Kategorie: Verstärker Phono Vorverstärker

Phonovorverstärker · Rowen Phono SE


Frischluft

Verstärker Phono Vorverstärker ROWEN Phono SE im Test, Bild 1
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Die Schweiz hat mehrfach „Hier“ gerufen, als der liebe Gott die Schönheit in der Welt verteilt hat. Mehr wunderbare Landschaften auf weniger Quadratmetern gibt es wohl kaum woanders. Und die frische Luft, die man dort atmen kann, spürt man auch in Schweizer Produkten. Sicher in denen von Rowen.

Sie haben es geahnt – Rowen ist eine Schweizer Firma, eingebettet unter dem Dach von DYNAVOX electronics SA. Protagonisten sind neben dem Firmengründer Anton Aebischer seine Söhne Yvo und Pascal und nun auch deren Sohn Sacha. In seinem hochspannenden Bericht über den SwissHD Smart- AMP – eine weitere Marke der Schweizer – förderte mein Kollege Alexander Rose-Fehling ein höchst interessantes und mir sehr sympathisches Faktum zutage. Er zitiert dort Yvo Aebischer mit den Worten, perfekte Messwerte seien nämlich kein Problem, „sofern man bereit sei, klangliche Kompromisse zu machen“.

Verstärker Phono Vorverstärker ROWEN Phono SE im Test, Bild 2Verstärker Phono Vorverstärker ROWEN Phono SE im Test, Bild 3Verstärker Phono Vorverstärker ROWEN Phono SE im Test, Bild 4Verstärker Phono Vorverstärker ROWEN Phono SE im Test, Bild 5
Das spricht mir aus der Seele, denn ein enger Fokus auf Messwerte wird niemals gut klingende Geräte hervorbringen. Natürlich müssen Messschwellen eingehalten werden und natürlich ist zum Beispiel ein besserer Rauschabstand immer wünschenswert. Aber nach dem Handbuch der Elektrotechnik idealisierte und damit praxisferne Frequenzgänge etc. nachzubauen ist eine Theorieübung, viel mehr nicht. Das alles tut man bei Rowen nicht, und das ist gut so.

Die Firma


Ich habe mir ein Interview mit Pascal Aebischer durchgelesen und kann nur sagen, dass ich schwer beeindruckt bin. Solche Firmen braucht unsere Szene: kreativ und dabei bodenständig, mit offenen Ohren und dem Verstand für technisch-innovative Lösungen, die ab vom Gewohnten Hörer näher an die Musik bringen. Die Mutterfirma Dynavox wurde 1969 von Joseph Marchon und seiner rechten Hand Pascal Aebischer als technisch kompetente und hilfsbereite Vertriebsfirma gegründet. Dafür wurde Aebischer berufsbegleitend auch Elektroingenieur und übernahm 1999 mit Yvo die Firma. Wussten Sie, dass Aebischer ein Gründungsmitglied von NAD war? Ich nicht. Bis heute kann man den Klassikern wie dem berühmten NAD 3020 Vollverstärker eine Rowen-Kur angedeihen lassen - das interessiert mich offen gestanden persönlich. Und auch wenn Aebischer meint, Lautsprecher seien das wichtigste Element, liegen seine Wurzeln doch bei der Elektronik. Und schon sind wir beim Phono SE.

Eine andere Art


Verstärker Phono Vorverstärker ROWEN Phono SE im Test, Bild 4
Verstärker Phono Vorverstärker ROWEN Phono SE im Test, Bild 2
Praktisch: zwei Anschlüsse für MM- und MC-Tonabnehmer. Das sieht man nicht häufig – auch nicht so einen guten Massekontakt
Schon anhand ihres Gewichts – sie ist leicht wie eine Feder - wird klar, dass es hier nicht um Prestige geht. Ich kenne nicht wenige Firmen, die eine vergleichbare Menge an Technik in aufwendige Gehäuse verpacken und dicke Preisschilder daran kleben. Das ist der Weg der Aebischers nicht, was ich nun auch durch ihre NAD-Historie verstehe. Ihrer ist ein Weg der Nachhaltigkeit und Reparierbarkeit der Geräte auch nach Jahrzehnten. Vertriebsmann Hanno Roth erzählte mir bei der Übergabe der Phono SE vom problemlosen Austausch ihres berühmten Mittelhochtontreibers LMT, der in seiner LMT.2-Ausführung problemlos ausgetauscht werden kann. Und auch die Rowen Phonostufen sind kein Allerwelts- und schon gar kein Hauruck-Produkt. Yvo Aebischer schrieb mir dazu: „Die kleinen ROWEN Phono sind in vielerlei Hinsicht etwas unkonventionell. Erstens arbeiten unsere Vorstufen alle im reinen Single-Ended-Class-A Betrieb, um unschöne Übergangsverzerrungen auszuschließen. Die Eingangskreise sind für eine dynamisch aussergewöhnlich hohe Empfindlichkeit ausgelegt. Das ermöglicht eine dynamische Feinfühligkeit und eine Leichtigkeit, wie man es sich sonst eher von Röhrenverstärkern gewohnt ist.“ Diese Technik nennt Rowen „Optimal Dynamic Sensitivity“, kurz ODS oder auf Deutsch die ideale dynamische Feinfühligkeit.

