Kategorie: Lautsprecher Stereo

Einzeltest: Voxativ Pi


Stimmbegabt

Lautsprecher Stereo Voxativ Pi im Test, Bild 1
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RICHTIGE Breitbandlautsprecher müssen riesig, hässlich und mit Horn sein – so die festgefasste Meinung derbeinharten Fans. Die Pi von Voxativ ist angetreten, diese Punkte alle zu widerlegen – naja, fast alle

Mit den erwähnten richtigen Breitbandlausprechern meine ich natürlich die Boxen, mit denen alles begann: die legendären Konstruktionen rund um die ebenso sagenumwobenen Lowther-Breitbandlautsprecher. Was aber ist denn so speziell an diesen Treibern, dass Menschen dazu bereit sind, neben dem nicht gerade kleinen Einstandspreis für die Chassis selber, sich noch gewaltige Hornkonstruktionen in ihre Wohnzimmer zu stellen? Nun, die großen Gehäuse sind bitter nötig – große Breitbänder mit gewaltigen Antrieben und extrem leichten Membranen verhungern buchstäblich im Bass, während sie im Mittel- und Hochtonbereich gut für über 100 Dezibel an einem Watt sind. Normale geschlossene oder Bassreflex-Gehäuse reichen da nicht aus, um am unteren Ende des Spektrums einen ausgeglichenen Frequenzgang zu erreichen.

