Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: VPI Classic 3


Grosser, böser Bruder

Plattenspieler VPI Classic 3 im Test, Bild 1
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Ich war ziemlich erschrocken, als ich ihn zum ersten Mal gesehen habe, den Classic 3. Nominell ist er ja eng verwandt mit dem hübschen, kleinen Classic, in den ich mich vor genau zwei Jahren fast ein bisschen verliebt habe. Eine so spontane Sympathie möchte der Classic 3 nicht erzeugen – aber es kommt ja auf die inneren Werte an, sagt man

Mitspieler



Tonabnehmer:


Nagaoka MP-500
Dynavector Te Kaitora Rua
Phase Tech P-3G


Phonoverstärker:


Quad 24P Phono
MalValve Preamp Three Phono
PS Audio GCPH modifiziert


Verstärker:


Malvalve Preamp Three Line und Power Amp Three
SAC Preamp + Igel


Lautsprecher:


Sonics Allegria
K+T Titania


Zubehör:


Basen von Accurion und Thixar
Netzkabel von HMS und PS Audio
Phonokabel von Nordost und Furutech
NF-Kabel von van den Hul


Gegenspieler



Plattenspieler:


Well Tempered
Rui Borges Uno One mit Reed Tonarm
Transrotor Fat Bob mit SME 3500


Wir erinnern uns: Fast schon sensationellerweise durchbrach VPI die hauseigene Designlinie und stellte einen Kompaktspieler vor, der viel weniger breit war als man es von den anderen Laufwerken aus New Jersey gewöhnt ist und der mit seiner furnierten Holzzarge ganz klassisch aus nach der Art der 60er- und 70er- Jahre aussah, Plattenspieler zu bauen. Nun, sagen wir einmal, der Classic 3 hat von diesem Modell den Grundriss beibehalten und ist ansonsten einen anderen Weg gegangen – so wie ja in mancher Familie ein Sohn den schöngeistigen Dingen anhängt, während der der andere eine, sagen wir, militärische Karriere einschlägt.

