Kategorie: Vollverstärker

Einzeltest: AVM A30


Jubeljahre

Vollverstärker AVM A30 im Test, Bild 1
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1986 war ein gutes Jahr. Das sehe nicht nur ich als Vertreter des Jahrgangs so, denn auch in der HiFi- Welt geschah damals etwas: Hier liegt der Ursprung einer traditionsreichen deutschen HiFi-Manufaktur, die ihren Geburtstag mit neuen Geräten feiert.

Mitte der 1980er-Jahre erblickte also die Audio Video Manufaktur im beschaulichen Städtchen Malsch das Leben. In den vergangenen 30 Jahren etablierte man sich mit hochwertigen Produkten zu einer der großen Marken der deutschen HiFi-Landschaft und erlangte auch außerhalb der Landes- und Kontinentsgrenzen eine ansehnliche Fangemeinde. Bei unserem Besuch in den Produktionsstätten von AVM im vergangenen Sommer zeugten unzählige Kartons mit Frachtaufklebern für Europa, Nordamerika und Asien von der ungebrochenen Beliebtheit der Marke aus Baden-Württemberg. Nun sind dreißig Jahre eine doch nicht gerade kurze Zeit, und innerhalb der vergangenen drei Jahrzehnte sah man viele andere Firmen kommen und gehen, während die Produktion in Malsch noch immer in vollen Zügen läuft.

