Kategorie: Selbstbauprojekt

Einzeltest: Mivoc K+T Fab Four


Think big

Selbstbauprojekt Mivoc K+T Fab Four im Test, Bild 1
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Mit universelleren und breitbandiger aufspielenden Chassis sind die aufwendigen Vier- und Noch-mehr-Weg-Lautsprecher aus früheren Zeiten quasi von der Bildfläche verschwunden. Schade, denn die Technik hat auch in heutigen Zeiten durchaus noch ihre Vorteile. Die wollen wir im Zuge unseres Projektes „Fab Four“ näher betrachten

So wandeln sich die Zeiten: Waren selbst Breitbänder früher oft auf Unterstützung im Tief- oder Hochton angewiesen, so lässt sich heute fast alles zwischen 8 und 20 cm, manchmal sogar 25 cm, extrem breitbandig einsetzen. Das und der Trend zu kompakteren, schlankeren Gehäusen, hat dazu geführt, dass man Schallwandler mit mehr als drei Wegen heutzutage nur noch äußerst selten antrifft. Dabei spricht einiges für das Konzept: Den erhöhten baulichen Aufwand kontern viel Membranfläche und die damit verbundene, satte Dynamik und Breitbandigkeit.

Selbstbauprojekt Mivoc K+T Fab Four im Test, Bild 2Selbstbauprojekt Mivoc K+T Fab Four im Test, Bild 3Selbstbauprojekt Mivoc K+T Fab Four im Test, Bild 4Selbstbauprojekt Mivoc K+T Fab Four im Test, Bild 5Selbstbauprojekt Mivoc K+T Fab Four im Test, Bild 6Selbstbauprojekt Mivoc K+T Fab Four im Test, Bild 7Selbstbauprojekt Mivoc K+T Fab Four im Test, Bild 8Selbstbauprojekt Mivoc K+T Fab Four im Test, Bild 9Selbstbauprojekt Mivoc K+T Fab Four im Test, Bild 10
Diese Eigenschaften beziehen sich auf einen nach vollkommen klassischem Vorbild – in diesem Fall stand die Galion von Cabasse Pate – gebauten Lautsprecher. Wir sind ja durchaus zu haben für schräge Ideen, aber ab und zu steht nun mal simple Funktionalität im Vordergrund. Daher ist die Fab Four für KLANG+TON-Verhältnisse ein „Normalo“, wenn auch ein durchaus interessanter.

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Bestückung


Kern der Sache sind die XAW-Chassis von Mivoc. Sie sind in Größen vom Neodym- Hochtöner bis zum 30er-Bass erhältlich und damit ideal für eine Vielwege-Box. Allerdings wichen wir ganz unten und ganz oben vom vorherbestimmten Weg ab: Um den Tiefton kümmert sich ein AW 3000, den Hochton übernimmt Mivocs Magnetostat KFT 130 M. Der AW 3000 ist zwar nicht größer als der XAW 310 HC, ermöglicht durch seine anderen Thiele-Small-Parameter aber einen tieferen Bass. Dafür braucht er zwar mehr Luft, aber die ist in einer großen Standbox ja problemlos unterzubringen. Um den Grund- und unteren Mittelton kümmert sich der XAW 180 HC, bis zum Hochton geht der kleinste und jüngste Konus im Bunde, der XAW 110 HC, seiner Arbeit nach. Auch die kleine Gewebekalotte mit Hörnchen aus der XAW-Serie musste für die Fab Four weichen, hier spielt Mivocs Magnetostat die erste Geige. Eine bunte Mischung, die sich optisch dank von dunklen Treibern eingefassten XAWs durchaus sehen lassen kann. Erfreulich ist angesichts der zahlreichen Gesamtbestückung zudem der deutlich unter 200 Euro liegende Preis für die Wandler. Da kommt zwar noch einiges an Frequenzweiche dazu, nichtsdestotrotz bleibt die Box gemessen an Aufwand und Ergebnis sehr bezahlbar.