Feingefühl


ODS soll, ohne dass Aebischer das im Detail offenlegen möchte, die Dynamik aller Quellen erhalten. Das ist doch mal wirklich wünschenswert. Quasi als Nebenprodukt minimiert ODS anscheinend den Einfluss der Ausgangsstufen angeschlossener Quellgeräte. Dass meint, das auch einfachere Quellen richtig gut klingen sollen – noch so ein Faktor aus dem audiophilen Wunschkonzert. Das soll gerade „normalen“ MM-Tonabnehmern zugutekommen, die laut Aebischer „enorm schön aufgelöst und homogen spielen“. Das höre ich mir natürlich an. Spannenderweise hat Papa Aebischer die besonders empfindsamen Transistoren-Eingangskreise sowie die RIAA-Verstärkung in Single-Ended-Class-A bereits in den frühen 70ern entwickelt bzw. festgelegt und im Laufe der Zeit selbstredend verfeinert. Und die SE hat wie ihre kleinere Schwester „intern eine zusätzliche lineare Spannungsaufbereitung, um alle Störungen zu glätten“. Das 24 V-DC Steckernetzteil ist nicht sexy, macht aber seinen Job und hält unerwünschte Einflüsse der Spannungsversorgung draußen.

Details


Verstärker Phono Vorverstärker ROWEN Phono SE im Test, Bild 3
Hier erkennt man den Hauptunterschied zur „einfachen“ Version: die leckeren Mundorf-Kondensatoren in Weiß
In der Phono SE setzt Rowen im Gegensatz zur Einstiegsversion ohne SE hochwertigere Polypropylen-Kondensatoren von Mundorf im Signalweg ein. Zu Beginn meines Berichts hatte ich eine Aussage von Yvo Aebischer zum Spannungsfeld zwischen Messwerten und Klang zitiert. Die vertieft er noch einmal auf meine Frage, welchen Stellenwert das Hören bei der Entwicklung der Geräte einnimmt. Das mag für den einen oder anderen banal wirken, ist es aber nicht. Auch wenn sich seit einiger Zeit eine Trendwende abzeichnet, hat das Gros der Entwickler früher den Fokus auf Messwerte gelegt, nicht selten zum Nachteil des Klangs. Rowen war aber schon immer anders, wie Aebischer indirekt betont: „Das Hören war und ist seit jeher der absolute Maßstab in der Entwicklung aller ROWEN Produkte. Technische Messungen dienen eher der Sicherstellung, ob auch wirklich alles stimmt. Unser Ziel ist ein Höchstmaß an klanglicher und räumlicher Offenheit. Der Fokus auf beste Messwerte verunmöglicht genau das. Kleine Anmerkung am Rande: Ein Röhrenverstärker liefert äußerst ernüchternde Messwerte, macht aber richtig schön Musik.“ Ich könnte ihm nicht enthusiastischer zustimmen. Koppelkondensatoren setzt Rowen, anders als das bei den meisten Röhrenverstärkern der Fall ist, überhaupt nicht ein, weil man sie klanglich nicht für hilfreich hält. Alle Vorstufenschaltungen sind gleichstromgekoppelt, was wiederum ein Verweis auf Röhrentechnologie ist. Warum dann nicht gleich Röhren verwenden? Rowen sieht klangliche Vorteile bei Transistorschaltungen, speziell in der räumlichen Darstellung und der Mikroauflösung, was der oben schon erwähnten ODS-Technologie zuzuschreiben ist. Noch einmal zurück zu unserer Phono SE. Deren Verstärkung wird ausschließlich mit „handverlesenen“ Transistoren umgesetzt. Hier verrät Yvo Aebischer auch ein wenig, wie er ODS realisiert, nämlich über einem physikalisch grenzwertigen Arbeitspunkt. Und legt noch einen drauf: „Unsere Phono-Vorverstärker ähneln in Transparenz, Räumlichkeit und Homogenität richtig guten Röhren RIAA-Verstärkern.“ Starker Tobak, ich werde das überprüfen. Die RIAA ist zweistufig aktiv-passiv aufgebaut und die MC-Verstärkung wird mit einem zusätzlichen Transistor erledigt - Op-Amps finden im Hause Rowen nicht statt. Die frontseitig (danke dafür) wählbaren Impedanzen (100, 500 und 1000 Ohm) werden mit Widerständen realisiert und man kann zusätzlich einen individuellen Wert festlegen.

