Kategorie: Schallplatte

Musikrezension: Ludwig van Beethoven - Tacet´s Beethoven Symphonies Interpreten: Polish Chamber Philharmonic Orchestra, Wojciech Rajski Polish Chamber Choir, Jan Lukaszewski, Bomi Lee, Agnieszka Rehlis, Krystian Adam Krzeszowiak, Tareq Nazmi (9. Symphonie) (Tacet)


Ludwig van Beethoven - Tacet´s Beethoven Symphonies Interpreten: Polish Chamber Philharmonic Orchestra, Wojciech Rajski Polish Chamber Choir, Jan Lukaszewski, Bomi Lee, Agnieszka Rehlis, Krystian Adam Krzeszowiak, Tareq Nazmi (9. Symphonie)

Schallplatte Ludwig van Beethoven - Tacet´s Beethoven Symphonies Interpreten: Polish Chamber Philharmonic Orchestra, Wojciech Rajski Polish Chamber Choir, Jan Lukaszewski, Bomi Lee, Agnieszka Rehlis, Krystian Adam Krzeszowiak, Tareq Nazmi (9. Symphonie) (1
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Immer wenn man meint, zu einem Thema ist nun wirklich schon alles gesagt, kommt irgendjemand mit einem neuen Aspekt dazu um die Ecke. So auch hier bei den Beethoven-Aufnahmen des polnischen Kammerorchesters, erschienen auf dem renommierten Tacet-Label

Amüsiert und erfreut habe ich den Umstand zur Kenntnis genommen, dass die Gesamtspieldauer dieses Beethoven-Zyklus genau 333 Minuten beträgt – besser kann es für einen Schallplattenfanatiker doch gar nicht sein. Diese fünfeinhalb Stunden verteilen sich auf insgesamt sechs einzeln erhältliche Platten, teils Doppel-LPs. Die Zusammenstellung entspringt den technischen Notwendigkeiten eher als der Chronologie, so sind zum Beispiel die Symphonien Nummer 1, 2 und 8 auf einer Doppel-LP erhältlich, ganz einfach, weil sie sich recht gleichmäßig über vier Plattenseiten verteilen lassen. Soviel mir bekannt ist, ist eine komplette Box bisher jedenfalls nicht in Planung.

