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Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: Thiele TT01 / TA01


Analoge Traumlösung vom Designprofi

Plattenspieler Thiele TT01 / TA01 im Test, Bild 1
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Auch wenn der Name immer mal wieder auftaucht: Bislang war Helmut Thiele in erster Linie Branchen-Insidern bekannt. Das dürfte sich jetzt gründlich ändern

Helmut Thiele ist gelernter Industriedesigner mit einer langen Vergangenheit beim Thema Produktdesign. Als einer der wenigen Angehörigen seines Berufsstandes hat er sich ein bisschen auf das Thema Unterhaltungselektronik spezialisiert und im Laufe der Jahre eine ganze Reihe spannender Dinge auch für den hochwertigen HiFi-Bereich entworfen. Drunter zählen so interessante Produkte wie Acapella-Lautsprecher, Thorens-Plattenspieler oder Excalibur-Tonabnehmer. Für mich hat der vielfältig versierte Mann den Vorteil, dass er in Fahrradreichweite auf der anderen Rheinseite arbeitet und so hatte ich die Gelegenheit, relativ früh am „Launch“ der ersten Produkte unter seinem eigenen Namen teilhaben zu können: Mit dem Thiele TT01 / TA01 gibt es nun eine feine Laufwerks-/Tonarmkombi, die vor originellen Ideen nur so strotzt.

