Kategorie: Lautsprecher Stereo

Einzeltest: Serpentinum acoustics Quanna


UnFassbar wohlriechend

Lautsprecher Stereo Serpentinum acoustics Quanna im Test, Bild 1
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Der Autor muss ausgetickt sein, denken Sie sich jetzt bestimmt – was soll diese Überschrift? Nun, das ist ganz einfach. Der indianische Name Quanna und bedeutet so viel wie „die Wohlriechende“, und der Lautsprecher selbst ist keine klassische Box, sondern eigentlich ein Fass. Jawoll

So richtig viel findet man über Serpentinum acoustics nicht wirklich raus. Die Website ist schön, aber leider nicht so wirklich informativ. Nur ein einziges Modell haben die Neckarsulmer im Angebot, und das ist die hier besprochene Quanna – die aber dafür in mannigfaltiger Ausführung vom recht „normalen“ Wenge bis hin zum extravaganten Ebenholz. Alle für die Quanna verwendeten Hölzer sind afrikanische Edelhölzer, die ausschließlich unlackiert, handgeschliffen und geölt eingesetzt werden. Olfaktorisch macht das durchaus einen Unterschied (das konnte ich mir nicht entgehen lassen!): Geöltes Echtholz hat einen besonderen, angenehmen Geruch, auch wenn der nur aus allernächster Nähe wahrnehmbar ist. Wie dem auch sei, ich hoffe, keiner der Kollegen hat mich dabei beobachtet, wie ich meinen Riechkolben an den Quanna gerieben habe, die bei uns in Teak zum Testen angeliefert wurden … Die Verarbeitung ist insgesamt extrem hochwertig, insbesondere wenn man weiß, wie die Lautsprecher gefertigt werden.

Lautsprecher Stereo Serpentinum acoustics Quanna im Test, Bild 2Lautsprecher Stereo Serpentinum acoustics Quanna im Test, Bild 3Lautsprecher Stereo Serpentinum acoustics Quanna im Test, Bild 4Lautsprecher Stereo Serpentinum acoustics Quanna im Test, Bild 5Lautsprecher Stereo Serpentinum acoustics Quanna im Test, Bild 6Lautsprecher Stereo Serpentinum acoustics Quanna im Test, Bild 7Lautsprecher Stereo Serpentinum acoustics Quanna im Test, Bild 8Lautsprecher Stereo Serpentinum acoustics Quanna im Test, Bild 9
Denn die Fassform der Quanna hat handfeste Gründe, und zwar hauptsächlich den, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes eben tatsächlich Fässer sind. Die Gehäuse bestehen aus Holzsegmenten, die nicht direkt miteinander verschraubt oder verleimt sind. Sie werden hingegen ganz in der Tradition des Fassbaus von innen mit dicken Metallringen zusammengehalten, die so verschraubt sind, dass sich die Segmente unverrückbar fest zusammenziehen. Das verleiht den Wänden unerschütterliche Solidität und vermeidet dank der fehlenden parallelen Wände stehende Wellen zuverlässig. Das ist insbesondere bei solch großen Lautsprechern wichtig, denn wo viel Wand ist, kann auch viel Fläche mitschwingen. Die Serpentinum acoustics Quanna sind ja immerhin stattliche 135 Zentimeter hoch und haben einen Durchmesser von knapp 35 Zentimetern, was sich (je nach Holzart) dann auch im durchaus beachtlichen Gewicht von mindestens 70 und maximal 95 Kilogramm (in der Ebenholz-Ausführung) pro, na ja, Fass niederschlägt. Getragen werden diese ausgewachsenen Lautsprecher von jeweils vier Stahlfüßen, die aus dem vollen Metall gedreht wurden und optisch perfekt hochglanzvernickelt wurden. Weitere massive Metallteile finden sich am Deckel und am Boden sowie an der vorderen Blende. Diese Teile bestehen aus hochfestem legierten Aluminium und wurden ebenfalls aus dem Vollen gefräst, hochglanzvernickelt und hochglanzpoliert. Eine Überraschung wartet unter besagtem Deckel, der eigentlich gar keiner ist, sondern ein ganz besonderes Abdeckgitter aus Edelstahl in Form von stilisierten Stimmgabeln, die sich von innen nach außen ausbreiten und den darunter liegend montierten Basstreiber schützen. Selbiger ist ein 30-Zentimeter-Modell von Visaton mit einem angesichts der dicken Sicke ziemlichen Hubvermögen. Der Treiber läuft über das gesamte Volumen der Lautsprecher und entlässt die rückwärtig abgestrahlte Energie auf der Unterseite über vier Bassreflexrohre aus Aluminium – auch und gerade hier darf es eben nicht resonieren. So soll der Basstreiber bis hinunter auf 20 Hz spielen. Bei 200 Hz übergibt er an die jeweils zwei Visaton-Mitteltontreiber mit Aluminium- Membran. Die beiden wären eigentlich auch als Tief-/Mitteltöner alleine geeignet, dürfen sich hier also auf einen ziemlich lockeren Job freuen, da sie sich der schweißtreibenden Bass-Arbeit entledigt sehen. Sie sitzen in D’Appolito-Anordnung um den ebenfalls von Visaton stammenden Bändchen/AMT-Hochtontreiber, der seine Arbeit erst bei hoch angesetzten 4000 Hz aufnimmt. Die Mitteltontreiber kümmern sich also um mehrere Oktaven im besonders kritischen Stimmbereich – ich bin gespannt, ob die Bruchlosigkeit sich auch bei der Stimmenwiedergabe niederschlägt. Intern verbunden sind die Treiber übrigens mit einer kompletten Silent-Wire- Verkabelung, und das Eingangssignal fließt über eigens selbst entwickelte, vergoldete Vollmetall-Terminals zur Frequenzweiche. So ganz billig lässt sich so etwas natürlich nicht zusammenbauen, zumal die Produktion aller Anbauteile der Quanna komplett in Deutschland stattfindet und die Endfertigung in Europa bleibt. Zwischen 16.000 Euro und 22.000 Euro sind dann auch für ein Pärchen Serpentinum Quanna anzulegen – abhängig von der Wahl des Edelholzes, wobei hier (wie beim Gewicht) Ebenholz den krönenden Abschluss bildet – alleine oder im Verbund mit Makassar. Ganz angenehm finde ich, dass man bei Serpentinum acoustics auf einen Marken- Fetisch verzichtet und auf der Außenhülle der Lautsprecher keine Plaketten, Schilder, Aufkleber oder Logos anbringt.

