Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: PlusAudio THE+SYSTEM


Es muss ja nicht immer High End sein

Plattenspieler PlusAudio THE+SYSTEM im Test, Bild 1
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Das hier ist ein Experiment. Der Versuch, einen Zeh in möglicherweise ziemlich kaltes Wasser zu stecken. Weil: Mit Geräten wie diesem hier beschäftigen sich normalerweise „andere Leute“, aber nicht wir, die wie die HiFi-Wahrheit mit Löffeln zu uns genommen haben. Oder?

Und außerdem kann man trefflich darüber streiten, ob „so etwas“ überhaupt ins alljährliche Plattenspieler-Spezial gehört. Weil: Es hat zwar einen Plattenspieler, aber da ist noch viel mehr, nämlich ein komplettes Musikwiedergabesystem. Inklusive Möbel zur Schallplattenaufbewahrung.   

Wer nun gleich mit Schrecken an Bluetooth- Dreher vom Lebensmittel-Discounter denkt und sich mit Abscheu abzuwenden gedenkt, dem sei zu Gelassenheit geraten – so weit geht’s hier nicht. Sehr wohl aber um eine Platten abspielende Lösung für Leute, die keine „normale“ Stereoanlage wollen.

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Weil sie den Platz dafür nicht haben oder opfern wollen, keine Lust auf Kabel haben oder weil’s zum (Wieder-) Einstieg vielleicht auch erst einmal eine Nummer zurückhaltender sein darf.   

Auf diese, dem Schallplattenkonsum nichtdestotrotz zugetanen Zeitgenossen hat es die Firma +Audio abgesehen. Wer hinter dem Firmennamen steckt ist gar nicht so einfach herauszubekommen, der nach außen sichtbare Teil des Know-Hows scheint jedenfalls zum größten Teil britischen Ursprungs zu sein. Und dabei gibt es äußerst interessante Menschen zu entdecken: Akustikprofi Gordon Cook zum Beispiel war seinerzeit an der Entwicklung eines ziemlich legendären Radios beteiligt, das Tivoli- Audio-Gründer Henry Kloss seinerzeit für Cambridge Audio entwarf. Damit dürfte schon mal klar sein, dass Akustikkompetenz für eine Gerätegattung wie diese hier vorhanden ist.  

Das „THE+SYSTEM“ ist das größte Modell des jungen Herstellers. Es besteht aus dem eigentlichen Grundgerät, in dem ein Plattenspieler, reichlich Elektronik und ein Lautsprechersystem untergebracht sind. Damit kann man Platten abspielen oder alternativ Musik per Bluetooth zum Beispiel vom Smartphone wiedergeben. Musik von Platte lässt sich auch per USB-Anschluss digital zum PC übermitteln und dort weiter verarbeiten. Zum Gerät gehört ein Unterbau in Form eines Racks. Dessen Sinn und Zweck besteht aber nicht darin, weitere Komponenten unterzubringen, sondern Schallplatten. Ich würde schätzen, auf beiden Etagen zusammen sollten knapp 100 Vinylpreziosen ein Zuhause finden können.  

Was wir hier vor uns haben ist die größte Ausbaustufe des Systems. Also mit Plattenrack und der „Special Edition“ des „THE+RECORD PLAYER“. In dieser Form kostet das System 2300 Euro. Mit Fernbedienung. Die Holzapplikationen sind in zwei Furniervarianten lieferbar, nämlich Walnuss und Ahorn. Sie vermuten zurecht, dass es sich bei unserem Testmuster um die Walnussausgabe handelt. Jawohl, das ist die zweifellos traditionellere Variante.  

Oben drauf residiert Bekanntes: Den Plattenspieler liefert nämlich Pro-ject zu und ist zumindest weitgehend ein alter Bekannter: Wir kennen ihn als „Debut Carbon Evo“, der im Original für 600 Euro den Besitzer wechselt. Das ist eine extrem solide riemengetriebene Angelegenheit mit Kohlefasertonarm und vormontiertem Ortofon-Abtaster vom Typ 2M Red, einem absolut unangreifbaren Einsteiger-MM. Lediglich zum Umbau auf ein MC kann ich nicht raten, das würde nämlich eine ungesunde Anziehungskraft zum eingesetzten Stahlplattenteller entwickeln. Mangels entsprechender Verstärkungsmöglichkeiten besteht die Gefahr aber wohl eh nicht. Selbstverständlich spielt das Gerät Platten mit 33 und 45 Umdrehungen ab, die Umschaltung zwischen beiden Drehzahlen erfolgt elektronisch über den Eingangswahlschalter. Das ist etwas exotisch, tut‘s aber.  

