Kategorie: Schallplatte

Musikrezension: Komponist: Antonin Dvorák · Interpret: Boston Symphony Chamber Players - Streichquintett G-Dur, opus 77 (Deutsche Grammophon / Speakers Corner)


Komponist: Antonin Dvorák · Interpret: Boston Symphony Chamber Players - Streichquintett G-Dur, opus 77

Schallplatte Komponist: Antonin Dvorák · Interpret:  Boston Symphony Chamber Players  - Streichquintett G-Dur, opus 77 (Deutsche Grammophon / Speakers Corner) im Test, Bild 1
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Kammermusik von Antonin Dvorák führt zu Unrecht ein Schattendasein unter seinem zweifellos großen symphonischen Werk. Dabei kann man  gerade im kleineren Rahmen noch viel besser die Ausdrucksfähigkeit des böhmischen Komponisten an der Schwelle zwischen Romantik und Moderne bewundern.  Das Streichquintett in G-Dur, ursprünglich als Opus 18 bezeichnet, später zu Opus 77 neu nummeriert, entstand im Jahr 1875, wurde in seiner endgültigen Form erst 1888 veröffentlicht, daher die beiden Werkbezeichnungen. Ungewöhnlich aus heutiger Sicht ist die Besetzung mit konventionellem Streichquartett mit zusätzlichem Kontrabass – im ausgehenden 19. Jahrhundert aber eine durchaus übliche Instrumentierung. Damit wird dem Komponisten auch in der kleineren Form die Möglichkeit gegeben, auf den  vollen tonalen Umfang eines Symphonierorchesters zuzugreifen.

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Und auch die Form des Streichquintetts G-Dur gemahnt in seiner Art an eine Symphonie oder symphonische Dichtung – so hat der Komponist den ursprünglich hier geplanten fünften Satz gestrichen und später als Nocturne für  Streichorchester neu arrangiert. Zum Zeitpunkt der Komposition arbeitete der tschechische Künstler gleichzeitig auch an der Serenade für Streicher  und der fünften Symphonie, war also durchaus dem größeren Orchester zugetan. Gerade der erste Satz mit seinen beiden schlichten Motiven und deren Durchführung gemahnt an Symphonik und symphonische Dichtung im Stile  Franz Liszts, des damaligen Epigonen der Heimatkomponisten. Im Scherzo des zweiten Satzes fi ndet Dvorák dann zu seiner eigenen Melodik – hier  setzt er seiner Heimat ein temperamentvolles Denkmal. Der dritte Satz fasziniert  durch ungebrochene Melancholie und sehnsuchtsvolle Melodik, während das Finale mit seiner irrlichternden Lebensfreude und Unruhe noch lange im Gedächtnis bleibt. Die Boston Symphony Chamber Players haben das Werk 1972 für die Deutsche Grammophon aufgenommen – eine schon im  Original sehr schöne Produktion, die vor allem immer wieder für Erstaunen sorgt – so groß kann ein so kleines Ensemble klingen,  wenn die einzelnen Mitwirkenden sich zu einer musikalischen Einheit zusammenfi nden.  Im einzelnen Satz und in der sauberen Intonation ist das schon faszinierend – am beeidruckendsten finde ich aber, wie souverän  der Spannungsbogen des nicht gerade anspruchslosen Werks von der ersten bis zur letzten Note gehalten wird.  Die 2015 von Speakers Corner in Auftrag gegebene Neuauflage wurde komplett remastert und setzt in Sachen Dynamik noch  eins drauf. Wenn hier auch die Ausstattung nicht opulent ausfällt, ist diese Ausgabe in Sachen Klang und Musik die Investition auf jeden Fall wert!

Fazit

Hervorragend klingende Reissue des „symphonischen“ Streichquintetts von Dvorák.

Schallplatte

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04/2016 - Thomas Schmidt

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Autor Thomas Schmidt
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