Klang

Holla, hier macht sich das immense Volumen im Verbund mit dem ordentlich dimensionierten Treiber wirklich bemerkbar! Das satte Fundament der Quanna ist sicher das Allererste, was beim initialen Reinhören auffällt. Der zweite Eindruck ist der von unkomprimiertem Headroom – auch wenn es richtig laut wird, scheinen die Serpentinum-acoustics-Lautsprecher immer noch Luft zu haben für mehr. Der Opener des „God-of-War“-Soundtracks, „The Vengeful Spartan“, legt mit brachialer Dynamik über den gesamten Frequenzbereich hinweg los, und die Quanna zuckt dabei nicht mal mit der Wimper – auch bei annähernden Live-Lautstärken. Die scheinbar grenzenlose Bühne, welche die beiden Säulen in den Raum projizieren, macht den Eindruck von gewaltiger Größe und ungezügelter Attacke perfekt. Genauso druckvoll und voller adrenalintreibender Brachialität gehen die Serpentinum acoustics Quanna mit entsprechend produziertem Heavy Metal um. TesseracTs Album „Polaris“ ist genau das, und mit den Quanna ertappe ich mich dabei, immer noch ein bisschen lauter zu drehen, ein bisschen mehr Wall of Sound aus den Lautsprechern rauszukitzeln – wobei sich der Schall nicht aus selbigen orten lässt, sondern den gesamten Raum zwischen, hinter und neben den Säulen füllt. Ich denke, dass die räumlich so weit getrennte Anordnung der Basstreiber und Bassreflexrohre den Raum sehr gleichmäßig anregt und mithilft, eine so umfassende und mitreißende Klangwand aufzubauen, dass man sich geradezu darin suhlen möchte, sich davon fortschwemmen lassen und nie wieder daraus auftauchen will. Es wäre aber vollkommen falsch daraus zu entnehmen, dass die Quanna nur laut und mit Effekt spielen können: Mit klassischer Musik wie zum Beispiel Antonin Dvo˘ráks „Symphony No. 6“, gespielt vom Luzerner Sinfonieorchester unter James Gaffigan, beweisen sie ebenso viel Talent zur Einfühlsamkeit, zeichnen Streicher voller Klangfarben und fein aufgelöst nach, stellen sie ordentlich positioniert in den Raum und lassen sie mit feingliedriger Anmut erklingen. Das alles passiert mit einem leicht warmen, angenehmen Charakter, der nie kühl, fahl oder hart klingt, da ist der vollmundige, kräftige Bass der Quanna vor, der sich unwiderstehlich in die Magengrube donnert, wenn es das Musikmaterial hergibt. Einzige potenzielle Kehrseite dieser Abstimmung ist eine minimale Tendenz zur Abrundung harter Impulse im oberen Bassbereich – aber das kann vielen Hörern geschmacklich durchaus auch entgegenkommen. Genauso wie die umso impulsfreudigere Transientenwiedergabe im Mittel-/Hochton, die sich von nichts, was selbst im tiefsten Frequenzkeller passiert, aus der Ruhe bringen lässt. Großartiger Spaß!

Fazit

Das sind Lautsprecher zum Genießen und Spaß haben! Nie stressig, immer relaxt, vollmundig, souverän, mit großzügiger Raumabbildung und dem gewissen optischen Extra.

Preis: um 16000 Euro

Lautsprecher Stereo

Serpentinum acoustics Quanna


08/2017 - Michael Bruss

Ausstattung & technische Daten 
Paarpreis ab 16.000 Euro 
Vertrieb Serpentinum acoustics, Neckarsulm 
Telefon Nein 
Internet www.serpentinum.com 
Garantie (in Jahre) 5 Jahre 
B x H x T (in mm) 353/1350/353 
Gewicht (in Kg) 70–95 kg 
Ausführungen Diverse Holzarten 
Nennimpendanz 4 Ohm 
Fazit Das sind Lautsprecher zum Genießen und Spaß haben! Nie stressig, immer relaxt, vollmundig, souverän, mit großzügiger Raumabbildung und dem gewissen optischen Extra. 
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