Kategorie: Lautsprecher Stereo

Einzeltest: Ascendo System Z-F3 SE


Wehe, wenn sie losgelassen

Lautsprecher Stereo Ascendo System Z-F3 SE im Test, Bild 1
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Um mal mit der Tür ins Haus zu fallen: Diese eher kompakte Standbox von Ascendo kostet pro Paar 27.500 Euro. Und dafür gibt sie noch nicht mal irgendwelche Töne von sich

Mitspieler


Plattenspieler:

 Transrotor Fat Bob / SME 3500
 Clearaudio Master Reference / Clearaudio Magnify

69
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Tonabnehmer:

 MFSL C3.5
 Benz Ace L
 Grado Statement 1

Vorverstärker:

 Trigon Dialog
 Audio Research LS27

Endverstärker:

 SymAsym
 AVM V3
 Trigon Monolog

Zubehör:

 Netzversorgung von PS Audio und HMS
 NF-Kabel von Transparent und van den Hul
 Phonokabel von Straight Wire und van den Hul
 Lautsprecherkabel von Transparent


Gegenspieler


Lautsprecher:

 Isophon Cassiano
 Sonics Allegria

Schweigen herrscht zumindest so lange, bis Sie sich einen passenden Kabelsatz besorgt haben; das „System Z-F3 SE“ will nämlich gleich an drei Stellen mit einem Verstärkerausgangssignal versorgt werden. Und weil’s bei diesem Preis auch schon nicht mehr drauf ankommt, gesellte sich zum Lautsprecherpaar noch ein Satz Sonderkabel des Herstellers „Langerton“ zum Preis jenseits von 4.000 Euro. Wie zum Teufel konnte das passieren? Immerhin ist Ascendo ein zutiefst schwäbisches Unternehmen, geprägt von Leuten, denen das Kalkulieren mit spitzer Feder gewissermaßen im Blut liegt. Und zu erkennen, wo hier die spitze Feder steckt, bedarf schon ein wenig Mühe. Einer der Gründe liegt in dem unauffälligen kleinen Namenszusatz „SE“, welcher für „Special Edition“ steht und erst einmal bedeutet, dass es sich um ein Sondermodell handelt.

