Kategorie: Verstärker Phono Vorverstärker

Einzeltest: Canor TP206+


In der Ruhe …

Phono Vorstufen Canor TP206+ im Test, Bild 1
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Die Webseite Canors bietet die Möglichkeit, sich den Standort des Unternehmens auf einer Karte anzeigen zu lassen. Der geneigte Betrachter stellt fest: Noch tiefer mitten im Nichts kann man in Europa fast nicht mehr angesiedelt sein. Vielleicht erklärt diese Lage den behutsamen und nachhaltigen Gang der Dinge bei Canor

Mitspieler



Tonabnehmer:


Denon DL103, 103R
Nagaoka MP-300, MP-500
Miyajima Shilabe


Plattenspieler:


Scheu Premier III mit SME 309
Transrotor Fat Bob S mit SME 5009


Verstärker:


Audiomat Aria
MalValve Preamp Three und Poweramp Three
WLM Sonata Integrated


Lautsprecher:


WLM Stella
K+T 4430-Klon
Coral Beta 8


Zubehör:


Netzleiste, -kabel: PS-Audio, HMS
Phonokabel Furutech, Nordost, Audioquest
NF-Kabel: Van den Hul, Horn Audiophiles
Lautsprecherkabel: Silent Wire
Racks, Basen, Unterstellfüße: SSC, Thixar, Aktyna


Gegenspieler



Phonoverstärker:


MalValve Preamp Three Phono
Quad Twentyfour P


Böse Zungen würden jetzt wahrscheinlich behaupten, dass es von so einer Firma ja nur Röhrengeräte geben könne – die Entwicklung des Transistors sei noch gar nicht so weit vorgedrungen. Dem muss ich aber entgegenhalten, dass die Männer bei Canor sehr genau wissen, was sie da tun und durchaus am Puls der Zeit sitzen, was die Technik angeht.