Praxis und Hörtest


Verstärker Phono Vorverstärker ROWEN Phono SE im Test, Bild 5
Frequenzgang: Die Rowen-Phonovorstufe ist auch messtechnisch eine bemerkenswerte Maschine. Trotz der extrem reduzierten Konstruktion benimmt sie sich im Labor höchst anständig. Der Frequenzgang verläuft sehr nahe an der RIAA-Vorgabe, der minimale Anstieg zu tiefen Frequenzen dürfte klanglich nicht ins Gewicht fallen. Am oberen Ende des Frequenzbandes herrscht erfreuliche Linearität bis an die 100-Kilohertz-Marke. Im MM-Betrieb verstärkt das Gerät um knapp 40 Dezibel. Bei 5 mV Eingangsspannung liefert es einen Fremdspannungsabstand von sehr guten 71,3 Dezibel(A) und eine Kanaltrennung von ebenfalls guten 67,7 Dezibel(A). Die Verzerrungen betragen winzige 0,038 Prozent. Im MC-Betrieb schafft das Kästchen gut 62 Dezibel Verstärkung, bei 0,5 Millivolt Eingangsspannung maßen wir 61,5 bzw. 61,2 Dezibel(A) Fremdspannungsabstand / Kanaltrennung respektive 0,45 Prozent Klirr. Die Stromaufnahme liegt bei bescheidenen 1,4 Watt.
Die Trauben hängen also hoch und deshalb mache ich gleich zu Beginn den totalen Crash-Test: Ich vergleiche die Rowen Phono SE mit meiner Air Tight ATC-1 HQ samt Consolidated Audio MC-Übertrager. Das ist deshalb ein Crashtest, weil die ATC-1 HQ eine hervorragende Röhrenvorstufe mit exzellenter Phonosektion ist und sie zusammen mit dem Übertrager in etwa das Achtfache der Rowen kostet. Und fällt die klanglich ins Achtfache? Natürlich nicht, und was mich schockiert, ist, wie gering der Unterschied ist. Das kann ich es sehr gut bei Milt Jacksons Album „Ballads & Blues“ festmachen. Der Vibraphonist des Modern Jazz Quartets liefert hier eine Sternstunde an Klangfarben und Stimmungen ab, deren Erhalt mir besonders wichtig ist. Das Klangbild rutscht mit der Rowen ein wenig nach vorne und wirkt etwas kompakter. Aber die Klangfarben sind da, das Ein- und Ausschwingen der Töne ist kaum weniger lang, farbig und neben einer erstaunlichen Auflösung klingt die Phono SE frisch, offen und homogen: wow! Boz Scaggs‘ Stimme steht auf „Detour“ im Raum, fast kann ich sie greifen. Das mag vielleicht nicht ganz so 3D-artig wirken wie mit meinen Sachen, aber seine Stimme dehnt sich derart in den Basskeller, dass ich richtig Gänsehaut bekomme. Dabei trifft die Phono SE auch die begleitenden Klavieranschläge so realistisch und die Streicher gleiten im Hintergrund so geschmeidig durchs Klangbild, dass ich denke: „Ja, genau so möchte ich das hören.“ Und wie verhält sich das mit MM-Tonabnehmern? Genau so, wie Yvo Aebischer es gesagt hat. Ich habe das Ortofon 2M Red noch nie so gut, so kompetent, so geschlossen gehört wie mit der Rowen Phono SE. Play Bach lädt mich zum Livekonzert ein und Ray Charles nimmt mich mit „Hit The Road Jack“ persönlich an die Hand. So geht Phono.

Fazit

Die Rowen Phono SE ist eine außergewöhnlich gute Phonostufe, die für einen fairen Preis einen Klang abliefert, der deutlich teureren Geräten manchmal abgeht. Ich kann sie jedem Musikliebhaber nur ans Herz legen.


Den Test finden Sie in der HiFi Test 5/2026. Das Heft ist in unserem Shop als e-paper oder als Print-Ausgabe erhältlich
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Kategorie: Verstärker Phono Vorverstärker

Produkt: ROWEN Phono SE

Preis: um 1790 Euro

Ganze Bewertung anzeigen


8/2026
4.5 von 5 Sternen

Referenzklasse
ROWEN Phono SE

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Bewertung 
Klang: 70%

Labor 15%

Praxis: 15%

Ausstattung & technische Daten 
Preis in Euro 1.790 Euro 
Vertrieb Thomas Walch, Rauenberg 
Telefon de@rowen.ch 
Internet de@rowen.ch 
Ausstattung
Frequenzgang 20 Hz – 20 kHz +/- 0,5 db 
Geräuschsspanungsabstand MM 85 dB, MC 76 dB 
MM 47k Ohm, MC: 100 / 500 / 1000 Ohm (plus Wunschwert) 
Gain MM: 40 dB
MC: 60 dB 
Eingänge 1 x Cinch Stereo MM
1 x Cinch Stereo MC 
Ausgänge 1 x Cinch Stereo 
Ausführung Silber; schwarz 
Gewicht 1,5 kg 
Abmessungen (B x H x T in mm) 220 x 50 x 180 
Garantie 2 Jahre 
+ hervorragender Klang 
+ innovatives Design 
+ praxisgerechte Ausführung 
Klasse: Referenzklasse 
Preis/Leistung: hervorragend 
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