In der MDF-Box unter dem Player tut sich ein Menge: +Audio setzt auf ein ziemlich aufwändiges aktives Lautsprechersystem, bei dem pro Kanal ein Hochtöner (Kalotte, ein Zoll Durchmesser) und ein zur Seite abstrahlender 3,5-Zoll-Tieftöner zum Einsatz kommen. Ein digitaler Signalprozessor sorgt für die Aufteilung der Frequenzen auf die einzelnen Treiber, reduziert die Rückkopplungsgefahr zwischen Plattenspieler und Lautsprecher und generiert die zweistufig schaltbare Basisverbreiterungsfunktion. Der Hersteller spezifiziert die Bassendstufen mit 35 Watt pro Kanal, die für die Hochtöner mit derer 15 – das scheint realistisch. Die versprochenen 100 Dezibel Rauschabstand indes glaube ich nicht so recht, das Gerät ist nicht wirklich rauschfrei – unabhängig vom gewählten Eingang. Was man bei der Aufstellung beachten sollte: Das Gerät hat keine Höhenverstellung, braucht also zwingend eine stabile gerade Standfläche. Die löblicherweise vorhandene Abdeckhaube des Plattenspielers ist leider nicht abnehmbar.   

Es gibt noch so ein paar Hakeligkeiten im Umgang mit dem Gerät. Zum Beispiel: Der Plattenspieler dreht immer, auch im Standby-Modus. Dem ist nur beizukommen, indem man auf einen anderen Eingang wechselt. Was die Bluetooth-Funktion übrigens gerne mal mit einem deutlich vernehmbaren Knacken quittiert. Die Eingangswahl ist zumindest per Taster am Gerät etwas unwillig. Sind diese kleinen Hürden aber überwunden, gilt es zu staunen: Das Gerät klingt nämlich erstaunlich gut. Einen ersten Eindruck lieferten die französischen Stonerrocker von Glowsun, die das +Audio-Gerät mit erfreulicher Souveränität in meine immerhin fast 90 Quadratmeter pumpte. Mit der Aufstellung gilt es ein wenig vorsichtig zu sein: Direkt an der Wand kann man im Oberbassbereich schnell des Guten zuviel tun, eine Platzierung mit etwas Luft nach hinten ist das Mittel der Wahl. Die Basisverbreiterungsfunktion ist ein bestens taugliches Mittel, um eine Raumabbildungsillusion zu generieren, außerdem tut sie der tonalen Korrektheit der Sache zusätzlich gut. Das kann sogar Stimme, wie sich anhand von Nina Simone feststellen lässt. Es klingt ziemlich glaubwürdig, und das relativ unabhängig von der Position im Raum. Gewiss, weit außerhalb der Achse nimmt die Frische im Hochtonbereich ab, das ist völlig okay. Stets überraschend ist die knackige Gangart des Gerätes, die ständig zum Lautermachen einlädt. Das geht innerhalb der von der Physik diktierten Grenzen denn auch sehr gut. Sicherlich wird diese Komplettlösung keinen gestandenen Highender zur Abkehr von seinem großen Besteck bewegen, aber für „ganz normale Leute“ ist das eine sehr legitime Art, Musik zu hören. Zumal sich keinerlei „Digitalklang“ manifestiert, tatsächlich hat der Sound via Plattenspieler all die analoge Verbindlichkeit, die wir alle so schätzen. 

Fazit

THE+SYSTEM ist eine überraschend gut klingende Möglichkeit zum Platte hören für Leute, die keine „richtige“ HiFi-Anlage wollen. Bei der Bedienung hakt’s hier und da noch etwas, aber das wird sicherlich noch.

Kategorie: Plattenspieler

Produkt: PlusAudio THE+SYSTEM

Preis: um 2300 Euro


7/2022

THE+SYSTEM ist eine überraschend gut klingende Möglichkeit zum Platte hören für Leute, die keine „richtige“ HiFi-Anlage wollen.
Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb IDC Klaassen, Lünen 
Telefon 0231 9860285 
Internet www.idc-klaassen.com 
Garantie (in Jahre) 2 Jahre 
Abmessungen 446 x 1050 x 352 mm 
Gewicht (in Kg) ca. 18 kg 
Unterm Strich ... » THE+SYSTEM ist eine überraschend gut klingende Möglichkeit zum Platte hören für Leute, die keine „richtige“ HiFi-Anlage wollen. Bei der Bedienung hakt’s hier und da noch etwas, aber das wird sicherlich noch. 
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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 08.07.2022, 09:55 Uhr
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