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Kategorie: Vollverstärker

Einzeltest: Lindemann 885 - Seite 3 / 4


Weissblaue G‘schichten

Mit sechs Tasten darunter – alternativ natürlich auch mit der mitgelieferten Fernbedienung – erreicht man die elementaren Schaltfunktionen des Gerätes, für tiefergehende Veränderungen gibt’s per Menü bedienbaren Mikrocontroller- Komfort. Balance, Display-Helligkeit, Art der Lautstärkeanzeige, Pegelabsenkung bei Muting und jede Menge anderer Spielsachen. Laut und leise geht nach alter Väter Sitte rechts; der Impulsgeber hinter dem Knopf wirkt auf einen elektronischen Pegelsteller, der die Lautstärke in hundert Ein-Dezibel- Schritten einzustellen erlaubt. Luxuriös und mehr als ausreichend fein aufgelöst. Das Gerät steckt in einem zweifarbig eloxierten Alugehäuse und macht einen äußerst hochwertigen Eindruck. 20 Kilogramm Gewicht tun ihr Übriges, um eine intuitive Ehrfurcht vor dem Gerät zu erzeugen. Wir haben ausnahmsweise darauf verzichtet, das Gerät dem üblichen Zerlegungs-Marathon zu unterwerfen und jeden Winkel zu fotografieren. Das liegt daran, dass der 885 mit mindestens drei Lagen Technik bis unters Dach zugebaut ist und ein Zerlegen gar nicht so einfach ist – zumindest der Endstufenpart ist zudem konsequent mit Kühlkörpern zugebaut. Begnügen wir uns also mit Bildern vom Hersteller und dem, was er zur Funktionsweise des Gerätes sagt.

Beim 885 bestimmen im Wesentlichen drei Aspekte das technische Bild: die durchgängige Vollsymmetrie, der Einsatz einer Stromgegenkopplung und eine aus der Röhrentechnik entliehene Ausgangskonfiguration namens „Single Ended Push Pull“. Letztere ist in Form einer sogenannten „H-Brücke“ realisiert und besteht pro Kanal aus acht Endtransistoren. Die spezielle Verschaltung ist eine Art Kombination von zwei Single Ended-Verstärkern, die zusammen eine symmetrische Push-Pull-Endstufe bilden. Das gibt’s andernorts prinzipiell auch, aber Norbert Lindemann verfiel auf eine trickreiche Idee, um hier die von ihm favorisierte Stromgegenkopplung zu verwenden. Das Resultat ist ein äußerst kurzer Signalweg mit einer minimalen Anzahl von Bauteilen. Prinzipiell gibt’s also durchaus eine Gegenkopplung; das Bestreben einer ganzen Reihe von Entwicklern, so weit wie irgend möglich ohne eine solche auszukommen, steht bei Lindemann nicht ganz oben auf der Liste. Im 885 ist sie moderat und außerdem symmetrisch ausgeführt, was für einen komplett massefreien Ausgang sorgt. Der Umstand, dass die eigentliche Verstärkung praktisch frei von Störungen auf der Schaltungsmasse arbeiten kann, ist einer der größten Vorteile einer symmetrischen Konzeption.

Preis: um 7800 Euro

Lindemann 885


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Autor Holger Barske
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Datum 26.03.2012, 13:57 Uhr