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Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: Nottingham Analogue Black Diamond


Stufenschnitt

Plattenspieler Nottingham Analogue Black Diamond im Test, Bild 1
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Man nehme: Eine altägyptische Stufenpyramide, fräse sie rund und drehe sie um: Fertig ist der Plattenteller eines großen Nottingham-Plattenspielers – zumindest fühlt es sich so an, als hätte es hier jemand richtig ernst gemeint mit Größe und Masse

Der Legende nach hat sich der unlängst verstorbene Tom Fletcher, Gründer und langjähriger Chef von Nottingham Analogue, vor einiger Zeit auf einer Messe sehr über einen deutschen Plattenspieler- Hersteller geärgert, der sich weigerte, eine von Fletcher mitgebrachte Platte aufzulegen. Nun, dachte sich Fletcher, wenn ich die Platte nicht auf einem fremden Masselaufwerk spielen darf, dann baue ich eben mein eigenes. Dabei ist das heute noch gültige Referenzmodell „Deco“ herausgekommen, von dem unser Testmodell „Black Diamond“ etliche Elemente übernommen hat. Augenfälligstes Element ist natürlich der riesige Teller mit seiner sehr speziellen Formgebung. Ja, Sie verstehen es richtig: Der komplette gestufte Aufbau von der Basisplatte weg ist komplett und vollständig Teller und dreht sich! Wer jetzt etwas Angst um die strukturelle Integrität des Gesamtkonstrukts hat, der sei beruhigt. Will heißen: Das Dings ist so schwer wie es aussieht – ein Gussteil eben –, das riesige Lager hat der Masse aber auch einiges an Stabilität entgegenzusetzen. Um einen günstigen Schwerpunkt zu erreichen, hat man den Lagerdorn eben nicht unten herausragen lassen, sondern in die Rotationsmasse integriert, während sich die Bronze- Lagerbuchse weit über die Basis erhebt. Klassisch ist die rustikale vertikale Führung: Die Spitze des außen mehr als innen gehärteten Lagerdorns dreht sich auf einem quer in der Lagerbuchse verlaufenden weiteren Stahlstift. Das scheint sich bewährt zu haben: In den Jahrzehnten der Plattenspielerfertigung bei Nottingham gab es nicht eine einzige Reklamation wegen eines Lagerschadens. Neben dem absolut einmaligen Aussehen bietet der dicke Teller natürlich ein gewaltiges Trägheitsmoment und ein günstiges Resonanzverhalten durch die horizontal nicht symmetrische Form.

