Kategorie: Vollverstärker

Einzeltest: Accuphase E-650


Perfektion ist relativ

Vollverstärker Accuphase E-650 im Test, Bild 1
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Groß, sanft champagnerfarben glänzend, wertiges und dezentes Äußeres: Jawohl, wir haben wieder einmal einen Accuphase-Verstärker zu Gast. Und zwar nicht irgendeinen, sondern einen Vertreter der Spezies, die dem japanischen Hersteller zu seinem unvergleichlichen Legendenstatus verholfen hat: der große Vollverstärker. Der, der Gedanken an eine noch ungleich aufwendigere Lösung mit getrennter Vor- und Endstufe gar nicht erst aufkommen lässt, weil: Was soll denn jenseits von dem hier noch passieren?

Das neue Statement aus Yokohama zu diesem Thema heißt E-650 und wechselt für 11.000 Euro den Besitzer. Gewiss, ein stolzer Preis. Und in diesem Moment, noch zu Beginn der intensiven Beschäftigung mit der Maschine, bin ich geneigt zu behaupten: Ich hätte dieses Update nicht gebraucht. Warum? Weil der Vorgänger E-600, der längere Zeit in unseren Redaktionsräumen zu Gast war, einen so perfekten Vollverstärker darstellt, dass das Thema damit ein für alle Mal erledigt ist. Sollte man meinen.

