Kategorie: Kopfhörerverstärker

Einzeltest: Ampio G1 VD-6880


Große Nummer

Kopfhörerverstärker Ampio G1 VD-6880 im Test, Bild 1
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Wo es Entwicklungen gibt, gibt es auch Versionsnummern. Zwar können nur die wenigsten mit den Unterschieden etwas anfangen, doch das hält Hersteller nicht davon ab, auch hier mit ihren Spezifikationen zu prahlen.

Es ist nur eine kleine Box mit einem noch deutlich kleineren Gerät darin. Fünfzehn mal zehn mal sechs Zentimeter bunt bedruckte Pappe. Gefüllt mit gefühlten 8000 Zeichen Text zeigt sich Ampio zumindest sehr mitteilungsfreudig, was seinen neuen mobilen DAC angeht. Auch die Gerätebezeichnung selbst ist eher kryptisch und wenig preisverdächtig. G1 VD-6880 lässt kaum Rückschlüsse auf Gerätekategorie, Produktserie, Spezifikationen oder Preis zu. Ob es sich um einen Kopfhörerverstärker, einen Bagger oder eine Mittelstreckenrakete handelt, ist zunächst unersichtlich. Aber sei es drum, denn schließlich sucht sich ja kaum einer seinen Namen selber aus.

