Kategorie: Phono Vorstufen

Einzeltest: Leema Agena


Schäfchen zählen

Phono Vorstufen Leema Agena im Test, Bild 1
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Befragt man Google nach dem Begriff „Leema“, trifft man tatsächlich als erstes auf den kleinen, aber feinen britischen HiFi-Hersteller, mit dem wir uns hier befassen wollen. Nicht das einzige Erstaunliche in diesem Zusammenhang mit der Phonovorstufe „Agena“

Mitspieler

Plattenspieler/Tonarme

Bergmann Audio Sindre
Clearaudio Innovation / UniversalTonabnehmer
Benz LP-S
Clearaudio DaVinciVorverstärker
MalValve preamp three line
Audio Research LS17Endverstärker
SymAsym
Audio Research VS60Lautsprecher
Lumen White Artisan
K+T Prototyp

Gegenspieler

Phonovorstufen

Pass XP-15
MalValve preamp three phonoSie hätten es ja so leicht haben können. Bei der allmächtigen BBC satt in Lohn und Brot, wäre ein Ingenieursdasein bis zum Rentenalter überhaupt kein Problem gewesen. Lee Taylor und Mallory Nicholls hatten aber anderes vor als Mastering-Studios zu entwerfen und als Toningenieur tätig zu sein.