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Nun darf man dabei aber nicht vergessen, dass Accuphase einer der ganz wenigen Hersteller ist, der regelmäßige Produktweiterentwicklungen so konsequent präsentiert wie sonst kein Mitbewerber. Ja, damals, in den Achtzigern, da war´s normal, dass die großen japanischen Hersteller ihre Produktpalette im Jahresturnus durchrenovierten, aber heutzutage? Nicht die Spur. Da ist HiFi ein Randthema und wir dürfen uns freuen, dass es überhaupt noch klassische zweikanalige Komponenten, von Yamaha, Pioneer und Co. gibt. Nur bei Accuphase trotzt man stoisch den Veränderungen und präsentiert verlässlich unterhaltungselektronische Sonderklasse. Der E-650 löst den E-600 nach rund zwei Jahren Laufzeit ab, und dafür gibt´s verschiedene Gründe. So ist es nämlich heutzutage äußerst schwierig, ein Gerät – zumal dann, wenn es sich um eine klassische analoge Komponente handelt – über einen langen Zeitraum unverändert zu fertigen. Die Halbleiterindustrie reagiert schnell auf die Gegebenheiten des Marktes und passt ihr Produktportfolio ständig an. Das geschieht zum Beispiel auch bei Toshiba: Lange Zeit waren die Japaner Haus-und- Hof-Lieferant qualitativ hochwertiger MosFet-Leistungstransistoren für den Audiobereich; das ist vorbei. Was auch bei Accuphase ein Umdenken und eine Umstellung auf andere Leistungshalbleiter erforderte. Glücklicherweise gibt´s noch ein paar Quellen für schnelle, lineare und belastbare Halbleiter dieser Art, weshalb sich im neuen großen Accuphase Typen wiederfinden, die schon lange Zeit an anderer Stelle Stoff für Klanglegenden liefern: Was für US-Verstärker-Guru Nelson Pass das Mittel der Wahl ist, das sollte auch bei Accuphase Großartiges leisten können. Der E-650 ist in bester Tradition ein Verstärker mit reichlich Ruhestrom: Wir haben gut 60 Watt Ausgangsleistung an acht und 120 Watt an vier Ohm gemessen. Das ist locker das Doppelte dessen, was der Hersteller im Prospekt zugibt, aber immer noch überschaubar: Hier fordert weitgehender Class-A-Betrieb seinen Tribut, über 200 Watt Ruheverlustleistung sorgen für einen merklichen Beitrag zur Hörraumheizung. Bevor wir uns auf die technischen Details stürzen, beschäftigen wir uns mit dem Greifbaren. De facto ist gegenüber dem E-600 nichts (zumindest nichts, was mir aufgefallen wäre) hinzugekommen, aber wie sollte es auch: Voluminöser hätte man das Ausstattungspaket für einen Vollverstärker nicht mehr schnüren können. Es gibt ein paar kosmetische Veränderungen: Einige Bedienelemente sind nun als Drehschalter realisiert, die beim Vorgänger noch Drucktaster waren, und umgekehrt. Der eine oder andere Knopf ist unter die einen großen Teil der Komfortabteilung verdeckende Klappe gewandert, andere dafür nach rechts auf die Front. Diese Dinge sind wohl eher der gewollten Unterscheidbarkeit vom Vorgänger als technischer Notwendigkeit geschuldet. Ein großer Accuphase-Verstärker braucht zwingend Zeigerinstrumente, die hat natürlich auch der E-650. Dazu gibt´s kleine, aber feine LED-Ketten zur Aussteuerungsanzeige mit separatem Peak-Indikator. Das beweist Gespür fürs Detail, wie man es nur bei den Japanern findet. Mit dem überaus soliden Eingangswahlschalter auf der linken Seite kann man sich satt klickend durch neun Eingänge schalten, zwei davon sind symmetrische XLR-Anschlüsse, zwei gehören zu den optionalen Phono- und D/A-Wandler-Steckmodulen. AD-50 und DAC-50 kennen wir schon vom E-600 und sie erweitern auch den E-650 zum mächtigen Zentrum einer höchst anspruchsvollen HiFi-Anlage. Was man nicht sieht, technisch aber eines der entscheidenden Upgrades des Gerätes darstellt, ist die Lautstärkeregelung, die hinter dem gewohnt sahnig laufenden Pegelsteller auf der rechten Seite steckt: Die trickreiche „AAVA“- Anordnung kommt hier in symmetrischer Form zum Einsatz und ist somit praktisch mit der des deutlich über 30.000 Euro teuren Vorverstärker-Flaggschiffs C-3850 identisch. Accuphase hat mit dieser „Leihgabe“ nochmals merklich verbesserte Daten erzielt: Der E-650 rauscht merklich weniger als sein Vorgänger. Zur Erinnerung: „AAVA“ steht für „Accuphase Analog Vari- Gain Amplifier“ und bedeutet so etwas wie „analoger Verstärker mit variabler Verstärkung“. Tatsächlich ist die Sache etwas komplizierter und basiert auf dem digital gesteuerten Zusammenschalten verschieden gewichteter Signalströme, deren Summe dem in der Lautstärke eingestellten Signal entspricht. Sehr clever und so aufwendig, dass kein anderer Hersteller auf der Welt Ähnliches macht. Besonderes Augenmerk verdient außerdem der verbesserte Kopfhörerverstärker; er ist der Grund dafür, dass auf dem Aufmacherbild dieser Geschichte auch mal eine „Schallmütze“ zu sehen ist. Tatsächlich zählt der Kopfhörerausgang des E-650 zum Besten, was mir diesbezüglich je untergekommen ist und hat auch mit einem niederohmigen 20-Ohm-Hörer wie dem Audeze LCD-XC überhaupt keine Probleme. Die Kombi tönt ausgesprochen farbig, knackig und detailliert und lässt den Wunsch nach einem externen Gerät gar nicht erst entstehen. Kein Wunder: Der Hersteller spezifiziert die Baugruppe mit einer Ausgangsleistung von einem halben Watt pro Kanal, damit könnte man sogar einem Paar Lautsprecher nennenswerte Pegel