Kategorie: Phono Vorstufen

Einzeltest: Lehmannaudio Decade Jubilee


Die Geburtstags-Phono

Phono Vorstufen Lehmannaudio Decade Jubilee im Test, Bild 1
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Kaum zu glauben, aber er macht das jetzt auch schon über 30 Jahre, der Kölner Toningenieur Norbert Lehmann. Mit etwas Verspätung – die Firma gibt’s seit 1988 – gibt’s nun die Jubiläumsausgabe eines Lehmann-Phonovorstufenklassikers

Wenn wir wollen, können wir das Pferd natürlich auch von anderer Stelle aufziehen. Die Phonovorstufe „Decade“ gibt’s nämlich seit 2005, und so könnte man das „Jubilee“-Modell auch als Referenz ans Fünfzehnjährige im vergangenen Jahr betrachten.

Zudem bietet das 3400 Euro teure Schmuckstück die Gelegenheit, sich mit Norbert Lehmanns grundsätzlicher Herangehensweise ans Theme „Entzerrervorverstärker“ auseinanderzusetzen, die nämlich, allen Modetrends bei der Realisation solcher Geräte zum Trotz, seit den frühen Tagen des Unternehmens auf dem gleichen Schaltungsprinzip fußt. Das erste Gerät hieß seinerzeit noch „Entec Black Cube“, damals war Lehmann noch hauptberuflich in Diensten des Westdeutschen Rundfunks unterwegs.

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„Black Cubes“ gibt’s bis zum heutigen Tag, das Schaltungsdesign hat seitdem unzähligen Geräten als Blaupause gedient.

Bei den kleineren Black Cubes steckt der Kern der Sache bis zum heutigen Tag in einem unspektakulären quadratischen Metallquader, der sich gerne auch hinter der Anlage verstecken darf und aus einem Steckernetzteil versorgt wird. Die größeren Modelle wie unser heutiger Proband bestehen aus zwei „richtigen“ Geräten, die zum Verstecken deutlich zu schade sind. Beim Decade und seiner aktuellen Jubilee-Edition sind das zwei kompakte (elf mal fünf Zentimeter Frontplattenmaß) und deutlich in die Tiefe gebaute Komponenten, die mit einem beidseitig steckbaren Kabel miteinander verbunden werden. Sie vermuten zurecht, dass eines der beiden Geräte die Signalverarbeitung, das andere die Stromversorgung übernimmt.

Eine der Neuerungen beim Jubilee und mit ein Grund fürs späte Erscheinen des Gerätes ist in je dreifacher Ausfertigung unter beiden Komponenten zu finden: Jawohl, die Gehäusefüße. Die sind nämlich ein Ableger der bekannten Absorber von Audio Physic-Entwickler Manfred Diestertich. Die Vorgänger dieser Gerätefüße arbeiteten mit gespannten Fäden als elastische Elemente, bei der neuen Generation ist’s eine Gewebescheibe, die ein Großteil der Entkopplung übernimmt. Ihr zur Seite stehen zwei Lagen Kunststoff-Schwerfolie und ein Korkring. Es sind exakt solche Dinge, die die langjährige Evolution der Lehmann’schen Phonovorstufen ausmachen und die ihnen zu einem bemerkenswerten Grad an klanglicher Perfektion verhelfen – soviel schon mal vorab.

In Sachen Ausstattung gibt sich der Decade Jubilee eher pragmatisch. Klar kann er MM- und MC-Signale verstärken. Beide Systemtypen werden über das gleiche Paar solide mit dem Gehäuse verschraubter Cinch-Eingangsbuchsen angeschlossen. Was es denn sein soll, bestimmt die Position zweier Kippschalter auf der Front. Einer wählt MM- oder MC-Betrieb, einer erlaubt das Erhöhen der Verstärkung um zusätzliche 10 Dezibel. Für MMs stehen damit 35 und 45, für MCs 56 und 66 Dezibel bereit. Das passt in praktisch allen Fällen. Kippschalter Nummer drei aktiviert das Hochpassfilter, das relativ früh greift: sechs Dezibel Absenkung gibt’s bereits bei 50 Hertz. Deshalb nennt der Hersteller die Option auch Bass- und eben nicht Rumpelfilter, hier passiert bei Aktivierung nämlich wirklich etwas.

Beim Tonabnehmerabschluss, auch das hat eine lange Tradition bei Lehmann, gibt’s nicht allzuviele Möglichkeiten. Per „Mäuseklavier“ an der Geräteunterseite lassen sich 47 Kiloohm für MMs und 100 Ohm oder ein Kiloohm für MCs einstellen. Wer ein MC mit etwas speziellerem Geschmack hat, der kann Wunschwiderstände auf Buchsen im Geräteinneren stöpseln. Das ist nicht superkomfortabel, hat ab der den unbestreitbaren Vorteil denkbar kurzer Signalwege.

Auf der Rückseite des Verstärkerabteils gibt’s noch das obligatorische Paar Ausgangsbuchsen und eine solide Polklemme für den Masseanschluss.

