Kategorie: Verstärker Phono Vorverstärker

Phonovorstufe Line Magnetic LP-33


Gegen den Strom

Verstärker Phono Vorverstärker Line Magnetic LP-33 im Test, Bild 1
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Ich falle einfach mal mit der Tür ins Haus: Das hier ist nicht die beste, aber die herrlichste und schrägste Phonovorstufe, die ich seit langer Zeit beherbergen durfte. Ecken und Kanten gehören hier zum Prinzip.

Erster Eindruck


Ob’s nun die in Sachen Abmessungen völlig gegen den Strich gebürsteten hammerschlaglackierten Stahlblechgehäuse sind oder die sicherlich absichtlich unregelmäßig gehaltenen Belüftungslochraster oben und an einer Seite sind. Oder der liebenswerte Versuch, den Befestigungsmuttern für die schön stabilen Cinchbuchsen einen Kupfer-Look zu verpassen, was aber in einem zarten Blassrosa-Farbton endete. Oder dem Umstand, dass man noch nicht einmal genau weiß, wie herum man den LP-33 eigentlich ins Rack stellen soll. Macht alles nichts – ich hatte lange kein so breites Grinsen bei der Beschäftigung mit einem Gerät im Gesicht wie in diesem Fall.

Verstärker Phono Vorverstärker Line Magnetic LP-33 im Test, Bild 2Verstärker Phono Vorverstärker Line Magnetic LP-33 im Test, Bild 3Verstärker Phono Vorverstärker Line Magnetic LP-33 im Test, Bild 4Verstärker Phono Vorverstärker Line Magnetic LP-33 im Test, Bild 5Verstärker Phono Vorverstärker Line Magnetic LP-33 im Test, Bild 6Verstärker Phono Vorverstärker Line Magnetic LP-33 im Test, Bild 7Verstärker Phono Vorverstärker Line Magnetic LP-33 im Test, Bild 8Verstärker Phono Vorverstärker Line Magnetic LP-33 im Test, Bild 9Verstärker Phono Vorverstärker Line Magnetic LP-33 im Test, Bild 10
Und dabei stammt der LP-33 noch aus der „zivilisierteren“ Fertigungsstätte des chinesischen Herstellers Line Magnetic in Zhuhai, der ganz harte Stoff hingegen wird in Foshan gefertigt und schwelgt ungeniert in Ideen aus der frühen Western Electric-Ära. Der LP-33 hingegen – übrigens die einzige Phonovorstufe im Line Magnetic-Programm – ist gerade noch so Mainstream-kompatibel, dass sie offiziell bei uns erhältlich ist. Welch ein Glück – ganz ehrlich.  


Ausstattung


Anschließen kann man einen MM- und ein MC-Tonabnehmer. Im ersten Fall sorgt eine selbstredend ausschließlich röhrenbestückte Verstärkerschaltung für ordentliche 49 Dezibel Verstärkung bei einer Eingangsimpedanz von 47 Kiloohm, im MC-Falle werden Übertrager vorgeschaltet. Damit gehen maximal 68 Dezibel, was auch für leise MCs mehr als reichlich ist.Die „MC Low“-Stellung bietet rund zehn Dezibel weniger, wenn’s denn des Guten zuviel sein sollte. Und dann gibt’s da noch den – vermutlich seitlich angeordneten, mit Sicherheit kann ich das nicht sagen – Lautstärkesteller, mit dem man den Ausgangspegel stufenlos abschwächen kann. Theoretisch könnte man hier direkt eine Endstufe anstöpseln, aber beim Einsatz des Reglers gilt es aufzupassen: Mit zunehmender Abschwächung steigt die Ausgangsimpedanz des Gerätes kräftig. Ich würde vorschlagen, den Regler auf Rechtsanschlag stehen zu lassen, wenn man ihn nicht wirklich braucht. Schade um den netten Mehrgang-Drehknopf, aber der macht nur dann Sinn, wenn der Eingang des folgenden Gerätes eher hochohmig (ab 47 Kiloohm aufwärts) ist. Die Ausgangsbuchsen sind direkt unter dem Pegelsteller verortet, so dass man beim Anschluss des Gerätes zwangsweise mit Leitungen im 90-Grad-Winkel konfrontiert ist.    

Stromversorgung


Dann wäre da noch die sechspolige Buchse für das Verbindungskabel zum Netzteil, die zwar optisch an Schweizer Präzisionsverbinder angelehnt ist, mechanisch aber nicht mithalten kann. Weshalb man sich beim Anschluss nicht darauf verlassen sollte, dass der Stecker nur in der korrekten Position einrastet – dem ist nämlich nicht so. Also schön auf die Farbmarkierungen auf beiden Seiten achten. Das Versorgungsteil ist mit der gleichen Sorgfalt realisiert wie der Verstärker selbst. Ein schön fetter Kippschalter mit Metallknebel nimmt die Chose in Betrieb. Für das erkleckliche Gewicht des kompakten Netzteils sind zwei Induktivitäten verantwortlich. Neben dem Netztrafo selbst gibt´s nach alter Väter Sitte eine Drossel zur Glättung der Hochspannung für die Röhren. Damit nicht genug: Deren Gleichrichtung übernimmt eine chinesische Röhre vom Typ 6Z4. Hier ist alles ordentlich handverdrahtet, auch hier fällt die Liebe zum Detail auf. Fest steht: Solche Geräte baut man auch in China nur dann, wenn man beim Anwender punkten will und nicht aus aus schnöden kommerziellen Gründen.  


