Kategorie: Kopfhörerverstärker

Einzeltest: Lehmannaudio Drachenfels (2019) mit USB-DAC


Evolution oder Revolution?

Kopfhörerverstärker Lehmannaudio Drachenfels (2019) mit USB-DAC im Test, Bild 1
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Als Norbert Lehmann mir erzählte, er habe mit einem neuen Platinenmaterial deutliche klangliche Fortschritte bei seinen Geräten erzielt, musste ich doch sofort ein Gerät der neuesten Serie in die Redaktion bitten. Voilà, der aktuelle Lehmannaudio Drachenfels USB.

Bei einigen Herstellern bin ich es fast gewohnt, dass sie mir bei jeder Überarbeitung ihrer Geräte erzählen, was für unglaubliche Fortschritte das neueste Update gebracht hat. Und oft ist es dann lediglich die neue Power- LED, die endlich auch die aktuell angesagte Farbe hat und mit der sich das Gerät viel besser in eine moderne HiFi-Umgebung integrieren lässt. Wenn Norbert Lehmann, Chef und Mastermind von Lehmannaudio, mir erzählt, seine Geräte hätten in der neusten Version klanglich einen unglaublichen Schritt nach vorne gemacht, lässt mich das aufhorchen. Denn üblicherweise gibt sich der Toningenieur Lehmann extrem nüchtern.
Kopfhörerverstärker Lehmannaudio Drachenfels (2019) mit USB-DAC im Test, Bild 2Kopfhörerverstärker Lehmannaudio Drachenfels (2019) mit USB-DAC im Test, Bild 3Kopfhörerverstärker Lehmannaudio Drachenfels (2019) mit USB-DAC im Test, Bild 4
Noch mehr beeindruckt mich, dass er diesen Fortschritt selber offenbar gar nicht so recht glauben will. Da entwickelt und baut er doch jahrelang Geräte in dem Bewusstsein, seinen Kunden jeweils den wirklich besten Klang fürs Geld zu bieten – und dann das! Ein neues Platinenmaterial, das er für die neuen Serien seiner Kopfhörerverstärker verwende, brächte einen hörbaren klanglichen Zugewinn. Ja, es habe bei verschiedenen Geräten auch andere Modifikationen gegeben. Etwa, wenn ein bisher verwendetes Bauteil nicht mehr lieferbar gewesen sei. Dann hätte es gegolten, adäquaten Ersatz zu finden. Das, was sich aber bei allen Geräten gerändert habe, sei das Platinenmaterial, und alle 

Geräte klängen jetzt, so Herr Lehmann, eine Klasse besser. Klar, dass mich das neugierig gemacht hat. Und da ich nicht wieder ganz oben ins Produktportfolio greifen wollte und es schön finde, wenn auch preiswertere Geräte eine Aufwertung erfahren, habe ich um einen Drachenfels gebeten. In diesem Fall um eine Version, die mit dem neu entwickelten USB-DAC ausgestattet ist und der auch für andere Kopfhörerverstärker von Lehmann audio verfügbar ist.


Ausstattung

Bewusst als Einsteigermodell mit hohem Qualitätsanspruch konzipiert, ist der Drachenfels auf das Notwendigste reduziert. Das Gehäuse ist so groß wie gerade nötig, einziges Zugeständnis an die Ästhetik ist, dass es die Front in Alu-Silber oder Schwarz gibt. Gegen Aufpreis kann man auch eine Chromfront bekommen. Das Gehäuse selber ist immer schwarz. Auf der Front gibt es den Einschaltknopf, den Lautstärkeregler sowie zwei 6,3-mm-Kopfhörerbuchsen. Die Buchsen sind parallel geschaltet. Wenn man zwei Kopfhörer betreiben möchte, sollten es möglichst die gleichen Modelle oder zumindest Modelle mit ähnlicher Impedanz und ähnlichem Wirkungsgrad sein. Sonst spielen die Kopfhörermöglicherweise unterschiedlich laut. Auf der Rückseite gibt es ein Paar Cinchbuchsen für ein analoges Eingangssignal und ein Paar, das das Signal lautstärkegeregelt wieder ausgibt. Man kann den Drachenfels also auch als minimalistischen Vorverstärker einsetzen. Ist das USB-DAC-Board installiert, sitzt auf der Rückwand noch die dazugehörige USB-B-Buchse. Der DAC verarbeitet PCM-Daten bis 32 Bit/385 kHz und DSD über DoP bis 128 (5,6 MHz). Ein Eingangswahlschalter ist beim Drachenfels mit USB-DAC überflüssig. Liegt ein Digitalsignal an, wird der Digitaleingang gewählt, sonst ist der analoge Eingang aktiv. Die Stromversorgung übernimmt ein Steckernetzteil. Auch hier hat es eine Weiterentwicklung gegeben und die neuen Geräte werden mit einem neuen Steckernetzteil ausgeliefert.