Plattenspieler VPI Classic 3 im Test, Bild 2Plattenspieler VPI Classic 3 im Test, Bild 3Plattenspieler VPI Classic 3 im Test, Bild 4Plattenspieler VPI Classic 3 im Test, Bild 5Plattenspieler VPI Classic 3 im Test, Bild 6Plattenspieler VPI Classic 3 im Test, Bild 7
Der Vergleich ist gar nicht so weit hergeholt: Ein bisschen martialisch sieht er schon aus, der neue Classic, mit seinem massigen Aufbau, der keinerlei Holzapplikationen oder andere kosmetische Maßnahmen aufweist. Schwarz dominiert wie bei allen VPI-Laufwerken das Aussehen, nur durchbrochen von der matt silbern abgesetzten Deckplatte und den blanken Metallteilen, von denen es auch reichlich gibt. In erster Linie ist da natürlich der Teller zu nennen, der sich in seinen Dimensionen nicht vom ursprünglichen Classic unterscheidet. Eine zusätzliche Schwungmasse in Form eines Außenrings sprengt aber auch hier die Proportionen – man macht hier noch einmal ordentlich Masse und zeigt es auch! Zur Funktion des Außenrings aber später noch mehr. Der Teller dreht sich auf einem invertierten Lager mit Edelstahldorn und -kugel in einer Buchse aus Bronze mit einem Lagerspiegel aus einem Delrin-Teflon-Kompositmaterial. Die Schallplatte wird mit der bekannten VPI-Schraubklemme (in neuem Design) auf dem Teller fixiert – dank einer konkaven Konstruktion der Klemmenunterseite und einem entsprechenden Gegenstück zum Aufstecken auf die Tellerachse kann fast jede Platte plan an den Teller gepresst werden – die dafür nötige Azimuthanpassung ist mit dem montierten Einpunkt-Tonarm leicht zu bewerkstelligen. Lautete beim Grundmodell die Empfehlung noch, die Platte ganz ohne Matte aufzulegen, so legte uns Arndt Rischmüller vom deutschen VPI-Vertrieb H.E.A.R. eine Spezialmatte von Cartridgeman bei – unseren Lesern wahrscheinlich eher bekannt als Hersteller hochklassiger Tonabnehmersysteme. Diese Matte besteht aus einem extrem weichen Material, das in konzentrischen Vertiefungen und Graten gegossen wurde – vermutlich etwas Ähnliches wie Sorbothan. Der Nachteil: Die VPI-Klemme funktioniert aufgrund der Dicke der Matte nicht mehr wie vorgesehen, sondern nur noch als normales Tellergewicht. Die Zarge ist eine VPI-typische Sandwichkonstruktion aus einer dicken Lage MDF, einem guten Zentimeter Aluminium und zuletzt einer drei Millimeter starken Stahlplatte, die mit Silikonkleber und zusätzlichen Maschinenschrauben befestigt wird. Der Motor sitzt wie beim Classic nicht in einem separaten Gehäuse, sondern mit in der Zarge. Um an dieser Stelle Resonanzen zu vermeiden, ist die Motorsektion durch eine spezielle Gummimischung vom Rest des Laufwerks entkoppelt. Die Positionierung links vorne erlaubt es dem Antriebsriemen längs zur Abtastrichtung am Teller zu ziehen und nicht – wie meistens – quer. Damit gibt es kaum noch laterale Taumelbewegungen der Platte zur Nadel. Der Tonarm 10.5i unterscheidet sich vom Arm des Classic 1 durch die Nordost- Valhalla-Innenverkabelung (wirklich ein herausragendes Phonokabel) und ein deutlich modifiziertes Armrohr aus zwei sichtbar ineinander gesteckten Stahlrohren – dies soll für eine noch größere Stabilität sorgen. Die Austauschbarkeit der Armrohre für einen schnellen Tonabnehmerwechsel ist natürlich geblieben, ebenso das große Gegengewicht, das außermittig gebohrt ist, um möglichst viel Masse unter den Tonarmdrehpunkt zu bekommen. Aus dem gleichen Grund verwendet man bei VPI für den Arm einen sehr schweren Ring mit den zwei außen liegenden Lateralgewichten zur Azimutheinstellung (und Stabilisierung). Zu leichte Tonabnehmer erhalten ein Zusatzgewicht am Headshell. Der Tonarm, dessen gesamte bewegliche Konstruktion auf einer extrem scharf geschliffenen Edelstahlspitze aufliegt, kann mit Silikonöl bedämpft werden. Der 10.5i ermöglicht ein bequemes „VTA on-thefly“ mit einer skalierten Rändelschraube. Die auch bei VPI inzwischen serienmäßige Antiskating-Einrichtung ist oben auf dem Anschlussterminal angebracht, die Verbindung zwischen Tonarmkabeln und Cinchbuchsen erfolgt per Lemo-Stecker. Das Ganze steht auf passend gestalteten Füßen im Stile des gewaltigen Flaggschiffs VPI HR-X, mit dem der Classic 3 unübersehbar auch ein paar Gene