Kategorie: Kopfhörerverstärker

Einzeltest: Unison Audio SH


Simply Unison

Kopfhörerverstärker Unison Audio SH im Test, Bild 1
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Das Kopfhörer-Revival geht munter weiter, und da verwundert es nicht, dass mittlerweile wirklich jeder  Verstärkerhersteller einen Spezialisten für diese Anwendung im Programm hat. Wenn´s dabei jedoch um  Unison Research geht, dann darf man getrost auch in dieser Hinsicht etwas Besonderes erwarten

Braucht man das eigentlich? So einen separaten Kopfhörerverstärker? Das kommt so darauf an. Wenn man kein exklusiver Kopf-Hörer ist und noch einen Verstärker für Lautsprecher aus den besseren Tagen der High Fidelity betreibt, dann stehen die Chancen ganz gut, dass man auf der Gerätefront noch eine Kopfhörerbuchse findet. In vielen Fällen ist das Signal dafür lediglich ein mit einem Spannungsteiler aus zwei Widerständen auf Kopfhörerpegel herunterdividiertes Signal, über dessen Qualität man geteilter Meinung sein darf: Bei manchen Kopfhörern geht´s gut, bei manchen nicht.

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Wer ausschließlich ohne Lautsprecher unterwegs ist, für den gibt´s keine Notwendigkeit, sich eine lautsprechertaugliche große Kiste ins Wohnzimmer zu stellen – spätestens da schlägt die Stunde der Spezialverstärker. Der Unison SH ist so einer und, was ob seiner Herkunft nicht verwundert, eine reinrassige Röhrenkonstruktion. Das und eine Menge piekfeines Massivholz sind das, was Unison Research berühmt gemacht hat. Im kleinen Dorf Dossin die Casier in der Provinz Treviso, unweit von Venedig, sind auch so berühmte Vollverstärker wie die der „Simply“-Baureihe entstanden, und an denen orientiert sich der SH (nein, ich habe keine Ahnung, was die Abkürzung bedeutet) zweifelsohne: Hüben wie drüben kommt nämlich ein Single-Ended- Röhrendesign nach bewährten hauseigenen Prinzipien zum Einsatz. Wer jetzt in die klassische Eintakt-Abwehrhaltung verfällt und Unverträglichkeit mit niedrigem Wirkungsgrad und geringen Impedanzen ins Feld führen mag, der sei daran erinnert, dass wir es hier mit einem Kopfhörer als zu treibende Last zu tun haben. Die können heutzutage zwar auch ganz gerne mal ziemlich niederohmig, so richtig Leistung braucht´s hier aber nicht: 100 Milliwatt reichen auf alle Fälle, um ziemlich schnell Gehörschäden herbeizuführen. Die schüttelt auch eine Eintaktendstufe der mickrigeren Art locker aus dem Ärmel und eine solche sucht man im SH vergebens: Darin besorgt nämlich pro Kanal eine EL84 die Leistung und die kann noch ganz anders. Nicht umsonst gibt´s auch auf solche Art realisierte Verstärker, die für Lautsprecherbetrieb gedacht sind. Und ich bin mir sicher: Mit ein bisschen mehr Netzteil und etwas kräftigeren Ausgangsübertragern könnte der SH das auch. Was er aber kann: Zwei Kopfhörer gleichzeitig bedienen, dazu gibt´s links und rechts auf der Front eine fein säuberlich in Massivholztrichtern versenkte Klinkenanschlüsse. Die sind parallelgeschaltet und können somit nur gemeinsam in der Lautstärke geregelt werden. Man kann zwar ohne Probleme unterschiedliche Kopfhörer anschließen und gleichzeitig betreiben, es mag aber Differenzen zwischen beiden Zuhörern beim einzustellenden Pegel geben. Das tut man mittig, der Knopf läuft schön weich und reckt das Köpfchen ebenfalls durch einen Trichter. Dann wären da noch zwei Kippschalter. Einer schaltet die Empfindlichkeit des Gerätes um und erlaubt die Anpassung des Pegeleinstellbereiches an den verwendeten Hörer. Der andere schaltet die beiden zur Verfügung stehenden Eingänge um. Derer gibt´s nämlich zwei, und einer davon ist ein ganz normaler Cinch-Line-Eingang. Der andere hingegen manifestiert sich in Form einer USB-Buchse und will mit Digitaldaten gefüttert werden. Auch wenn´s hier natürlich ums Analoge gehen soll, wollen wir den eingebauten Wandler nicht unter den Tisch fallen lassen. Bei ihm handelt es sich nämlich keinesfalls um eine Notlösung, sondern um eine ausgereifte Konstruktion auf der Höhe der Zeit – Sie mögen mir den folgenden kleinen Exkurs in die digitale Welt nachsehen. Der Wandler verarbeitet PCM-Daten bis zu einer Abtatsrate von 384 Kilohertz bei einer Auflösung von 32 Bit und DSD-Signale mit 128-facher Abtastrate – das ist das, was man heutzutage so hat. Als Front End kommt ein XMOS-Baustein zum Zuge, die Wandlung ins Analoge besorgt ein „Sabre“-Chip vom Spezialisten ESS. Die Treiberinstallation unter Windows ist problemlos, Linux erkennt das Gerät nativ, OS-X habe ich nicht versucht. Und