Kategorie: Lautsprecher Stereo

Einzeltest: Unison Max Mini


Minimal unvernünftig

Lautsprecher Stereo Unison Max Mini im Test, Bild 1
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Geben Sie‘s ruhig zu: Wenn Sie so könnten, wie Sie wollten, dann stünde bei Ihnen im Wohnzimmer ein amtliches Hornsystem

Wer kann das schon: Zimmer zu klein, Einspruch von der Regierung, zu erwartende Diskussionen mit den Nachbarn – „richtige“ Lautsprecher sind nicht ganz einfach ins tägliche Leben zu integrieren. Und dabei hat der italienische Hersteller Unison, von Hause aus eigentlich Röhrenverstärkerspezialist, schon sehr überzeugende Argumente geliefert, wie wirkungsgradstarke Lautsprecher und die tägliche Wirklichkeit zusammenpassen könnten: Die Max-1 ist bis heute so ziemlich das Großartigste, was ein „zivilisierter“ Mensch an die Ausgangsklemmen eines Röhrenverstärkers hängen kann, die ausgesprochen formschöne Kombi aus Zwölfzoll-Tieftöner und Druckkammerhorn geht schon mit einer Handvoll Watt wie die sprichwörtliche Feuerwehr.
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Dem Wunsch nach einem größeren Kaliber entsprach der Hersteller mit Freuden, die Max-2 mit 15er-Bass setzt überall noch mal eins drauf, verdrängt aber ähnlich viel Wohnzimmerluft wie ein Kühlschrank. Geht beides bei Ihnen überhaupt nicht? Bitte sehr, die Lösung des Problems ist da und heißt – man hätte drauf kommen können: „Max Mini“. Für erfreulich erträgliche 2.800 Euro pro Paar gibt’s nunmehr eine Offerte an die Wirkungsgrad-Fans, die nur schwer abzulehnen ist: Italienisches Design, eine sehr gelungene Verarbeitung und feinste PA-Technik, komplett aus europäischer Fertigung, das ist ein Wort. Hat also ausgerechnet ein Verstärkerhersteller das Lautsprechergenre revolutioniert und es geschafft hohen Wirkungsgrad, tiefen Bass, geringe Abmessungen und exzellenten Klang unter einen Hut zu bringen? Aber nicht doch: Die Physik auf die Rollen nehmen, das schafft man auch zwischen Treviso und Venedig nicht. Was allerdings geklappt hat: einen Kompromiss zu schaffen, der all diese Parameter in erfreulich hohem Maße berücksichatigt. Fangen wir mal mit den Abmessungen an: rund einen halben Meter hoch, knapp 30 Zentimeter breit, derer 36 tief: Das ist zwar per Definition eine Kompaktbox, die auf einem Ständer betrieben werden will, mit 24 Litern Nettovolumen jedoch beileibe kein Winzling. Macht aber nichts, das Ding kommt im bewährten Dress der Baureihe und sieht entsprechend lecker aus: Sanft nach hinten verjüngtes Gehäuse mit fein furnierten Seitenteilen, alle andere Oberflächen sind in schwarzes Kunstleder der edleren Sorte geschlagen – das muss man einfach mögen. Fürs Tieftonale ist ein 20-Zentimeter- Wandler zuständig, der wie sein hoch tönendes Gegenstück auch vom Profi zulieferer Eighteensound stammt. Das ist ein hochmoderner Treiber mit Papier-/ Kohlefasermembran, einer eher harten Randeinspannung und einer Zwei-Zoll- Alu-Flachdrahtschwingspule, die zweilagig innen und außen auf einen Glasfaser träger gewickelt wurde. Fürs entsprechende Magnetfeld sorgen diverse „Neodymtabletten“, deren Kräfte mit entsprechenden Polstücken aus Stahl an der gewünschten Stelle fokussiert werden. Ein Druckgusskorb sorgt für Stabilität, und die braucht der Treiber auch: Das für den rauen Bühneneinsatz konzipierte Chassis ist mit 200 Watt belastbar. Tatsächlich lässt sich damit sogar eine gut funktionierende Bassreflexabstimmung realisieren, die hier auf rund 50 Hertz gelegt wurde. Die dafür erforderlichen zwei Reflexrohre münden auf der Front der Box unterhalb des Tieftöners. Ab gut zwei Kilohertz übernimmt ein modernes Kunststoffhorn mit angeflanschtem Einzoll-Druckkammertreiber den Taktstock: Der elliptische Trichter strahlt horizontal etwas breiter ab als vertikal und benimmt sich erfreulich gesittet, wie die Messungen belegen. Der Treiber verfügt über einen klassischen Ferritmagneten und ist mit dem Job in dieser Kombination sicherlich nicht bis an seine Grenzen gefordert, wie die Verzerrungsmessungen belegen. Und wie ist das nun mit der Basswiedergabe? Der Minus-drei-Dezibel-Punkt liegt bei etwa 50 Hertz, was für eine Box dieser Größe höchst respektabel ist, zumal die Max Mini über einen Wirkungsgrad von beachtlich