Kategorie: Lautsprecher Stereo

Einzeltest: Bohne Audio Spirit


Downsizing

Lautsprecher Stereo Bohne Audio Spirit im Test, Bild 1
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Sogar der Hersteller selbst hat es mir gesagt: „Da hast Du Dich aber weit aus dem Fenster gelehnt!“ Ich bleibe dabei: Das System 15.12 von Bohne Audio hat mich von allen bisher in meinem Leben gehörten Komplettsystemen am meisten fasziniert. Dass es so etwas in kleiner, leichter und vor allem bezahlbarer gibt, finde ich daher gut 

Anlage


Plattenspieler: Transrotor Zet 1 TMD mit SME5012 und Merlo Reference
CD-Player: Rega Planet
Verstärker: darTzeel CHT 8550  


Etwas relativieren möchte ich meine so absolut klingende Aussage dann doch: Es gibt damit ein Problem – ich kann sie nicht durch einen fairen Vergleich belasten, habe ich doch die Anlage in einem Setup beim Erbauer selbst gehört, der natürlich in akribischer Feinarbeit jeden nur erdenklichen Fehler in der Wiedergabekette und der Raumakustik korrigiert hat. Trotzdem bleibe ich dabei: Wenn ich auf einem Setup mit Pegeln jenseits der 120 Dezibel die Tränen der Rührung in die Augen bekomme, dann ist etwas mit dem umsetzenden Lautsprecher sehr richtig! Noch einmal kurz zur Person des Konstrukteurs: Der heißt Jörg Bohne und hat sich vorgenommen, Musik von Konserve so klingen zu lassen, wie er sie live von seiner Tätigkeit als Schlagzeuger kennt – das heißt, der Mann stellt in Sachen explosiver Dynamik schon gewisse Ansprüche, weil er da ja direkt an der Quelle sitzt.