Klang

Nach den für die Verhältnisse von Norbert Lehmann vollmundigen Ankündigungen lag es natürlich nahe, die neue Serie des Drachenfels mit einem Modell der letzten Serie zu vergleichen. Im Verlag fand sich glücklicherweise noch eines, allerdings ohne DAC. Macht nichts, denn über den Ausgang des einen kann man den zweiten ansteuern. Klar, hier kommen noch die Einflüsse des Kabels dazu, aber die kann man durch hochwertige, kurze Kabel klein halten. Also Kopfhörer aufgesetzt und konzentriert gehört. Falls Sie Besitzer eines „alten“ Drachenfels oder eines anderen Lehmannaudio-Kopfhörerverstärkers sind, kann ich Sie als Erstes beruhigen. Sie müssen keinesfalls sofort auf ein neues Modell updaten. Wobei Lehmannaudio jederzeit für Update- oder Upgrade-Anfragen offen ist. Tonal waren und sind Lehmannaudio-Geräte immer mustergültig, hier hat sich nichts verändert. Auch dynamisch sind beide Geräte auf Zack und auf Augenhöhe. Unterschiede höre ich vor allem beim Auflösungsvermögen. Da hat die neue Serie hörbar zugelegt. Allein: Mit vielen Aufnahmen gefällt mir die „alte“ Version genauso gut. Ja, der Neue bietet mehr Feinheiten, winzige Details, bildet Schallereignisse eine Nuance schärfer, konkreter ab und verschafft damit den einzelnen Tönen und Klängen quasi noch klarere „Konturen“. Genau da klingt die ältere Version etwas verbindender und verbindlicher. Man könnte auch sagen: geschmeidiger. Gerade bei älteren, gerippten CDs gefällt mir der alte Kopfhörerverstärker fast besser, kaschiert er doch ein wenig die digitale Ruppigkeit, die ältere CD-Aufnahmen gerne kennzeichnet. Mit neuem Material, gerne HiRes-Aufnamen, spielt die neue Version ihre Vorteile aus. Vom Standpunkt des Toningenieurs hat 

Norbert Lehmann sicher uneingeschränkt recht: Die aktuelle Version ist besser. Vom Standpunkt des Musikliebhabers mit einer großen Musikbibliothek gerippter CDs aus den 1980er- bis 2000er-Jahre hat der „alte“ Drachenfels Eigenschaften, die ich zu schätzen weiß. Für die Firma Lehmannaudio ist es konsequent und richtig, Geräte weiterzuentwickeln und klanglich zu verbessern – es gibt immer mehr gute Aufnahmen in hoher Auflösung und moderne Geräte müssen der steigenden Qualität gerecht werden.

Fazit

Bei aller klanglichen Ähnlichkeit ist der aktuelle Drachenfels der bisherigen Version überlegen. Besonders hinsichtlich der Auflösung ist ein klarer Fortschritt hörbar. Mit eingebautem USB-DAC ist der Drachenfels ein zwar unscheinbarer, klanglich jedoch herausragender DAC/Kopfhörerverstärker.

Preis: um 978 Euro

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Kopfhörerverstärker

Lehmannaudio Drachenfels (2019) mit USB-DAC

Spitzenklasse

4.0 von 5 Sternen

04/2019 - Dr. Martin Mertens

Bewertung 
Klang 70%

Ausstattung: 15%

Bedienung 15%

Ausstattung & technische Daten 
Preis: 978 Euro (Drachenfels 578 Euro + USB-DAC 400 Euro) 
Vertrieb: Lehmannaudio, Köln 
Internet: www.lehmannaudio.com 
Abmessungen (B x H x T in mm): 120/160/43 
Gewicht: 0,5 kg 
Ausführungen: Front Alu Silber oder Schwarz, Gehäuse Schwarz 
geeignet für: HiFi, High End 
Anschlüsse:
Eingänge: analog: 1 x Cinch / digital: USB (bis 32 Bit/385 kHz; DSD128 über DoP) 
Ausgänge: 1 x Kopfhörer 6,3 mm, Paar x Cinch 
Klasse: Spitzenklasse 
Preis/Leistung: sehr gut 
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Dr. Martin Mertens
Autor Dr. Martin Mertens
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Datum 13.04.2019, 09:57 Uhr
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