Kategorie: CD-Player

Einzeltest: Electrocompaniet ECC-1


Eisbrecher

CD-Player Electrocompaniet ECC-1 im Test, Bild 1
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Obschon Electrocompaniet eigentlich als Verstärkerspezialist gilt, listet der aktuelle Produktkatalog gleich sechs Digitalgeräte. Der CD-Player ECC-1 ist der jüngste Spross des norwegischen Herstellers und bekam große Schuhe vor die Tür gestellt

Das liegt daran, dass es bei Electrocompaniet ein echtes Player- Highlight gibt, und das schon seit etlichen Jahren: den EMC-1, respektive EMC-1 UP, wie die aktuelle Version heißt. Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als der norwegische Toplader mit dem Audionet ART und dem Lindemann CD-1 um die Krone der Gerade-noch-irgendwie-bezahlbar- Player stritt; da hatte jede Maschine leidenschaftliche Verfechter, und die Diskussion wurde mitunter, sagen wir mal, sehr emotional geführt. Seitdem ist viel passiert bei Electrocompaniet, und vor einiger Zeit haben sich auch die Besitzverhältnisse an dem Unternehmen gründlich geändert; in diesem Zusammenhang schied auch Per Abrahamsen aus, der die Firma 1972 gegründet und lange Jahre in der Erfolgsspur gehalten hatte.