Lautsprecher Stereo Bohne Audio Spirit im Test, Bild 2Lautsprecher Stereo Bohne Audio Spirit im Test, Bild 3Lautsprecher Stereo Bohne Audio Spirit im Test, Bild 4Lautsprecher Stereo Bohne Audio Spirit im Test, Bild 5Lautsprecher Stereo Bohne Audio Spirit im Test, Bild 6Lautsprecher Stereo Bohne Audio Spirit im Test, Bild 7Lautsprecher Stereo Bohne Audio Spirit im Test, Bild 8Lautsprecher Stereo Bohne Audio Spirit im Test, Bild 9
Das erreicht man natürlich, gerade wenn es laut werden soll, nicht mit wabbeligen HiFi-Chassis – in den großen Systemen sitzen daher mit die besten PA-Treiber, die man für Geld und gute Worte bekommen kann. Im kleinen System, das wir hier zum Test bekommen haben, sitzt dagegen ein Tieftonspezialist, der zwar seine Abstammung aus dem professionellen Audiobereich nicht verhehlen kann, der aber auch in der Lage ist, aus moderat großen Gehäusen sehr tiefe Frequenzen zu holen. Es handelt sich hier übrigens um eine Spezialvariante eines Subwoofertreibers von einem der renommiertesten Chassishersteller weltweit, der mit einem kräftigeren Antrieb für den Bassreflexeinsatz optimiert wurde. Das geht mit etwa 20 Litern Gehäusevolumen fast so tief hinunter wie das große System mit dem Fünfzehnzöller, nur natürlich nicht so laut. Kombiniert wird der Tieftöner mit dem typisch für Bohne aufgesetzten Bändchenhochtöner, etwa 15 Zentimeter lang mit mit einer effektiven Breite von 14 Millimetern, der als Dipol funktioniert, das heißt er strahlt Schall gleichermaßen nach vorne wie nach hinten ab. Das Bauprinzip ist erst einmal einfach: Eine Aluminiumfolie schwingt zwischen zwei Magnetreihen. Die Umsetzung ist dabei aber alles andere als trivial und führt zwangsläufig zu elend langen Versuchsreihen bezüglich der Magnetfeldgeometrie, der Materialwahl bei der Folie, der Faltung der Folie und – last but not least – dem Wickeln des geeigneten Übertragers, der die extrem niederohmige Alufolie für den angeschlossenen Verstärker „übersetzt“. Im Gegensatz zu seinen großen Systemen arbeitet die Spirit mit einer passiven Weiche – sie ist also deutlich mehr „Box“ als die doch erst einmal recht aufwendig zu installierenden DSP-Module. Bohne wäre aber nicht Bohne, wenn er dem Anwender nicht doch noch ein paar Werkzeuge mit auf den Weg gegeben hätte: Mit zwei Reglern auf der Rückseite kann man den Hochtöner im Gesamtpegel und den Präsenzbereich einzeln anpassen – sinnvolle und mächtige Eingriffsmöglichkeiten, die man sich öfters wünschen würde! Ansonsten ist die Weiche sehr minimalistisch ausgelegt – flache Filter erster Ordnung genügen völlig. Dass es dabei nicht super-linear zugeht, nimmt der Konstrukteur zugunsten einer lebendigeren Wiedergabe in Kauf. Dieses Klassenziel erreicht die Spirit mit Auszeichnung. Im Präsenzbereich minimal zurückgenommen, erzielt sie in unserem Hörraum eine Wiedergabequalität, die von ihrer großen Schwester gar nicht so weit entfernt ist – vorausgesetzt natürlich, man übertriebt es nicht mit der Lautstärke. Im Einzelnen bedeutet dies eine hohe Bassquantität und -qualität – man merkt dem Achtzöller seine Subwoofer-Gene deutlich an. Er spielt dabei substanziell und mit ordentlich Tiefgang – das muss er auch, um nicht hinter dem Hochtonbändchen zurückzufallen. Was beim Konustreiber am meisten beeindruckt, ist der Mut Jörg Bohnes, ihn als vollwertigen Mitteltöner bis drei Kilohertz einzusetzen, trotz komplett anderer Intentionen des Herstellers und der gemessenen Resonanz. Das Chassis macht seinen Job mehr als ordentlich: Stimmen und auch heikle Instrumente wie Klavier oder Geige sind absolut verfärbungsfrei und authentisch – erst bei deutlich zu lauten Pegeln vermeint man, einen Hauch Schärfe zu vernehmen. Das ist dann allerdings so laut, dass wohl alles andere auch aggressiv klingen würde. Der bruchlos einsetzende Bändchenhochtöner ist natürlich wieder eine Klasse für sich. So fein, so ansatzlos und zart kann kein anderes Hochtonsystem spielen – und wenn es dann mal ums giftige Zupacken geht, zeigt der spezielle Bohne-Hochtöner seinen Kollegen, was so ein bisschen mehr Fläche bei der Schallabstrahlung ausmachen kann. Das hier ist nämlich ein Bändchen, das nicht nur den zarten Pastellhauch beherrscht, sondern auch den beherzten Schlag aufs Blech – und das ist ja genau die ursprüngliche Intention gewesen. Abseits der Dynamikdiskussion erweist sich die Bohne Spirit als ungemein ehrliche und natürlich klingende Box, der man fast schon so etwas wie Monitorcharakter zugestehen kann – mit dem Bonus, dass die Räumlichkeit, die der Hochton-Dipol generiert, um Welten angenehmer und homogener klingt, als das jeder konventionelle Hochtöner könnte. Und so ist das Ziel, die Qualitäten des großen Aktivsystems im Rahmen des Möglichen auf eine viel kleinere Box zu einem noch viel kleineren Preis zu übertragen, voll erreicht. 

Fazit

Die Bohne Audio Spirit besitzt Qualitäten in jedem relevanten Bereich – allen voran natürlich der einmalige Bändchenhochtöner. Dass es den jetzt in einem ernst zu nehmenden Lautsprecher zu diesem Preis gibt, ist mehr als erfreulich.

Preis: um 2800 Euro

Lautsprecher Stereo

Bohne Audio Spirit


05/2014 - Thomas Schmidt

Ausstattung & technische Daten 
Paarpreis 2800 
Vertrieb Bohne Audio Systeme 
Telefon 02263 9026757 
Internet www.bohne-audio.de 
B x H x T (in mm) 240/650/370 
Gewicht (in Kg) 15 
Garantie (in Jahre)
Unterm Strich... Nein 
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Thomas Schmidt
Autor Thomas Schmidt
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Datum 04.05.2014, 09:04 Uhr
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