Kategorie: Vollverstärker

Einzeltest: Audio Research VSi75


Behutsam

Vollverstärker Audio Research VSi75 im Test, Bild 1
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Typisch Audio Research? Im Prinzip ja. Mit einer ganzen Reihe von Besonderheiten. Werfen wir einen Blick auf den neuen Vollverstärker VSi75

Sie haben‘s geschafft. Jedes Gerät, das bei Audio Research für die Ansteuerung von Lautsprechern zuständig ist, arbeitet nunmehr am Ausgang mit Röhren vom Typ KT150. Jeder Voll- und jeder Endverstärker, und das sind immerhin acht End- und zwei Vollverstärker. Okay, ganz hinten in der Produktpalette versteckt sich noch eine Endstufe namens VT80, die mit KT120 ausgestattet ist. Den Nachfolger (VT80SE) gibt‘s aber schon und ich wage zu behaupten, dass die „normale“ VT80 in Kürze aus dem Programm verschwinden wird. Bei uns geht‘s heute um den kleineren der beiden Vollverstärker, den 10.900 Euro teuren VSi75. „Kleiner“ ist in diesem Falle durchaus wörtlich zu nehmen, das Gerät kommt mit einer Breite von 36,8 Zentimetern nämlich in einem recht ungewöhnlichen Midi-Format daher – das war beim Vorgänger VSi60 auch schon so.