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Der ECC-1 nun ist das aktuelle Sonderangebot von Electrocompaniet in Sachen CD-Player, zumindest in der „Classic Line“. Er kostet mit 2.600 Euro nämlich nur rund halb so viel wie der EMC-1 UP, kommt aber ähnlich martialisch rüber wie der Toplader: neun Kilo Lebendgewicht, transparente, schwarz hinterlegte Zehn-Millimeter- Acrylfront und das für die Baureihe typische güldene Taster-Quartett rechts auf der Front. Letzteres zeigt übrigens deutlich, dass auch Männer ab und zu mal in eine Bedienungsanleitung gucken sollten; ich war tagelang davon überzeugt, dass man die Schublade des Gerätes nur mit der Fernbedienung aufbekommt. Das ist natürlich Blödsinn, aber wer kommt schon darauf, dass man dazu die „Navigator“- Taste ein paar Sekunden lang drücken muss? Auch wenn der frontale Schriftzug das Gerät als „High Performance Balanced Compact Disc Player“ ausweist -so ganz stimmt das nicht: Im ECC-1 schlägt nämlich ein DVD-Herz, und deshalb ließe sich angeblich sogar eine MP3-DVD abspielen, in Ermangelung einer solchen konnte ich das aber leider nicht überprüfen. Ehrlich gesagt wusste ich bis dato nicht, dass es ein solches Format überhaupt gibt. Das Großserien-Philips-Laufwerk benimmt sich in Sachen Anfassqualität sehr gesittet: Die Lade gleitet verhältnismäßig sanft und ruhig in Richtung Bediener und zurück. Daran dürfte die massive Aufhängung des Laufwerks nicht unschuldig sein: Es ist über eine zusätzliche, bedämpfte Metallplatte mit dem Gehäuseboden verschraubt, und auch der ist, wie die anderen Gehäuseteile, schon nicht ohne: Ich schätze mal zwei Millimeter dickes, schwarz gepulvertes Stahlblech schaff t eine ordentliche Trutzburg rund ums Interieur. Und da das Kabinett auch von den Abmessungen her zum Rest der Classic Line passen sollte, blieb beim ECC-1 im Inneren noch etwas Luft. Die kann man, wie hier geschehen, vortrefflich dazu nutzen, die „bösen“ Baugruppen und -teile aus dem unmittelbaren Umfeld der störstrahlungsmäßig empfindlicheren Abteilungen zu entfernen; gerade bei so potenten Ringkernumspannern wie hier einer zum Einsatz kommt, kann das keinesfalls schaden. Darüber wird sich zum Beispiel die Laufwerkssteuerplatine freuen; die ist nämlich aus gutem Grund auf der anderen Seite des zentral angeordneten Laufwerks platziert. Während jene mit dem Laufwerk zugekauft wird, ist die Signalverarbeitungsplatine norwegisches Gedankengut. Die beiden entscheidenden Chips heißen CS4398 und SRC4193. Ersterer kommt von Crystal und stellt einen 24-Bit-/192- Kilohertz-D/AWandler dar; nicht der letzte Schrei in Sachen Wandlertechnik, aber ein seit Jahren bewährtes Schlachtross der Gattung. Der zweite Vielbeiner kommt von Texas Instruments und ist ein „Asynchroner Sample Rate Converter“. Kurz gesagt: Das Ding macht mit den Digitaldaten das, was heutzutage üblicherweise als „Upsampling“ tituliert wird. In welche zahlenmäßigen Höhen der Upsampler das angelieferte Datenmaterial schraubt, bevor es zum Wandler darf, ist nicht bekannt; jedenfalls sorgt das „asynchron“ in der Funktionsbeschreibung des Chips für eine recht effektive Jitterunterdrückung bei den vom Laufwerk angelieferten Daten, und das ist immer eine gute Idee. Die beiden Chips verschwinden fast im Vergleich zu den volldiskreten Ausgangsstufen, die die Norweger dem ECC-1 gönnten; und das, obwohl auch sie aus Fliegendreck - sprich: SMDBauteilen - aufgebaut sind. Natürlich in Class-A-Einstellung und off ensichtlich keinem der beliebten Ultrasimpel- Ansätze folgend, bedienen sie sowohl Cinch- als auch XLR-Anschlüsse; Sie erinnern sich: Symmetrie ist das Gebot der Stunde. Übrigens konsequent, direkt ab Wandlerchip. Dann hätten wir noch eine Netzteilplatine mit jeder Menge Gleichrichter-, Siebungs- und Stabilisierungsgedöns, auch das macht einen sehr vertrauenerweckenden Eindruck, so dass wir den Deckel beruhigt wieder draufschrauben können. Nun gibt es Geräte, denen ist es weitgehend egal, ob sie symmetrisch oder unsymmetrisch angeschlossen werden. Der ECC-1 ist keines davon. Wir dürfen das sagen, denn unsere MalValve- Röhrenvorstufe hat Trafos im Eingang, und deshalb klingt sie symmetrisch wie unsymmetrisch absolut gleich. Der ECC-1 nicht - er gewinnt bei XLRAbnahme deutlich an Dynamik, Kraft und Attacke. Ich jedenfalls möchte das nicht missen, denn meiner Meinung nach tut das dem relativ sanften und unauffälligen Charakter des Gerätes ziemlich gut. Das Experiment, dem Gerät mit dem zugegebenermaßen ziemlich dynamikfreien jüngsten Metallica-Album „Death Magnetic“sinnvolle Töne zu entlocken schlug ziemlich fehl; aber da befindet sich der Norweger in guter Gesellschaft. Die erheblich besser klingende Guitar Hero-Version des Albums - die es eigentlich gar nicht gibt und die ich deshalb auch eigentlich gar nicht habe - wusste schon drastisch besser zu gefallen, offenbarte aber bereits, dass ein knüppeltrockener Bass nicht die Tugend ist, mit der der ECC-1 in die Geschichte eingehen wird. Legen wir mal das so ziemlich exakte Gegenteil auf: Cassandra Wilsons Klassiker „Blue Light Til Dawn“ aus dem Jahre 1993. Und siehste, mit sowas macht die Kiste Laune: Der Electrocompaniet gibt dem extrem anspruchsvollen Organ von Miss Wilson die nötige Leine, damit es nicht unterbelichtet klingt, kippt aber niemals in Richtung unangenehm. Das passiert übrigens ganz leicht bei dieser Scheibe, und dann werden aus Leuten, die mit Jazz nur bedingt etwas anfangen können ganz schnelle solche, die Jazz nicht mögen. Passiert hier nicht, die Scheibe ist mit dem Electrocompaniet ein Genuss. Er zeichnet farbig, mit Ausdruck, aber immer auf der disziplinierten Seite. Was wäre ich geneigt, ihm das Etikett „warm“ anzuheften, aber das stimmt nicht: Zwar brummelt er unten herum durchaus mit einem Schuss Extra-Grundton durchs Geschehen, aber im Hochton geht’s viel zu klar und aufgeräumt zur Sache, um das zu rechtfertigen. Räume zeichnet er mit dem highendigen Pinsel. Will sagen: Das Geschehen baut sehr tief und gut sortiert, verzichtet in Sachen Breite und Instrumentengröße weitgehend auf Übertreibungen. Das unterstützt den ruhigen, edlen, fast ein bisschen röhrentypisch wirkenden Klang noch zusätzlich. Schöner Player, zumindest dann, wenn Sie kein ausgemachter Rockhörer sind und mit Ihrer Anlage in erster Linie entspannt Musik hören wollen. Wenn Sie von Ihrer Musik hauptsächlich verprügelt werden wollen, dann sollten wir vermutlich mal nach einem anderen Gerät für Sie umsehen.

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Fazit

„Ein wunderbares Gerät für Klangästheten, tönt völlig anders als der rustikale Charme der Konstruktion vermuten lassen würde: leicht betonter Grundton, durchsichtige Höhen, hervorragende Raumabbildung“

Preis: um 2600 Euro

CD-Player

Electrocompaniet ECC-1

Spitzenklasse


11/2009 - Holger Barske

 
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Autor Holger Barske
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Datum 20.11.2009, 09:11 Uhr
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