Kategorie: Lautsprecherbausätze

Hornlautsprecher mit Gitarrenkoax


Wenn‘s ein bisschen lauter sein darf

Lautsprecherbausätze Lautsprechershop Strassacker Ginos Hornbox im Test, Bild 1
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Nein, das hier ist ganz sicher kein Lautsprecher fürs gepflegte Kammerkonzert mit mittelalterlichen Originalinstrumenten. Aber einer, mit dem Grinsen auf dem Gesicht der Zuhörer garantiert ist.

Konzept


Von allen erdenklichen Arten der Schallführung ist das Horn sicherlich diejenige, mit der sich die speziellsten Lautsprecher realisieren lassen: keine andere Bauform erlaubt so hohe Wirkungsgrade, mit nichts anderem lässt sich ein so lebendiges und anspringendes Klangbild erzielen. Die Kehrseite der Medaille: Wer die Vorteile des Prinzips auch im Bass genießen will, der muss mit äußerst voluminösen Konstruktionen vorlieb nehmen. Die hier gezeigte Variante stellt einen Kompromiss auf Kosten der unteren Grenzfrequenz dar, was sich in der Praxis als erstaunlich wenig tragisch herausgestellt hat. In Sachen Aufbau gehört die Box zudem zu den einfacheren Hornkonstruktionen, so dass sich auch weniger Geübte in Sachen Holz an den Nachbau trauen dürfen.

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Löten braucht man zudem kaum, weil die Frequenzweiche beim verwendeten Koaxial-Zwölfzöller schon eingebaut ist. Einen richtigen Namen hat das Projekt auch nicht, also nennen wir’s der Einffachheit halber nach dem Erbauer Felice „Gino“ Garaffo einfach „Ginos Hornbox“.  

Treiber


Den Antrieb des Back-Loaded-Horns besorgt ein ganz besonderer Vertreter der koaxialen Zunft: Es ist nämlich ein Gitarrenlautsprecher. Einer vom auch diesbezüglich bestbeleumdeten Hersteller Celestion, der auf die Typenbezeichnung F12-X200 hört. Daran sind gleich mehrere Dinge ungewöhnlich: zum einen der Umstand, dass hier überhaupt eine koaxiale Konstruktion als Gitarrenlautsprecher vermarktet wird, normalerweise sind hier nämlich Breitbänder das Mittel der Wahl. Der F12-X200 ist aber kein typischer E-Gitarren-Speaker, sondern ein bewusst linear und universell geratenes Gerät, dass den gewünschten Sound erst – gerne mit DSP-Unterstützung – in Verbindung mit seinem Verstärker entwickelt. Der Hersteller weist extra auf die besondere Breitbandigkeit der Konstruktion hin – genau sowas können wir hier gebrauchen.  

Auf der technischen Seite gibt’s beim Bass eine Freiluftresonanz von knapp 70 Hertz und eine Gesamtgüte von 0,777. Ersteres ist perfekt für einen Einsatz im Horn, zweiteres liegt eher auf der „geht trotzdem“-Seite. Dass der Antrieb endlich kräftig ist, geht auf Kosten der Zwei-Zoll-Schwingspule. Ein Äquivalentvolumen von knapp 50 Litern deutet auf eine eher stramme Einspannung der beschichteten Pappmembran hin, die bewegte Masse von 50 Gramm ist gering, das passt gut hier. Den Hochtonpart übernimmt ein kleiner von hinten in den Magneten geschraubter Druckkammertreiber, zu dem sich der Hersteller nicht weiter auslässt.  

Eine weitere Besonderheit liegt in der integrierten Frequenzweiche: Das Filter ist auf dem Magneten montiert – was eigentlich nicht die feine englische Art ist – und verschwindet normalerweise unter eine Abdeckkappe aus Kunststoff. Die allerdings muss in dieser Anwendung weichen, sonst passt das gute Stück in Sachen Tiefe nämlich nicht ins Gehäuse. Celestion verspricht einen Wirkungsgrad von 97 Dezibel, die Angabe ist etwas sportlich und dürfte nur in den Hochtonregionen zutreffen. In Sachen Fertigungsqualität macht der Treiber einen sehr guten Eindruck und steht damit in bester Tradition der berühmten „richtigen“ Celestion-Gitarrenlautsprecher.  