Phono Vorstufen Leema Agena im Test, Bild 2Phono Vorstufen Leema Agena im Test, Bild 3Phono Vorstufen Leema Agena im Test, Bild 4Phono Vorstufen Leema Agena im Test, Bild 5Phono Vorstufen Leema Agena im Test, Bild 6Phono Vorstufen Leema Agena im Test, Bild 7Phono Vorstufen Leema Agena im Test, Bild 8
Und so gründeten die beiden seit frühester Jugend Musibegeisterten vor gut 10 Jahren Leema - Sie haben natürlich längst kapiert, dass sich der Firmenname aus Teilen der beiden Vornamen zusammensetzt. Und wo siedelt man ein kleines Unterhaltunsgelektronikunternehmen an? Sicher nicht in der Londoner Peripherie - unfinanzierbar. Lee und Mallory gingen nach Wales; dorthin, wo es außer saftigen grünen Wiesen und Schafen ungefähr gar nichts gibt, außer vielleicht günstige Konditionen zur Ansiedlung eines Betriebes. Das mit den Schafen, das kennen die beiden Unternehmer mittlerweile zur Genüge und glauben Sie mir: Sie haben jeden nur erdenklichen mehr oder weniger blöden Witz zu dem Thema gehört und nehmen’s mit Humor. Gut Lachen haben die Jungs ohnehin: In den Jahren konzentrierten sie sich ganz auf die Entwicklung und Produktion von Lautsprechern, und die kamen auf dem heimischen Markt richtig gut an. Das spülte genug Geld in die Firmenkasse, um an die Entwicklung einer eigenen Elektroniklinie zu gehen; mittlerweile sind, man höre und staune, zehn Geräte Realität geworden, und die sind mal so richtig gar nicht typisch britisch. Nichts mit verschrobenen Minimaldesigns, die Leema-Leute meinen es ernst und wollen sich im internationalen Umfeld gegen alles und jeden behaupten. Dafür ist die nagelneue Phonovorstufe „Agena“ ein exzellentes Beispiel. Sie entstammt der „Reference Series“ und kostet 4.000 Euro. Nicht wenig, aber angesichts des Gebotenen nicht überzogen. Die Agena sieht erst einmal viel mehr nach Vollverstärker aus als nach Phonovorstufe; das überaus massive Aluminiumgehäuse trägt seitlich mächtige Kühlkörper, auf der Front ein Display und ein „Tasterkreuz“, das auch von einem DVD-Spieler stammen könnte. Für die Sache mit den Kühlkörpern gibt es einen guten Grund: Die hat jedes Gerät der beiden großen Baureihen. Auch CD-Spieler und Vorverstärker. Augenscheinlich ist es günstiger, ein einziges Gehäusemodell mit Kühlkörpern für jedes Gerät zu verwenden als ein zweites ohne die gerippten Seitenteile zu bauen. Das mit dem Display und den Tastern hat nun nichts mit Sparsamkeit zu tun, ganz im Gegenteil: Bei der Agena stand Bedienkomfort ganz oben im Pflichtenheft. Sie ist eine der wenigen Phonovorstufen, bei der man an keinen DIP-Schaltern fummeln muss, gleich ob im Gehäuse, darunter oder auf der Rückwand. Hier lassen sich die Tonabnehmerabschlüsse standesgemäß per Menü einstellen. Serienmäßig verfügt die Agena über zwei Cincheingänge, optional ist ein dritter (symmetrischer) machbar. In Kombination mit der mikrocontrollerbedingten Schläue des Gerätes eröffnet das eine ganz Reihe interessanter Möglichkeiten. So kann man jedem Eingang zwei „Headshells“ zuweisen, zwischen denen sich per Tastendruck umschalten lässt. Will sagen: Sie können für ein Headshell - und damit für einen Tonabnehmer - einen kompletten Parametersatz, bestehend aus Verstärkung, Abschlussimpedanz und -kapazität, speichern. Bei drei Eingängen kann man also sechs Tonabnehmer speichern und ihre Setups auf Knopfdruck abrufen -nicht doof, die Idee. Ich betreibe also zum Beispiel ein MC an Eingang 1 und will auf diesem Arm jetzt einen MM-Tonabnehmer betreiben. Kein Problem: Beim Headshellwechsel schaltet die Leema stumm, Sie wechseln den Abtaster und bestätigen den Headshellaustausch - schon ist der neue Tonabnehmer korrekt angepasst. Neben dem ganzen Menü- und Displaygedöns gibt es noch eine deutlich einfacher zu verstehende Tasterreihe: Hier werden die Eingänge umgeschaltet, ein Subsonic- oder ein Tiefpassfilter (dessen Sinn sich mir noch nicht ganz erschlossen hat) aktiviert oder auf Mono geschaltet. Ganz rechts sitzt der Standby-Taster, der übrigens praktisch funktionslos ist: Das Gerät verbraucht im Betrieb und im Leerlauf gleich viel Strom - so ist das eigentlich nicht gedacht. Ein weiterer Taster aktiviert den „Sleep Mode“: Der schaltet das Display ab, so dass mögliche Störungen, seien es elektrische oder solche beim Zuhörer, vermieden werden. Alle Eingänge können sowohl für MM- und MC-Abtaster konfiguriert werden, insgesamt zehn verschiedene Verstärkungen sind schaltbar. Dazu gesellen sich sieben Abschlussimpedanzen (20, 50, 100, 500 Ohm, 1k, 47k und 100k) und acht Kapazitäten zwischen 100 und 1580 Picofarad. Kleiner, wie ich vermute, Softwarefehler: In der Betriebsart MM gibt’s nur 100 pF, bei MC sind alle Kondensatorwerte anwählbar. Das kann so nicht im Sinne des Erfinders sein, denn die Kapazitätsumschaltung macht nur bei MMs Sinn. Apropos Software: Die Agena hält noch eine weitere Überraschung bereit, und die steckt auf der Rückseite: zwei Digitalausgänge, einen als Cinchbuchse und einen als USB-Anschluss, und jawohl, damit kann man zum Beispiel Platten digitalisieren. Ich muss gestehen, dass ich mich mit dieser Option noch nicht beschäftigt habe und daher auch nicht weiß, mit wie viel Auflösung das vonstatten gehen soll. Schöne neue Phonowelt … Auch unter dem massiven, mit einer Unzahl von Senkungen in Form des Firmenlogos versehenen Deckel geht’s eher modern als klassisch zu. Insgesamt 25 Relais besorgen das Signalrouting und die Einstellung der Tonabnehmerabschlüsse, die Verstärkerschaltung ist teils mit diskreten Einzeltransistoren, teils mit integrierten Operationsverstärkern realisiert. Auf den seitlichen Kühlkörpern sitzen Mengen von Spannungsreglern und Leistungstransistoren, und tatsächlich bekommt auch jeder Kanal getrennt mit diskreten Regelschaltungen stabilisierte Betriebsspannungen. Da ich keine Ahnung habe, was unter den Deckeln von vier der fünf Abschirmgehäuse steckt (unter einem der Netztrafo, da bin ich sicher), schrauben wir das Gerät schnell wieder zu und parametrieren die Maschine auf 100 Ohm, 100 Picofarad und MC-Betrieb mit mittelschwerer Verstärkung - das Benz LP wartet darauf, der Agena Töne zu entlocken. Oha - das hatte ich nun nicht erwartet: Die Agena macht erst einmal durch eine außerordentliche Breitbandigkeit auf sich aufmerksam und muss sich in dieser Hinsicht sogar vor der Pass XP-15 nicht verstecken. Hier gibt’s das ganze Spektrum, und nicht einen manchmal sicher einfacher zu genießenden, von Extremen befreiten Ausschnitt davon. Auf dem Teller rotiert - es musste mal wieder sein - „Hell Freezes Over“ von den Eagles und ich föne mich mit „Hotel California“. Nichts da, die Leema zeigt alles, kriecht in die letzte Ecke der Bühne, unterschlägt nichts und muss sich auch in dieser Hinsicht der XP-15 nicht geschlagen geben. Raumgröße ist da, Staffelung perfekt, ein wenig mehr Zurückhaltung bei der Größenabbildung wäre schön - großes Kino, gar keine Frage. Okay, die Pass hat in den Mitten noch einen Schuss mehr Schmelz und zeichnet am oberen Ende des Spektrums noch etwas losgelöster - aber echte Welten sind das nicht, was der Agena zum Phono-Olymp fehlen. Eins allerdings fehlt dann doch: eine Fernbedienung. Das habe ich seinerzeit bei der Audio Research PH7 sehr schätzen gelernt: Man konnte die Anschlussimpedanzen bequem vom Sessel aus umschalten, was das Herausfinden des richtigen Wertes enorm erleichterte. In Anbetracht des sonstigen Komforts dieser Top-Phonovorstufe wäre das das Tüpfelchen auf dem „i“ gewesen. Los Jungs - noch ist nichts mit Zurücklehnen und in Ruhe Schafe zählen, an ein paar ganz kleine Kleinigkeiten müsst Ihr nochmal ran, aber die klangliche Substanz des Gerätes ist schon mal allererste Sahne.

Fazit

Komfortwunder mit Panzerschrankverarbeitung, Digitalausgängen und exzellentem Klang: Die Agena klingt frei, offen, breitbandig, dynamisch und geradlinig. Ohne jeden Zweifel allerhöchste Güteklasse – nicht schlecht für ein Erstlingswerk.

Preis: um 4000 Euro

Phono Vorstufen

Leema Agena


11/2009 - Holger Barske

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Autor Holger Barske
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Datum 17.11.2009, 12:12 Uhr
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