Kategorie: Lautsprecher Stereo

Einzeltest: Vienna Acoustics Beethoven Concert Grand Reference


Die Anders-Macher

Lautsprecher Stereo Vienna Acoustics Beethoven Concert Grand Reference im Test, Bild 1
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Wer Vienna Acoustics kennt, hat wahrscheinlich zuallererst die besonderen Membranen der österreichischen Lautsprecher vor Augen. Die patentierte Spidercone-Technologie mit ihren Metallverstrebungen hinter den durchsichtigen Membranen ist ja auch ein Hingucker. Und gerade deshalb schaue ich erst mal reichlich irritiert auf die neue Vienna Acoustics Beethoven: Das soll eine Vienna sein, mit diesen Membranen …?

Die seltsam und ungewohnt aussehenden Membranen der Beethoven Concert Grand Reference sind der neueste Streich der umtriebigen Tüftler bei Vienna Acoustics. Es handelt sich um natürlich patentierte Flachmembranen mit inverser Gewebekalotte. Die Basis des Membranmaterials ist eine spezielle Mischung aus TPX/Polypropylenen, der zusätzlich eine definierte Menge an Glasfaserstäbchen hinzugefügt wird. Das Ergebnis sei ein optimales Verhältnis zwischen Steifigkeit und innerer Dämpfung, heißt es aus dem Hause Vienna Acoustics.

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Mastermind Peter Gansterer hat sich viel Zeit genommen und mit der sogenannten Finite-Elemente-Analyse eine flache, strahlenförmige Struktur ersonnen, bei der nur an kritischen Punkten eine Strebe für Versteifung sorgt. „Flache Membranen sind von Natur aus weniger steif, aber wir haben dank unserer patentierten, einseitigen Membranversteifung einen Nachteil in einen Vorteil verwandelt. Dadurch erzielen wir nicht nur das bestmögliche Verhältnis zwischen Gewicht und Steifigkeit, die Konstruktion ermöglicht auch eine genau berechenbare Klang- und Impulswiedergabe durch Variation von Anzahl und Form der Versteifungsstreben, ihrer Dicke, radialer oder konzentrischer Ausrichtung und gezielter Platzierung an neuralgischen Punkten“, so Vienna Acoustics. Das Konstrukt eliminiere zudem zeit- und frequenzspezifische Phasenverschiebungen. In der Beethoven Concert Grand Reference kommen im Bassbereich gleich drei dieser neuartigen Treiber mit einem Durchmesser von 18 Zentimetern zum Einsatz. Das erklärt auch die sehr tiefe untere Grenzfrequenz von 28 Hz. Auch der mit einem Durchmesser von 16 Zentimetern kaum kleinere Mitteltontreiber ist mit derselben Flachmembran bestückt. Darüber residiert eine 28-Millimeter-Seidenkalotte hinter einem schützenden Lochgitter, die von Vienna Acoustics entwickelt wurde, aber bei einem „dänischen Spezialisten“ gefertigt wird.

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Schick!