Gehäuse


Dieses Projekt ist das Ergebnis eines Experiments. Von daher gibt es auch kein eigens dafür entwickeltes Gehäuse, sondern einen Klassiker aus der Beschallungsecke. Wer genau das „Scoop“ für Zwölf-Zoll-Treiber erfunden hat lässt sich nicht mehr genau nachvollziehen, es gibt eine Unzahl sehr ähnlicher Varianten des Konzeptes. Diese hier stammt vom Treiberhersteller Eminence und hat sich in der Praxis sehr bewährt. Es handelt sich um ein recht schlichtes Back- Loaded-Horn mit zwei Faltungen, was den Aufwand beim Aufbau in Grenzen hält. Mit rund 85 Zentimetern Höhe, 45 Zentimetern Breite und knapp 49 Zentimetern Tiefe ist das Ganze zudem noch nicht so riesig, dass es sich nicht auch in einem Wohnzimmer unterbringen ließe. Die Zeichnung ist für eine Materialstärke von 19 Millimetern ausgelegt, bei der gebogenen Hornkehle kommt dünnes Sperrholz in der Gegend von 4 bis 6 Millimetern zum Einsatz. Die Kontur der Kurve ist in etwa ein Viertelkreis, hier kommt’s auf einen Millimeter auch nicht an.  

Relativ wichtig bei diesem Lautsprecher ist die Gehäusedämmung. Der Konstrukteur hat sich dabei ausschließlich auf die Kammer hinter dem Treiber beschränkt. Würde man im Bereich der beiden Umlenkungen noch weitere Maßnahmen treffen, ließe sich die Linearität des Ergebnisses vermutlich noch etwas verbessern, das Entscheidende passiert aber hinter dem Treiber. Auf der Wand hinter dem Treiber gibt’s zunächst ein vollflächige Lage Noppenschaum, darauf hat Gino einfach ein Kissen zur weiteren Dämmung eingesetzt. Darin ist letztlich auch nichts anders als Polyesterwatte, weshalb man auch gerne direkt Sonofil nehmen darf. Vier Lagen sollten’s schon sein, unter Umständen muss man ein wenig Platz im Bereich des Hochtonmagneten schaffen.  

Frequenzweiche


Da es hier nichts zu entwickeln gibt, verlassen wir uns vollumfänglich auf das, was Celestion dem Koaxialwandler dort anerzogen hat. Die Filterung beschränkt sich zudem nur auf den Hochtöner, der Tieftonpart des Wandlers hängt ungefiltert am Eingangssignal. Der Druckkammertreiber wird mit einem Filter zweiter Ordnung eingekoppelt, ansonsten gibt’s dort nichts Spektakuläres zu vermelden.  


Messungen


Dass eine solche Konstruktion kein Paradebeispiel für Frequenzganglinearität wird war zu erwarten, tatsächlich aber benimmt sich Ginos Hornlautsprecher erfreulich gesittet. Das Horn macht sich in erster Linie im Bereich um 100 Hertz bemerkbar, eine sinnvolle Tieftonabstrahlung macht sich aber bis rund 50 Hertz bemerkbar. Im Präsenzbereich um zwei Kilohertz haben wir des Guten etwas reichlich, die Überhöhung ist aber gering. Außerhalb der Achse geht’s in diesem Bereich pegelmäßig deutlich bergab, so dass man mit der Auftsellung sehr wirksam tonale Anpassungen vornehmen kann. Erfreulich: Der Hochtonbereich schafft die 20 Kilohertz ohne Probleme.  

Der mittlere Wirkungsgrad liegt tatsächlich bei 97 Dezibel, das ist eine Menge und schreit nach dem Einsatz von Kleinleistungsverstärkern, gerne mit Röhre. Der Impedanzschrieb verheißt unkritisches Acht-Ohm-Verhalten, über eine Linearisierung des „Höckers“ bei 2,5 Kilohertz könnte man nachdenken. Die Klirrspitze bei 200 Hertz ist in Wahrheit gar keine, hier macht sich lediglich die Pegelauslöschung durch den Hornverlauf bemerkbar. Ansonsten ist das Verzerrungsverhalten lammfromm, Auch im Wasserfalldiagramm gibt’s keine nennenswerten Probleme.  