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Da man ein solches Prachtstück eher nicht in einen klassischen „HiFi-Turm“ einbaut, macht es auch nichts, dass man Schwierigkeiten haben dürfte, eine optisch passende Ergänzung zu dem VSi75 zu finden. Wer hingegen auf der Suche nach einer über alle Zweifel erhabenen, aber nicht ganz so ausladenden Zentrale für seine HiFi-Anlage ist, der dürfte beim VSi75 an der richtigen Adresse sein. Zudem handelt es sich bei ihm um einen Vertreter des klassisch nüchternen Audio-Research-Looks, den ich nach wie vor den neuen Geräten vorziehe, an denen man so etwas wie italienisches Design versucht hat. Also alles richtig beim VSi75? Definitiv, zumal er in technischer Hinsicht von einer der großartigsten Endstufen geerbt hat, die ich je in Händen hatte: der Reference 75SE – dazu später mehr. Unser Proband steckt in einem nicht nur besonders schmalen, sondern auch sehr flachen Gehäuse. Die Röhren ragen ungehemmt durch den Deckel, ganz hinten bestimmt die Abdeckung für die drei Trafos die Gesamthöhe. Eine Abdeckung fürs Röhrenensemble gibt es nicht. Was ich völlig in Ordnung finde, eine Reihe KT150 ist auch optisch immer wieder eine Show und die zwei Endpentoden pro Kanal dieses Verstärkers wecken zweifellos Vertrauen. Die KT150 ist mittlerweile das weithin anerkannte Mittel der Wahl für leistungsfähige Gegentaktendstufen mit Röhren. Das verwundert nicht, denn exakt dafür haben ihre Entwickler sie gemacht. Mit einer Anodenverlustleistung von maximal 70 Watt kann sie mit ordentlich Leistung umgehen und 275 Milliampere maximaler Anodenstrom sind ebenfalls reichlich. Wenn Audio Research die Leistung des Gerätes auch mit 75 Watt angibt (daher die Typenbezeichnung), offenbart die Realität doch etwas mehr Zurückhaltung in dieser Hinsicht. Im Messparcours leistete das Gerät saubere 50 Watt pro Kanal, und das ist auch gut so: Das spricht nämlich für eine vorsichtige Auslegung des Konzeptes, dass die Röhren nicht bis an ihre Leistungsgrenzen stresst und so einiges an Lebensdauer der Glaskolben erwarten lässt. Ein gematchtes Quartett davon kostet immerhin knapp 300 Euro. Und 50 Watt aus diesem Amp sind mehr wert als 300 aus so manch anderem, von daher passt das bestens so. Werfen wir zunächst den einen oder anderen Blick ins Innere. Das Gerät ist – das ist bei Audio Research immer so – sehr servicefreundlich aufgebaut. Man kommt ohne Probleme sowohl von unten als auch von oben an die elektronischen Innereien heran. Unter dem Bodenblech kommt die Rückseite der zentralen Platine zum Vorschein, wobei Audio Research auch auf dieser Seite Bauteile montiert. Auffällig in diesem Zusammenhang sind die voluminösen Koppelkondensatoren, die der Hersteller sich mittlerweile eigens anfertigen lässt. An der Geräterückseite findet sich die Netzteilplatine, auf der‘s in erster Linie Siebkapazität gibt. Vier dicke Elkos gucken uns von dieser Seite aus an, vier sind auf der anderen Seite montiert. An dieser Stelle wurde tüchtig „upgegradet“, das Vorgängermodell verfügte über deutlich weniger Energiespeichervermögen im Netzteil. Zwischen beiden Platinen können wir einen Blick auf die drei Transformatoren erhaschen: Der voluminöse Netztrafo ruht mittig zwischen den beiden Ausgangsübertragern. Die stammen ohne Änderung von der Reference 75SE und sehen genauso schmucklos aus, wie wir das von sämtlichen AR-Trafos her kennen. Trotzdem steckt in den eigens entwickelten Übertragern ein Gutteil des klanglichen Potenzials der Verstärker dieses Herstellers. Die Übertrager hätten sogar Anschlüsse für 16-Ohm-Lautsprecher, die sind hier aber nicht angeschlossen. Die von der Oberseite des Gerätes zugängliche Oberseite der Hauptplatine ist eindeutig die Schokoladenseite – zumindest in optischer Hinsicht. Eine recht aufwendige Schaltung wurde sehr aufgeräumt auf der Platine untergebracht. Zu den vier Endröhren gesellen sich zwei Treiberröhren vom, Typ 6H30. Die russischen Doppeltrioden zählen zum Kräftigsten und Linearsten, was der Markt zu bieten hat. Audio Research vertraut beim Thema „Kleinsignal“ seit Jahren ausschließlich auf diesen Typ. Auch in diesem Gerät bekamen die Preziosen Mikrofoniedämpfer in Gestalt von zwei Gummiringen übergestülpt. Mit einer Doppeltriode pro Kanal allein sind Spannungsverstärkung und Ansteuerung der Endröhren nicht zu machen, deshalb gibt‘s beim Vsi75 diverse dreibeinige Helferlein. Will sagen: Die Schaltung ist von hybrider Natur, Transistoren greifen den Glaskolben hier und da unter die Arme. Damit nicht genug der Mitglieder der Halbleiterzunft: Die Lautstärkeregelung erledigen vier moderne SMD-Chips, die Audio Research offensichtlich noch mit der Hand auf die Platine lötet. Die Qualität des Aufbaus ist ohne Fehl und Tadel: Die Bauteilequalität stimmt, die Fassungen für die Endröhren sind stabil mit der Platine verschraubt, alles wirkt so professionell, wie das bei einem Hersteller mit so langer Erfahrung sein sollte. Auch die Ruhestromeinstellung der Endröhren: Neben jeder Röhre gibt‘s ein Poti, um die gewünschten 65 Milliampere einzustellen. Der Messwert wird bei Anwahl des entsprechenden Menüpunktes auf dem Display an der Gerätefront angezeigt. Das schön kontrastreiche Farbdisplay ist übrigens ebenfalls ein Novum. Rückseitig gibt‘s Anschlüsse für fünf Hochpegelzuspieler, alle im Cinch-Format. Hinzu gesellen sich ein Tape-Ausgang und Anschlüsse für Acht- und Vier-Ohm-Lautsprecher. Einen optionalen Phonoeingang gibt‘s nicht, aber reichlich externe Phonovorstufen im Programm des Herstellers. Beim Einschalten über den linken der sechs Drucktaster erwacht das Gerät mit einem freundlichen Brumm (im Gerät, nicht in den Lautsprechern) zum Leben, der resultiert aus der ersten Durchmagnetisierung des Netztrafos. Auf dem Display zählt ein 40-sekündiger Countdown herunter, danach kann man per Mute-Taster die Ausgänge freigeben. Und auch wenn ich nur einen Bruchteil der vom Hersteller empfohlenen 600 Stunden Einspielzeit mit dem Gerät absolviert habe: Das Audio-Research-Klangbild und ich, das rastet sofort ein. Auch hier. Wir beginnen mit Bruce Springsteens 1978er-Album „Darkness on the Edge of Town“. Sicherlich kein klangliches Highlight, aber ein Beweis für Fähigkeiten auch dieses Gerätes, aus allem Dargebotenen etwas zu machen: „Badlands“ rockt mit Drive und Lust. Ich kenne das deutlich flacher. Über den Vsi75 strahlt der Titel, er hat diese anmachende Direktheit, die kaum irgendwelche Verstärker so rüberbringen wie die aus Minnesota. Das funktioniert auch mit Rickie Lee Jones‘ „A Lucky Guy“ von ihrem zweiten Album „Pirates“. Allein der wunderbar warme und knarzige Bass-Sound überzeugt mich schon völlig. Das zarte, aber ungemein ausdrucksstarke Organ von Frau Jones steht perfekt glaubhaft in der Mitte positioniert. Ob‘s jetzt mit einer Vor-End-Kombi aus gleichem Hause noch besser ginge? Das mag schon sein, aber mehr als das hier brauche ich nicht. Der Vsi75 ist ein Verstärker, mit dem ich mit großer Freude bis ans Ende aller Tage Musik hören könnte.

Fazit

Sie können‘s einfach, die Damen und Herren von Audio Research. Auch bei einem Vollverstärker. Der Vsi75 schafft dieses Kunststück, hoch emotional und gleichzeitig technisch korrekt zu spielen. Ein großartiger Verstärker!

Preis: um 10900 Euro

Vollverstärker

Audio Research VSi75


07/2018 - Holger Barske

 
Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Audio Reference, Hamburg 
Telefon 040 53320359 
Internet www.audio-reference.de 
Garantie (in Jahre)
B x H x T (in mm) 368/235/413 
Gewicht (in Kg) 16.5 
Unterm Strich... Sie können‘s einfach, die Damen und Herren von Audio Research. Auch bei einem Vollverstärker. Der Vsi75 schafft dieses Kunststück, hoch emotional und gleichzeitig technisch korrekt zu spielen. Ein großartiger Verstärker! 
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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 15.07.2018, 14:57 Uhr
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