Kategorie: Lautsprecher Stereo

Einzeltest: Jamo Concert C 103


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Lautsprecher Stereo Jamo Concert C 103 im Test, Bild 1
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Mit der Concert-C10-Reihe präsentiert der multinationale Lautsprecherhersteller Jamo seine derzeit ambitionierteste Modellreihe. Wir fühlen dem Kompaktmodell C103 auf den Zahn

Jamo? Da war doch mal was. Ist noch gar nicht so lange her. Richtig: Da gab‘s diese mit 600 Euro pro Paar erstaunlich günstige Standbox namens S 628, die sich in unserem Hörraum einen Riesenrespekt erworben hat. Wenn Sie mal eine gute günstige Standbox suchen ... aber das erwähnte ich glaube ich schon. Von daher war ich dem Thema „Jamo“ gegenüber durchaus positiv eingestellt, als der Deutschlandvertrieb im verganegnen Herbst nach Wiesbaden zur Präsentation der neuen Top-Baureihe lud. Die Präsentation der Standbox C 103 war klasse, aber wir einigten uns auf etwas Kompakteres aus gleicher Serie, und nun ist sie dran, die C 103. Mit 1.500 Euro pro Paar ist sie preislich deutlich ambitionierter als die eingangs erwähnte Standbox, allerdings ist das hier dann doch ein anderes Kaliber.