Das ganze Ensemble sieht richtig gut aus – selbst wenn die aufsehenerregenden Treiber hinter der ganzflächigen Abdeckung verschwinden sollten. Dazu trägt sicherlich das perfekt verarbeitete und nun an den Kanten stärker als beim Vorgänger verrundete Gehäuse mit seinem warmen, handschmeichelnden Holzfurnier aus italienischer Handarbeit ebenso bei wie die attraktiven Proportionen. Schlank und hoch aufgeschossen stehen die Beethoven Concert Grand Reference auf den von Vienna Acoustics bekannten Metallauslegerfüßen, die bequem und präzise von oben eingestellt werden können. Dem ästhetisch hungrigen Auge bleibt leider die aufwendige Innenkonstruktion mit ihren sorgfältig geplanten Kammern und Versteifungen verborgen – aber auch das Wissen um diese Achtsamkeit dürfte vielen Kunden ein gutes Gefühl mitgeben. Die Weichen der Beethoven Concert Grand Reference sollen – neben ihrer primären Aufgabe der Frequenzauftrennung an die verschiedenen Chassis – vor allem dafür sorgen, dass die Lautsprecher homogen klingen. Deshalb setzt Vienna Acoustics eine nach eigenen Aussagen recht komplexe und im Detail durch immer wieder neue Hörtests optimierte Frequenzweichenkonstruktion mit unterschiedlichen Flankensteilheiten von 6 dB und 12 dB pro Oktave ein. Beonderes Augenmerk legen die Wiener auf die Qualität der verwendeten Bauteile: MKP-Kondensatoren mit nur 1 % Toleranz, Luftspulen für die Mittel- und Hochtonzweige und ein spezieller „Powder Core“ im Bassbereich versprechen eine minimalinvasive Signalbehandlung. Die nominelle Impedanz der Beethoven Concert Grand Reference liegt bei 4 Ohm. Vienna Acoustics ist mir auch aus einem weiteren Grund sympathisch: Statt dem Multi-Wiring zu frönen, setzen die Österreicher auf ein einziges, dafür umso hochwertiger verarbeitetes Single-Wiring-Terminal – danke dafür! Belüftet werden die Beethoven Concert Grand Reference übrigens auch, und zwar über gleich zwei Bassreflexrohre auf der Rückseite der Lautsprecher. Eines davon sitzt recht weit unten, das andere im oberen Bereich der Lautsprecher. So dürfte die Bassenergie den Raum gleichmäßiger anregen, als wenn nur ein Port vorhanden wäre.

Kaventsmann


Wie bereits gesagt, sind die Proportionen der Vienna Acoustics Beethoven Concert Grand Reference hinreißend schlank – und das täuscht über das tatsächliche Gewicht dieser fast 120 Zentimeter hohen Säulen hinweg: Fast 38 Kilogramm bringt ein Stück auf die Waage! Da ist es ein Segen, dass Vienna Acoustics an den sehr praktischen und komfortabel von oben zu bedienenden Spike-Auslegern festgehalten hat.

Klang


Ich gebe zu, als ich mit dem Hörtest begann, war ich mir über die Preisgestaltung und den Platz der Lautsprecher in der Hierarchie von Vienna Acoustics nicht im Klaren. Angesichts von Größe, Bestückung Bestückung, Verarbeitung – und Klang – tippte ich auf ein eher deutlich fünfstelliges Preisschild. Meine Überraschung darüber, dass die Wienerinnen in der Standardversion preislich doch knapp unterhalb 10.000 Euro liegen, war angesichts aller Faktoren der real vor mir stehenden und spielenden Lautsprecher doch einigermaßen groß …

Wonneproppen


Tendenziell sind die Beethoven Concert Grand Reference tonal leicht warm und angenehm „sahnig“ abgestimmt. Die krachenden Schlagzeugbleche in Rage Against the Machines „Killing in the Name of“ sind präsent, vermeiden aber jede Art von Härten oder Stress, und der E-Bass rollt druckvoll, aber vollkommen dröhnfrei aus den sich auch bei höheren Lautstärken kaum bewegenden Flachmembranen – hier geht also was in Sachen Pegel und Langzeittauglichkeit. Und auch dynamisch sind die Beethoven verdammt fähig, wobei sie die Impulsbetonung auf den physisch sehr gut spürbaren Bassimpuls (fett und mächtig in „Fnktrp“ von The Floozeis) und weniger auf den Transientenbereich legen. Diese kommen zum Beispiel beim Slap-Bass „Kompet Gar“ zwar klar und definiert, im Vergleich zu den aktiven Audio Optimum FS82E (ab 13.990 Euro) oder den ebenfalls aktiven Sveda Audio Blipo Home etwas gezügelt, mit einer „fetteren“ Balance rüber.