jetzt höre ich auch schon wieder auf damit, versprochen. Unterm soliden, mit diversen Lüftungsöffnungen versehenen Deckel kommt ein ziemlich dicht gedrängter Aufbau zum Vorschein. Im Separee an der Rückseite residiert ein Ringkerntrafo zur Versorgung, daneben lugen Wandlerplatine und Line-Eingangsboard durch die Rückwand. Die Verstärkerschaltung residiert auf einer doppelseitigen Platine. Neben allerlei Regel- und sonstigen Dienstleistungsschaltungen gibt´s drei Röhren: Eine EL84 von Electro Harmonix pro Kanal und eine ECC83/12AX7 von Tung Sol; sie leistet die Eingangsverstärkung für beide Kanäle. Wir haben es also mit einem reinrassig zweistufigen Konzept zu tun. An die Rückwand sind zwei kleine Ringkerntrafos geschraubt, die, wenn ich nicht völlig schief liege, die Ausgangsübertrager bilden. Und wenn mich nicht alles täuscht, kommen dabei umfunktionierte Netztrafos zum Zuge. Der Trick ist nicht ganz neu und kann bestens funktionieren: Gerade kleine Trafos wie die hier eingesetzten sind wenig empfindlich gegenüber bandbreitenbegrenzenden kapazitiven Effekten, so dass sich auch mit solchen Mitteln ein ordentlicher Frequenzgang hinbekommen lassen sollte. Bass kann ein auf 50 Hertz ausgelegter Trafo ohnehin, so dass man sich da überhaupt keine Sorgen machen muss. Mittig erkennt man das Lautstärkepoti; das bekannt blaue Alps-Poti kommt hier mal ohne Motor zum Einsatz, eine Fernbedienung würde bei einem Kopfhörerverstärker ja auch nicht viel Sinn ergeben. Messtechnisch funkioniert das Gerät bestens, aber wir gehen´s mal gesittet an: Die ersten Gehversuche mit dem SH habe ich mit einem AKG K812 unternommen und war ob des pfeilschnellen Antritts und des exorbitanten Auflösungsvermögens ein bisschen erschüttert. Leider war der AKG quasi schon wieder auf dem Rückweg zum Vertrieb, weshalb als Nächstes eine echte Aufgabe auf den Unison wartete: Der Audeze LCD-XC ist ein Kopfhörer mit einer Nennimpedanz von gerade mal 20 Ohm. Also auf dem Papier nicht eben der Traumpartner für ein Röhrenverstärkerchen, aber ob seiner satten Diktion und seines soliden Fundamentes (es handelt sich um einen geschlossenen Hörer) einer meiner Allzeitfavoriten. Der SH fegt Kompatibilitätsbedenken rigoros beiseite: Das geht nämlich ganz ausgezeichnet miteinander. Ich muss mal wieder Michael Kiwanuka auflegen, der hat´s mir gerade ziemlich angetan. Damit war es auch gar kein Problem herauszuhören, dass der LCD-XC gerne an der Verstärkungseinstellung „Low Sensitivity“ laufen möchte, damit klingt´s einfach zackiger und direkter. „Low Sensitivity“ bedeutet natürlich höhere Verstärkung und damit weniger Gegenkopplung, das passt schon so. Ich bin begeistert vom Klangfarbenreichtum im Bass und vom bestens aufgedröselten Instrumentarium in den komplexeren Passagen. Die Stimme passt tonal und hat genau den Vintage- Sound, der hier wohl beabsichtigt war. Ganz anders geht´s beim letzten Album „Digital Tropics“ der luxemburgischen Post-Rock-Band „Mutiny on the Bounty“ zur Sache, aber auch hier fällt die kernige, niemals übertriebene Basswiedergabe auf. Der zum Vergleich herangezogene und von mir sehr geschätzte Burson Conductor Virtuoso bewegt sich auf vergleichbarem Niveau, macht etwas mehr Bass, der sich qualitativ mit dem des Unison aber nichts tut. Stimmen können beide bestens, mit Atem, Schmelz und Hingabe. Und hier und da lugt beim SH natürlich ein kleines bisschen Extra-Charme und Wärme durch all die Akkuratesse – und so soll´s bei einem Röhrengerät ja auch sein.

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Fazit

Eintaktverstärker und Kopfhörer, das passt  perfekt, wie der Unison SH beweist. Er klingt  auch an niederohmigen Hörern  überaus präzise, weiträumig, detailliert und macht das Geschehen  ein ganz klein wenig schöner.  Perfekt!

Preis: um 1500 Euro

Kopfhörerverstärker

Unison Audio SH


03/2017 - Holger Barske

Ausstattung & technische Daten 
Preis: 1.500 Euro 
Vertrieb: TAD Audiovertrieb, Aschau 
Telefon: 08052 9573273 
E-Mail: k.A. 
Internet: www.tad-audiovertrieb.de 
Garantie: 2 Jahre 
B x H x T (in mm): 225/126/322 
Gewicht (in kg): ca. 6 kg 
Unterm Strich... » Eintaktverstärker und Kopfhörer, das passt perfekt, wie der Unison SH beweist. Er klingt auch an niederohmigen Hörern überaus präzise, weiträumig, detailliert und macht das Geschehen ein ganz klein wenig schöner. Perfekt! 
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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 31.03.2017, 15:03 Uhr
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