Unter dem Deckel des ausschließlich in schwarz lieferbaren Gerätes kommt ein ästhetisch sehr ansprechender und gegenüber unserer ersten Begegnung mit dem Decade in LP 6/2008 deutlich veränderter Aufbau zum Vorschein. Auf der mattschwarzen Platine mit vergoldeten Leiterbahnen gibt’s eine deutlich strengere Kanaltrennung als früher, das Layout ist komplett neu. Die grundlegende Schaltungstopologie hingegen ist die gleiche wie damals: Die Eingangsverstärkung übernimmt ein Spezialchip der Firma ThatCorp, der im Rennen um den Rauscharmutsweltrekord immer noch ein Wörtchen mitzureden hat. Darauf folgt das passive Entzerrernetzwerk, dahinter ein zweiter, etwas „normalerer“ Operationsverstärker, zu guter Letzt eine so genannter „Diamond Buffer“. Jener ist heutzutage mit acht SMD-Transistoren aufgebaut (das ist etwas potenter als beim Urmodell) und liefert ein schön niederohmiges Signal an die Ausgangsbuchsen. Beim Topmodell Silver Cube entlieh Lehmann die großartigen Mundorf-Zinnfolienkondensatoren, die sich in der Entzerrung klanglich ausnehmend gut machen. Betriebsart, Verstärkung und Bassfilter schalten Relais direkt vor Ort. So macht das der Profi – keine Einwände.

Beim Netzteil gibt’s weniger Veränderungen zu vermelden, außer der doppelten MU-Metall-Schirmung des Ringkerntrafos blieb im Wesentlichen alles beim alten. Die Spannungsregler sitzen mit im Netzteil, es wird sowohl ein- wie auch ausgangs seitig mit reichlich Siebkapazitäten und und Drosseln gefiltert. Der Netzschalter ist nach wie vor wenig griffgünstig an der Rückseite angeordnet, das Gerät hat aber nichts dagegen, dauerhaft eingeschaltet zu bleiben. Interessanterweise liegt der Leistungsverbrauch mit rund acht VA merklich unterhalb dessen, was wir seinerzeit maßen.

Norbert Lehmann ist ein erklärter Gegner klanglicher Färbung bei Wiedergabegeräten – kein Wunder bei seinem Studiotechnik- Hintergrund. Und das hört man seinen Geräten an, auch dem Decade Jubilee. Wer die tonale Essenz eines Tonabnehmers herausdestillieren will, der ist mit dieser Maschine bestens bedient. Eine ungemein glückliche Ehe geht das Kölner Gespann mit dem Ortofon Windfeld Ti ein. Bei dieser Kombination kann ich auch nach wochenlangem Dauerbetrieb beim besten Willen keinerlei Präferenzen für bestimmte Bereich des Spektrums ausmachen. Allerdings sehr wohl solche für eine lebendige und druckvolle Spielweise. Das fällt vor allem bei extremen Aufnahmen wir John Coltranes „A Love Supreme“ auf. Lehmann und Ortofon wahren stets die Balance bei der nicht einfach zu reproduzierenden frühen Stereoaufnahme. Coltranes Sax tönt fiebrig-hitzig, hat Kraft und Ausdruck, es nervt aber nicht. Die illustre Begleitmannschaft tönt dagegen wunderbar fein und dezent – erstaunlich, wie gut die Kombi beide Extreme gleichzeitig in den Raum zu stellen vermag. Sogar dessen Abbildung gelingt sehr überzeugend, was bei der extremen Pingpong-Aufnahme ein ziemliches Kunststück ist.

Die unverwüstliche Rickie Lee Jones erweist sich ebenfalls als bestens „kompatibel“ mit den Qualitäten der Zuspieler. Bei „Coolsville“ balanciert die frühe Miss Jones stimmlich exemplarisch fein ausbalanciert auf des Messers Schneide, ihre Klavierarbeit auf „Pirates“ hat Druck und Attacke. Das ist analoges Vergnügen auf höchstem Niveau, aber wenn Sie mich fragen, wie er denn nucn klingt de Jubiläums-Lehmann, dann muss ich Ihnen die Antwort ein bisschen schuldig bleiben: Er klingt nicht, er reicht Musik durch. Was will man mehr?

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Fazit

Lehmanns Decade Jubilee ist eine praktisch perfekte Phonovorstufe. Tonal ohne Signatur, mit beeindruckenden dynamischen Fähigkeiten und einem Höchstmaß an Transparenz.

Preis: um 3400 Euro

Phono Vorstufen

Lehmannaudio Decade Jubilee


11/2021 - Holger Barske

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Lehmann Audio, Köln 
Telefon 0221 29493320 
Internet lehmannaudio.com 
Garantie (in Jahren) 2 Jahre 
B x H x T (in mm) jeweils 110 x 50 x280 mm 
Gewicht ca. 0,87 / 1,56 kg 
Unterm Strich... Lehmanns Decade Jubilee ist eine praktisch perfekte Phonovorstufe. Tonal ohne Signatur, mit beeindruckenden dynamischen Fähigkeiten und einem Höchstmaß an Transparenz 
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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 06.11.2021, 09:58 Uhr
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