Kategorie: Endstufen

Einzeltest: HiFi-Akademie PowerAmp P6s


... Kontrolle ist besser

Endstufen HiFi-Akademie PowerAmp P6s im Test, Bild 1
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Es kann unendlich viele Gründe geben, warum sich etwas verzögert. Die Tatsache, dass man etwas noch verbessern kann, gehört da sicher zu den angenehmeren Varianten

Bei der Firma HiFi Akademie gibt es immer wieder spannende Neuheiten zu entdecken. Vielseitige Vollverstärker, kompakte Phonomodule, präzise DACs und clevere Streaminglösungen finden regelmäßig ihren Weg aus dem badenwürttembergischen Leimen zu Händlern, zu Nutzern und in unsere Redaktion. Dazu gehörte Anfang des Jahres 2018 auch der HiFi Akademie Stream 5, ein kompakter Musikserver mit passendem Digital-Analog- Konverter und einer Vorstufe. Für Fans der analogen Musikwiedergabe ist das vielseitige Gerät zwar trotz seiner vielen spannenden Funktionen weniger interessant, doch die passende Endstufe sollte es natürlich auch geben. Doch während der Server bereits die besprochenen Reisen auf sich nahm, erforderte das zugehörige Kraftwerk noch etwas Geduld.
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Erst, als es bereits auf den Sommer zuging, war auch die Endstufe fertig und nun hat es auch ein Exemplar in unsere Testräume geschafft. Verzögerungen solcher Art sind in praktisch jeder Industrie normal, denn heute kann schon eine kleine Unvorhersehbarkeit zu Terminproblemen führen. Was bei der HiFi Akademie allerdings die Wartezeit verursachte, war der eigene Anspruch. Mit der reinen Entwicklung von Verstärkern kennt man sich natürlich aus, doch es waren Feinheiten, die optimiert werden sollten, um hier alles richtig zu machen. Ein zu begrüßender Ansatz, der die leicht längere Wartezeit sicher entschuldigt. Nun ist sie also da, die Endstufe, die den Namen PowerAmp P6s verliehen bekam. Warum aber nennt sich das Gerät P6s, wenn es doch mit dem Stream 5 harmonieren soll? Weil das Schaltungsdesign vom großen PowerAmp P6 inspiriert wurde und man für die kompakte Variante nun einige Anpassungen vornahm. Gerade bei der Auswahl der Bauteile wurde hier viel Zeit investiert, um messtechnisch irrelevante Komponenten auf klangliche Unterschiede zu überprüfen und so die richtige Auswahl zu treffen. Schon beim Auspacken bemerkt man die Ähnlichkeiten zur Servervorstufe, denn beide kommen in einem fast schon identischen Gehäuse unter. Knappe 30 Zentimeter breit und 23 Zentimeter tief, bietet die Endstufe prinzipiell die gleichen Abmessungen, die sich irgendwo zwischen Halb- und Vollformat bewegen. Bodenplatte und Deckel sind aus massivem, gebürstetem Aluminium gefertigt, während zwischen den beiden acht Millimeter starken Gehäusehälften ein etwas dünneres Band in Schwarz die Endstufe umrundet. Eher dezent, aber durchaus nett anzusehen, wirkt die P6s gerade durch die überall abgerundeten Kanten ein wenig kleiner, als sie eigentlich ist. Außer dem eingefrästen Firmenlogo auf der Oberseite hielt man sich bei der HiFi Akademie mit Designspielereien zurück. So wirkt die Statusleuchte im i-Punkt des Schriftzuges beinahe schon ein wenig verspielt. Neben der minimalistischen Optik sorgt das Aluminiumgehäuse außerdem für den thermischen Ausgleich. Da die P6s ohne Lüfter arbeitet, wird die Endstufe passiv gekühlt. Die Feldeffekttransistoren, mit denen die eigentliche Leistung generiert wird, sind dafür direkt mit dem Gehäuse verbunden, um die entstehende Wärme nach außen abzuleiten. Zusätzlich dazu sind im Boden des PowerAmp einige Löcher, die in Kombination mit sehr dünnen Schlitzen an der Rückseite für eine bessere Luftzirkulation sorgen. Natürlich steigt bei der Arbeit die Temperatur dennoch ein wenig über die Umgebungstemperatur an, doch selbst nach einiger Zeit in durchaus forderndem Betrieb reichte sie gerade mal aus, um sich die Hände ein wenig zu wärmen. Angst vor dem Anfassen muss man also zu keiner Zeit haben. Auch bei den Anschlüssen hat man sich am Stream 5 orientiert und bietet symmetrische und unsymmetrische Eingänge gleichermaßen. Zwischen den beiden Input-Paaren sitzt ein kleiner Schalter, mit dem man nach Bedarf auf den gewünschten Eingang umschalten kann. Mittig dient die schmale Rückseite des Gerätes dem Anschluss der gewählten Lautsprecher. Angenehm fest sitzende, vergoldete Klemmen lassen alle Anschlussarten zu, von Steckern, über Kabelschuhe hin zu losen Kabellitzen. Hier liegen dann knapp 200 Watt Leistung für Lautsprecher mit vier Ohm Impedanz an. Bei Schallwandlern mit acht Ohm liefert HiFi Akademies kompakte Endstufe immer noch etwa 140 Watt, bevor der Klirr den Grenzwert überschreitet. Dazu lässt es die clevere P6s aber normalerweise gar nicht erst kommen, denn die Endstufe wurde von ihrem Entwickler mit einer Soft-Clipping-Funktion ausgestattet, die das Übersteuern verhindert. Wer dennoch der Versuchung erliegt, es übertreiben zu wollen, wird von den verschiedenen Schutzfunktionen des Gerätes im Zaum gehalten, die die Endstufe bei dauerhaft zu hoher Belastung abschalten. Dabei geht die P6s allerdings mit gutem Augenmaß vor, sodass Impulsspitzen bei sehr dynamischer Musik problemlos möglich sind und kurzzeitig sogar höhere Leistungen zur Verfügung stehen können. Die Energie dafür bezieht der PowerAmp aus einem Schaltnetzteil, das gewählt wurde, da bei der recht geringen Bauhöhe der Endstufe sonst zu wenig Leistung zur Verfügung stehen würde. Zur Stabilisierung werden als Ausgleich Kondensatoren mit besonders hoher Kapazität verwendet. Letztlich verfügt die P6s dann noch über eine passende Filterspule, die auf die Schaltfrequenz abgestimmt sind, um einzig das Audiosignal selbst an die Ausgänge zu leiten. Die Endstufe arbeitet mit einer Class-D-Schaltung, die auf zwei Feedback- Loops zurückgreift. So kommt die P6s ohne Taktgeber aus, da die Schwingung über das Feedback generiert wird. Dabei wird das Signal erst hinter dem Ausgangsfilter abgegriffen, um so noch bessere Linearität zu bieten. Auch auf möglichst kurze Signalwege wurde geachtet, ebenso wie auf eine gute Abschirmung der Elektronik, wofür der Großteil der Endstufe in SMDTechnik aufgebaut wurde. Bei der HiFi Akademie möchte man den Einfluss externer Faktoren eben gerne minimieren, um stets die Kontrolle über das Geschehen zu behalten. Das zeigt sich besonders deutlich im Spiel des PowerAmp P6s. Die Endstufe scheint stets wachsam das Geschehen zu beobachten und sich mit ihren Vorstellungen durchzusetzen. Zu jeder Zeit bewahrte die P6s die Kontrolle über die Lautsprecher, vermied es aber gleichzeitig, zu streng zu wirken. Im Bassbereich lieferte sie wunderbaren Druck mit kernigen Impulsen. Anschließend forderte sie den Tiefton dann aber auch zum Verschwinden auf, sodass ein langes Stehen im Raum vermieden wurde und stattdessen eine gute Definition vorherrschte. Generell bot die P6s eine hohes Maß an Präzision, lieferte immer wieder knackigen Sound, ohne dabei zu ungestüm zu agieren. Das führte zu einem interessanten Mix aus toller Dynamik – auch im Feinen – und einer gewissen Geschmeidigkeit. Percussion-Instrumente wurden auf den Punkt und sehr griffig ausgegeben. Gleichzeitig rundete die Endstufe die eine oder andere Härte gut ab, ohne dass der nötige Biss verloren ging. Sehr ausgeglichen und angenehm linear wirkte der Sound, der sowohl für wirre Gitarrenstürme als auch für feinfühligen Jazz oder große Orchester den richtigen Punkt trifft. Gerade für den Stream 5 ist die P6s eine hervorragende Ergänzung, um den dynamischen, aber oft zu klinisch wirkenden Digitalkomponenten mit analogen Qualitäten auszuhelfen, ohne das Ergebnis zu sehr zu verwässern. Aber auch in der Kombination mit anderen Quellen und Vorverstärkern ist der präzise und gleichzeitig fließende Sound des PowerAmp eine Bereicherung. Das Selektieren, Vergleichen und Probehören hat sich also gelohnt, und wer schon sehnlichst auf die neue Endstufe gewartet hat, wird seine Geduld keineswegs bereuen. Bei der HiFi Akademie wollte man eben nichts dem Zufall überlassen.



