Kategorie: Endstufen

Einzeltest: Röhrenschmiede Solo


Paarlaufen

Endstufen Röhrenschmiede Solo im Test, Bild 1
19334

Röhrenverstärker aus aktueller Manufakturfertigung in Deutschland müssen kein Vermögen kosten, wenn sie aus Andreas Klugs Krefelder Röhrenschmiede kommen. Und dann sehen sie ganz nebenbei noch richtig nach Röhre aus und klingen einfach himmlisch

Die ersten Modelle aus der Krefelder Röhrenschmiede haben mich anlässlich eines Tests nachhaltig beeindruckt: Die Vorstufe Comet und die Stereoendstufe Rocket zeigten mit ihrem klassischen Röhrenverstärker-Design, ihrer guten Ausstattung und nicht zuletzt ihrem sehr guten Klang, dass es auch heute noch vorzügliche Geräte aus Deutschland zu einem fairen Preis gibt. Okay, über das Pultdesign hatte ich mich zu seiner Zeit noch etwas mokiert, finde aber inzwischen, dass das im Jahr 2020 eine Nische ist, die gerne nach wie vor besetzt werden darf. Andreas Klug von der Krefelder Röhrenschmiede hat jetzt nachgelegt und uns ein Pärchen seiner neuen Endstufen „Solo“ zum Test überlassen, dankenswerter weise wieder zusammen mit der exquisiten Vorstufe Comet, die auch noch über ein Phonoteil verfügt.

