Kategorie: Phono Vorstufen

Einzeltest: Primare R-35


Evolution

Phono Vorstufen Primare R-35 im Test, Bild 1
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Es ist immer wieder schön, wenn man als Tester die Weiterentwicklung einer Produktlinie hautnah miterleben darf, vor allem bei einem in jeder Hinsicht so deutlichen Schritt wie bei der neuen Primare-Phonovorstufe

Vor ziemlich genau acht Jahren durfte ich vom schwedischen Hersteller Primare eine Phonovorstufe testen, die auf den sachlichen Namen R32 hörte und im besten Sinne des Wortes ein No-Nonsense-Gerät war. Das heißt: Es gab schon ein attraktives Gehäuse mit den charakteristischen hohen Füßen der Marke und der stabilen gefrästen Frontplatte, aber im Inneren ging es aufgeräumt und ordentlich zu – eine der Grundvoraussetzungen, wenn man Phonosignale möglichst sauber aufbereiten möchte. Nun schreiben wir das Jahr 2020 und ich habe in meiner Anlage die Primare R35 stehen. Jetzt könnte man meinen, dass es sich hierbei um die drittnächste Generation handelt, aber tatsächlich hat es eine R33 und R34 nicht gegeben, man hat also wahrlich keine hektischen Produktzyklen bei Primare.

