseit der Medaille: Der will Luft hinter der Membran. Kriegt er hier, und davon reichlich. So ganz ohne Modifikationen kam der Treiber nicht davon: Die Staubschutzkalotte in der Mitte bekam einen Filzpfropfen verpasst, die Streben des Stahlblechkorbes sind mit Bitumenmatten zu akustischen Beruhigung beklebt. Kann man machen. Den hochtönenden Part übernimmt ein hoch interessanter „Bullet Tweeter“, ebenfalls aus Italien. Er ist ein bisschen den alten JBL-Originalen nachempfunden – gewiss keine schlechten Gene. Eine 37 mm durchmessende flache Kutnststoffmembran ist in der Mitte mit einem dicken Metallkegel fixiert, die Membran schwingt also nur im Außenbereich. Zwischen dem äußeren massiven Metalltrichter und dem Kegel in der Mitte stellt sich eine Hornfunktion ein, weshalb der Hochtöner massig Wirkungsgrad hat. Den braucht er hier nicht in Gänze und wird von dem strukturell angenehm schlichten Filter entsprechend eingebremst, dadurch wird der Hochtöner beruhigend hoch belastbar. Ein Teil der Filterung sitzt direkt am Treiber, die restlichen Bauteile in Dämmmaterial eingepackt im Gehäuse. Verbaut wird Edles von Mundorf, so weit man das erkennen kann. Gedämmt wird im Gehäuse ansonsten sehr wenig: Ganz oben hinter dem Hochtöner gibt’s einen kleinen, per eingetackertem Tuch abgeteilten Bereich, der mit textilem Dämmmaterial gefüllt ist, sonst ist das große Gehäuse leer. Wir freuen uns über die fehlenden Energiespeichereffekte und hoffen, dass sich dadurch nicht allzu viele Reflexionen im Inneren ergeben. Die Messtechnik sagt, dass das nicht perfekt, aber ganz gut klappt – damit kann man zufrieden sein. Verarbeitung und Finish der F10 sind übrigens absolut makellos. Die Gehäuseteile wurden zweifellos auf modernen CNC-Maschinen gefertigt, die Oberfläche bildet ein relativ weicher, sich fast gummiartig anfühlender Mattlack. Auch wenn‘s ein bisschen so aussieht: Das ist kein Nextel. Andere Oberflächenvarianten als das Mausgrau unserer Testboxen sind natürlich machbar. Jawohl, das ist ein voluminöser Lautsprecher. Und wer sich so etwas ins Wohnzimmer stellt, der will mit einer entsprechenden Bass-Performance belohnt werden. Das ist die leichteste Übung der F10. Wir legen das selbstbetitelte 2005er-Colour-Haze-Album auf, nicht ohne Vertriebsmann Andrejs Staltmanis dabei im Geiste breit grinsen zu sehen. Eine der vielen Besonderheiten an dieser Platte besteht darin, dass sie komplett analog ohne nachträglichen Kompressoreinsatz produziert wurde. Der Sound des Münchener Heavy-Psychedelic-Trios ist entsprechend satt, warm und rund. Das spielt der F10 perfekt in die Karten: Der trickreich abgestimmte Bass pumpt völlig unangestrengt, locker und substanziell, das es nur so kracht. Beim dritten Titel, dem Neun-Minuten-Zwanzig-Epos „Love“ sehe ich mich genötigt nachzusehen, ob die Zeiger der Pegelinstrumente der anfeuernden Accuphase A-47 noch nicht verbogen sind. Da kann nix passieren – wir haben‘s ja mit einem „richtigen“ Lautsprecher mit entsprechendem Wirkungsgrad zu tun. Ist das großartig: Die akustische Sologitarre auf „Solitude“ steht frei und perfekt konturiert im Raum, die Saitenanrisse haben immens Knack und Drive – das klingt fast wie ein Horn. Irgendwo mitten in den 22 Minuten des einzigen Titels auf der zweiten Seite bin ich der F10 vollends verfallen, und die Frage, ob man auch noch anders Musik hören kann, will mit einem klaren „Nein“ beantwortet werden. Der Sound umarmt den Zuhörer kräftig, das sprichwörtliche Eintauchen ins Geschehen ist überhaupt nicht zu verhindern. Das sind keine messerscharfen Grenzenausloter, sondern nicht ganz so sanfte Riesen. Die nächste Runde gehört dem klanglichen wie musikalischen Gegensatz dazu: Nina Simones Durchbruch in der New Yorker Town Hall ist ein Genuss auf den baltischen Lautsprechern. Die F10 machen die Entwicklung vom zarten Einstieg „Black Is the Color...“ hin zum immer raueren und getriebenen Sound überaus deutlich. Die Variabilität ihres Klavierspiels, die Phrasierungen des einzigartigen Organs – all dem folgt die Wiedergabe mit Leichtigkeit. Die oberen Mitten und Präsenzlagen der Wiedergabe haben durchaus einen gewissen Charakter, es klingt nicht immer warm und zurückhaltend, hier sind Energie und Durchsetzungsvermögen dominierend. Ein Lautsprecher mit Charakter? Definitiv. Möglicherweise die Erlösung für all diejenigen, die mit „klassisch audiophil“ nicht viel anzufangen wissen.

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Fazit

Große Box mit Charakter: Die Reflector F10 spielt ungemein druckvoll, energisch und lebendig. Sie ist genügsam in Sachen Antrieb und überaus großzügig beim Austeilen von Bassimpulsen. Große Klasse!

Preis: um 7500 Euro

Reflector Audio Touch F10


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Ausstattung & technische Daten 
Paarpreis 7.500 Euro 
Vertrieb Ultraudio, Münster 
Telefon 0251 211016 
Email Nein 
Internet www.reflector.audio 
Garantie 2 Jahre 
B x H x T 40 x 115 x 50 cm 
Gewicht: ca. 35 kg 
Unterm Strich... Große Box mit Charakter: Die Refl ector F10 spielt ungemein druckvoll, energisch und lebendig. Sie ist genügsam in Sachen Antrieb und überaus großzügig beim Austeilen von Bassimpulsen. Große Klasse! 
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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 11.08.2017, 10:00 Uhr
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