teilt. Das sind recht massige Dämpferfüße, die an der Unterseite über je drei eingepresste Stahlkugeln verfügen, um die Auflagefläche zum Untergrund möglichst klein zu halten. So aufgestellt, ist man mit dem Classic 3 auf jeden Fall auf der sicheren Seite – Masse und Dämpfung sorgen für eine ziemlich unproblematische Aufstellung. Hatte der VPI Classic für seinen damaligen UVP von 3.200 Euro sensationell gut aufgespielt, so musste der Classic 3 für seinen ja gut doppelt so hohen Preis unbedingt einen draufsetzen. Da ich mich gerne durch die unterschiedlichen Setup-Möglichkeiten arbeite, habe ich erst einmal mit dem nackten Teller und der VPI-Klemme angefangen. Sehnig, sauber und kraftvoll, wie von einem VPI gewöhnt, legt der Classic 3 los. Überzeugend, aber noch nicht außer Rufweite des „alten“ Classic, würde ich mal sagen. Erst mit der Ring Clamp gibt es einen Aha-Effekt: Die trockene Basswiedergabe erfährt noch einmal einen substanziellen Schub und legt atemberaubende Tieftonimpulse frei, die vorher zwar auch da waren, sich aber nicht so recht im Kontext freispielen konnten. Jetzt erfahren auch die tief gestimmten Instrumente ihr Recht, Kontrabässe lassen sich mühelos orten, große Trommeln liefern Volumen und Attacke, dass es einem manchmal angst und bange um die Tieftönermembranen wird. Dabei sind die tiefen Lagen immer noch genauso wenig überbetont wie vorher – nur um Etliches besser definiert. Jetzt könnte man ganz kurz eine Klischee- Schublade öffnen und den Classic 3 unter „martialisches Äußeres – Dynamikmonster“ einsortieren. Aber: Über dem aufgeräumten Frequenzgangkeller gibt es noch ein paar Etagen mehr, in denen sauber, aber auch elegant und charmant musiziert wird. Die gute „alte“ Katie Melua betört mit ihrer sanften Mädchenstimme und erweckt im grimmigen Testredakteur Beschützerinstinkte. Nix da mit „martialisch“ – der Classic 3 verfügt in seinem Repertoire auch über Schmelz, Emotion und Musikalität. Die Frage nach dem Hochtonbereich erübrigt sich – selbstverständlich wird hier präzise und fein aufgelöst gearbeitet – ich habe den Eindruck, der Tonarm leistet hier neben der frappierenden Basspräzision seinen wichtigsten Beitrag. In der Tat findet der VPI eine genau richtige Dosierung der Energie – wo bei hohen Lautstärken andere Spieler schon längst in einen nervigen Klirrbrei kippen, arbeitet er immer noch präzise feinste musikalische Informationen aus der Rille heraus, vorausgesetzt, man spendiert ihm einen adäquaten Tonabnehmer als Spielpartner. Mit der Tellermatte von Music Maker gerät die Spielweise ein ganz kleines bisschen runder, dunkler – die Kombination vermittelt dann noch einmal den Eindruck einer noch größeren Ruhe und Stabilität, fast, als wären keinerlei beweglichen Teile mehr am Abspielvorgang beteiligt. Natürlich hat ein Plattenspieler bei einer derartigen Sauberkeit in der Wiedergabe extrem leichtes Spiel bei der Räumlichkeit – und so überzeugt der Classic 3 durch die luftige Weite und Tiefe der Dimensionen, die er aus den Boxen zaubert, ebenso sehr wie durch die fantastisch stabile Mitte und Positionierungsgenauigkeit in der Abbildung genau so geht’s!

Fazit

Der Classic 3 ist eine würdige Fortsetzung der VPI-Classic-Serie. Optisch deutlich martialischer als sein Vorgänger, erweitert er dessen charmanten Klangcharakter durch eine durch nichts zu erschütternde Stabilität. Einfach ein Klassiker.

Kategorie: Plattenspieler

Produkt: VPI Classic 3

Preis: um 7250 Euro


8/2011
Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb HEAR, Hamburg 
Telefon 040 41355882 
Internet h-e-a-r.de 
Garantie (in Jahre) k.A. 
B x H x T (in mm) 530/240/400 
Gewicht (in Kg) 30 
Varianten/Ausführungen: Nein 
Unterm Strich... » Der Classic 3 ist eine würdige Fortsetzung der VPI-Classic-Serie. Optisch deutlich martialischer als sein Vorgänger, erweitert er dessen charmanten Klangcharakter durch eine durch nichts zu erschütternde Stabilität. Einfach ein Klassiker. 
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Thomas Schmidt
Autor Thomas Schmidt
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Datum 30.08.2011, 12:45 Uhr
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