Nach dem durchschlagenden Erfolg der kompakten „Variant Diamond“ haben wir zusammen mit der Variant GmbH buchstäblich das nächstgrößere Brett gebohrt. Das Ziel: Die herausragenden akustischen Eigenschaften der facettierten Schallwand auf eine ausgewachsene 25-Liter-Kompaktbox zu übertragen. Das Resultat ist ein Zweiwege-Lautsprecher, der weit über seine Preisklasse hinauswächst.
Manchmal ist größer eben doch besser. Nachdem uns die erste Variant Diamond mit ihrer exzellenten Räumlichkeit und Linearität dank der aufwendigen Facettenfront begeistert hat, stand schnell fest: Dieses Konzept verdient ein Upgrade. Mit dem preislich extrem attraktiven 22-Zentimeter-Tiefmitteltöner SIG225-4 und dem brillanten Epique-Keramikhochtöner EC30-4 lagen die passenden Dayton-Chassis quasi schon auf dem Tisch.
Technik
Der Dayton Audio SIG225-4 ist ein echter Preisbrecher. Auch hier gibt es einen Druckgusskorb mit allen erdenklichen Belüftungsmaßnahmen, Vollkonus aus Aluminium und wirklich exzellente Messwerte.
Der Frequenzgang verläuft auch hier linear bis knapp über 2 Kilohertz, wo es auch hier eine etwas kräftigere Doppelresonanz gibt, bevor der Pegel steil abfällt. Wenn man hier bei etwas unter zwei Kilohertz trennt, verschwindet die K3-Spitze aus dem ansonsten sehr guten Klirrdiagramm. Die Resonanzfrequenz liegt mit 40 Hertz tiefer als beim 18er, auch hier gibt es lupenreine Bassreflexparameter für den Einsatz in Gehäusen zwischen 20 und 35 Litern und den wirklich ausgezeichneten Wirkungsgrad, den offenbar alle Treiber der SIG-Serie haben. Das Wasserfalldiagramm zeigt keine störenden Resonanzen. Den perfekten Spielpartner findet er im Dayton EC30-4 aus der ambitionierten Epique-Serie. Die 30 Millimeter messende Keramik-Kalotte verschiebt Membranaufbrüche weit über den Hörbereich hinaus. Dank des bedämpften Koppelvolumens liegt die Resonanzfrequenz bei niedrigen 684 Hertz. Gepaart mit dem kräftigen Antriebssystem und den kupfernen Kurzschlussringen für geringste Induktivität bietet sich dieser Hochtöner für eine sehr tiefe Trennung an – was angesichts des großen Tiefmitteltöners von enormem Vorteil ist. Gehäuse Wir bleiben dem erfolgreichen Konzept treu und setzen auch hier auf eine großzügig angefaste Facettenfront. Das Gehäuse bietet rund 25 Liter Nettovolumen und nimmt die Gestalt einer recht tiefen, ausgewachsenen Kompaktbox an, die sich am besten auf einem stabilen Standfuß macht. Durch die 25 Millimeter dicke Schallwand lassen sich die breiten Fasen, die das Abstrahlverhalten maßgeblich optimieren, hervorragend einfräsen. Das Bassreflexrohr sitzt auf der Rückwand. Das Gehäuse wird im Inneren mit insgesamt vier Matten Sonofil locker bedämpft, um stehende Wellen effektiv zu unterdrücken, ohne dem Reflexsystem die Energie zu rauben. Dabei werden zwei Matten in den Raum hinter dem Hochtöner oberhalb des Teilers gestopft. Der direkte Weg zum Reflexrohr bleibt dabei natürlich frei, was angesichts der Montage direkt hinter dem Tieftöner auch kein Hexenwerk ist.