Lautsprecher Stereo Ascendo System Z-F3 SE im Test, Bild 2Lautsprecher Stereo Ascendo System Z-F3 SE im Test, Bild 3Lautsprecher Stereo Ascendo System Z-F3 SE im Test, Bild 4Lautsprecher Stereo Ascendo System Z-F3 SE im Test, Bild 5Lautsprecher Stereo Ascendo System Z-F3 SE im Test, Bild 6Lautsprecher Stereo Ascendo System Z-F3 SE im Test, Bild 7Lautsprecher Stereo Ascendo System Z-F3 SE im Test, Bild 8
In diesem Fall ist es eines, das Ascendo anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der „System“-Baureihe auflegt. Deshalb gibt’s nach wie vor auch ein „normales“ System Z-F3, das für 19.500 Euro pro Paar zu haben ist – immer noch kein Pappenstiel. Die Z-F3 ist, ob mit oder ohne „SE“, erst einmal mehr als das, wonach sie aussieht. Sie ist nämlich beileibe kein normales Zweiwegesystem, wie die Anschauung vermuten lassen könnte. Ihr Bassabteil ist eine patentierte Besonderheit und das Reflexrohr, das auf der Front des Bassgehäuses mündet, beatmet keinesfalls den darüber angeordneten Excel-Achtzöller. Für die tiefen Töne ist nämlich ein Bandpass zuständig, und dessen aktiver Part in Gestalt eines 22-Zentimeter-Tieftöners schiebt im Verborgenen Dienst. Ein Bandpass ist im Prinzip eine Mischform aus geschlossenem Gehäuse und Bassreflexkonstruktion; die eine Seite der Tieftonmembran arbeitet auf ein geschlossenes Volumen, die andere auf ein ventiliertes. Deshalb ist das Einzige, was hier nutzbaren Schall abstrahlt, das Reflexrohr. Einsichtigerweise ist eine solche Anordnung ein reiner Subwoofer; die nutzbare obere Grenzfrequenz liegt recht niedrig. Bei Ascendo heißt das Ganze „semisymmetrischer Bandpass mit stromdynamisch bedämpftem Außentreiber“, kurz „S.A.S.B.“. Das Besondere daran ist, dass Außentreiber (also der sichtbare Tiefmitteltöner) und Bandpass über die Frequenzweiche auf eine bestimmte Art miteinander verheiratet sind, so dass sich eine besonders homogene Gesamtabstimmung ergibt. Sollten Sie der Meinung sein, dass so etwas eigentlich der Sinn des durchaus üblichen Prozesses ist, den man gemeinhin „Frequenzweichenentwicklung“ nennt, dann will ich Ihnen da nicht widersprechen. Bis 3,2 Kilohertz liegt die direkte Schallabstrahlung in den Händen des „Außentreibers“, darüber übernimmt eine Folie. Der große Magnetostat verfügt über eine leichte Schallführung; kein echtes Horn, eher ein „Waveguide“, der dem Hochtöner am unteren Ende seines Übertragungsbereiches etwas auf die Sprünge hilft. Der eine oder andere wird diesen Treiber zielsicher als preisgünstiges Modell aus dem fernen Osten identifizieren. Das ist prinzipiell richtig, trifft den Kern der Sache aber nur zum Teil. Ascendo zerlegt eine Menge dieser Hochtöner, um aus den Einzelteilen einen zu bauen, der den Ansprüchen in Sachen Verzerrungsverhalten und Linearität genügt. Der Wandler steckt in einem eigenen Gehäuse, das frei auf dem Tiefmitteltonabteil steht. Hier kommt ein weiterer zentraler Aspekt des Lautsprechers zum Tragen, das „variable Time Alignment“. In der Praxis bedeutet das, dass man den Hochtöner in der Tiefe verschiebt, bis die Phasenlage am Hörplatz perfekt passt. Dafür gibt’s eine Tabelle, die den optimalen Tiefenversatz in Relation zu Hörabstand und Ohrhöhe angibt. Viel Bedeutung misst Ascendo dem Thema „Mechanik“ bei. Und gerade bei den „SE“-Modellen wurde ein ziemlicher Aufwand getrieben, um die einzelnen Module voneinander und vom Untergrund zu entkoppeln. Dazu bediente sich Entwickler Norbert Heinz reichlich in den Regalen des Sauerländer Spezialisten Finite Elemente, der sich mit seiner „Cerabase“-Technologie einen exzellenten Ruf in Sachen Koppelelmente erworben hat. Sowohl zwischen Sockel und Bassgehäuse als auch unter dem Hochtönergehäuse stecken die Preziosen. Ein Blick auf die Lautsprecherrückseite offenbart einen weiteren Aspekt, der für die Preisgestaltung des Lautsprechers von recht zentraler Bedeutung ist: das Anschlussfeld, oder besser: die Anschlussfelder. Hochtöner, Tiefmitteltöner und Bandpasstreiber sind separat auf ein Klemmenpaar der unglaublichen Art geführt: Die in Kohlefaser gehüllten rhodinierten Spitzenmodelle