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Das Paket kostet nicht ganz einsteigerkompatible 19000 Euro, hat jedoch eine Menge zu bieten. Grundsätzlich handelt es sich um einen per Riemen angetriebenen Plattenspieler, der als Basis für einen spurfehlwinkelkorrigierten Drehtonarm dient, aber natürlich auch mit anderen Tonarmen kombiniert werden kann. Einzeln sind die Komponenten für 9500 Euro zu erstehen. Das Laufwerk ist trotz beträchtlicher Abmessungen (51 Zentimeter breit, 40 tief) kein echtes Schwergewicht. Thiele verzichtet nämlich auf den ausufernden Einsatz von Metall und besorgt das Ausfiltern störender Schwingungen lieber mit gezielten Dämpfungsmaßnahmen. Die Basis des angenehm schlich gestylten Spielers folgt dem „Constrained Layer Dammping“-Prinzip, bei dem harte Materiallagen über hoch dämpfende Materialien verbunden werden, welche dann alle Schwingungen „einfangen“. Beim TT01 ist dieser Aufbau dreischichtig ausgeführt. An der untersten Lage greifen die drei fein und ohne Werkzeug von oben verstellbaren Standfüße an. Auch der Antriebsmotor, die Motorsteuerung und das Anschlussterminal sind hier befestigt. Die mittlere Ebene dient nur als Montageplatte für den Tonarm. Die oberste Ebene trägt das Tellerlager und das Bedienfeld. Alle drei Lagen bestehen aus unterschiedlichen Holzwerkstoffen – unter anderem Bambus - und sind hochdämpfend miteinander verklebt. Das Ergebnis ist eine hoch wirksame Isolation aller Schlüsselkomponenten voneinander, deren Meriten man definitiv hört. Außen herum ist der Aufbau mit Kunststoff und Aluminium verblendet, so dass man von dem eigentlichen Sandwichaufbau nichts sieht. Als Plattenteller dient beim TT01 eine zweiteilige Anordnung, die aus einem Aluminium-Außenring und einem Kunstoff-Innenteil besteht. Das ist mal keine beliebig schwere Materialschlacht, sondern eine vermutlich klug dimensionierte Lösung, bei der die Masse da sitzt, wo sie hingehört – nämlich außen. Der Teller ruht auf einem großen Metall- Innenteller, an dessen Außenrand der Antriebsriemen läuft. Somit haben wir zwei Kunststoff-zu-Metall-Materialübergänge, etwaige Lagergeräusche dürften hier wenig Chancen haben, bis in die Abtastzone zu kommen. Oben auf dem Teller liegt eine unten raue und weiche, oben glatte und harte Ledermatte. Aus dem Subteller ragt eine moderat dimensionierte Lagerachse, die am Ende eine Keramikkugel trägt. Das ganze steckt fettgeschmiert in einer Bronzehülse und läuft sehr gut. Der Antrieb erfolgt per Gummi- Flachriemen, der dazugehörige Motor ist ein Synchrontyp, dessen Drehzahl praktisch unverrückbar an der Frequenz der steuernden Wechselspannung hängt. Der Motor wird von einer eigens dafür entwickelten Elektronik hochwertig versorgt. Die Bedienung erfolgt über die drei üblichen Taster: 0, 33 und 45 Umdrehungen. Dass das Dämpfungskonzept des Gerätes sehr effektiv funktioniert, merkt man im Umgang mit der Gerät an jeder Ecke. Es macht einfach keine Geräusche, schon beim Anfassen und Bedienen nicht. Um mit konventioneller Bedämpfung durch Masse in ähnliche Regionen zu kommen, muss man erhebliche Metallmengen auffahren. Sie blicken schon die ganze Zeit verstohlen auf die hintere rechte Ecke des Laufwerks, an der dieser faszinierende Tonarm montiert ist? Zurecht. So etwas wie den Thiele TA01 sieht man nicht alle Tage. Man kann ihn grob vereinfachend einen Tangentialtonarm nennen, richtiger wäre jedoch spurfehlwinkelkorrigierter Drehtonarm. Heißt in diesem Fall: Es gibt ein klassisches gerades Tonarmrohr, dessen Drehpunkt von einer trickreichen Hebelmechanik so verschoben wird, dass die Abtastnadel immer perfekt senkrecht zu Rille steht. Die den Mechanismus antreibende Kraft ist die der Rillenflanke auf die Abtastnadel, sonst nichts. Das ist keine gänzlich neue Idee und eine, die bei Helmut Thiele als Prototyp viele Jahre auf dem Regal verbracht hat. Parallelen gibt es zum „LT“ von Frank Schröder und dem motorisch angetriebenen 5T von Reed. Grundsätzlich arbeitet die Anordnung mit vier Drehpunkten. Zwei davon sind fest an der Armbasis angeordnet, die beiden anderen werden über bewegliche Hebel „verfahren“. Dabei wird der Kardan- Lagerblock des Armrohrs nahe an der Basis so bewegt, dass sich das Ergebnis in etwa wie ein neun bis zehn Zoll langer Drehtonarm verhält – allerdings wie einer ohne nennenswerten Spurfehlwinkel. Die beiden steuernden Hebel sind aus Ebenholz gefertigt, die hintere „Tragekonstruktion“ als ungleich stabilere Metallkonstruktion. Bei der Formgebung aller Teile der Anordnung kann man Helmut Thieles Leidenschaft fürs Fliegen erahnen: Konturen, die an ein Tragflächenprofil angelehnt sind bestimmen das Bild und verleihen der Mechanik einen sehr stimmigen Look. Natürlich ist der Arm in Gänze komfortabel höhenverstellbar. Das Tonarmrohr ist weit mehr als ein schlichtes Kohlefaserrohr, hier werden nämlich zwei Rohre ineinander geschoben und mittels einer Gellage bedämpft. Das massive Headshell ist stabil mit einem vorne eingeklebten Konus