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Sowohl der deutsche Vertrieb Empire Hifi als auch wir bei der LP hatten schon einmal das Vergnügen mit der slowakischen Firma Canor. Man kommt nicht sofort darauf, denn es hat im Jahr 2007 eine Namensänderung gegeben. Vorher hieß die Firma „Edgar“ – den damals getesteten Vollverstärker TP101 gibt es sogar heute noch zu kaufen, behutsam detailverbessert; wie man auch die Webseite auch immer noch mit der Eingabe von „www.edgar.sk“ erreicht. An den Klang dieses Verstärkers erinnere ich mich gerne, nicht so sehr allerdings an ein paar, sagen wir, „Extravaganzen“ in der Verarbeitung, die letztlich auch zu der zwischenzeitlichen Trennung von Empire Hifi und Edgar führten. Nun, einige Jahre sind seitdem ins Land gegangen, der Name hat sich geändert, einige alte Zöpfe wurden abgeschnitten und eine ganz neue Gerätelinie entwickelt. Diese Komponenten haben nun so gar nichts mehr mit der verspielten Holz- und Chrom-Optik der früheren Konstruktionen zu tun. Fast ein bisschen martialisch kommen sie daher, mit ihren gefühlt meterdicken Frontplatten und massiven Formen. Schon die „kleine“ Phonostufe TP206 bringt satte drei Kilogramm auf die Waage – ohne Netzteil, versteht sich. Äußerlich hat man sich an das bewährte Ziegelsteinformat gehalten – es gibt das Gerät in Silber oder Schwarz. Zum Test hat uns Empire Hifi den TP206+ überlassen – das „+“ steht für eine bessere Bauteilequalität und eingebaute Übertrager für den MC-Betrieb. Dafür steht den 800 Euro UVP für die Standard-206 ein Preis von 1.250 Euro gegenüber. Von der Frontplatte gibt es nicht viel Funktionalität zu vermelden – inmitten der massiven Aluplatte sitzt das von hinten beleuchtete Firmensymbol. Dankbarerweise hat man sich bei der Illumination nicht an das heute üblichen Blau gehalten, sondern sich für einen freundlichen Bernstein-Farbton entschieden – die Älteren von uns erinnern sich vielleicht noch an die monochromen Bildschirme aus frühen PC-Zeiten. Die Rückansicht gibt Auskunft über den Funktionsumfang: Anschließen lassen sich MM-Systeme mit einer Verstärkung von 42 dB und MC-Systeme mit einer Verstärkung von 62 dB oder 68 dB. Dabei wird die MC-Anpassung mit eingebauten Übertragern realisiert, die zwei unterschiedliche Abgriffe besitzen. 68 Dezibel Gesamtverstärkung sind schon eine echte Ansage – für Fans sehr leiser MC-Systeme mit geringem Innenwiderstand gibt es nämlich gar nicht so viele Angebote mit Röhren und Übertragern in einem Gehäuse, schon gar nicht in dieser Preisklasse. Wer hinter der dicken Frontplatte gähnende Leere erwartet hatte (wie der Autor dieser Zeilen), sieht sich angenehm enttäuscht: Der TP206+ ist jetzt nicht vollgepackt bis unters Dach, fürs Geld ist aber dennoch eine Menge geboten. Umschaltbar ist der TP206+ in drei Gain- Stufen – 42, 62, und 68 dB; für den MM Betrieb gibt es zuschaltbare Kapazitäten. Im MC-Betrieb kann die Eingangsimpedanz in einem weiten Bereich geregelt werden. Eine Empfehlung an dieser Stelle: Gerade bei leisen und niederohmigen MC-Systemen ist es geradezu Pflicht, sich die Zeit zu nehmen für eine perfekte Anpassung – der Canor belohnt es! Klar: Um die schwachen MC-Signale kümmert sich ein Übertrager aus dem Hause Lundahl – nicht die schlechteste Adresse für so etwas. Die erste der drei 12AX7-Röhren besorgt mit ihren beiden Trioden-Systemen die Vorverstärkung des Signals, das dann zweistufig entzerrt und weiter verstärkt wird. An Bauteilequalität und -quantität hat man wahrlich nicht gespart – allein in der Netzteilsektion wurden ordentlich Kapazitäten verbaut – der eine oder Mundorf-Zinnfolienkondensator hat auf der großzügig bestückten Platine auch einen Arbeitsplatz gefunden. Das alles macht einen durchdachten, liebevoll gestalteten Eindruck. Beim Hörtest wird der TP206+ zu einer kleinen Überraschung. Das mit den Röhren können sie ja irgendwie im Osten Europas. Hatte jetzt jemand aber insgeheim erwartet, dass uns der Canor mit heimeliger Röhrenbetulichkeit einlullen würde, schön samtig-weich, wie es irgendwann einmal in Mode war (und Röhrenamps auch heute noch gerne nachgesagt wird)? Fehlanzeige! Der TP206+ übernimmt ein eher straffes Regiment – die Wiedergabe wird sozusagen einmal durchgefegt und dann neu sortiert – alle Musiker an ihren Platz und los geht’s. Die räumliche Struktur von Arrangements wird absolut eindeutig nachvollziehbar zwischen und hinter die Boxen gestellt – es geht nicht weit darüber hinaus, dafür „steht“ die Abbildung sofort; das Gehör (inklusive Gehirn) hat keine Mühe, sich sofort der gespielten Musik zuzuwenden. Diese wird dynamisch auf den Punkt gebracht – selten einmal habe ich eine Snare Drum so knallen gehört. Auch in der klanglichen Balance stemmt man sich in der Slowakei gegen jede Weichlichkeit: Die Wiedergabe ist sehr aufgeräumt und durchhörbar – gerade die kleine Senke im Grundtonbereich, die wir gemessen haben, kommt einem disziplinierten Hören sehr zugute. Und auch wenn mir der Canor als Problemlöser viel zu schade ist, geht meine Empfehlung an Leute, die vielleicht an einer gewissen „Sumpfigkeit“ in ihrer Kette leiden – hier kann die Canor mit Sicherheit an ein paar Stellen für Straffung sorgen, sozusagen als „Audio-Q10“. Scherz beiseite: So etwas kann einer müden Anlage echt auf die Sprünge helfen. In einer neutralen Kette fungiert der TP206+ als Antriebsmotor: dynamisch in jeder Tonlage, trocken und doch mit einer gewissen Lässigkeit, die nicht nach Kraftmeierei klingt, sondern nach Spaß an der Musik. Und so soll es ja sein, in der großen Stadt wie in der Slowakischen Provinz.

Fazit

Der TP206+ ist innen so wie außen: Geradlinig. Ein Phonovorverstärker, der nichts schönspielt oder weichspült, sondern seinen Job macht – und das auf einem hervorragenden Niveau und mit jedem Tonabnehmer

Kategorie: Verstärker Phono Vorverstärker

Produkt: Canor TP206+

Preis: um 1250 Euro

1/2011
 
Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Empire Hifi 
Telefon 0203 74999004 
Internet www.empire-hifi.com 
Garantie (in Jahren)
B x H x T (in mm) 210/88/295 
Gewicht (in Kg)
Farben Schwarz / Silber 
Verstärkung 42/62/68 dB 
Eingangskapazität MM 0/100/220 pF 
Eingangskapazität MC 5 bis 600 Ohm 
Unterm Strich... » Der TP206+ ist innen so wie außen: Geradlinig. Ein Phonovorverstärker, der nichts schönspielt oder weichspült, sondern seinen Job macht – und das auf einem hervorragenden Niveau und mit jedem Tonabnehmer. 
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Thomas Schmidt
Autor Thomas Schmidt
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Datum 18.01.2011, 11:51 Uhr
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Topthema: Die ewige Legende
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