Frequenzweiche
Die Kombination aus einem 22er-Tiefmitteltöner und einer Kalotte erfordert etwas Fingerspitzengefühl, aber hier spielt uns die Qualität der Treiber in die Karten. Da der Aluminium-Konus des SIG225-4 oberhalb von gut 2 Kilohertz aufbricht, müssen wir ihn früh aus dem Rennen nehmen. Eine ausreichend dimensionierte 2,0-mH-Spule in Kombination mit einem 18-µF-Parallelkondensator bildet einen sauberen Tiefpass zweiter Ordnung, der die nicht besonders kräftigen Membranresonanzen zuverlässig eliminiert. Die weitaus schlimmere Resonanz bei 7,5 Kilohertz liegt dann schon 30 dB unter dem Nennpegel der Box. Ein Hauch von Baffle Step bleibt hier noch stehen – da die Winkelfrequenzgänge wegen der Inverskalottenform hier sogar noch leicht über dem Frequenzgang auf Achse liegen, ist das auf jeden Fall mehr als ausreichend linear.
Hier schlägt nun die Stunde des Keramik-Hochtöners: Dank seiner extrem niedrigen Resonanzfrequenz und hohen Belastbarkeit können wir ihn bereits bei unter 2000 Hertz ankoppeln. Ein angepasster Hochpass zweiter Ordnung (8,2 µF in Serie, 0,39 mH parallel) und ein 3,9-Ohm-Vorwiderstand zur Pegelanpassung genügen, um den EC30-4 perfekt auf den Aluminium-Tiefmitteltöner abzustimmen.
In Kombination sehen wir einen ziemlich symmetrischen Übergang mit einer sauberen Addition ohne jegliche Phasenprobleme. Die schmalbandige Senke entsteht durch die Interaktion des Hochtöners mit der Schallwand, wie wir gleich sehen werden.
Messwerte
Der Aufwand mit der Facettenfront zahlt sich auch in der großen Version voll aus: Der Frequenzgang ist extrem ausgewogen und verläuft auf Achse nahezu linear. Der große Tiefmitteltöner spielt im 25-Liter-Bassreflexgehäuse tief und druckvoll bis unter die 50-Hertz-Marke hinab – im Raum geht es dann noch einmal tiefer runter. Unter Winkeln fächern die Kurven dank der tiefen Trennung bei 1.800 Hertz und der Schallwandgeometrie extrem gleichmäßig auf – der Sprung im Bündelungsmaß bei vielen Zweiwege-Konstruktionen dieser Größenordnung bleibt erfreulicherweise aus. Überhaupt findet nennenswerte Bündelung ohnehin erst oberhalb von 8 Kilohertz statt – sehr gut! Um 3 Kilohertz gibt es auf Achse eine kleine Interaktion des Hochtöners mit den umliegenden Kanten – diese ist aber schmalbandig und wird unter Winkeln „aufgefüllt“, so dass die Stelle für den Klang nicht relevant ist. Die Klirrwerte sind exzellent. Weder bei 85 noch bei kräftigen 95 Dezibel lässt sich die Grand Diamond aus der Ruhe bringen. Bis in den Bassbereich hinein bleiben auch bei der lauteren Messung beide Klirrwerte unter 1,5 % – das ist schon Standboxenformat! Das Wasserfalldiagramm ist dank der großzügigen Bedämpfung und der hervorragenden Treiber fehlerfrei. Der Impedanzverlauf bleibt unkritisch; als klassisches 4-Ohm-System sinkt das Minimum nie unter die 3,5-Ohm-Marke. Wer möchte, kann mit 56 µF und 8,2 Ohm parallel zur Gesamtbox den Impedanzverlauf im Mittelton nahezu perfekt glätten.
Bleibt noch der Vergleich zwischen der „alten“ Diamond und ihrem großen Schwestermodell – das sind die gefensterten MLS-Messungen, also bitte den Bereich unter 100 Hertz nicht beachten. Wir sehen hier eine grundsätzlich ähnliche Abstimmung mit Vorteilen bei der Grand Diamond, was den Basspegel und den Wirkungsgrad angeht. Tatsächlich reicht die kleinere Box relativ gesehen im Bass sogar etwas tiefer hinunter – das kann man aber bei der neuen Diamond leicht korrigieren, wenn man das 50-mm-Rohr durch Ergänzung auf 20 Zentimeter verlängert. Die gezeigte Abstimmung mit 12 Zentimetern Rohrlänge ist für die freie Aufstellung im Raum auf Ständern optimiert. Der Keramikhochtöner mag ein bisschen weniger gutmütig spielen als die Gewebekalotte, zeigt aber vor allem auf Achse einen deutlich breiteren Einsatzbereich weit über 20 Kilohertz hinaus.