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Das Defizit in Sachen Informationsübermittlung beim Namen hat man durch all den Text auf dem Karton kompensiert, der mit Funktionsangaben und Spezifikationen alles andere als geizt. Ein Feature taucht dabei ganz oben in der Liste auf. Dort ist die Rede von Bluetooth nach Versionsstandard 5.0, kombiniert mit den Begriffen LDAC und aptX HD. Hier scheint sich nun ein Muster in Ampios Informationspolitik erkennen zu lassen, denn auch hier nutzt man Begriffe, die vielen Leuten wahrscheinlich gar nichts sagen werden. Spezialisten hingegen zeigen sich beeindruckt. Mit den verschiedenen Zahlen und Akronymen markieren Ampio und der kleine G1 VD-6880 das Erwachsenwerden der Bluetooth-Verbindung. Weg vom holprigen Datenpaketversand pixeliger Bilder hin zur flinken Direktverbindung für HiRes-Audiodaten. Genau dies ist mit dem G1 VD- 6880 nämlich möglich. Waren Dateien mit einer Abtastrate von 96 kHz und 24 Bit Worttiefe noch bis vor Kurzem ausschließlich per Kabel oder WLAN übertragbar, befinden wir uns nun in einer Zeit, in der auch Bluetooth nach audiophilen Standards verwendet werden kann. Voraussetzung dafür ist natürlich die richtige Hardware, was neben dem kleinen Ampio auch ein passendes Smartphone voraussetzt, das in der Lage ist, solche Daten kabellos zu senden. Dies trifft leider momentan nur auf die neuesten Geräte der verschiedenen Hersteller zu, doch da gefühlt alle drei bis vier Monate eine neue Modellgeneration auf den Markt zu kommen scheint, wird sich dieser Zustand bestimmt in absehbarer Zeit ändern. Die Zukunft scheint also kabellos zu sein und der G1 VD-6880 ist darauf vorbereitet. Trotz seines größtenteils metallenen Gehäuses, das in mattem Schwarz oder Champagner-Gold erhältlich ist, verzichtet der kleine DAC auf eine externe Antenne, sondern führt seinen inneren Empfänger an den beiden Kunststoffabdeckungen an der oberen und unteren Gehäusekante vorbei. Ein kurzes Auswählen der Bluetooth- Funktion, schon erscheint der Ampio als verfügbares Ausgabegerät auf dem Bildschirm des Smartphones, und es kann losgehen mit dem Musikhören. Bei manchem mögen jetzt Fragen aufkommen, warum man bei einem mobilen DAC überhaupt eine kabellose Verbindung benötigt. Schließlich befinden sich Quellgerät und DAC ja meist nur weniger Zentimeter auseinander, und Bluetooth-Kopfhörer könnten einen externen DAC ebenfalls unnötig machen. Berechtigte Fragen, auf die es aber die passenden Antworten gibt. Bluetooth macht auch bei der Verwendung eines mobilen DACs Sinn, denn so ist das Smartphone beim Musikhören weiterhin problemlos nutzbar. Kein Kabel, das die Bewegung einschränkt, und kein zusätzliches Gerät, das man beim Surfen mit in der Hand halten muss. Zweitens verzichtet man so auf ein zusätzliches Kabel, das man dabeihaben muss und das den mittlerweile kostbaren Platz in Hosen- oder Handtaschen zusätzlich verringert. All diese Probleme könnte man tatsächlich auch mit einem Bluetooth-Kopfhörer lösen. Mit einem mobilen DAC/Kopfhörerverstärker hingegen ist man bei der Wahl des Kopfhörers deutlich flexibler. Hinzu kommt die meist aufwendigere Technik eines mobilen DACs gegenüber den integrierten Modulen vieler kabellosen Kopfhörer. Außerdem verfügen mobile Kopfhörerverstärker im Normalfall über deutlich größere Akkus, die weniger oft aufgeladen werden müssen und längere Nutzung ermöglichen. Letztlich ist außerdem die Flexibilität des kleinen Ampio ein deutlicher Vorteil, denn neben der kabellosen Übertragung von Musik ist hier noch einiges mehr möglich. An der unteren Kante des Gerätes befindet sich eine Reihe von Anschlüssen. Am wichtigsten ist sicherlich der USB-Anschluss im Micro-Format, der gleich zwei Funktionen erfüllt. Hier wird der interne Akku des Gerätes mit neuer Energie versorgt, die von einem passenden USB-Port oder mit einem Adapter auch direkt aus der Steckdose kommen kann. Eine kleine LED an der oberen Kante des DACs gibt Aufschluss über den Ladestatus. Leuchtet die Lampe grün, ist der Akku voll und der G1 VD-6880 bietet etwa neun bis zehn Stunden Musik. Neben Strom kann hier außerdem auch Musik von Smartphones und Laptops per Kabel übertragen werden, wobei die maximale Auflösung, genau wie bei der AptX-HD-Bluetooth-Verbindung 96 kHz bei 24 Bit betragen darf. Hier liegt dann auch ein offensichtlicher Kritikpunkt. Nicht an der Technik selbst, sondern an den Angaben des Herstellers. Die Auflösung des Ampio ist prinzipiell zwar vollkommen ausreichend, auch wenn einige andere mobile DACs heute bereits merklich höher aufgelöste Signale verarbeiten. In Anbetracht der Tatsache, dass der bereits erwähnte bunte Karton die Zahlen 384 kHz und 32 Bit aufweist, darf man sich hier aber durchaus über die Diskrepanz wundern. Letztere Zahlen beziehen sich beim G1 nämlich nicht auf die nutzbare, sondern auf die genutzte Abtastrate. Nutzbar sind per USB also 96 kHz, während der interne SRC alle eingehenden Daten auf 384 kHz hochrechnet. Letztlich ist es also der USB-Receiver des Gerätes, der hier entscheidend ist, denn der genutzte Burr-Brown-PCM5102A könnte theoretisch noch mehr leisten. Das alles ändert nichts an der guten Leistung des mobilen Wandlers, doch hier stellt sich die Informationspolitik des Herstellers irgendwie selbst ein Bein. Neben dem USB-Eingang befinden sich noch drei weitere Anschlüsse mit 3,5 Millimetern. Ein S/PDIF-Eingang erlaubt den Einsatz des Ampio auch an stationären Anlagen und arbeitet außerdem mit bis zu 192 kHz. Der analoge Line-out umgeht nach der Wandlung den Kopfhörerverstärker und optimiert das Gerät so für den Einsatz an einem Vollverstärker. Zusätzlich kann der G1 VD-6880 auch digitale Daten per S/PDIF ausgeben, so dass auch der Einsatz als USB-Konverter möglich ist, um etwa moderne Streamingsysteme auch mit älteren DACs nutzbar zu machen. Damit geht der Funktionsumfang des Gerätes deutlich über das mobile Musikhören hinaus, was den G1 erfreulich vielseitig macht. Die Bedienung der unterschiedlichen Funktionen gestaltet sich äußerst simpel, denn im Prinzip macht der Ampio alles automatisch. Einzig die Auswahl der Quelle und die Lautstärke lassen sich hier einstellen, wofür zwei unterschiedlich große Drehregler zur Verfügung stehen. Der linke rastet an der Position der passenden Quelle ein, wobei jeweils ein kleines Licht die getroffene Wahl verdeutlicht. Der Lautstärkeregler auf der rechten Seite hingegen bietet deutlich mehr Positionen zur Auswahl, so dass er sich fast schon analog anfühlt. Einzig etwas mehr Widerstand hätte es hier vielleicht noch sein dürfen, doch alles in allem ist die Haptik des Verstärkers durchaus gelungen. Dies gilt auch für den Klang, den die Kombination aus Burr-Brown-DACChip und Kopfhörerverstärker generiert. Rock in CD-Qualität erhält einen bissigen Punch, bei dem schnelle Gitarren mit der nötigen Power versehen werden. Präzises Schlagzeugspiel und groovender Bass untermauern das Klanggewitter. Gerade bei Quellmaterial in 24 Bit wusste der G1 stets den richtigen Ton zu treffen. Mit zunehmender Bittiefe und Abtastrate öffnet sich das Spiel merklich in Breite und Tiefe, was gerade bei der Verwendung von Kopfhörern stets zu begrüßen ist. Die Interpretation Smetanas durch die Czech Philharmonic wartete mit einer ansehnlichen Größe auf und lieferte dazu die Dynamik, die man von einem Orchester erwartet. Das feine Klingen von Harfen und Glockenspielen stellte den Burr-Brown dabei vor keinerlei Probleme. Auch im Bassbereich zeigte sich Ampios kleiner DAC von seiner besten Seite, als er Leo Sidrans „Cool School“ vorgesetzt bekam. Von den ersten Takten an lieferte der G1 präzisen, kräftigen Tiefton. Dabei beschönigt der Wandler wenig und bedankt sich bei seinem Nutzer für die Verwendung von gut gemasterter Musik mit der nötigen Musikalität und Differenziertheit, die viele Burr-Brown-Chips auszeichnet. So richtet sich Ampios Informationsoffensive klar an eine anspruchsvolle Hörerschaft, die auch unterwegs das nötige Handwerkszeug für guten Klang verlangt. Gerade dank der guten Bluetooth- Wiedergabe ist der G1 VC-6880 hier eine gute Wahl. Dabei ist der Preis des vielseitigen kleinen DACs erfreulich günstig, auch wenn der Hersteller ihn nicht mit in seine Bulletpoints aufgenommen hat. Aber auf dem Karton ist sicher noch ein wenig Platz.

