Kategorie: Schallplatte

Musikrezension: Bibi Ahmed – A Cocas / I Midi Wall und Bibi Ahmed – Adghah (Sounds Of Subterrania)


Bibi Ahmed – A Cocas / I Midi Wall und Bibi Ahmed – Adghah

Schallplatte Bibi Ahmed – A Cocas / I Midi Wall und Bibi Ahmed – Adghah (Sounds Of Subterrania) im Test, Bild 1
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Zunächst mal kurz was Generelles: Ich bin der Meinung, dass sich kein Platten produzierender Mensch einen Zacken aus der Krone bricht, wenn er irgendwo aufs Label druckt, ob jetzt Seite A oder B auf dem Teller liegt. Und nein, es ruiniert den künstlerischen Gesamteindruck ganz bestimmt nicht. Ich hab echt keine Lust, andauernd mit der Platte in der Hand Verrenkungen unter eine Lampe zu machen, um irgendwo in der Gravur auf Höhe der Auslaufrille ein winziges „A“ oder „B“ zu erhaschen. Okay?
Die beiden hier zur Debatte stehenden Platten des nigerianischen Musikers Bibi Ahmed haben beide dieses Problem. Auch lagen sie lange auf diesem Stapel unverlangt eingesandter Platten, auf dem „Müsste man mal reinhören“ steht. Habe ich getan und seltsame Dinge sind passiert. Eigentlich kann ich mit arabischer Musik nur sehr bedingt etwas anfangen, aber das hier, das hat was. Normalerweise werde ich mit Klängen aus diesem oder zumindest benachbarten Kulturkreisen in erster Linie über heruntergelassene Fenster schwerer und übermotorisierter Karossen mit Stern im Kühlergrill an der Ampel konfrontiert und das ist nicht meins.

Schallplatte Bibi Ahmed – A Cocas / I Midi Wall und Bibi Ahmed – Adghah (Sounds Of Subterrania) im Test, Bild 2Schallplatte Bibi Ahmed – A Cocas / I Midi Wall und Bibi Ahmed – Adghah (Sounds Of Subterrania) im Test, Bild 3
Parallelen zwischen solcherlei Dingen und dem, was der Nigerianer hier gesanglich veranstaltet sind nicht völlig von der Hand zu weisen, aber da ist noch viel mehr. Die eine oder andere Fender zum Beispiel. Vorzugsweise eine halbakustische Jazzvariante, die das ansonsten fast ausschließlich von Gesang und diversen Trommeln getragene Geschehen in eine gänzlich andere, seltsam vertraute Richtung lenken.
Nein, nicht doch, hier kombiniert nicht einfach jemand orientalische Folklore mit westlichen Rhythmen. Das, was Bibi Ahmed da macht, rangiert unter dem Label „Tuareg Blues“, kombiniert mit elektrifiziertem Folk aus diesem Kulturkreis. Natürlich hat das Ganze einen hochpolitischen Hintergrund: Bibi Ahmeds Musik handelt vom Leid der Verfolgten, von Unterdrückung und Vertreibung. Immerhin befinden wir uns hier mitten in Westafrika, zweifellos einem der gefährlichsten Orte auf der Welt. Der Blues ist ganz eindeutig zu erkennen in dem, was der Mann da macht, wenn er auch nicht unmittelbar mit dem zu vergleichen ist, was uns so aus dem Mississippi-Delta geläufig ist. Und doch erzeugt das Ganze gerade durch seine dürre Reduziertheit eine erstaunlich hypnotische Wirkung, der man sich nur schwer entziehen kann. „Adghah“ ist die abwechslungsreichere der beiden Platten, allein schon deshalb, weil es mit neun Titeln ein komplettes Album ist. Es klingt klar, aufgeräumt, schnell und präzise. Die 180-Gramm-Scheibe steckt in einem spannenden briefumschlagähnlichen Cover. „A Cocas / I Midi Wall“ hingegen ist mit nur zwei Titeln eher eine EP. Mir gefallen die beiden langen Tracks auf dieser Veröffentlichung noch ein bisschen besser als die auf dem anderen Album, transportieren sie die Essenz des Ganzen doch noch ein bisschen hitziger und intensiver. Außerdem klingt‘s noch ein bisschen größer, voluminöser und eindringlicher. Auch diese Scheibe ist höchst interessant verpackt; bevor man ans schön geprägt Cover gelangt, muss man das Ganze erst aus einer Art Geschenkpapier befreien. Auch diese Platte ist makellos gefertigt, in beiden Fällen gibt‘s einen Downloadcode für die Digitalversion dazu.

Fazit

Blues wie von einem anderen Stern: reduziert, intensiv, hypnotisch, elektrisierend. Großartig!

Schallplatte

Bibi Ahmed – A Cocas / I Midi Wall und Bibi Ahmed – Adghah (Sounds Of Subterrania)


03/2020 - Holger Barske

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Autor Holger Barske
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