Voller Schub


Der Bass der großen Beethoven schiebt auch im Tiefbass wahrlich fundamental bis etwa 30 Hz hinunter und blendet dann schön sanft und natürlich aus – perfekt nachvollziehbar bei den ultratiefen Tönen in „A Battle Between“ von Blue Tofu. Man hat selbst hier nicht das Gefühl, dass etwas fehle – das ist auch in dieser Größenklasse beileibe keine Selbstverständlichkeit. Dabei bleibt der Bassbereich stets kontrolliert und wohl balanciert gegenüber dem leicht betonten Oberbass, der dem Grund- und Mittelton einen wunderbar kräftigen, holzigen Charakter mit einer sehr kontrastreichen und vollen Klangfarbenpalette mitgibt – sehr schön nachvollziehbar anhand des Cellos in Agnes Obels „The Curse“.

Großartig und empathisch


Dass hier eine Grand Reference spielt, zeigt sich auch an der großen, mächtigen Abbildung von sehr nah am Mikrofon aufgenommenen Stimmen wie in HAEVNs „The Sea“ – doch die Beethoven Concert Grand Reference ist flexibel genug, diese Grandesse jederzeit auf Abruf gegen eine eher kompakte, intime, aber nicht gedrängte oder gar konfuse Abbildung der Stimme von Natalie Merchant zu tauschen. Anscheinend hat die Wienerin keine Präferenz für das eine oder das andere – eine sehr seltene Qualität. Nur etwas höher als bei den meisten kleineren Lautsprechern findet die gut geordnete und körperhaftpräsente Abbildung insgesamt statt. Feindynamik ist noch so ein Steckenpferd der Beethoven. Die Abstufungen von minimalen Lautstärkeunterschieden in kleinen Besetzungen erarbeitet dieser Lautsprecher mühelos und bestens nachvollziehbar. Der „Car Song“ von RM Hubbert zum Beispiel rührt mich fast zu Tränen – eine anscheinend direkt auf den Cortex wirkende Stimmenpräsenz, ein weiter Raum für die Gitarre dahinter, Gänsehaut erzeugende Klangfarben und feindynamische Mikroschattierungen, die die Seele der Musik ausmachen – berührend schön. Und wo wir schon bei Emotion und den Assoziationen sind: Der Klang der Vienna Acoustics Beethoven Concerto Grand Reference ist wie ein Abend in einer von Kerzenschein und Kaminfeuer erleuchteten Holzhütte in den Tiroler Alpen mitten im dicksten Winter, wenn man es sich in eine kuschlige Wolldecke gehüllt gemütlich macht und heißen Glühwein mit Schuss trinkt. Nichts stört die Harmonie, man kann sich ganz dem Genuss hingeben. Wer will denn schon immer dem allerletzten Detail nachrennen?

Fazit

Lautsprecher zum Damit-alt-werden, während man genussvoll Musik statt Klang hört. Für Klangsezierer nicht der Weisheit letzter Schluss, für Freunde eines gepflegten Rotweins am Kamin umso mehr.

Preis: um 9898 Euro

Vienna Acoustics Beethoven Concert Grand Reference

01/2020 -

 
Ausstattung & technische Daten 
Paarpreis ab 9.898 Euro 
Vertrieb Sintron 
Telefon 07229 182998 
Internet www.sintron-audio.de 
Garantie (in Jahre) 3 Jahre 
B x H x T (in mm) 292/1145/400 mm 
Gewicht (in Kg) ca. 32 kg 
Ausführungen Premium-Rosewood, Kirsche oder Klavierlack Schwarz oder Weiß 
Fazit Lautsprecher zum Damit-alt-werden, während man genussvoll Musik statt Klang hört. Für Klangsezierer nicht der Weisheit letzter Schluss, für Freunde eines gepfl egten Rotweins am Kamin umso mehr. 
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Datum 13.01.2020, 10:03 Uhr
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Interessante Links:
  • www.hausgeraete-test.de
  • www.heimwerker-test.de
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