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Tacet ist ja als das „Röhrenlabel“ bekannt: Viele Aufnahmen der Stuttgarter Spezialisten werden mit der Technik der „guten alten Zeit“ gemacht und weiterbearbeitet. Das soll um Himmels willen nicht bedeuten, dass man hier versucht, einen Retrosound zu erzeugen. Sämtliche Komponenten der Aufnahmekette sind auf dem neuesten Stand und müssen sich vor aktueller Technik nicht verstecken – eher im Gegenteil: Die Mikrofone, mit denen Tacet arbeitet, sind extrem begehrte Teile und erzielen auf dem Gebrauchtmarkt inzwischen schon fast absurde Preise. Und dem Benutzer eines alten Neumann-Röhrenmikrofons muss man es aus den kalten, toten Händen reißen, vorher wird er es nicht abgeben. Also: Sounding ja, aber auf allerhöchstem Niveau. Die üblicherweise recht schlichte Mikrofon-Aufstellung bei Tacet-Aufnahmen musste man erweitern, um dem doch recht großen Klangkörper eines Kammersinfonieorchesters gerecht zu werden. So prangt auf den Platten auch nicht der „Tube-Only“-Sticker – das eine oder andere Stützmikrofon war dann wohl doch ohne Röhre. Ein Projekt wie ein Beethoven-Zyklus ist immer ein Kraftakt, der zudem einiges an Planung erfordert. Er benötigt nachhaltige Arbeit von Dirigent und Orchester und natürlich einen immensen Aufwand in Sachen Logistik. So nimmt es nicht wunder, wenn man liest, dass der Zeitraum, in dem die neun Symphonien aufgenommen wurden, sich über 10 Jahre erstreckt – wobei tatsächlich die Pause vor der Neunten immerhin sechs Jahre dauerte. Als Aufnahmeorte wählte man fast immer die Kirche Stella Maris in Sopot, der Heimatstadt des polnischen Kammerorchesters. Lediglich für die Neunte musste man nach Gdansk ausweichen, vermutlich aus Platzgründen. Die ersten fünf Platten wurden mit halber Geschwindigkeit gemastert, ein Verfahren, das die Präzision beim Schneiden deutlich erhöht. Bei der fünften, siebten und neunten Symphonie wurden zudem die letzten Seiten von innen nach außen geschnitten, um die Dynamik der finalen Sätze voll in der Rille zu verewigen. Zum Werk muss an dieser Stelle wohl nichts mehr gesagt werden: Die ersten beiden Symphonien entwickelt Beethoven noch recht deutlich aus der Tradition Haydns und Mozarts heraus, wobei er schon beim zweiten Werk anfängt, formale wie zeitliche Grenzen zu sprengen. Man kann es sich heute kaum vorstellen, dass eine gut halbstündige Symphonie zu Lebzeiten Beethovens schon als Mammutwerk galt. Und das war erst die Überleitung der (fremd benannten) „Eroica“, der ja schon viele historische Kontexte angedichtet wurden, so dass sie vielleicht als erster Vorbote der in der Romantik so beliebten symphonischen Dichtung gelten darf. Die vergleichsweise beschwingte vierte Symphonie ist eine der weniger beachteten geradzahligen Beethoven-Symphonien, die zu entdecken sich durchaus lohnt. Mit der Fünften hat Beethoven dann seine Musiksprache gefunden – vom einleitenden Schicksalsmotiv bis hin zum triumphierenden und strahlenden Finale ist hier die Einheit von Inhalt und Form perfekt wie in wohl keinem anderen Werk der Klassik. Ganz anders dagegen die introvertierte, deutlich schlichter gehaltene „Pastorale“. Die siebte Symphonie mit ihrem zweiten Satz, der „Apotheose des Tanzes“, wie es Richard Wagner nannte, findet einen spannenden Dialog zwischen formaler Strenge und musikalischem Ausdruck, während die achte Symphonie nichts Bahnbrechendes bietet, aber deutlich mehr ist als nur das Luftholen vor der großen Neunten. Diese wiederum jubiliert an allen Ecken und Enden – natürlich vor allem im großen Schlusschor „Freude, schöner Götterfunken“. Leider setzt hier auch mein einziger Kritikpunkt an der ansonsten wirklich großartigen und kraftvollen Gesamtaufnahme an: Die deutsche Aussprache der nun nicht gerade unzähligen Textzeilen ist derart schlampig phonetisch gelernt, dass einem die Freude vergehen kann. Man kann die Sänger natürlich nicht zwingen, perfekt Deutsch zu lernen, aber das ist eine Aufnahme eines der Schlüsselwerke der Klassik, da sollte sorgfältiger gearbeitet werden. Abgesehen davon bildet die Neunte in jeder Beziehung einen würdigen Abschluss einer Beethoven-Gesamtaufnahme, die eine sehr akzentuierte, aufgeräumte und klare musikalische Sprache findet. Die letzte durchschlagende Wucht eines großen Symphonieorchesters fehlt hie und da – dafür arbeitet das in jeder Position hervorragend besetzte Ensemble feine Strukturen oft noch deutlicher heraus als das ein größerer Klangkörper könnte. Der Dirigent stellt das Werk und nicht sich selbst in den Vordergrund – insofern kann man die Aufnahmen als moderne Wahrung der Tradition bezeichnen.
Bestellnummern:L 238 (DoLP Symphonien No. 1, 2 und 8)L 239 (DoLP Symphonien No. 3 und 4)L 240 (Symphonie No. 5)L 241 (Symphonie No. 6)L 242 (Symphonie No. 7)L 219 (Symphonie No. 9)

Fazit

Nicht so radikal wie der Beethoven-Zyklus Järvis, aber hervorragend klingende und präzise eingespielte Aufnahmen, die gerade durch das kleine Orchester einen klaren Blick auf das Werk liefern.

Schallplatte

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10/2017 - Thomas Schmidt

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Autor Thomas Schmidt
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Datum 30.10.2017, 11:58 Uhr
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