Plattenspieler Nottingham Analogue Black Diamond im Test, Bild 2Plattenspieler Nottingham Analogue Black Diamond im Test, Bild 3Plattenspieler Nottingham Analogue Black Diamond im Test, Bild 4Plattenspieler Nottingham Analogue Black Diamond im Test, Bild 5Plattenspieler Nottingham Analogue Black Diamond im Test, Bild 6Plattenspieler Nottingham Analogue Black Diamond im Test, Bild 7Plattenspieler Nottingham Analogue Black Diamond im Test, Bild 8
In den Teller eingearbeitet sind zwei Riemenscheiben für die Geschwindigkeiten 33 und 45 – das ist jetzt nicht komfortabel, gehört aber zur Antriebsstrategie der Firma Nottingham Analogue. Zentraler Bestandteil derselben ist der extrem drehmomentschwache Synchronmotor, der gerade einmal kräftig genug ist, um den angeschobenen Teller auf Nenndrehzahl zu bringen und zu halten. Nach dem Hören stoppt man das Laufwerk einfach wieder ab – nun ja, bei dem Teller kann sich das dann doch ein bisschen ziehen. Außerdem hat der Black Diamond ein Netzteil mit Sinusgenerator, an dem man ihn tatsächlich ausschalten kann. Nur nach dem Einschalten das Wieder-Anschubsen nicht vergessen! Die Basisplatte des Laufwerks ist aus hochglanzschwarz lackiertem Multiplex und doppelt ausgeführt. In der unteren Platte ist der massive Stahlsockel des Tellerlagers befestigt. Auf einer dämpfenden Zwischenschicht liegt dann die obere Platte mit den beiden Säulen für die Armbasen auf. Vier noch einmal dämpfende Füße tragen die Gesamtkonstruktion. Mit unserem Testlaufwerk wurde die Zehnzoll-Variante des Nottingham-Top- Tonarms „Anna Arm“ geliefert – eine auf den ersten Blick etwas skurrile Konstruktion. Dabei kontrastieren die massive Lagereinheit und das Headshell aus Aluminium schön mit dem schlanken schwarzen Kohlefaser-Armrohr. Es handelt es sich wie bei allen Nottingham-Tonarmen um einen Einpunkter, der sich aber bei der Bedienung gar nicht wie ein solcher anfühlt. Innen wird er nämlich in seiner Rollbewegung um die Längsachse durch zwei Stahlstangen in der Lagerkuppel limitiert. Ansonsten verfügt er über er alle mechanischen Eigenschaften eines echten Einpunkters. Stabilisiert wird die ohnehin schon begrenzte Bewegungsfähigkeit durch das tief liegende Messing-Gegengewicht, in seiner Führungsklammer. Das hat den Vorteil, dass die Gegengewichtsmasse so ganz leicht getauscht werden kann. Typisch ist auch die rustikale Lösung der Antiskatingfrage: Durch die Drehbewegung drückt der Arm gegen einen Ausleger, der ein Gewicht hochdrückt, Die Verbindung zwischen beiden ist eine durch die Armbasis geführte Achse. Ebenso einfach und doch präzise und feinfühlig erledigt man die VTA-Einstellung: Neben dem Tonarmschaft verläuft eine lange Madenschraube, mit der man über einen (übrigens immer noch zölligen) Inbus die Höhe des Arms einstellt und dann den Schaft wieder in der Basis fixiert. Das Ganze geht sogar während des laufenden Musikbetriebs. Der Zehnzöller erlaubt trotz seines Bauprinzips eine problemlose Montage und Einstellung des Tonabnehmers, so dass einer schnellen Inbetriebnahme des Plattenspielers nichts im Weg steht. Also, einmal mit Schwung den Teller auf Touren gebracht, die Nadel aufgesetzt und in gespannter Erwartung weit zurückgelehnt. Da ich ja die mächtige Tieftonwiedergabe der anderen Nottinghams kannte, war ich auf einiges gefasst – und wurde erst einmal enttäuscht: Statt eines Bassgewitters gab es – Ausgewogenheit, Neutralität und volle Kontrolle. Nach diesem einen Moment der Desillusionierung kam dann schnell die Erkenntnis, dass der Black Diamond sehr wohl die Tieftonfähigkeit der Kollegen hat, dass diese sich aber zum einen anders manifestiert und zum anderen nur eine unter zahlreichen anderen Qualitäten ist. Ja, es gibt ultratiefen Bass und ja, der kann auch richtig zuschlagen. Nein, der Black Diamond definiert sich eben nicht nur über gewaltige tiefe Töne – diese stellen nur den Unterbau dar, auf dem sich eine unglaublich feingeistige und differenzierte Art der Musikwiedergabe aufbaut. Wie schon einmal bei einem Nottingham-Test bin ich bei meinen Dire-Straits-Platten gelandet, namentlich bei den etwas älteren. Ich gestehe jedem zu, auch weiterhin eine „Brothers in Arms“ als Hör-Referenz zu benutzen – es bleibt ja auch eine hervorragend produzierte Scheibe. Für mich ist aber der einfachere Sound gerade der ersten beiden Alben der deutlich homogenere – die Rhythmus-Sektion bietet einen absolut zwingenden Groove mit einem mächtigen Schlagzeug und einem klar abgebildeten Bass, über dem sich die beiden Gitarristen mit ihrem klaren Spiel entfalten können und natürlich Mark Knopfler mit seinem Vortrag immer haarscharf an echtem Gesang vorbeischrammt. Das alles bildet der Black Diamond mit dem an dieser Qualität wohl nicht ganz unbeteiligten Anna-Arm einerseits ganz fein aufgelöst, andererseits unglaublich in sich geschlossen ab – jeder der Musiker kommt mit seinem Instrument zu eigenen Ehren und ist doch jederzeit Teil des größeren Ganzen. Und diese einsame Klasse in Sachen Selektion und Zusammenspiel kann der Nottingham problemlos auch auf große Orchester übertragen. Bela Bartoks erstes Klavierkonzert verlangt in seiner perkussiven Auslegung der Wiedergabekette so einiges ab – kein Thema für den Black Diamond, der seine stoische Ruhe behält und das Schlagwerk genauso gekonnt wiedergibt wie Streicher und Bläser mit ihren ungleich feineren Einsätzen. Die hohe Kunst ist es ohnehin, das Klavier authentisch abzubilden – nicht übergroß, aber auch nicht zu klein und vor allem mit der richtigen Balance zwischen Anschlag, ausklingenden Saiten und dem Korpus. Und auch hier – von Bachs wohltemperiertem Klavier auf der neu erschienen Gesamtausgabe mit Friedrich Gulda über seine Goldberg-Variationen (natürlich mit Glenn Gould) bis hin zu den rollenden und donnernden Akkordgewittern der Klavierkonzerte von Tschaikowski und Rachmaninow (Van Cliburn) – zeigt der Nottingham seine Ausnahmestellung. Die Balance ist stets perfekt, stellt sich jeder dynamischen Herausforderung und bleibt auch in der in der räumlichen Dimensionierung wie in der Position stabil wie ein armiertes Betonfundament. Alleine die Richtung, die dieser Hörtest bei mir weitgehend spontan genommen hat, weg von der zunächst angenommenen schieren Wucht hin zu weitaus differenzierterem Material, zeigt mir, dass der Nottingham Black Diamond ein absolut komplettes Laufwerk ist, das aus seiner Größe und Technik eine absolut beeindruckende Gesamtqualität generiert.

Fazit

Lassen Sie sich von der von seinem Aussehen nicht täuschen: Der Nottingham Analogue Black Diamond ist ein universeller Plattenspieler, der aus jeder aufgelegten Platte das absolute Maximum herausholt: große Masse, große Klasse!

Preis: um 16900 Euro

Nottingham Analogue Black Diamond


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Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb EnVogue 24, Wegberg 
Telefon 02436 382850 
Internet www.envogue-24.de 
Garantie (in Jahre)
B x H x T (in mm) 510/270/480 
Gewicht (in Kg) 40 

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