Verstärkertechnik


Ein Eindruck, der sich beim Blick ins Innere des Verstärkerabteils weiter verfestigt. Feine Edelstahlschrauben mit Nylon-Unterlegscheiben ermöglichen den Zugang zum oberen und unteren Gehäuseabteil. Unten sind die beiden Übertragerkapseln untergebracht, dahinter sitzt eine Platine für die Heizspannungsaufbereitung: Reichlich Siebkapazität und ein integrierter Spannungsregler besorgen die Kost für die drei Hauptakteure des Ensembles in Gestalt dreier ECC83S aus dem Hause JJ, es wurde aber auch schon die vielleicht noch etwas erstrebenswertere Long-Plate-Version ECC803S in Geräten dieses Typs erspäht.

Verstärker Phono Vorverstärker Line Magnetic LP-33 im Test, Bild 7
Die Verstärkung liegt in den Händen von drei Doppeltrioden
Auch der Aufbau des Verstärkerteils bedient sich einer Platine. Dort gibt’s neben den drei Röhren feine Mundorf-Folien und Epcos-Elkos von denen ich zumindest vermute, dass es sich nicht um Fälschungen handelt. Bei den Widerständen domieren Kohlemasse- oder zumindest Kohleschichttypen, wie man das früher halt gemacht hat. Abseits dessen fällt die doppelte Schirmung der Elektronik auf:
Verstärker Phono Vorverstärker Line Magnetic LP-33 im Test, Bild 6
Doppelt hält besser: Unter dem Gehäuse gibt´s noch ein Abschirmgitter
Neben dem Stahlblechgehäuse gibt´s noch feinmaschige Metallgitter, die die empfindlich Elektronik vor einstrahlungsmäßigem Ungemach schützen. Falls ich’s noch nicht oft genug erwähnt haben sollte: Das ist richtig, richtig lecker gemacht. Und ich freue mich ganz besonders, dass der getriebene Aufwand nicht nur Show ist, sondern dass die technische Qualität dem Aufwand gerecht wird: Messtechnisch benimmt sich der LP-33 erfreulich gesittet. Sogar die fast 70 Dezibel maximaler Verstärkung sind voll umfänglich nutzbar, wenn man sich bei der Aufstellung des Gerätes etwas Mühe gibt. Ein gewisses Maß an Einstreuempfindlichkeit ist bei MC-Übertragern usus, Hoch verstärkende Röhrenschaltungen machen das Problem nicht kleiner. Dass der Verstärkerteil in ordentlichem Abstand von Netzteilen und Plattenspielermotoren installiert werden sollte, versteht sich damit wohl von selbst.  

Klang


Röhre plus Übertrager? Natürlich schrauben wir zunächst ein Denon DL103 unters Headshell, um dem Line Magnetic auf den Zahn zu fühlen. Und wissen Sie was? An dieser Stelle können wir schon aufhören. Das Ergebnis ist ein so wunderbar rundes, rhythmisch packendes und und tonal stimmiges Klangbild, wie man es sich besser nicht wünschen kann. Erste Begeisterung kommt bei einer Großtat von 1960 auf: Gerry Mulligan – The Concert Jazz Band ist zweifellos eine solche und über Denon und Line Magnetic tut das Album genau das, was es soll: swingen wie der Teufel. Ja, okay, vielleicht klingt‘s alles in allem ein wenig blumig, aber die Seele der Musik, die ist da. Clearaudios Balance Reference wirkt im direkten Vergleich ohne Frage disziplinierter und präziser, aber in emotionaler Hinsicht stiehlt ihm der Line Magnetic ein bisschen die Show. Im Bass zeichnen beide sehr klar, insbesondere, was die sehr schöne Darstellung des runden, voluminösen Tieftonbereich des Denon- Klassikers angeht. Sie wollen noch ein bisschen mehr Spektakel? Überhaupt kein Problem! Das erfordert lediglich dein Einsatz des brandneuen Miyajima Carbon, und schon brennt die Hütte: Die Bläser bringen noch mehr Feuer mit, das Geschehen legt grobdynamisch deutlich zu. Besonders in den ruhigen Passagen fällt der wunderbare Kontrast zwischen dem Saxophon „des Chefs“ und seiner Begleitmannschaft auf; die Kombination macht es leicht, sich auf das eine oder andere zu konzentrieren. Ich hab mich anschließend ans neue Annen May Kantereit-Album „Es ist Abend und wir sitzen bei mir“ herangetraut, was erstaunlich gut funktioniert. Schön staubtrockene Rhythmusabteilung, erstaunlich viel Durchzeichnung. Und vor Allem: dieses einmalige Organ von Henning May, das hier besonders überzeugend hervortritt. Die Kombination mit dem Miyajima ist in der Tat eine, die wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge passt. Auch mit anderen Abtastern liefert die LP- 33 ein so mitreißendes Klangbild, dass ich jede einzelne Ecke und Kante dieses ganz besonderen Gerätes tief ins Herz geschlossen habe.

Fazit

Herrlich gegen den Strich gebürstete Röhrenphono mit ungeheuer treibendem und mitreißendem Klang!

Kategorie: Verstärker Phono Vorverstärker

Produkt: Line Magnetic LP-33

Preis: um 2300 Euro

5/2023

Herrlich gegen den Strich gebürstete Röhrenphono mit ungeheuer treibendem und mitreißendem Klang!

Line Magnetic LP-33

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb IAD, Korschenbroich 
Telefon 02161 6178313 
Internet www.taudiolust.de 
Garantie (in Jahren) 2 Jahre 
B x H x T (in mm) 302 x 139 x 131 / 170 x 81 x 113 mm (Verstärker / Netzteil) 
Gewicht ca. 6,5 kg 
Unterm Strich... Herrlich gegen den Strich gebürstete Röhrenphono mit ungeheuer treibendem und mitreißendem Klang! 
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