Kategorie: Phono Vorstufen

Einzeltest: van den Hul The Grail SB


Nimm zwei

Phono Vorstufen van den Hul The Grail SB im Test, Bild 1
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Dass Analog-Almeister Aalt van den Hul mit seiner Phonovorstufe “The Grail” ein ganz außergewöhnliches Statement in Sachen Phonovorverstärkung hingelegt hat, wissen wir schon seit LP 6/2010

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Tonabnehmer:


Accuphase AC-5
MFSL C3.5
Clearaudio Goldfinger


Plattenspieler:


Transrotor Fat Bob
Clearaudio Master Reference


Vorstufen:


MalValve preamp four line
Accuphase C-2810


Endverstärker:


Accuphase A-65
SymAsym


Lautsprecher:


AudioPhysic Scorpio 25
Klang + Ton „Nada“


Zubehör:


Netzversorgung von PS Audio und HMS
NF-Kabel von Transparent und Silent Wire
Phonokabel van den Hul
Lautsprecherkabel von Transparent
Plattenwaschmaschine von Clearaudio


Gegenspieler



Phonovorstufen:


MalValve preamp three phono
Burmester 100
Accuphase C-27


Ein bisschen was geht immer noch. Auch bei einem Gerät das per Typenbezeichnungs-Dekret eigentlich gar nicht mehr zu toppen sein sollte – was schließlich soll jenseits des „heiligen Grals“ noch kommen? Der superheilige Gral? Van den Hul löst das Problem pragmatisch bis gar nicht: Die neue Vorstufe heißt „The Grail SB“ und kostet rund doppelt so viel wie der akkugespeiste „einfache“ Gral: nämlich 13.000 Euro. Mathematisch macht der Deal durchaus Sinn, denn beim Neuen gibt’s in der Tat ziemlich genau doppelt so viel Material wie beim Erstling – aber auch das ist nur die halbe Wahrheit. Der Trick hinter dem „SB“ nämlich ist die Symmetrie, und zwar in ihrer denkbar lupenreinsten Form.