knappen 93 Dezibel verfügt – das ist ein Wort. Die Frequenzweiche kommt insgesamt mit sechs Bauteilen aus, was erfreulich wenig ist und bedeutet, dass die Filterung (von einer Pegelanpassung des Hochtöners mittels Widerstand mal abgesehen) komplett ohne Frequenzgangkorrekturelemente auskommt: Zwei Filter zweiter Ordnung erledigen den Job zur vollsten Zufriedenheit. Auf dem rückseitig montierten Weichenbrett sieht‘s dank Heißkleber und Lüsterklemmen zwar etwas hemdsärmelig aus, zumindest die Chateauroux-Folienkondensatoren schaffen jedoch Vertrauen. Und Lastwiderstände mit parallelgeschalteten Kleinleistungstypen zu realisieren, ist auch keine schlechte Idee. Zum Filter gehört der Kippschalter auf der Rückseite: Mit ihm kann man den Pegel des Hochtöners in Grenzen an geschmackliche und räumliche Gegebenheiten anpassen. Jener Schalter teilt sich die Anschlussplatte mit einem Paar ordentlicher Schraubterminals, in denen man praktisch beliebig konfektionierte Anschlusskabel untergebracht bekommt. Also ab auf ein Paar nicht zu hoher Ständer mit den Unisons und drangeschnallt, was gerade an Verstärker dasteht: ein gewichtiger Cambridge „Edge A“. Das ist ein Hightech-Bolide mit sehr kernigem und kräftigem Charakter, der selbstredend nicht meine erste Wahl für eine Box wie die Max Mini wäre, zumal dann nicht, wenn‘s als Erstes Keith Jarretts nicht einfach zu reproduzierende Klavierarbeit wiederzugeben gibt. Da staunste – das funktioniert nämlich. Ich hätte erheblich mehr „Garstigkeiten“ bei den harten Anschlägen erwartet, die bleiben aber fast komplett aus. Vielleicht etwas schlank untenherum, aber ansonsten tönt‘s sehr kontrolliert, differenziert und mit einem fein im Raum angepinnten Instrument. Okay, okay, wählen wir einen etwas adäquateren Treibsatz: Mangels geeigneter Alternativen wähle ich einen Selbstbauverstärker aus dem KLANG+TON-Fundus: einen trickreich gegengekoppelten Eintakter mit ein paar Watt und einer Pentode vom Typ CF-6 im Ausgang. Schade, aber das klappt nicht. Pegel wäre genug da, aber der Amp kommt bei etwas höheren Lautstärken merklich aus dem Tritt, was ich mal auf den etwas wilden Impedanzverlauf der Unison schieben würde. Also nehmen wir den kräftigen Selbstbau-Eintakter mit 40 Watt pro Kanal und richtig – die vier parallelen EL-12N scheinen genau das zu sein, was die Entwickler für den Antrieb dieses Lautsprechers im Sinn hatten. Jetzt leuchtet das Klavier förmlich, der Bass tönt voller und wärmer – richtig, das bedient so ein bisschen die gängigen Röhrenklischees. Macht nix, mir gefällt‘s gerade ausgezeichnet. Für‘s etwas Gröbere ziehe ich das großartige „Love Is Like Oxygen“ (Sweet, 1978) zu Rate. Jaaa – jetzt sind wir da, wo wir hinwollen: Das Schlagzeug knallt, der Bass kommt satt und rund, die Stromgitarre sägt genau so, wie sich das gehört. Brian Connollys Stimme klingt dagegen sehr angenehm, die elektronischen Elemente auf der Albumversion des Titels auch – was willste mehr? Der Pegelsteller des Verstärkers steht mittlerweile auf halb elf, was bei dieser Konstellation richtig laut ist. Die Unison nimmt’s absolut gelassen – ich bin begeistert. Ein bisschen mehr Bass darf’s noch sein? Können Sie machen – einfach ein bisschen dichter an die Rückwand schieben, das Ganze. Spätestens dann haben Sie eines der ernstzunehmendsten Kompakt-Setups, das es derzeit für solche Anwendungen zu kaufen geben dürfte.

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Fazit

Frisch, kernig und ein bisschen roh: Die Max Mini beweist, dass röhrentaugliche Spaßlautsprecher nicht unbedingt riesige Kisten sein müssen.

Preis: um 2800 Euro

Lautsprecher Stereo

Unison Max Mini


09/2019 - Holger Barske

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb TAD Audiovertrieb, Aschau 
Telefon 08052 9573273 
Internet www.unison-research.de 
Garantie 2 Jahre 
B x H x T 28,5 x 49,5 x 36 cm 
Gewicht: ca. 15 kg 
Unterm Strich... Frisch, kernig und ein bisschen roh: Die Max Mini beweist, dass röhrentaugliche Spaßlautsprecher nicht unbedingt riesige Kisten sein müssen. 
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Autor Holger Barske
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Datum 25.09.2019, 15:02 Uhr
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