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Siebzehner Tiefmitteltöner, 25er-Hochtonkalotte – das ist das Universalrezept für kompakte Zweiwegelautsprecher, nach dem auch die C 103 konzipiert ist. Allerdings stecken die beiden Treiber nicht in einer schnöden viereckigen Kiste, sondern in einem wohlproportionierten, geschwungenen Kabinett, das unzweifelhaft die Handschrift eines Gestaltungsprofi s trägt. Jener ist Brite, heißt Kieron Dunk und hat es verstanden, der Concert Series einen Look anzuerziehen, der zwar irgendwie noch nordisch wirkt, aber die Kühle nicht übertreibt und sicherlich eine Vielzahl von Freunden finden wird. Das muss er auch, wenn man sich den Anspruch von Jamo vergegenwärtigt: Seit 2005 ist das Unternehmen Teil der in Amerika beheimateten, aber international agierenden Klipsch Group. Und spätestens seitdem ist Jamo zum Erfolg verdammt – überall auf der Welt. Produkte unter diesem Namen sollen und müssen gefallen, Besonderheiten für eine kleine Zielgruppe gehen da nicht. Optisch, so scheint mir, wird das klappen. Die Box gibt’s in Hochglanz- Schwarz oder -Weiß oder eben für Ewiggestrige wie mich in Walnuss furniert. Dafür darf ich auch 300 Euro mehr berappen als die Hochglanzwelt. Allen Versionen gemein sind die mattschwarz abgesetzte Front und die scheinbar schraubenlosen, von einem silberfarbenen Ring eingefassten Treiber. Schraubenlos ist das natürlich nicht, vielmehr sind jene unter einem Kunststoffring verborgen, der die Korbränder abdeckt. Könnte man abpulen, um die Treiber herauszuschrauben. Ich wollte nicht und gehe davon aus, dass Sie mir das nachsehen. Wir leben in modernen Zeiten, und da ist es kein Problem mehr, Holz als weitgehend frei formbares Material zu begreifen. Gut zu sehen bei den aus dickem MDF bestehenden Seitenwände der C 103: Die folgen nämlich einer sanften Kurve, die der Form der Box das gewisse Etwas verleiht. Jawohl, gebogene Wände, nicht ein aus entsprechend ausgeschnittenen Ringen zusammengesetztes Gehäuse. Was ich persönlich nicht ganz so dringend gebraucht hätte, ist das große glitzernde Firmenlogo auf der Front; ich kenn‘s nämlich auch ganz ohne, weil unsere zweite Box erstaunlicherweise ohne dieses „Feature“ auskommt. Eine Treiberabdeckung gehört zum Lieferumfang und ist sehr hübsch realisiert: Zwei kreisrunde Abdeckungen werden über einen Steg in eine schmale Nut gesteckt, die um die beiden Treiber läuft. Kann man lassen, sieht gut aus und versaut der Katze zuverlässig den Spaß. Werfen wir einen Blick auf die eingesetzten Treiber: Nach den großen Namen der chassisfertigenden Industie sucht man hier natürlich vergebens, Konus und Kalotte kommen aus dem Fernen Osten. Und da „die da“ dieses Handwerk mittlerweile ziemlich perfekt beherrschen, ist das gar nichts Schlimmes. Der langhubig ausgelegte Tiefmitteltöner verfügt über einen soliden Anderthalbzoll-Antrieb, was für einen Treiber dieser Größe ziemlich viel ist. Das sorgt für Belastbarkeit, begrenzt wegen der relativ hohen bewegten Masse aber den Frequenzumfang nach oben. Das mach aber gar nichts, denn die Seidenkalotte steckt in einem kurzen Hornansatz, neudeutsch Waveguide, der ihre nutzbare untere Grenzfrequenz erweitert, außerdem verfügt die Textilmembran über eine ungewöhnlich große Sicke, was ebenfalls auf Langhubigkeit und damit reichlich Belastbarkeit schließen lässt. Ein Blick auf den Impedanzschrieb bestätigt die Vermutung: Die Trennung liegt in der Gegend von 1,5 Kilohertz, das ist locker eine Oktave tiefer als bei Lautsprechern dieser Art üblich. Der Tiefmitteltöner verfügt über eine Membran aus einem interessanten Materialmix; irgendwo steckt auch etwas Wabenförmiges darin. Der Hersteller nennt das HCCC für „Hybrid Composition Conical Cone“ – sind die sinnentleerten Wortschöpfungen von Marketingleuten nicht was Tolles? Der Antrieb, den der Hersteller hinten anflanschte, ist jedenfalls ein ziemlich fetter und ein klassischer Ferritmagnet – nichts dagegen zu sagen, gegen den stabilen und strömungsgünstigen Gusskorb auch nicht. Die Frequenzweiche ist direkt hinten am Bi-Wiring-Terminal montiert. Mundorf & Co. gibt’s hier eher nicht, das Filter scheint aber nicht ganz trivial aufgebaut zu sein, worauf die vier Induktivitäten schließen lassen. Durch die Terminalöffnung lässt sich auch prima ein Blick ins ordentlich verstrebte Gehäuse werfen. Das rückseitig genau hinter dem Hochtöner montierte Reflexrohr ist ziemlich lang und an beiden Seiten mit einen trompetenförmigen Abschluss versehen, das hilft Strömungsgeräusche zu vermeiden. Zugeschraubt und nochmal die Oberfläche begutachtet: Ich bin geneigt zu vermuten, dass das sehr ordentlich aufgebrachte Furnier auf der Box tatsächlich eins ist und keine Folie. Und wenn doch, dann ist das so gut gemacht, dass es mich auch nicht stört. Und nun ab auf ein Paar stabile Ständer mit der 103, die Blechbrücken des Terminals gegen ein simples Stück Draht getauscht, das Lautsprecherkabel (diagonal) angestöpselt und ab geht die wilde Fahrt. Halt. Gemach. Ganz so wild geht’s nämlich gar nicht. Auch nach ordentlich „Weichkneten“ der Jamos ist klar, dass übertriebene Hemdsärmeligkeit ihre Sache nicht ist. Die 103 sind vielmehr hochklassige, aber gesittete Wandler, was bei ihrer angedachten universellen Einsetzbarkeit auch für Heimkinoanwendungen gar kein Wunder ist. Was sie aber können, und auch hier passt die Heimkinotheorie, ist laut. Aber mal so richtig. Bis die Dinger die Flügel strecken, muss der Verstärker ordentlich liefern. Und auch dann nervt‘s nicht – das ist der Vorteil an der etwas zurückhaltenden Gangart der 103. Schauen wir doch mal, was die Box mit einer der zweifellos größten Indie-Rockbands der letzten Jahre in Gestalt von „The National“ anstellt. „Fireproof“ tönt wunderbar geschmeidig und rund aus den Jamos, ich sehe mich genötigt, den Pegl zu erhöhen. Thurston Moores hypnotisches „Speak to the Wild“ pluckert im Bass schön präzise und differenziert, der Raum öffnet sich weit, die an „Fuzz“ nicht eben arme Gitarre klingt großartig, aber nicht dreckig. Dreckig ist die Sache der großen Textilkalotte nicht, und das ist auch völlig in Ordnung so. Alanis Morissette unterstreicht, dass die Box eine schön variable Stimmwiedergabe beherrscht und unten herum sehr ordentlich hinlangen kann – das ist zweifellos ein richtig guter Lautsprecher. Und das Ziel, überall auf der Welt Anhänger zu finden, wird diese feine Konstruktion zweifellos erreichen.

Fazit

Das ist eine fein konstruierte und gefertigte Box mit echten Nehmerqualitäten und einem fein ausbalancierten, minimal zurückhaltende, tendenziell warmem Charakter. Charakter! Endlich mal!

Preis: um 1500 Euro

Lautsprecher Stereo

Jamo Concert C 103


04/2015 - Holger Barske

 
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Autor Holger Barske
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