von Furutech verfügen sogar über einen eingebauten „Drehmomentschlüssel“, damit die Knebel immer mit optimaler Kraft angezogen werden. Man dreht so lange fest, bis es knackt – ganz einfach. Ob man das braucht, sei dahingestellt, ich will allerdings nicht leugnen, dass das prima Spielzeug für das Kind im Manne ist. Und von diesen Luxusterminals gibt’s gleich sechs Stück pro Box. Hinzu gesellen sich zwei Kippschalter zur Anpassung an die raumakustischen Gegebenheiten. Der beim Hochtöner erlaubt eine Anhebung seines Pegels um zwei Dezibel, per Schalter am Bassmodul kann man den Grundtonbereich um 150 Hertz um etwa drei Dezibel senken. Sollte diese Anpassung im Bass nicht reichen, empfiehlt Ascendo eine Längenänderung beim Reflexrohr: Eine kürzere Variante gibt weniger Tiefbass, aber mehr Drive in den oberen Basslagen; ein längeres Exemplar tut entsprechend Umgekehrtes. Wie aus der Anordung der Anschlüsse schon zu erahnen ist, sind die einzelnen Filterzweige getrennt aufgebaut und jeweils am Ort des Geschehens angeordnet; wer noch mehr Geld ausgeben will, kann auch eine Variante ordern, bei der die Bassweichen im Fuß und damit garantiert von jeder Luftschallanregung geschützt montiert sind. Wie es sich für eine Box in dieser Preisklasse gehört, obliegt die Wahl der Oberfläche dem Interessenten. Klavierlack wird lediglich in Schwarz und Weiß angeboten, wobei wir unserem schwarzen Testmuster eine exzellente Verarbeitung bescheinigen dürfen: Diese Oberfläche spiegelt schon ziemlich perfekt. Klanglich gibt sich die Z-F3 komplett anders, als die Anschauung vermuten lassen würde. Der noch eher zierlich zu nennende Lautsprecher schiebt nämlich im Bass, dass es einen in die Polster drückt. In wenig bedämpften Räumen ist das sicherlich des Guten zu viel, da dürfte eine Anpassung des Reflexrohrs unabdingbar sein. Abhilfe schafft außerdem die Wahl geeigneter Elektronik. Und die muss ohne Wenn und Aber das Prädikat „Schraubstock“ verdienen. Ordentlich gegengekoppelte Transistorverstärker, gerne mit ein wenig Leistung, sind das Mittel der Wahl: Der „S.A.S.B.“ will in die Zange genommen werden, sonst übertreibt’s die Schwäbin. Wir hatten’s da gut und durften die großartigen neuen Trigon-Monos anklemmen. Die sind nämlich genau das, was dieser Lautsprecher braucht. Dann noch flugs die Grundtonabsenkung aktiviert, und wir sind im Rennen. Eine Tabelle zur Einstellung der Hochtönerposition braucht man nicht. Der Lautsprecher macht sehr deutlich darauf aufmerksam, ob die Position stimmt oder nicht, und hier entscheiden ein paar Millimeter über Wohl und Wehe. Wenn’s nicht stimmt, sticht der Hochtöner klanglich aus dem Geschehen heraus; wenn’s passt, rastet das Klangbild hörbar ein. Wenn diese Voraussetzungen stimmen, ist die Z-F3 SE ein Traumlautsprecher. Immer noch voluminös, aber auch ungemein präzise und auf den Punkt spielt die Schwäbin. Sie erzeugt ein sehr geschickt konstruiertes Klangbild aus wohliger Wärme und hochgenauer Analyse; eine eher seltene Kombination, in der man so richtig versinken kann. Sie öffnet in allen Dimensionen opulente Räume und beherrscht auch das seltene Kunststück, eine Illusion von korrekter Höhe zu erzeugen. Die dynamischen Fähigkeiten sind in hohem Maße von der ansteuernden Elektronik abhängig; mit der Kraft, die es hier ohnehin braucht, sind diesbezüglich beeindruckende Werte möglich.

Fazit

Speziell? Ohne Frage. Bezahlbar? Auf gar keinen Fall. Faszinierend? Über alle Maßen

Preis: um 27500 Euro

Lautsprecher Stereo

Ascendo System Z-F3 SE


02/2011 - Holger Barske

Ausstattung & technische Daten 
Paarpreis 27500 
Vertrieb Ascendo, Grafenberg 
Telefon 07024 468404 
Internet www.ascendo.de 
Garantie (in Jahre)
Ausführungen Klavierlack, alle RAL-Farben, diverse Furniere 
B x H x T (in mm) 270/1180/430 
Gewicht (in Kg) 55 
Unterm Strich... Speziell? Ohne Frage. Bezahlbar? Auf gar keinen Fall. Faszinierend? Über alle Maßen 
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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 14.02.2011, 12:06 Uhr
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