Vollverstärker AVM A30 im Test, Bild 2Vollverstärker AVM A30 im Test, Bild 3Vollverstärker AVM A30 im Test, Bild 4Vollverstärker AVM A30 im Test, Bild 5Vollverstärker AVM A30 im Test, Bild 6Vollverstärker AVM A30 im Test, Bild 7Vollverstärker AVM A30 im Test, Bild 8Vollverstärker AVM A30 im Test, Bild 9Vollverstärker AVM A30 im Test, Bild 10
Genug Grund also zur Freude und zum Feiern, denn schließlich gehört das zu einem Geburtstag, gerade einem runden. An dieser Stelle also zunächst einmal auch von uns alles Gute zum Jubiläum nach Malsch, wo man jedoch nicht auf Geschenke wartet, sondern lieber selbst welche macht. Um den Kunden, die die Marke über die letzten 30 Jahre unterstützt haben, zu danken, veröffentlicht AVM nun einige Sondermodelle unter dem Namen AVM30. Hier hat man sich zurückbesonnen und noch einmal Systeme neu aufgelegt, die sich bereits in der Vergangenheit großer Beliebtheit erfreuten. Eines dieser Geräte ist der Vollverstärker AVM A30, der uns zum Test zur Verfügung stand. Grundlage für den A30 war der A2, der jedoch für das Jahr 2016 entsprechend modernisiert wurde. Trotzdem behielt man einige Features bei, die auch damals schon den Charakter des Gerätes ausmachten. Zum einen wäre da das Design. Der A30 besitzt eine klassische Quaderform, die auch heute noch viele Geräte der Firma haben. Glatte Oberflächen und eine Frontplatte mit zwei großen Drehreglern, einigen wenigen Knöpfen und einem kleinen Display in der Mitte. Absolut zeitlos, kann man hier beinahe von der grundlegenden Verstärkerform reden, die jeder im Kopf hat, wenn er den Begriff hört. Dabei besitzt der A30 eine angenehme Haptik, bei der die Druckpunkte der Tasten stimmen und die Drehregler einen wunderbar festen Widerstand aufweisen. Schnörkellos, fokussiert, aber mit Charme präsentiert sich der Vollverstärker und steht damit in wunderbarer HiFi-Tradition, als noch nicht jedes Gerät um jeden Preis optisch auf allen musste. Auch das kleine OLED- Display schlägt in dieselbe Kerbe und zeigt nur die notwendigsten Informationen an. Die Angabe der ausgewählten Quelle und die Lautstärke sind das Einzige, was die in hellem Weiß leuchtende Anzeige dem Nutzer übermitteln möchte. Die Hand führt zum Drehregler für die Quellenauswahl und nach einigen Bewegungen stellt man überrascht fest, dass die Auswahl wohl kein Ende zu nehmen scheint. Sechs Paar Chinch-Buchsen warten auf Signale analoger Quellgeräte, ergänzt um einen Satz XLR-Eingänge für symmetrische Übertragung. Doch damit ist es nicht genug, denn schließlich hat sich in den letzten dreißig Jahren viel verändert. Digitale Musikwiedergabe ist das Gebot der Stunde und so wurde der A30, der Tradition zum Trotz, auch mit den passenden Eingängen für moderne Quellgeräte ausgestattet. Mit koaxialen, optischen und USB-Eingängen deckt der Vollverstärker alle Eventualitäten ab, und selbst an eine verlustfreie Bluetooth-Verbindung wurde gedacht. Herzstück der Digitalplatine ist ein Wolfson WM8740, der von USB und S/PDIF Signale mit bis zu 192 kHz bei 24 Bit verarbeiten kann, während die Obergrenze bei der optischen Verbindung bei den regulären 96 kHz liegt. Ein weiter Weg von 1986, als die CD gerade erst zu ihrem Siegeszug ansetzte. Während der digitale Part also voll auf der Höhe der Zeit ist, bleibt die analoge Sektion etwas näher am Vorbild des Vollverstärkers. Trotzdem kommt hier natürlich auch neueste Technik zum Einsatz, doch der generelle Aufbau des Verstärkers ähnelt dem des AVM-Urgesteins. Konsequent setzt man hier auf eine Doppel-Mono-Ausrichtung. Zwei große Ringkerntransformatoren versorgen den Vollverstärker, in dessen Mitte die Class-A/AB Endstufen sitzen. Auch bei der Leistung des Verstärkers schoss man nicht über das Ziel hinaus, sondern bietet genau das richtige Maß an Power. Knapp 120 Watt entwickeln die Endstufen des A30 pro Kanal, womit eine enorme Menge an Lautsprechern wunderbar angetrieben werden kann. Wie wunderbar, zeigt sich dann im Hörraum, wo der A30 sofort nach dem Anschließen kernigen Sound über die angeschlossenen Schallwandler verströmt. Die Lautstärke knapp bis zur Hälfte aufgedreht, wird bereits ein sehr ordentlicher Schalldruck erreicht, während AC/DC die ersten Takte von „Back in Black“ spielen. Die Bassline groovt breit im Hintergrund, während gerade die Wiedergabe des Schlagzeugs eine Erwähnung wert ist. Genau auf den Punkt treffen die Drumsticks die Felle von Tom-Tom und Snares, so dass jeder Anschlag mit energischem Kopfnicken belohnt wird. Beinahe meint man die Höhenunterschiede der einzelnen Trommeln wahrnehmen zu können, wenn sie bei jedem Anschlag kräftig aus dem Hintergrund hervortreten. Wer davon noch mehr haben will, oder wem das vielleicht schon ein wenig zu weit geht, der bedient sich der integrierten Klangkontrolle, mit der sich Bass und Treble nachträglich noch ein wenig an die eigenen Gewohnheiten anpassen lassen. Meinen Geschmack trifft die Grundeinstellung jedoch schon recht gut. Der A30 reißt mit. Und das sogar schon beim Abspielen von Aufnahmen in CD-Qualität. Schon hier wird mit einer tollen Dynamik gearbeitet, die durchaus zu gefallen weiß. Der Vollverstärker präsentiert sich locker, spielt unbekümmert und  fließend auf und verbreitet einfach Freude an der Musik. Auch hoch aufgelöste Aufnahmen funktionieren gut und ergänzen das äußerst unterhaltsame Spiel um einen noch etwas größeren Umfang an Details. Was genau der A30 spielt, ist ihm eigentlich egal, denn er versprüht seinen Charme bei jedem gehörten Genre. Wunderbar alltagstauglich, egal ob man nur zwischendurch ein paar Lieder über das Smartphone streamt oder bewusst ein Album vom angeschlossenen CDTransport oder Laptop hört. Es ist ein schönes Geschenk, das AVM seinen Kunden hier macht. Ein grund solider Verstärker mit klassischen Tugenden, ohne viel Schnick-Schnack oder unnötige Features. Trotzdem gibt es moderne Technik mit aktuellen Mosfet-Transistoren und einer HiRes-kompatiblen Wandlerplattform. Die Schleife um das wunderbar verpackte Geschenk ist jedoch der Preis, der sich an den Verkaufspreisen des A2 von damals orientiert. Wer nun in den Genuss des A30 kommen möchte, sollte sich beeilen, denn die AVM30-Modelle werden nur in einer streng limitierten Stückzahl von genau 333 Exemplaren hergestellt. AVMs Geburtstagsgeschenk wird sich sicherlich großer Beliebtheit erfreuen. Die Rückbesinnung auf die Werte von 1986 sind nicht nur eine nette Idee, die hier einwandfrei umgesetzt und an die heutige Zeit angepasst wurde. Sie ist auch ein Fingerzeig an die Branche, dass nicht alles immer ausufernder, komplizierter und komplexer werden muss. Über ein Geschenk wie den A30, mit solcher Spielfreude und Elan, freut man sich auf jeden Fall. AVM hatte die richtige Idee zum richtigen Zeitpunkt. Wir freuen uns auf die nächsten drei Jahrzehnte HiFi aus Malsch.