Phono Vorstufen van den Hul The Grail SB im Test, Bild 2Phono Vorstufen van den Hul The Grail SB im Test, Bild 3Phono Vorstufen van den Hul The Grail SB im Test, Bild 4Phono Vorstufen van den Hul The Grail SB im Test, Bild 5Phono Vorstufen van den Hul The Grail SB im Test, Bild 6
Als der holländische Analog-Vordenker seinem mit einem urwestfälischen Dickschädel ausgestatteten Konstrukteur Jürgen Ultee mit der Idee einer symmetrischen Version kam, hielt sich dessen Begeisterung zunächst erst einmal in relativ eng gesteckten Grenzen. Vollsymmetrie beim Tonabnehmeranschluss – das ist beileibe keine ganz unumstrittene Geschichte, und in vielen Fällen ist „Symmetrie“ nicht viel mehr als ein verklärtes Zauberwort, aber nicht zwangsläufig mit greifbaren Vorteilen besetzt. Bei einer Phonovorstufe scheinen die Nachteile zu überwiegen: Prinzipiell laufen zwei Verstärkerzüge in Reihe, was nicht nur die Verstärkung verdoppelt, sondern leider auch den Rauschanteil erhöht. Zudem ist eine „floatende“, also nicht einseitig an Masse angeschlossene Tonabnehmerspule eine hübsch hochohmige Antenne für Störungen aller Art. Solcherlei Probleme hat die Phonovorverstärkung nach klassischem Vorbild nicht, aber dafür profitiert sie auch nicht von den Vorteilen der Symmetrie wie dem „Auskreuzen“ von gleichermaßen auf beiden signalführenden Leitern anliegenden Störungen oder die Unempfindlichkeit gegenüber Störungen auf der Signalmasse. Das läuft in etwa auf ein Patt zwischen einer symmetrischen und einer unsymmetrischen Variante hinaus, was bei doppeltem Aufwand nun nichts ist, wonach sich der Konstrukteur alle Finger leckt. Nun wäre Aalt van den Hul aber nicht der alte Fuchs, der er nun mal ist, wenn er’s nicht ein bisschen besser wüsste. Und mit ein bisschen sanfter Überredungskunst war denn auch Jürgen Ultee dahin zu bewegen, den heiligen Gral in einer symmetrischen Variante zu bauen. Physisch manifestiert sich das Gerät in einer mächtig schweren, weitgehend schmucklosen Alukiste im klassischen 43-cm-Format. Das Standardgehäuse des „kleinen Grals“ musste einer ungleich massiveren Variante aus verschraubten Alublechen ernsteren Kalibers weichen, die beiden Bleiakkus tun ein Übriges zu den knapp 20 Kilo Gesamtgewicht. Hinzu gesellt sich das Netzteil, was aber nichts anderes ist als ein eigenes Gehäuse für den Trafo, mit dem die Akkuladeschaltung mit Strom versorgt wird. Ein rückwärtiger Kippschalter schaltet zwischen Spiel- und Ladebetrieb um, eine kleine rote Leuchtdiode quittiert das Laden der Akkus mit wenig, den Verstärkerbetrieb mit deutlich gesteigerter Leuchtkraft. Da man an besagten Schalter logischerweise öfter heranmuss, wäre dessen Platzierung an einer griffgünstigeren Stelle sicherlich kein Fehler gewesen. Das Anschlussfeld der „SB“ weist sechs XLR- und sechs Cinchbuchsen aus. Jeweils vier sind Eingänge (MM oder MC, symmetrisch oder unsymmetrisch), je zwei sind Ausgänge. Wie schon beim kleineren Modell werden MC- und MM-Tonabnehmer separat „behandelt“: Der MC-Betrieb erfordert eine zusätzliche, ganz spezielle Verstärkerstufe, für MMs geht’s etwas konventioneller zu. Wer jetzt meint, er könne aus seinem unsymmetrischen Tonabnehmer ausgangsseitig der SB symmetrische Signale für seine Vorstufe abgreifen, der irrt: Die van-den- Hul-Vorstufe verfügt über keinerlei Möglichkeiten zur Symmetrierung asymmetrischer oder zur Desymmetrierung symmetrischer Eingangssignale. Einfach gesagt: Wenn’s symmetrisch reingeht, dann muss man’s auch so weiterverarbeiten, bei unsymmetrischem Tonabnehmeranschluss bleibt der XLR-Anschluss stumm. Damit wird ein Knackpunkt an der Symmetrie – das erwähnte Auskreuzen sogenannter „Gleichtaktstörungen“ – an die nachfolgende Stufe, also die (symmetrische) Hochpegelvorstufe delegiert – was laut Jürgen Ultee ein Vorteil ist: Seine zwei Verstärkerzüge pro Kanal agieren komplett unabhängig voneinander. Das ist so weit plausibel, funktioniert aber nur so lange gut, wie die beiden Verstärkerzüge wirklich gleich arbeiten, und das ist kein ganz kleines Problem: An vielen Stellen sitzen daher passive Bauteile mit einer Toleranz von lediglich 0,1 Prozent vom Normwert auf der großen schwarzen Platine. Das betrifft auch die vier Drosseln pro Kanal, denen eine entscheidende Bedeutung zukommt: Die bilden nämlich das Herz des Entzerrernetzwerks, das komplett ohne Kondensatoren auskommt. Beim „The Grail“ machen den Job nur Spulen und Widerstände, was einen deutlich niederohmigeren Aufbau und damit merklich weniger Rauschen gestattet. Dummerweise müssen aber auch die handgewickelten Drosseln aufs Zehntelprozent gleich sein, was in der Praxis nicht ganz einfach hinzubekommen ist. Ein spezielles Konstruktionsdetail des MC-Eingangs hat’s mit in die symmetrische Variante geschafft: der sogenannte Trans-impedanz-Eingang. Das ist das, was öfter mal als „selbstanpassender“ Eingang beschrieben wird – was aber nur bedingt stimmt. Der Trick besteht darin, dass der Tonabnehmer praktisch auf einen Kurzschluss am Verstärkereingang arbeitet und der Strom, den er dabei liefert, als Signal ausgewertet wird. Das geht umso besser, je niederohmiger ein Tonabnehmer ist – de facto bleibt diese Betriebsart klassischen MC-Abtastern vorbehalten. Die Anpassung seiner Eingangsschaltung an die symmetrischen Verhältnisse war eine der ganz wenigen Modifikationen, die Jürgen Ultee seiner Schaltung angedeihen lassen musste – die eigens für ihn angefertigten Verstärkerchips (kein Marketing-Blabla – es gibt tatsächlich Halbleiterhersteller, die das auch bei relativ geringen Stückzahlen in finanziell vertretbarem Rahmen machen) dürfen auch in der SB in der ersten Reihe sitzen. Tatsächlich glaube ich nicht, dass jemand so viel Geld für eine Phonovorstufe ausgibt, um dann unsymmetrisch einen MM-Abtaster anzuschließen. Und deshalb hab auch ich mir dieses Experiment einfach gespart. Wer solcherlei Besteck einsetzt, der fährt ein großes MC und verfügt über eine Kabelage, die den symmetrischen Betrieb erlaubt. Haben wir getan und gleich MalValves preamp four line hintendrangestöpselt, der dank eingangsseitiger Übertragerkopplung dafür prädestiniert ist, mit den Ausgangssignalen der „The Grail SB“ fertigzuwerden. Und der außerdem so wenig rauscht, dass kein Dezibelchen des zu erwartenden Fremdspannungsabstandes der Phonovorstufe untergepflügt wird. Das funktioniert, mit Verlaub, absolut herausragend. Da kann man ganz prima der Versuchung erliegen und jede Menge audiophiles Plattengedöns mit möglichst niedrigem Rauschpegel und maximaler Dynamik auf den Teller legen – hier bieten sich zum Beispiel die in dieser Hinsicht exzellenten DMM-Master von Pauler Acoustics an – und jedem, der es wissen will, höchst eindrucksvoll demonstrieren, dass die Platte durchaus nicht das Medium ist, das knackst und rauscht. Wenn man will, kann man so eine absolut gespenstische Durchhörbarkeit und eine unglaubliche Dreidimensionalität erzeugen – das ist mit das Spektakulärste, was ich je von Platte gehört habe. Nun ist spektakulär zwar nett, um anerkennendes Kopfnicken vom unvorbelasteten Nachbarn zu bekommen, aber sicher nicht das, was beim Musikhören dauerhaft glücklich macht. Die Tränen kullern bei mir allerdings erst bei meiner momentanen Referenz für so ziemlich alles – Nina Simones „Live at Carnegie Hall“, die nun wiederum gar nicht rauscharm ist. Hier allerdings ist „The Grail SB“ in ihrem Element: Was die Maschine an Details aus dem Rauschteppich fischt, ist ungeheuer und sitzt so perfekt akzentuiert und inhaltsschwanger auf dem Punkt, dass einem die wohligen Schauer im Sekundentakt den Rücken hinunterlaufen. Die Tendenz ist die gleiche wie schon bei der unsymmetrischen „The Grail“ – aber das hier, das ist in Sachen Detailreichtum und Exaktheit nochmal eine andere Liga. Zumindest in diesem Falle ist die fast präzise Verdopplung des Schaltungsaufwandes ein eindeutiger Schritt in die richtige Richtung – hätte ich genauso wenig gedacht wie du, lieber Jürgen. 

