Kategorie: Phono Vorstufen

Einzeltest: Tom Evans Groove 20th Anniversary mkII


Neues vom Querdenker

Phono Vorstufen Tom Evans Groove 20th Anniversary mkII im Test, Bild 1
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Halt, stehenbleiben! Auch wenn’s nur ein relativ unscheinbarer schwarzer Kunststoffquader ist, um den es hier geht – an dem sollten Sie auf gar keinen Fall achtlos vorbeigehen

Was kostet eine echte Spitzenphonovorstufe heutzutage so? 10.000 Euro? 20.000? Die bekannten Flaggschiffe rangieren in diesen Regionen, manchmal auch noch darüber. Dann gibt’s da noch einen, der behauptet, das Gleiche für einen Bruchteil dieser Summen liefern zu können, im vorliegenden Fall für exakt 2.890 Euro. Dafür gibt’s zwar keine zentnerschweren, aus massivem Meteoritengestein gemeißelten Gehäuse mit vier externen Netzteilen und per Internet vom anderen Ende der Welt zuschaltbarer Tonabnehmerheizung, dem Vernehmen nach aber eine Vorstufe, die das Thema auf absehbare Zeit vergessen lässt. Der Künstler, der solcherlei Dinge angeblich vollbringen kann, heißt Tom Evans und residiert in Wales.