Klang
Dass Aluminium und Keramik hervorragend harmonieren können, beweist die „Variant Grand Diamond“ ab der ersten Sekunde. Der Bass reicht zwar nicht abgrundtief und zeigt dabei auch die gewollte ganz leichte Betonung an seiner unteren Einsatzgrenze, behält dabei aber jene absolute Präzision, die man großen, harten Membranen nachsagt. Das ist kein dicker „Blubberbass“, sondern eine trockene und extrem dynamische Vorstellung, die auch mal einen beherzten Dreh am Lautstärkeregler gut verträgt. Trotz des Größenunterschieds der Treibermembranen gelingt der Übergang, der ja eigentlich fast noch im Mitteltonbereich liegt, völlig nahtlos. Stimmen und Soloinstrumente stehen greifbar im Raum, der gleichzeitig in Tiefe und Breite völlig authentisch aufgebaut wird. Im Hochton zeigt die Epique-Kalotte dann, warum Keramik im High-End-Sektor so geschätzt wird: detailverliebt, unfassbar luftig und schnell, aber niemals hart oder anstrengend. Die Box spannt einen riesigen, präzise gestaffelten Raum auf und bleibt auch bei gehobenen Pegeln vollkommen souverän.
Aufbauanleitung
Der Aufbau der Gehäuse erfolgt auf einer Seitenwand, auf der Deckel, Rückwand, Boden und die kreuzförmig ausgesägte interne Versteifung aufgeleimt werden, dann erfolgt die zweite Seitenwand. Die Schallwand verschließt die Box. Danach können die Löcher und Aussparungen für die eingefrästen Chassis und das Reflexrohr ausgeführt werden. Dann werden die Fasen links und rechts mit einem Winkel von 22,5 Grad sowie oben und unten mit 45 Grad ausgeführt. Das Gehäuse wird mit vier Matten Sonofi l bedämpft, der Weg zum Reflexrohr bleibt frei. Die Frequenzweiche findet Platz im Boden der Box. Weichenbestückung
L1: 2,0 mH Luftspule, 1,4 mm L2: 0,39 mH Luftspule, 0,7 mm C1: 18 µF MKT C2: 8,2 µF MKP R1: 3,9 Ohm MOX 10 Watt Clin: 56µF MKT oder Elko glatt Rlin: 8,2 Ohm MOX 20
Holzliste 19 mm MDF
2 x 42,0 x 31,5 cm Seitenwände 2 x 31,5 x 22,2 cm Boden/Deckel 1 x 38,2 x 22,2 cm Rückwand 1 x 25,0 x 22,2 cm Versteifung
25 mm MDF
1 x 42,0 x 26,0 cm Schallwand
Zubehör pro Box
Reflexrohr BR HP 50, auf 12cm gekürzt 4 Matten Sonofil 1 Paar Polklemmen Kabel Schrauben Dichtband
Lieferant: Variant GmbH, Marburg
Fazit
Die Wachstums-Kur hat sich gelohnt: Mit dem Sprung auf den 22er-Tiefmitteltöner und den Keramik-Hochtöner bekommen wir hochauflösenden und pegelfesten Monitor, der weit über seine Preisklasse hinaus überragend linear und dynamisch aufspielt – und auch richtig nobel aussieht!
Den Test finden Sie in der Klang+Ton 5/2026. Das Heft ist in unserem Shop als e-paper oder als Print-Ausgabe erhältlich Lust auf mehr? Entdecke unser Klang+Ton Abo!
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