Klang


Was legt man auf, wenn man eine Box mit Gitarrenlautsprecher betreibt? Richtig: Gitarrenmusik! Und ja, das Ergebnis dessen ist gewissermaßen Gitarre zum Quadrat. Bei mir war’s „Electric Ladyland“ von Jim Hendrix, die mir eher zufällig beim Stöbern in die Hände fiel, sich aber nachhaltig in Erinnerung brachte: Ich hätte nie gedacht, dass man mit rund zehn Röhrenwatt so abartig Krach machen kann und ich gestehe, dass ich von „Voodoo Child“ auch eine Stunde später noch ein Klingeln in den Ohren hatte (ja, richtig, das sollte man nicht öfter machen). Das geht so unfassbar direkt durch Mark und Bein, das habe ich selten erlebt. Diese Kisten schaffen Hornfeeling pur: extrem transparent, hitzig, nachdrücklich und in jeder Hinsicht umwerfend stand der Gitarrengott bei mir im Wohnzimmer. Die Platte braucht nicht viel Bass, die Werke von „Nightmares On Wax“ in vielen Fällen schon. Hier zieht sich das Horn zumindest achtbar aus der Affäre, punktet mit seinem knackigen Antritt, kann echten Tiefgang aber nur erahnen lassen – das war zu erwarten. Für’s Stimmliche durfte Stevie Nicks sorgen, als sie „Landslide“ mit ihren Kollegen von Fleetwood Mac zum Besten gab. Wenn die Lautsprecher nicht direkt aufs Ohr zielen, geht das ausgezeichnet und ohne merkliche Unregelmäßgkeiten. Hierbei fällt auf, dass die Hörner sogar zu beachtlicher Raumabbildung fähig sind. Für mich ist das auf alle Fälle ein Lautsprecher, den zu bauen sich lohnt. Und man könnt ja vielleicht noch über einen Subwoofer nachdenken, vielleicht etwas Nettes mit 18 Zoll und aufwärts…  

Aufbauanleitung


Den Aufbau erledigt man am besten auf einer liegenden Seitenwand. Zunächst werden Boden, Deckel, Rück- und Schallwand verleimt, danach sämtliche Bestandteile des Hornverlaufes. Es empfiehlt sich, das gebogene Stück Sperrholz als Letztes einzusetzen. Jenes darf man gerne mit ein paar Nageln oder Klammern fixieren, während der Leim trocknet. Ginos Lautsprecher verfügt zusätzlich noch über ein Versteifungsbrett, dass den Hornmund teilt. Das ist nicht Pflicht, kann man aber fürs gute Gewissen vorsehen. Zum Schluss wird die Box mit der zweiten Seitenwand verschlossen.   

Lautsprecherbausätze Lautsprechershop Strassacker Ginos Hornbox im Test, Bild 8
Zeichnung Bauplan

Holzliste


Material: 19 mm MDF oder Multiplex

1 x 332 x 452 mm Schallwand
1 x 816 x 452 mm Rückwand
2 x 485 x 452 mm Deckel / Boden
2 x 854 x 485 mm Seiten
1 x 242 x 452 mm Hornkontur
1 x 331 x 452 mm Hornkontur
1 x 332 x 452 mm Hornkontur
1 x 109 x 452 mm Hornkontur   


Zubehör pro Box


 0,5 Matten Noppenschaum
 2 Matten Sonofil
 Schrauben
 Terminal nach Wunsch
 Zuleitung

Fazit

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Kategorie: Lautsprecherbausätze

Produkt: Lautsprechershop Ginos Hornbox

Stückpreis: um 200 Euro

8/2022

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8/2022

Lautsprechershop Ginos Hornbox
PREIS-TIPP
Ausstattung & technische Daten 
Technische Daten
Chassishersteller : Celestion 
Vertrieb: Lautsprechershop Karlsruhe 
Internet www.lautsprechershop.de 
Konstruktion: Felice Garaffo 
Funktionsprinzip: Zwei Wege, Horn 
Bestückung: Celestion F12-X200 
Nennimpedanz (in Ohm): 8 Ohm 
Kennschalldruckpegel 2,83 V/1m: 97 dB 
B x H x T (in cm) 49/85.4/45.8 
Kosten pro Stück: ca. 200 Euro plus Gehäuse 
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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 25.08.2022, 09:54 Uhr
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