Endstufen Röhrenschmiede Solo im Test, Bild 2Endstufen Röhrenschmiede Solo im Test, Bild 3Endstufen Röhrenschmiede Solo im Test, Bild 4Endstufen Röhrenschmiede Solo im Test, Bild 5Endstufen Röhrenschmiede Solo im Test, Bild 6Endstufen Röhrenschmiede Solo im Test, Bild 7Endstufen Röhrenschmiede Solo im Test, Bild 8Endstufen Röhrenschmiede Solo im Test, Bild 9Endstufen Röhrenschmiede Solo im Test, Bild 10Endstufen Röhrenschmiede Solo im Test, Bild 11
Ich erlaube mir daher, noch einmal ein paar Worte aus dem früheren Test zur Vorstufe zu zitieren. Wie die Endstufen kommt der Vorverstärker in verchromtem Stahl daher, der Standard bei der Röhrenschmiede ist. Wegen der Manufakturfertigung gibt es aber die Möglichkeit, alle erdenklichen Oberflächen zu bekommen: Vergoldung oder Verkupferung sind möglich, Letztere ist besonders interessant, wenn man die Geräte nach und nach Patina ansetzen lassen möchte. Im Inneren des Comet geht es ebenfalls sehr aufgeräumt zu: Die einzelnen Arbeitsbereiche sind kanalgetrennt auf Platinen untergebracht, das Ganze ist sauber aufgebaut und mit sehr guten Bauteilequalitäten ausgestattet. Was uns besonders freut: Es gibt eine Phonosektion in Röhrentechnik, die vor der eigentlichen Linestufe arbeitet. Beide dieser Sektionen arbeiten mit ECC83-Röhren. Und dann gibt es da noch eine Abteilung, auf die der Erbauer besonders stolz ist: Einen Kopf hörerverstärker, ebenfalls in Röhrentechnik, der in der Lage ist, Wandler in einem sehr weiten Impedanzbereich zu treiben. Die Solos könnte man jetzt ganz gut als zwei halbe Rockets mit einem eigenen Netzteil abtun, aber damit wird man den schlanken Monoblöcken nicht gerecht. „Block“ ist hier übrigens das komplett falsche Wort: Gerade, wenn man den (vorgeschriebenen) Schutzkäfig über den Röhren entfernt, macht die Endstufe einen eleganten und schlanken Eindruck. Das stabile Gehäuse ruht auf massiven Füßen aus gedrehtem Messing. Die einzelnen Baugruppen sind vom Gehäuse über Silentblöcke entkoppelt, was übrigens das Röhrenstecken zu einem Geduldsspiel macht. Aber das soll keine Kritik sein, bedeutet es doch auch, dass die Keramiksockel mit ihren vergoldeten Kontakten den Röhren sicheren Halt und saubere elektrische Übergänge bieten. Im Inneren der Solos gibt es einen übersichtlichen Schaltungsaufbau mit getrennten Platinen für die Netzteil- und die Audioschaltung. Röhrenpuristen mögen nun das Fehlen eines frei verdrahteten Layouts beweinen – mir persönlich gefällt eine Lösung wie die von Andreas Klug gewählte (no pun intended!) deutlich besser, sorgt sie doch für Übersichtlichkeit und im Fall der Fälle auch für Servicefreundlichkeit. Die Bauteile sind vernünftig dimensioniert, wobei die Siebkapazität und die Stromlieferfähigkeit des Trafos bei der Solo größer sind als bei der Rocket auf einem Kanal. Ansonsten sind die Geräte der Rocket recht ähnlich, man benutzt die gleichen 14-fach verschachtelten Ausgangsübertrager, die für eine enorm hohe Breitbandigkeit des verstärkten Signals sorgen. Dazu kommt eine ausgesuchte Qualität bei den verwendeten Bauteilen – nichts extravagant Teures, nur um des Renommees willen, sondern an den entscheidenden Stellen genau das Richtige. Und so spielen die Solos auch im Hörtest. Ich konnte die Geräte an verschiedenen Lautsprechern probieren, die laut Datenblatt gar nicht mal so viel Wirkungsgrad haben, aber mit ihren leichten Papiermembranen und einem linearen Impedanzverlauf geradezu prädestiniert für Röhren sind. Zunächst an der sehr neutralen Vorstufensektion des Cambridge Audio Edge A, später am hausinternen Kollegen Comet zeigten die Solo-Monoendstufen, wie charmant und leichtfüßig sie mit Musik umgehen können. Das hat nicht die klare und scharfe Definition eines Transistorverstärkers, sondern die scheinbar etwas weicher gezeichneten, schlüssig ineinander übergehenden musikalischen Fließbewegungen eines sehr guten Röhrenverstärkers. Also alles richtig gemacht. Im Tieftonbereich reicht die Leistung der Solos locker aus, auch einmal ordentlich zuzupacken und große Trommeln oder elektronische Bässe mit ihren dynamikreichen Impulsen akkurat wiederzugeben, während es im Mitteltonbereich „röhriger“ zugeht: Herrliche Klangfarben und ein offenes Obertonverhalten addieren zum reinen Signal jenen Hauch Schönklang, der den Reiz dieser Art Verstärker seit nunmehr einem Jahrhundert ausmacht. Mit der eigenen Vorstufe wird das Ganze noch einmal etwas schlüssiger und wirkt in seiner Gesamtheit noch musikalischer, einheitlicher. Und auch bei der räumlichen Abbildung bleiben sich die Solos treu: Weite und Tiefe der abgebildeten Bühne sind großzügig definiert, die Positionen der Instrumente und Stimmen klar festgelegt – und dazu hat man beim Hören immer den Eindruck der Homogenität eines Ensembles oder einer Band, bei der das Zusammenspiel noch über der differenzierten Betrachtung der einzelnen Mitspieler steht. Das ist jetzt beileibe nicht die altehrwürdige „Röhrenheimeligkeit“ eines Singleended-Verstärkers mit zweistelligen Klirrwerten und einer Leistung, die Lautsprecher mit einem Wirkungsgrad jenseits der 100 dB erfordert. Nein, die Solos aus der Röhrenschmiede sind durch und durch moderne Verstärker, nur eben mit einer „alten“ Bauart, die universell einsetzbar sind und der rein neutralen Signalwiedergabe eben noch jenes gewisse Flair geben, das den Genuss der Musik erst so schön macht.