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AVM30-Sondermodelle


Passend zum Jubiläum bietet AVM nicht nur den A30 an, sondern legt auch noch zwei andere Klassiker neu auf. Wer lieber auf getrennte Vor- und Endstufen setzt, sollte sich vielleicht einmal den Vorverstärker V30 und die Endstufen-Monoblöcke M30 anschauen. Zusammen setzen sie auf ein ähnliches Konzept wie der Vollverstärker A30. Auch die Vorstufe verfügt über analoge und digitale Eingänge inklusive USB, doch hier findet noch ein zusätzliches Phono-Modul Platz, das den Gebrauch von Plattenspielern ermöglicht. Mit den separaten Endstufen holt AVM dann leistungsmäßig auch etwas weiter aus. Die Monos leisten knappe 130 Watt an acht, bzw. 220 Watt an vier Ohm Widerstand. Die Preise betragen 1.500 Euro für die Vorstufe, während ein Pärchen M30 mit gut 3.000 Euro zu Buche schlägt. Auch diese Geräte sind übrigens streng limitiert. Mehr erfahren Sie in unserem Schwestermagazin LP, das die Kombi in Ausgabe 6/2016 bereits getestet hat.

Fazit

AVM macht seinen Fans mit dem A30 ein tolles Geburtstagsgeschenk. Der klangstarke Vollverstärker vereint in sich die Erfahrungen der letzten 30 Jahre und liefert lebendigen, kernigen Sound für Digitales und Analoges. Herzlichen Glückwunsch.

Preis: um 2490 Euro

Vollverstärker

AVM A30


04/2017 - Philipp Schneckenburger

Ausstattung & technische Daten 
Preis: um 2.490 Euro 
Vertrieb: AVM, Malsch 
Telefon: 07246 309910 
Internet: avm.audio/de 
Abmessungen (B x H x T in mm) 430/110/345 
Leistung 4 Ohm (in Watt): etwa 120 Watt an 4 Ohm 
Leistung 8 Ohm (in Watt): etwa 81 Watt an 8 Ohm 
Eingänge: 1 x USB-B, 1 x Toslink optisch, 1 x S/PDIF koaxial, 
Ausgänge: 1 x Lautsprecher Stereo, 3 x RCA Stereo (Line/Sub/Pre), 
Unterstützte Abtastraten: PCM bis 192 kHz, 24 Bit (optisch 96 kHz, 24 Bit) 
checksum AVM macht seinen Fans mit dem A30 ein tolles Geburtstagsgeschenk. Der klangstarke Vollverstärker vereint in sich die Erfahrungen der letzten 30 Jahre und liefert lebendigen, kernigen Sound für Digitales und Analoges. Herzlichen Glückwunsch. 
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Philipp Schneckenburger
Autor Philipp Schneckenburger
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Datum 10.04.2017, 09:59 Uhr
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Topthema: DIE MUSIKTRUHE IST ZURÜCK
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Interessante Links:
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