Kategorie: Vollverstärker

Einzeltest: Plinius 9100SE


Eine unerwartete Reise

Vollverstärker Plinius 9100SE im Test, Bild 1
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Neuseeland. Oder heißt es mittlerweile Mittelerde? Trotz des ganzen Peter-Jackson-Hypes, der das Land fest im Griff hat, gibt’s dort noch mehr zu entdecken als Hobbits und Orks. Zum Beispiel einen sehr originellen Vollverstärker 

Mitspieler


Plattenspieler:

 Transrotor Fat Zet 3 / 5012 / Merlo Reference
 Clearaudio Master Innovation / TT2 / Goldfinger Statement

69
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Phonovorstufen:

 MalValve preamp three phono
 ASR Mini Basis

 Lautsprecher:

 Audio Physic Avantera
 Klang+Ton Nada

Zubehör:

 Netzsynthesizer PS Audio P10
 NF-Kabel von van den Hul und Transparent
 Phonokabel van den Hul
 Lautsprecherkabel von Transparent
 Plattenwaschmaschine von Clearaudio


Gegenspieler


Vollverstärker:

 Quadral Aurum A5
 Quad II Classic Integrated

Plinius ist einer von zwei nennenswert über die Grenzen des Landes hinaus bekannten Hersteller von HiFi-Equipment aus Neuseeland. Und Bekanntheit hat sich das bereits in den Achtzigern gegründete Unternehmen redlich verdient, machte es doch immer wieder mit exzellenten Geräten auf sich aufmerksam. Ich darf nur an die fantastische Endstufe SA-103 erinnern, die im kompromisslosen Class-A-Betrieb unseren Hörraum auf nennenswerte Temperaturen brachte und die anwesenden Redakteure auch. Oder die großartige Phonovorstufe Koru aus dem Jahre 2006, bei der Kollege Schmidt bis heute immer wieder ins Schwärmen gerät. Mist, die hätte ich mir damals genauer zu Gemüte führen sollen, aber der Kerl wollte sie einfach nicht rausrücken. Na ja. Der Vollverstärker 9100SE zum Preise von 3.600 Euro, um den es hier gehen soll, hat mit jener Phonovorstufe wenigstens das Design gemeinsam: Schön rund lautet die Devise beim Gehäuse mit den sanft geschwungenen Kanten.