Fazit

Die Solo-Endstufen der Röhrenschmiede sind eine willkommene Ergänzung der kleinen, aber feinen Familie von Röhrenverstärkern aus der Krefelder Manufaktur.

Preis: um 2990 Euro

Endstufen

Röhrenschmiede Solo


03/2020 - Thomas Schmidt

Ausstattung & technische Daten 
Stückpreis ab 2.990 Euro, 3.440 Euro (Testgerät in bicolor) 
Vertrieb Röhrenschmiede, Krefeld 
Telefon 02151 4537341 
E-Mail info@roehrenschmiede.de 
Internet www.roehrenschmiede.de 
B x H x T (in mm) 250/130/330 
Gewicht (in Kg) 9,1 kg 
Ausführungen Stahl verchromt, andere Finishes auf Kundenwunsch 
Unterm Strich... Die Solo-Endstufen der Röhrenschmiede sind eine willkommene Ergänzung der kleinen, aber feinen Familie von Röhrenverstärkern aus der Krefelder Manufaktur. 
Neu im Shop

ePaper Jahres-Archive, z.B. Hifi Test

>> mehr erfahren
Thomas Schmidt
Autor Thomas Schmidt
Kontakt E-Mail
Datum 23.03.2020, 09:58 Uhr
324_21181_2
Topthema: Philips 65OLED936
Philips_65OLED936_1640176466.jpg
Preisgekrönte OLED-TVs

Der Philips OLED936 gehört zweifelsohne zu den besten Fernsehern überhaupt.

>> Lesen Sie hier den gesamten Test!
Dipl.-Phys. Guido Randerath - Ressort Heimkino und Car Hifi
Dipl.-Phys.
Guido Randerath
Ressort Heimkino und Car Hifi
Heimkino 4/2022

In der neuen HEIMKINO haben wir die Freude, Ihnen einige der besten Fernseher präsentieren zu dürfen, die derzeit erhältlich sind.
>> Alles lesen

Elmar Michels - Ressort Car Hifi
Elmar Michels
Ressort Car Hifi
Car&Hifi 4/2022

Beim Durchblättern dieser Ausgabe ist nicht zu übersehen, dass nach wie vor Wohnmobil und fahrzeugspezifische Komponenten ein großes Thema am Markt sind. Natürlich reagiert die Industrie auf die Nachfrage nach diesen zunehmend smarter werdenenden Lösungen.
>> Alles lesen

Holger Barske - Ressort<br>High-End
Holger Barske
Ressort
High-End
LP 3/2022

Jetzt on- und offline über alle bekannten Kanäle verfügbar: Die Ausgabe 03/22 der LP, unserem Magazin für die analogen Belange des Musikhörens.
>> Alles lesen

Thomas Schmidt - Ressort Hifi
Thomas Schmidt
Ressort Hifi
Klang + Ton 4/2022

Mit großen Schritten geht es voran: Die erste High End seit drei Jahren hat eben erst ihre Pforten geschlossen. Wir konnten aber schon auf dieser ersten großen Branchenmesse sehen, dass sich seit 2019 nicht nur im Fertig-Hifi-Segment vieles getan hat, sondern auch beim Selbstbau.
>> Alles lesen

kostenloses Probeexemplar Cover Probeexemplar
Jetzt laden (englisch, PDF, 16.67 MB)
kostenloses Probeexemplar Cover Probeexemplar
Jetzt laden (englisch, PDF, 9.46 MB)
kostenloses Probeexemplar Cover Probeexemplar
Jetzt laden (deutsch, PDF, 1.99 MB)
Interessante Links:
  • www.hausgeraete-test.de
  • www.heimwerker-test.de
  • hifitest.de/shop/
Allgemeine Händlersuche
Landkarte PLZ0 PLZ1 PLZ2 PLZ3 PLZ4 PLZ5 PLZ6 PLZ7 PLZ8 PLZ9

Klicken Sie auf Ihre PLZ oder wählen Sie ein Land

Händler des Tages

Musik&Akustik