Lautsprecher Stereo Voxativ Pi im Test, Bild 2Lautsprecher Stereo Voxativ Pi im Test, Bild 3Lautsprecher Stereo Voxativ Pi im Test, Bild 4Lautsprecher Stereo Voxativ Pi im Test, Bild 5Lautsprecher Stereo Voxativ Pi im Test, Bild 6Lautsprecher Stereo Voxativ Pi im Test, Bild 7Lautsprecher Stereo Voxativ Pi im Test, Bild 8Lautsprecher Stereo Voxativ Pi im Test, Bild 9Lautsprecher Stereo Voxativ Pi im Test, Bild 10Lautsprecher Stereo Voxativ Pi im Test, Bild 11
Also müssen Hörner her – große Hörner, die dann für das Klangerlebnis sorgen, von dem die Eingeweihten schwärmen. Um den Bogen zu unserer Testbox zu schlagen: Die Treiber von Voxativ können ihre Ahnen nicht verbergen, sind aber in entscheidenden Punkten deutlich disziplinierter. Die Unruhe im Frequenzgang der alten Originale ist weitestgehend verschwunden, und das bei einem nach wie vor beeindruckenden Wirkungsgrad. Wie es sich gehört, beträgt der Korbdurchmesser 8 Zoll. Das Magnetsystem ist nicht ganz so gewaltig wie bei reinrassigen Horntreibern, was dazu führt, dass die Gesamtgüte auch für Bassreflex-Gehäuse geeignet ist. Die Pi – unser Testmodell – stellt im Sortiment Voxativs eine Ausnahme und eine Art Durchbruch dar. Auch beim Berliner Spezialhersteller hat man bisher nicht die Grenzen der Physik sprengen können. Die anderen Fullrange-Gehäuse sind allesamt doch recht groß, entweder klassische Hornlautsprecher oder – eine Spezialität vom Voxativ -flache Boxen mit ausgeklügelter Schallführung, die nahe an die Wand dürfen und sollen. Nun also die Pi, die, geht man einmal um sie herum, aussieht wie eine geschlossene Box. Wie eine sehr elegante geschlossene Box. Die Seitenwände konkav auszuführen, war sicherlich die richtige Idee – auf diese Art und Weise verleiht der Konstrukteur dem traditionellen Formfaktor deutlich mehr Eleganz. Auch, wenn natürlich andere Farben verfügbar sind: Weiß steht der Pi ausgezeichnet. Es wirkt hell und freundlich – der einzelne Breitbandlautsprecher auf der Front zeigt gleich, worum es bei der Box geht. Der Treiber hat einen massiven Gusskorb und die Voxativ-eigene Membran aus hauchdünnen Holzsegmenten, dazu einen Schwirrkonus aus Papier für einen kräftigeren Hochtonbereich und in der Mitte einen Phase-Plug, ebenfalls aus Holz, der hilft, das Abstrahlverhalten zu optimieren. Beim Auspacken der Box hat man es natürlich schon gesehen: Es handelt sich mitnichten um einen geschlossenen Lautsprecher, sondern um etwas, das Voxativ AST nennt – „Active Stealth Technology“. Sieht man auf, oder besser in die Unterseite der Pi, dann erkennt man statt eines Gehäusebodens einen kurzen Hornverlauf, der oben direkt unter dem Chassis beginnt und sich auf die komplette Grundfl äche erweitert. Das restliche Gehäusevolumen um die Schallführung herum ist stark bedämpft und dient als Vorkammer. Eigentlich ein klassischer Hornreflex-Aufbau, wenn da nicht der Lautsprecher-Ständer wäre, der zwingend ein Bestandteil der Abstimmung ist. Dieser hat exakt die Grundfläche der Pi und einen genau berechneten Abstand zur Box, der über die vier mitgelieferten Spikes definiert wird: vorne etwas mehr als hinten, so dass der Lautsprecher minimal nach hinten geneigt ist. So entsteht ein schmaler Spalt am Hornmund, der die Resonanzfrequenz des ganzen Systems mit definiert. Und das funktioniert: In unseren Messungen im Freifeld zeigt die Pi einen Wirkungsgrad von immerhin 90 Dezibel im gesamten Bassbereich bis etwa 55 Hertz hinunter – damit lassen sich unter Hörraumbedingungen die vom Hersteller angegebenen 40 Hertz leicht erreichen, vor allem, wenn man die Rückwand ein bisschen zur Unterstützung heranzieht. An dieser Stelle spreche ich auch die dringende Empfehlung aus, mit der Aufstellung der Pi zu experimentieren: Mit kaum einer anderen Box habe ich teilweise so dramatische klangliche Veränderungen erzielen können, wie mit dieser. Mit einer Aufstellung, leicht angewinkelt zum Hörplatz und peinlich genau auf identischen Abstand gestellt, ist man dann am Ziel. Und das meine ich durchaus wörtlich: Auch ein eingefl eischter Mehrwege-Freund wird sich nur schwer der Faszination eines solchen Breitbandlautsprechers entziehen können. Das hat Charme, das hat Timing und eine einmalige räumliche Atmosphäre. Alte Jazzaufnahmen klingen, wie direkt aus dem Club geholt – die Musiker spielen zusammen, dass man fast die kleinen Signale des Bandleaders zu Tempowechseln oder Soloeinsätzen zu sehen vermeint. Auch Pop- und Rockmusik funktioniert hervorragend: Der Bass kommt federnd und mit einer beeindruckenden Souveränität – das kann man mit Fug und Recht als Fundament bezeichnen. Der Eindruck verstärkt sich noch, wenn man bis auf einen Meter oder noch etwas näher an eine Rückwand heranrückt. Wem das nicht genügt: Es gibt von Voxativ eine auf der Pi basierende Kombination mit einem zusätzlichen Dipol-Subwoofer. Tonal ist die Pi immer auf der etwas offensiven Seite: Den Pegelanstieg zum Mittel- Hochtonbereich kann man nicht wegdiskutieren. Gesangsstimmen liegen damit immer hauchfein auf der kehligeren Seite, Saiteninstrumente betonen eher die Saiten als den Korpus. Wie gesagt: Das sind aber nur Nuancen, die eigentlich nur fi esen Aufnahmen im Stile mancher 80er-Jahre-Alben den Garaus machen. Überraschend gut funktionieren dagegen Klassikaufnahmen früherer Jahre, die auf der Pi extrem ausgewogen daherkommen – mit Schmelz und Verve und dazu natürlich immer mit dieser einmaligen Räumlichkeit, die so nur ein sehr guter Breitbänder hinbekommt.

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Fazit

Die Voxativ Pi verkörpert alle Tugenden eines klassischen Breitbandlautsprechers und holt aus einem verblüffend kleinen  Gehäuse eine absolut souveräne  Tieftondarbietung: Hornfaszination für jedermann!

Preis: um 13500 Euro

Lautsprecher Stereo

Voxativ Pi


01/2016 - Thomas Schmidt

Ausstattung & technische Daten 
Paarpreis 13.500 Euro 
Vertrieb Voxativ, Berlin 
Telefon 030 2100 5662 
Internet www.voxativ.com 
Garantie (in Jahre) 10 
B x H x T (in mm) 380/650/310 
Unterm Strich Die Voxativ Pi verkörpert alle Tugenden eines klassischen Breitbandlautsprechers und holt aus einem verblüffend kleinen Gehäuse eine absolut souveräne Tieftondarbietung: Hornfaszination für jedermann! 
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Thomas Schmidt
Autor Thomas Schmidt
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Datum 24.01.2016, 10:02 Uhr
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Topthema: DIE MUSIKTRUHE IST ZURÜCK
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