Vollverstärker Plinius 9100SE im Test, Bild 2Vollverstärker Plinius 9100SE im Test, Bild 3Vollverstärker Plinius 9100SE im Test, Bild 4Vollverstärker Plinius 9100SE im Test, Bild 5Vollverstärker Plinius 9100SE im Test, Bild 6Vollverstärker Plinius 9100SE im Test, Bild 7
Das Gerät gibt’s in dieser Form übrigens ausschließlich in Europa, daher rührt auch das „SE“ in der Typenbezeichnung. Nicht „Single Ended“, sondern „Special Edition“. Gerade bei dieser Maschine gefällt mir das gerundete Design außerordentlich, weil die klare Linie von den drei Drehknöpfen kaum gestört wird, alles andere passiert hinten am Gerät. Übrigens auch der Netzschalter, der da natürlich optimal griffgünstig angeordnet ist. Besser: neun Paar Cinchbuchsen, die vier „normale“ Hochpegeleingänge, zwei Tape-Schleifen und einen Vorverstärkerausgang bilden. Hinzu gesellen sich zwei Paar Lautsprecherterminals in Gestalt besserer fernöstlicher WBT-Nachbauten – darüber muss man sich heutzutage ja schon freuen. Interessant: Vier Schmelzsicherungen sollen über die Gesundheit der Lautsprecher im Falle eines Verstärkerdefektes wachen. Zweifellos ist der Plinius ein Vollverstärker mit einem gewissen konstruktiven Charme. Das beginnt schon beim L-förmigen Deckelblech, das die Oberseite und die linke Wange verschließt. Einen wirklichen Grund dafür gibt’s nicht, aber diese augenzwinkernde Asymmetrie zeugt von Mut. Von rechts hinten bis links vorne besteht das äußere Gehäuseprofil aus einem einzigen, exakt in Form gebogenen dickwandigen Alublech. Das ist technisch durchaus eine Herausforderung und freut das Herz von Zeitgenossen mit einem Sinn für solche Detaillösungen. Hinter diesem Blech steckt die ziemlich massive „Gehäusewanne“ – und die ist quietschblau. Die Farbe zieht sich über die Rückwand und diverse Schattenfugen am Gehäuse. Gewagt? Unbedingt. Gelungen? Definitiv! Im Geräteinneren ist ein imposanter Ringkerntrafo verbolzt, der für ordentlich Stromachschub im Leistungsteil sorgt und die Kleinleistungsstufen und periphere Funktionen aus eigenen Sekundärwicklungen speist. Die gerne genommene Armada von Riesen-Siebelkos gibt’s hier nicht, zweimal 10.000 Mikrofarad müssen für beiden Endstufen reichen. Womit wir bereits auf der großen grünen Platine angekommen wären, die farblich einen interessanten Kontrast zum Blau der Umgebung bildet. Was aber tatsächlich vollkommen ohne Bedeutung ist. Schaltungstechnisch liegt dem Gerät eindeutig die Maxime „weniger ist mehr“ zugrunde, viel reduzierter kann man den Signalweg eines Vollverstärkers nicht mehr stricken. Es geht passiv los: Hinter den Eingangsbuchsen folgen Eingangs- und Aufnahmewahlschalter. Zwei lange Achsen verbinden sie mit den Knöpfen an der Front. Zwei Operationsverstärker dienen lediglich dazu, die Signale für den Aufnahmeausgang zu puffern, der Rest der Schaltung ist diskret aufgebaut. Nach den Schaltern geht’s direkt zur Endstufe. Bei einem Vollverstärker kann man das machen, wenn man den Verstärkungsfaktor des Endverstärkers einfach hinreichend hoch wählt. Kleiner Exkurs ins Prinzipielle: An dieser Stelle hat ein so konzipierter „Integrierter“ echte Vorteile gegenüber einer Vor-/Endkombi, die braucht ein bis zwei signalverarbeitende Stufen mehr. Im Eingang des Signalverstärkerteils sitzt pures Gold: Der Eingangsdifferenzverstärker arbeitet mit superrauscharmen und linearen Doppel-JFets von Toshiba – die natürlich nicht mehr hergestellt werden. Vor ein paar Jahren noch für ein paar Zig Cent zu bekommen, darf man für einen der Siebenbeiner heutzutage gerne mal 25 Dollar berappen. Ach, hätte man doch damals bloß … Okay, in Neuseeland scheint’s noch genug von den Dingern zu geben, um damit ein Seriengerät zu realisieren. Für hinreichend Strom an den Lautsprecherklemmen sind wieder einmal Leistungshalbleiter von Sanken zuständig: Zwei Paar pro Seite sorgen für solide 90 Watt an acht und 120 Watt an vier Ohm. Allzu heiß wird’s dem Verstärker dabei nicht, der 9100SE kommt mit moderat dimensionierten Kühlkörpern aus, was für eine zivilisierte Ruhestromeinstellung spricht. Um die Pegeleinstellung kümmert sich übrigens ein blaues Alps-Poti mit Motor. Ausschließlich dafür liegt dem Gerät eine Alu-Fernbedienung bei, die dazu angetan ist, ein ganzes Regiment in die Flucht zu schlagen. Ich muss gestehen: Ich bin immer wieder überrascht, mit welch schrägen Details die Entwickler dieses Gerätes aufwarten können, ich habe bei der Beschäftigung mit einem Gerät lange nicht mehr soviel gegrinst. Das wollte ich auch weiterhin tun, deshalb startete der Hörraumdurchgang auch mit audiophil reichlich ungeeignetem Material: My Sleeping Karma, Billy Talent, ZZ Top und Neil Young gaben sich den Tonarm in die Hand. Und zwar zuerst über die wirklich herausragende Tidal-Kombi, über die es an anderer Stelle in diesem Heft zu lesen gibt. Nach einer Stunde intensiven Dauerfönens verspürte ich eigentlich wenig Lust, auf einen popeligen Vollverstärker umzustöpseln. Denkste, von wegen popelig. Das, was dieses Ding im Folgenden aus den Membranen drückte, war ganz großer Sport. Die Herren aus Aschaffenburg (aka My Sleeping Karma) arbeiten sich durch „Ephedra“ von der ersten Seite ihres neuen Albums „Soma“(Rezension im letzten Heft, wenn mich nicht alles täuscht) und ich bin erst mal platt, wie weit der Integrierte das Geschehen in der Breite aufmacht. Lautsprecher? Hier im Hörraum? Quatsch. Haben wir nicht. Wir haben Musik im Raum, aber keine Lautsprecher. Das muss lauter. Und noch ein bisschen. Macht dem Plinius gar nix. Die Bühne steht, nichts wackelt, die großartige Durchhörbarkeit zieht mich in ihren Bann. Die rabiateren Passagen setzen mit satter Wucht ein, dynamisch alles bestens. Nicht ganz so ein Brett wie mit der Tidal-Kombi, aber die kostet auch fast fuffzich. Der 9100SE macht seinen Job kraftvoll, sonor, mit schulterzuckender Lockerheit und reichlich Übersicht – sehr gut. Wir hören „Consumption“ vom aktuellen ZZ-Top-Kracher „La Futura“. Geht wie der Teufel. Satt, fett, dreckig und mit ganz viel Schub. Den Umstand, dass die Becken zu Beginn fürchterlich scheppern und später gnadenlos am Pult runtergedreht wurden, macht der Plinius gnadenlos hörbar. Macht aber nichts, die Nummer rockt trotzdem. Ach ja, die leisen Töne. Wo sie doch schon mal da steht, können wir sie doch mal auflegen, die neue Kari Bremnes. Abermals: Wäme, Biss und Bauch – das kann er einfach, der 9100SE. Das Timbre der Gesangsstimme passt ebenfalls: Energie und Inbrunst sind da, die Tidals garnieren Frau Bremnes mit einem Hauch Luft mehr oben herum – geschenkt. Mir gefällt das Klangbild dieses Verstärkers außerordentlich. Es ruht in sich, nervt nicht und hat Schub. Eine unerwartete Reise ins Herz der Musik.

Fazit

Der passt. So richtig. Der Plinius 9100SE schiebt, packt zu, hat Souveränität und Gelassenheit. Das in Verbindung mit der superben Raumabbildung macht einen echten Top- Vollverstärker

Preis: um 3600 Euro

Vollverstärker

Plinius 9100SE


03/2013 - Holger Barske

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Audioconcept, Frei-Laubersheim 
Telefon 06709 439 
Internet www.audioconcept.eu 
Garantie (in Jahre)
B x H x T (in mm) 450/120/400 
Gewicht (in Kg) 10 
Unterm Strich... » Der passt. So richtig. Der Plinius 9100SE schiebt, packt zu, hat Souveränität und Gelassenheit. Das in Verbindung mit der superben Raumabbildung macht einen echten Top- Vollverstärker 
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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 08.03.2013, 11:34 Uhr
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