Gemessenes:


Transimpedanzeingängen ist mit gängigem Messequipment schwierig beizukommen – deshalb verzichten wir an dieser Stelle auf Messungen und reichen noch die einstellbaren Verstärkungsfaktoren nach: Das Gerät verstärkt über die MM-Eingänge mit 33, 41 oder 50 Dezibel, im MC-Betrieb um 56, 64 oder 73 Dezibel. Das reicht auch für sehr leise Abtaster, für die sich das Gerät dank seiner extremen Rauscharmut ohnehin bestens eignet.

Fazit

Manchmal ist mehr … einfach mehr. Wie hier. Die symmetrische Version von van den Huls „The Grail“ spielt unvergleichlich detailliert, nuanciert, präzise und selbstverständlich.

Preis: um 13000 Euro

van den Hul The Grail SB

11/2011 - Holger Barske

 
Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Audio reference, Hamburg 
Telefon 040 53320359 
Internet www.audio-reference.de 
Garantie (in Jahren)
B x H x T (in mm) 450/100/335 
Gewicht (in Kg) 19,5 
Unterm Strich... » Manchmal ist mehr … einfach mehr. Wie hier. Die symmetrische Version von van den Huls „The Grail“ spielt unvergleichlich detailliert, nuanciert, präzise und selbstverständlich. 
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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 15.11.2011, 14:20 Uhr
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Topthema: Philips 65OLED936
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