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Fazit

Kabelloses HiRes vom Smartphone ist endlich Realität. Ampio schickt mit dem G1 VD-6880 einen flexiblen Wandler mit hochwertiger Ausstattung und einem tollen Preis-Leistungs-Verhältnis ins Rennen. Dabei liegt der Fokus klar auf neuester Bluetooth-Technik, die hier der USB-Verbindung in nichts nachsteht.

Preis: um 300 Euro

Ampio G1 VD-6880

10/2018 - Philipp Schneckenburger

Ausstattung & technische Daten 
Preis: um 300 Euro 
Vertrieb: Audionext, Essen 
Telefon: 0201 5073950 
Internet: www.audionext.de 
B x H x T 62/21/98 
Eingänge: 1 x Micro-USB, 1 x 3,5-mm-S/PDIF, 1 x 3,5-mm-Klinke, Bluetooth 
Unterstützte Abtastraten: PCM bis 192 kHz, 24 Bit 
Ausgänge: 1 x 3,5 mm Kopfhörerausgang, 1 x 3,5-mm-Line-out, 1 x 3,5-mm-S/PDIF 
Gewicht: etwa 136 Gramm 
Ausgangsleistung: etwa 90 mW an 16 Ohm 
checksum: Kabelloses HiRes vom Smartphone ist endlich Realität. Ampio schickt mit dem G1 VD-6880 einen flexiblen Wandler mit hochwertiger Ausstattung und einem tollen Preis-Leistungs-Verhältnis ins Rennen. Dabei liegt der Fokus klar auf neuester Bluetooth-Technik, die hier der USB-Verbindung in nichts nachsteht. 
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Philipp Schneckenburger
Autor Philipp Schneckenburger
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Datum 01.10.2018, 15:02 Uhr
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