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Von dem Mann sieht und hört man nicht viel, er lässt lieber seine Produkte für sich sprechen. Und wie es sich für britische Erzeugnisse gehört, ist da durchaus das eine oder andere etwas schräge Detail im Spiel. Unser heutiger Proband hört auf die etwas sperrige Typenbezeichnung „Groove 20th Anniversary mkII“, der Deutschlandvertrieb lässt das „20th“ der Einfachheit halber weg. Will sagen: Da gab’s das in der Tat legendäre Gerät namens „The Groove“, das nach 20 Jahren per Jubiläumsmodell geehrt wurde. Eine mkII-Version einer Sonderausgabe zu bauen, das allerdings hat schon was. Wie alle Tom Evans-Phonovorstufen – das ist übrigens das Hauptgeschäftsfeld des Herstellers, es gibt derzeit sechs Modelle – steckt auch die Groove Anniversary mkII in einem unspektakulären schwarzen Acrylkästchen. Der Überzeugung des Konstrukteurs, dass eine solche Lösung Metallgehäusen jeglicher Couleur klanglich überlegen sei, bin ich mich mittlerweile durchaus bereit anzuschließen. Nun sind Phonovorstufen sehr empfindliche Gesellen, zumal dann, wenn sie sich um kleine MC-Signale kümmern sollen. Allein die Leistung, ein solches Gerät in der Praxis vollkommen ruhig und unproblematisch hinbekommen zu haben ist eine, die man vom technischen Standpunkt her gar nicht hoch genug bewerten kann. Zaubern kann freilich auch Tom Evans nicht, deswegen kommt der Strom aus einem externen Netzteil. Ansonsten ist The Groove Anniversary mkII eine ganz normale MC-Vorstufe: Es gibt einen Satz Cinch-Eingangsbuchsen, einen Satz Ausgangsbuchsen und eine Erdungsklemme. Das, was uns Normalsterblichen selbstverständlich vorkommt, nämlich zwei Reihen DIP-Schalter zur Tonabnehmeranpassung, kommt bei Tom Evans einer kleinen Sensation gleich; er weigerte sich nämlich bis dato, die potenziell klangverschlechternde Impedanzanpassung vorzusehen. Mittlerweile hat er aber wohl doch eingesehen, dass die Vor- die Nachteile überwiegen. Staunen darf man darüber, dass es eine Kapazitätsanpassung gibt, bei MCs eigentlich nicht erforderlich. Die maximal möglichen 500 Picofarad sind üblichen MCs ziemlich egal, ich gebe aber zu, dass sich damit in ganz seltenen Fällen eine minimale Absenkung des obersten Hochtonberieiches bewerkstelligen lassen müsste, die sinnvoll sein kann. Probieren Sie’s halt. Für die Widerstandsanpassung sind acht Schalter zuständig, mit denen sich Werte zwischen 112 und 1000 Ohm realisieren lassen. Das ist praxisgerecht. Und was passieren nun für überaus geheimnisvolle Dinge im Inneren des Acrylquaders? Tatsächlich passiert eine ganze Menge, insgesamt vier Platinen kümmern sich um die Aufbereitung der Tonabnehmersignale und der zugelieferten Betriebsspannungen – alles schön kanalgetrennt. Der Hersteller setzt auf einen Mix aus integrierten Operationsverstärkern und diskreten Transistoren, wobei Letztere in erster Linie für die Aufbereitung der Betriebsspannungen zuständig sind. Darauf nämlich legt der Hersteller extrem großen Wert. So ganz ohne Abschirmung geht’s dann übrigens doch nicht, die beiden Platinenstapel werden mit kupferkaschiertem Platinenmaterial vor gröbstem Ungemach geschützt. Der Aufbau zeigt ohne Zweifel eine über die Jahre gewachsene Struktur, die eigentlichen Grundplatinen sind mit einer ganzen Reihe von Modulen „aufgebohrt“ worden. Die Verstärkung selbst übernehmen offenbar drei integrierte Operationsverstärker, deren Typenbezeichnung entfernt wurde, über die Schaltungstopologie lässt sich auch nur spekulieren. Jede einzelne Verstärkerstufe wird mit individuell geregelten Spannungen versorgt, deren Erzeugung übernimmt eine größere Anzahl von Leistungshalbleitern. Wohlgemerkt: alles fein säuberlich kanalgetrennt. Des Regelungsaufwandes ist damit jedoch nicht Genüge getan, die beiden anderen Platinen im Gehäuse fungieren als Vorregler für ihre Kollegen auf der Verstärkerplatine. Zweifellos ist der hier getriebene Aufwand nennenswert und lässt auf störungsfreie Musikwiedergabe hoffen. Wenn wir als erstes Indiz dafür die klangliche Natur des Eigenrauschens der Geräte heranziehen wollen, dann ist alles in bester Ordnung: Der Rauschteppich klingt nämlich angenehm „verteilt“. Will sagen: Hochfrequente Anteile halten sich zurück, es tönt sehr ruhig und wenig störend. Das erste Rillenrauschen dagegen ist fast ein Schock – was auch damit zusammenhängen dürfte, dass ich den Pegel ungesund weit aufgedreht hatte. Die ersten Töne gehören William Patrick Corgan, dessen jüngstes Soloalbum nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlassen hat. Das, was der gute Billy mit prominenter Hilfe (Rick Rubin, Jan-Erik Kongshaug, Lyra Atlas) an den Klemmen des Groove Anniversary mkII abliefert, ist nicht weniger als eine kleine Sensation: Die gewisss nicht ganz einfache Stimme des Smashing-Pumpkins-Masterminds tönt absolut glockenklar, perfekt frei im Raum und hat eine Überzeugungskraft, die ihresgleichen sucht. Ich kenne dieses Phänomen, es gibt so etwas in seltenen Fällen bei Geräten, die einfach ausentwickelt sind: Irgendwann ist der Punkt erreicht, wo tonale, dynamische und irgendwie technisch beschreibbare Klangeindrücke den Kern der Sache nicht mehr treffen. Zweifellos haben wir es hier mit einem Gerät zu tun, bei dem dieser Zustand erreicht ist: Es macht einfach Musik. Es rückt Ausdruck und Emotion in den Vordergrund, gleich welche Platte aufliegt. Einzig die Tonabnehmeranpassung verdient Beachtung: Das Atlas habe ich mit 250 Ohm deutlich niedriger abgeschlossen, als ich das üblicherweise tue. Die Einstellung domestiziert den Ausnahmeabtaster etwas mehr als üblich, mir gefällt‘s aber am Besten so: Es gibt mehr Präzision, weniger Vordergründigkeit und beseitigt das letzte Maß an Auffälligkeit im Klangbild. Selten hat mich Oregons selbstbetiteltes 1983er-Album derart in den Bann gezogen wie hier, kaum jemals konnte ich in die Klangcollagen der vier Ausnahmemusiker so mühelos eintauchen wie hier. Woran’s genau liegt? Ich kann‘s Ihnen nicht genau sagen, jedenfalls macht die Tom-Evans-Phono offensichtlich extrem viel richtig. Vom großen Konzert bis hin zur Solostimme – das Gerät putzt jeden einzelnen Ton festlich heraus und schickt ihn nach draußen, um mit seinen Kollegen um die Wette zu strahlen – ganz große Klasse.

Fazit

Tom Evans zeigt, wie’s geht: Mit Erfahrung und über viele Jahre optimierten Konzepten hat er eine Phonovorstufe geschaffen, die musikalisch keine Gegner zu fürchten braucht.

Preis: um 2900 Euro

Phono Vorstufen

Tom Evans Groove 20th Anniversary mkII


05/2018 - Holger Barske

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb HiFi-Stufio Wittmann, Stuttgart 
Telefon 0711 69 67 74 
Internet www.wittmann-hifi.de 
Garantie (in Jahren) 2 Jahre 
B x H x T (in mm) 330/85/180 
Gewicht ca. 2 kg (ohne Netzteil) 
Unterm Strich... Tom Evans zeigt, wie’s geht: Mit Erfahrung und über viele Jahre optimierten Konzepten hat er eine Phonovorstufe geschaffen, die musikalisch keine Gegner zu fürchten braucht. 
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Autor Holger Barske
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Datum 26.05.2018, 09:58 Uhr
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