Phono Vorstufen Primare R-35 im Test, Bild 2Phono Vorstufen Primare R-35 im Test, Bild 3Phono Vorstufen Primare R-35 im Test, Bild 4Phono Vorstufen Primare R-35 im Test, Bild 5Phono Vorstufen Primare R-35 im Test, Bild 6Phono Vorstufen Primare R-35 im Test, Bild 7Phono Vorstufen Primare R-35 im Test, Bild 8Phono Vorstufen Primare R-35 im Test, Bild 9
Und natürlich hat sich noch eine weitere Zahl geändert: 975 Euro damals gegenüber 1.500 Euro heute ist die Preisentwicklung im genannten Zeitraum. Das wäre für eine rein inflationsbedingte Steigerung etwas zu viel, für die allgemeine Preisentwicklung im HiFi- und High-End-Bereich dagegen recht wenig. Und während man es von außen nicht erkennen kann: Im Inneren des Geräts hat es eine gewaltige Veränderung gegeben, um nicht zu sagen: eine komplette Neuentwicklung. War schon die R32 ein vom Aufbau her recht durchdachtes Gerät und mit viel Sorgfalt aufgebaut, so hat es hier jetzt noch einmal einen richtigen Sprung gegeben: Auf den ersten Blick erkennt auch der Laie, dass man von der klassischen Platine mit aufgelöteten Bauteilen jetzt auf hochmoderne, in SMD-Technik bestückte Platinen übergegangen ist. Lediglich die an entscheidenden Stellen eingesetzten High-End-Bauteile, wie große Folienkondensatoren, wurden noch klassisch durch die Platine eingelötet. Im Inneren des Gehäuses gibt es zwei Kammern: Eine Seite ist dem Netzteil samt Trafo vorbehalten, der sich übrigens vom Schnittbandkern zum noch streufesteren Ringkerntrafo gemausert hat. Davor sitzt die eigentliche Netzteilplatine, die der Audioplatine die benötigten Spannungen stabilisiert zur Verfügung stellt. Die signalverarbeitende Platine setzt direkt an der Rückseite an den Eingangsbuchsen an, neben denen unter verschließbaren Abdeckblechen die DIP-Schalter für Eingangsimpedanz und Kapazität sitzen. Die anwählbaren Werte sind absolut praxisgerecht und klanglich nachvollziehbar. Außerdem befinden sich an der Rückseite Schalter für die Betriebsart MM/MC, den Subsonicfilter und die Verstärkung, die in drei Stufen eingestellt werden kann. Das Signal am symmetrischen XLR-Ausgang ist dabei 6 Dezibel lauter als das an den unsymmetrischen Cinchbuchsen. Die maximale Signalverstärkung beträgt dabei 70 beziehungsweise 76 Dezibel! Für die familieninterne Kommunikation zwischen den Primare-Geräten sorgen Remote-Buchsen, die aber nicht mehr als das einfache Einschalten der Anlage über einen einzigen Schalter ermöglichen. Drei solide Standfüße sorgen für kippelfreien und vor allem ruhigen Stand – die mächtige, matt gebürstete Frontplatte zeigt das eingravierte Firmensymbol und eine LED, die über den Betriebszustand informiert. Die R35 gibt es übrigens wie die anderen Geräte der Schweden entweder in Schwarz oder in Titan, jeweils mit matt gebürsteter Front. Bei unseren Messungen zeigt sich, dass die Konstrukteure bei Primare ihre Hausaufgaben gemacht haben: Weder Rauschen noch Brummen sind Thema und die Linearität der RIAA-Entzerrung ist perfekt. So schiebt sich in der ausgiebigen Hörsession kein bestimmter Frequenzbereich vor und damit gibt es auch keine Überdeckungen bei der Wiedergabe. Eine Selbst verständlichkeit, wie ich finde, denn ich bin kein Freund des in HiFi-Kreisen so gerne zitierten „Instrumente-Findens“ auf hinlänglich bekannten Aufnahmen. Findet so etwas statt, dann war entweder vorher oder nachher etwas gewaltig aus dem Gleichgewicht geraten. Langer Rede kurzer Sinn: Die Primare R35 bildet alle Instrumente eines Orchesters oder einer Band, alle Stimmen eines Chors gleichermaßen präzise ab, egal, ob im Vorder- oder Hintergrund. Dabei hilft die weiter oben gelobte technische Sauberkeit der Signalverstärkung ungemein: Der Hintergrund einer (sauberen) Rille ist tiefschwarz und damit setzen sich auch leiseste Signale klar vom Hintergrund ab. Dies äußert sich in zweierlei Hinsicht: Zum einen wird damit der dynamische Spielraum zwischen dem leisesten und dem lautesten Signal in der Rille voll ausgeschöpft. Zum anderen – und das ist mir fast noch wichtiger – finden sich in den letzten paar Dezibel zwischen Nutzsignal und Rillengeräusch eben jene feinen Informationen, die eine wirklich gute räumliche Abbildung ausmachen. Klar: Gerade der echte Nachhall eines Aufnahmeraums besteht nicht nur aus der ersten Reflexion, sondern auch den weiteren im Raum zurückgeworfenen Hallanteilen und je länger man diese auf einer Aufnahme verfolgen kann, desto präziser ist die Reproduktion dieses Raums und seiner Akustik über die Anlage. Zwei Beispiele, die gegensätzlicher kaum sein dürften: Schon beim Test der R32 habe ich Deep Purples Meisterwerk „Machine Head“ zum Test herangezogen, namentlich das wunderbare „Lazy“ mit dem ausgedehnten Intro. Hier kann man gut die fast schon kammermusikalisch intime Aufnahmesituation nachvollziehen, deren Zustandekommen ja im epischen „Smoke on the Water“ eindrücklich beschrieben wird. Im Gegensatz dazu dasselbe Stück auf dem Livealbum schlechthin: Auf „Made in Japan“ wird die kochende Stimmung in der restlos ausgebuchten Halle roh und ungeschönt wiedergegeben, ebenso die extreme Spielfreude der Band, die sich damals auf dem Zenit ihres Schaffens befand.    Ein oder zwei Nummern leiser kann die R35 aber genauso gut: Sowohl bei Stimmen wie bei Naturinstrumenten zeigt sie eine perfekte tonale Ausgewogenheit und immer wieder diese unbestechliche Stabilität, egal, ob eine Folksängerin ihre zarte Stimme zur Akustikgitarre erhebt oder gerade der Heldentenor in Bayreuth eine Arie schmettert – universeller geht es nicht.

Fazit

Auch in der neuen Iteration ist die große Primare-Vorstufe ein echter Preistipp und davon unabhängig einfach eine verdammt gute Phonovorstufe.

Preis: um 1500 Euro

Phono Vorstufen

Primare R-35


04/2020 - Thomas Schmidt

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb in-akustik, Ballrechten-Dottingen 
Telefon 07634 56100 
Internet www.in-akustik.de 
E-Mail: info@in-akustik.de 
B x H x T (in mm) 430 x 93 x 384 mm 
Gewicht 9,5 kg 
Farben Schwarz, Titan 
Unterm Strich... » Auch in der neuen Iteration ist die große Primare-Vorstufe ein echter Preistipp und davon unabhĂ€ngig einfach eine verdammt gute Phonovorstufe. 
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Thomas Schmidt
Autor Thomas Schmidt
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Datum 13.04.2020, 10:00 Uhr
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