Messtechnik-Kommentar:

Trotz der kompakten Bauweise liefert die P6s sehr gute Leistungswerte. 214 Watt an vier Ohm und 140 an acht lieferte der PowerAmp mit durchgehend sehr geringen Klirrwerten. Auch der Rauschabstand ist mit -82 dB wunderbar, ebenso wie die Kanaltrennung. Mit knapp 17 Watt im Standby gibt sich die Endstufe außerdem recht genügsam, was den Stromverbrauch angeht.

Fazit

Der PowerAmp P6s bietet das, was eine kompakte, moderne Endstufe braucht. Die Leistung wurde gut dimensioniert und es wird ein hohes Maß an Präzision und Kontrolle geboten. Detailreich, dynamisch und gleichzeitig mit einer angenehmen Wärme ist die Endstufe eine gute Ergänzung für Systeme der HiFi Akademie und Geräten anderer Hersteller gleichermaßen.

Preis: um 1250 Euro

Endstufen

HiFi-Akademie PowerAmp P6s


03/2019 - Philipp Schneckenburger

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb HiFi Akademie, Leimen 
Internet www.hifiakademie.de 
Garantie 2 Jahre 
B x H x T (in mm) 300/67/230 
Gewicht (in Kg) 3,8 kg 
Unterm Strich... Der PowerAmp P6s bietet das, was eine kompakte, moderne Endstufe braucht. Die Leistung wurde gut dimensioniert und es wird ein hohes Maß an Präzision und Kontrolle geboten. Detailreich, dynamisch und gleichzeitig mit einer angenehmen Wärme ist die Endstufe eine gute Ergänzung für Systeme der HiFi Akademie und Geräten anderer Hersteller gleichermaßen. 
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Autor Philipp Schneckenburger
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Datum 02.03.2019, 09:54 Uhr
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