entlocken. Auf der Rückseite des E-650 bietet sich das gewohnte Bild: Solide Terminals erlauben den Anschluss von zwei Lautsprecherpaaren, dahinter steckt wiederum etwas „Accuphase- Magie“: Keine schnöden Relais mit ihren verschleißanfälligen mechanischen Kontakten sind für die Umschaltung zuständig, sondern die neueste Generation der mit MosFets arbeitenden Umschalteinheit, die auch von der Schutzschaltung bedient werden können. Noch niederohmiger als beim Vorgänger, ist hier einer der Gründe für den gesteigerten Dämpfungsfaktor des Gerätes zu suchen. Und der ist in 30 oder 40 Jahren definitiv noch genauso hoch wie am ersten Tag, hier verschleißt nämlich gar nichts. Hinzu gesellt sich eine erkleckliche Anzahl von Buchsen für die diversen Ein- und Ausgänge, zwei Bleche verdecken die Modulsteckplätze, solange selbige nicht mit Inhalt gefüllt sind. Was fehlt? Gar nichts. Mehr geht einfach nicht bei einem Vollverstärker. Typisch Accuphase eben. Reden wir noch über die Endstufe selbst. Natürlich streng kanalgetrennt und modular aufgebaut, stecken zwei entsprechende, direkt mit den voluminösen Kühlkörpern verbundene Platinen im Gerät. Zweimal drei parallelgeschaltete MosFets – die erwähnten Klassiker von Infineon (vormals International Rectifier) besorgen die geforderten Leistungen souverän. Die Schaltung des stromgegengekoppelten Verstärkers wurde wieder einmal im Detail verbessert und noch etwas anspruchsvoller als vorher: So sorgt jetzt eine symmetrische Instrumentenverstärkeranordnung für die extrem störungsunanfällige Rückführung des Ausgangssignals direkt von den Lautsprecherbuchsen zum Verstärkereingang – das braucht´s für die Gegenkopplung. Dieses Update sorgt ebenfalls für weniger Rauschen und verbesserte Dämpfung. Der Teufel steckt bekanntermaßen in den Details, die sich in diesem Falle zu einem um rund ein halbes Kilo gesteigerten Gesamtgewicht gegenüber dem Vorgängermodell aufaddieren. Und was passiert im Hörraum? Nichts, was einen E-600-Besitzer zum Umstieg nötigen muss, aber eine Menge, was Betreiber so ziemlich jedes anderen Verstärkers zu denken geben kann. Auch mir, der ich die letzten paar Monate mit der Accuphase- Kombi C-2420/A-47 fürstlich gelebt habe. Tatsächlich nämlich legt der E-650 gegenüber dem jüngst propagierten Accuphase- Klangbild einen leicht veränderten Charakter an den Tag: Der E-650 strotzt vor Kraft. Er scheint mir das Energetische in der Musik deutlicher herauszustellen als sogar die nochmals aufwendigere Vor-/ Endkombi, ohne dabei die Feinheiten zu vernachlässigen. Zur Demonstration dessen eignet sich das letzte „Dead Can Dance“-Album „Dionysus“ bestens. Ob des musikalischen Gehalts des 37-Minüters kann man durchaus geteilter Meinung sein, bei der Qualität der Produktion nicht: Das komplexe sphärische Werk fordert das wiedergebende Equipment in vielerlei Hinsicht. Der große Accuphase macht das herausragend gut und stellt die zerbrechlicheren Teile des Klanggebildes auf ein unerschütterliches Fundament aus purer tieftonaler Macht: Niemals übertrieben, nicht die Spur weich, sondern unbestechlich mächtig mauert er den Unterbau für Brendan Perrys Epos. Lisa Gerrards Gesangsparts sind selten, schweben dank E-650 jedoch perfekt losgelöst, ultrafein abgezirkelt und perfekt lokalisierbar durch den Äther. Großartig – mit mehr Atmosphäre ist die Scheibe kaum wiederzugeben. Musikalisch nur wenige Lichtjahre davon entfernt tummelt sich Dorthia Cottrell, Sängerin des vierköpfigen US-Doom- Schlachtschiffs Windhand. Sicher nicht so filigran und sphärisch wie Perry und Gerard, weiß das neue Album „Eternal Return“ via E-650 dennoch zu gefallen. Auch hier ist´s die unerschütterliche Basis, die den Zuhörer unmittelbar in den Bann zieht. Der Accuphase modelliert den schweren, trägen, von der melodischen Stimme der Sängerin toll ergänzten Klangkörper mit Bravour. Seinen Anteil daran hat definitiv das zuspielende Gespann: Die großartige Accuphase-Phonovorstufe C-37 und das aktuelle MC AC-6 ergänzen den Sound des E-650 absolut perfekt. Wer wissen will, wie die Spitze stereofoner Unterhaltungselektronik heutzutage klingt, dem empfehle ich dringend eine Begegnung mit den champagnerfarbenen Preziosen aus Yokohama.  

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Fazit

Auf die Gefahr, dass wir uns wiederholen: Mehr geht nicht. Mit dem E-650 definiert Accuphase abermals die Messlatte für die Vollverstärker- Rubrik mit klanglichen Höchstleistungen, nicht zu verbessender Ausstattung und perfekter Verarbeitung.

Preis: um 11000 Euro

Vollverstärker

Accuphase E-650


04/2019 - Holger Barske

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B x H x T: 465/191/428 
Gewicht (in kg): 25.3 
Unterm Strich … » Auf die Gefahr, dass wir uns wiederholen: Mehr geht nicht. Mit dem E-650 defi niert Accuphase abermals die Messlatte für die Vollverstärker- Rubrik mit klanglichen Höchstleistungen, nicht zu verbessender Ausstattung und perfekter Verarbeitung. 
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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 29.04.2019, 09:57 Uhr
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Topthema: DIE MUSIKTRUHE IST ZURÜCK
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