verschraubt, Die Verbindung erlaubt das Verstellen des Azimuts. An der Oberseite des Headshells sorgt ein weiteres Ebenholzelement für Dämpfung, davon gibt‘s auch noch eines im Gegengewicht am anderen Ende des Geschehens. Ich habe selten einen Tonarm gesehen, bei dem Resonanzen so wenig Chancen haben wie bei Helmut Thieles Luxuskonstruktion. Sorgen ob der Leichtgängigkeit der Angelegenheit muss man sich definitiv nicht machen, die Losbrechmomente und Reibungsverluste aller Lager sind winzig. In Sachen Bedienung braucht man einen Moment, um sich an die ungewöhnliche Geometrie zu gewöhnen. Das liegt daran, dass sich der Arm immer ein Stück mit nach vorne bewegt, wenn man ihn über die Platte schwenkt. In der Praxis funktioniert das Ganze jedoch völlig ohne Probleme, der resultierende maximale Fehlwinkel der Anordnung ist vernachlässigbar winzig. Der Arm rangiert in der Kategorie mittelschwer, so dass er sich mit einer Vielzahl von Tonabnehmern kombinieren lässt. Helmut Thiele selbst montierte das Ortofon Windfeld Ti, dass sich in seinem Plattenspieler die ersten Sporen verdienen sollte und noch auf eine gesonderte Würdigung wartet – die kommt noch, versprochen. Der Tonabnehmer hat‘s auf alle Fälle verdient. Thieles TT01 und TA01 demonstrieren ab dem ersten Ton mit dem Ortofon einen sehr reifen und feinsinnigen Charakter mit Mengen von Stabilität und Zusammenhalt. Ohne das nämlich würde so etwas wie „Tago Mago“ der Krautrock-Urgesteine von Can nämlich nicht funktionieren. Hier allerdings ist die Scheibe ein Erlebnis allererster Güte. Wir hören „Halleluwah“ auf Seite zwei, bei dem erst einmal Jaki Liebezeits stoische und mit gnadenloser Härte durchgezogene Schlagzeuglinie auffällt. Schön separiert vom Rest des Geschehens, arbeitet sich der Kult-Trommler über 18 Minuten lang mit beeindruckender Präzision ab und schafft das fein freigestellte Gerüst für das, was seine Kollegen da vollführen. Es klingt dicht, hitzig, mit diesem leicht spröden Frühsiebziger-Sound. Ortofon und Thiele nehmen den Zuhörer mit ins Studio, man ist ganz nah dran am Geschehen. Ihren vollkommen untechnischen, sehr emotionalen Charakter demonstriert die Kombination auch mit der texanischen Rockband „Cigarettes After Sex“, respektive deren selbstbetiteltem Debutalbum aus dem Jahr 2017. So laid back, locker und losgelöst habe ich das verträumte Album selten gehört. Tonabnehmer, Plattenspieler und Tonarm dokumentieren – und ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal sagen würde, wenn ein Ortofon-MC im Spiel ist – einen ganz leicht warmen und sehr einladenden Charakter, der sehr überzeugend die Tugenden der analogen Sache in den Vordergrund stellt und auch diese Platte zu einem fast sinnlichen Erlebnis macht – große Klasse. Noch ein Klassiker gefällig? Beim Stöbern nach interessanten Platten nämlich fällt mir Paul Simons Geniestreich „Graceland“ in die Hände, die ich auch schon lange nicht mehr gehört habe. Und Helmut Thieles Plattenspieler überzeugt mich rigoros davon, dass das wohl ein Fehler war. Das beginnt mit dem schön fluffig und beschwingt in den Raum gestellten Titelstück und geht bei „I Know What I Know“ nahtlos weiter. Auch hier entpuppt sich der Thiele als Meister des staubtrockenen Schlagzeugs mit ganz viel Klangfarbe, wie sich das zuvor schon andeutete. Das funkige „You Can Call Me Al“ klingt trotz unverhohlener Achtziger- Plastikzutaten frisch und lebendig. Auch 35 Jahre alt mittlerweile, die Scheibe. Time flies. Dem geschlossenen und feingliedrigen Sound mit dem Windfeld Ti mit anderen Abtaster nahe zu kommen erweist sich als gar nicht so einfach. Das Lyra Etna funktioniert unter dem Headshell des Tangentialtonarms ebenfalls exzellent. Nicht ganz so intim und fein wie das Ortofon, aber mit etwas mehr Farbe und „Drama“ weiß sich der japanische Könner-Pickup in Szene zu setzen. Beim wunderbaren Zwei-Personen-Hotelzimmer-Epos „Room 29“ fällt sie Entscheidung schwer: Hier die Intimität des Ortofon, dort Offenheit und Lebendigkeit des Lyra. Theies Ausnahmekomponenten indes ficht das alles nicht an. Sie bilden eine absolut perfekte Basis für solche Spielereien und bieten eine extrem transparente und angenehm unaufgeregte Basis auf allerhöchstem Niveau.

Fazit

Helmut Thieles Analoglösung spielt ganz vorne mit. TT01 und TA01 spielen auffällig feingliedrig, souverän und variabel. Echte Analog-Highlights!

Preis: um 9500 Euro

Plattenspieler

Thiele TT01 / TA01


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Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Audio Trade, Mülheim 
Telefon 0208 882660 
Internet audiotra.de 
Garantie (in Jahre) 2 Jahre 
Abmessungen 510 x 200 x 400 mm 
Gewicht (in Kg) ca. 18 kg 
Unterm Strich ... » Helmut Thieles Analoglösung spielt ganz vorne mit. TT01 und TA01 spielen auffällig feingliedrig, souverän und variabel. Echte Analog-Highlights! 
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Autor Holger Barske
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