Gehäuse


Das Gehäuse orientiert sich designtechnisch an Cabasses Galion, einer klassischen 80er-Jahre-Box mit ausgewachsenem Standgehäuse und abgestufter Schallwand. Die birgt durch den Tiefenversatz nicht nur Vorteile in Sachen Zeitverhalten der vier Wege, sondern versteift die Front der Box deutlich. Drei Konusse mit unterschiedlichem Arbeitsbereich heißt natürlich auch drei getrennte Volumina, die gar nicht so simpel unterzubringen waren. Der XAW 110 ist sehr genügsam, ihm reichen 2 Liter zum Arbeiten. Der XAW 180 braucht schon relativ viel, unter 10 geschlossenen Litern will er bis in den Bass hinein nicht so richtig – angesichts der angestrebten, tiefen Trennfrequenz sollte man hier nicht zu sehr knapsen. Den Rest, gut 90 Liter, darf der AW 3000 für sich beanspruchen. Die Mitteltongehäuse werden in die Versteifungen der Box integriert, es ergibt sich eine simple, aber sehr effektive Matrix. In Sachen Steifigkeit hat natürlich auch die Dreifach-Front ein Wörtchen mitzureden, hier bewegt sich nichts mehr, was sich nicht bewegen soll. Eine ganze Menge Holz kommt damit zusammen, ergibt andererseits aber auch einen äußerst soliden Verbund und damit die perfekte Basis für die störungsfreie Arbeit der vier Chassis.

Frequenzweiche


Die Frequenzweiche ist ein interessantes Kapitel. Es eröffnet sich die fast philosophische Frage, ob man lieber auf steile Filter mit schmalen Überschneidungen oder flache Filter mit breiten Überlappungsbereichen setzt. Ersteres ist sicherlich der technisch korrektere Weg, Letzteres hat sich in der Praxis immer wieder bewährt. Wir landeten im Endeffekt bei eher flachen Filtern, in denen die Chassis sich über weite Frequenzbereiche überschneiden und einen „Gesamtpegel“ generieren. Das wirkt zuerst befremdlich, man fragt sich unweigerlich, ob das in Sachen sauberer Raumabbildung und Summenbildung funktionieren kann. Dabei äußert sich das Phänomen in der Praxis fast gar nicht, während das unerbittliche Messmikrofon ganz genau zuhört. So lange die Summe und die Phasen stimmen, ist auch so eine Konstruktion aber einwandfrei zu betreiben. Alte Hasen werden noch den „Filler Driver“ kennen, ein zusätzlicher Weg, welcher Ähnliches tat und nur ergänzend ins Gesamtklangbild eingriff. Technisch haben wir es fast ausschließlich mit simplen Filtern 2. Ordnung zu tun. Hier und da wird mit Widerständen und Saugkreisen etwas „zurechtgerückt“, der Hochtöner hat ein Filter 3. Ordnung. Rätsel sollte aber keiner der Zweige aufgeben; dass man im Bauteiledschungel einen Moment zur Orientierung braucht, ist normal. Für ein Vierwegsystem bleibt die Weiche trotzdem recht übersichtlich.

Messwerte


Bei der Ermittlung der Frequenzgänge fällt neben der enormen Breitbandigkeit der Fab Four und dem kleinen Mitteltonkick um 850 Hz insbesondere der unter Winkel dominante Präsenzbereich auf. Der zeigte sich im Hörraum aber unkritisch – genauer sogar eher vornehm zurückhaltend – so dass er bleiben durfte. Wer hier Begehrlichkeiten hat, vergößert einfach L5 auf 1,2 mH und verkleinert C7 auf 3,9 μF. Die Empfindlichkeit ist mit gut 88 dB an 2,83 V einer so großen Box würdig. Die Impedanzmessung deutet Minima von 3,1 Ohm an. Mit zwei zugekniffenen Augen geht das noch als 4-Öhmer durch, ein stabiler Verstärker ist dennoch anzuraten. Unsere tapferen SymAsym-Monos beschwerten sich zwar zu keiner Zeit, aber sicher ist sicher. Die Klirrmessungen bleiben bis auf ein K2-K3-Plateau um 1% im Mittelton unspektakulär sauber, positiv auffällig ist die geringe Änderung bei höherem Pegel – hier gibt‘s Reserven! Der Wasserfall ist bis auf minimale Nachschwinger sauber, auch hier brennt nichts an.

Klang


Nach der Aufwärmphase musste die Fab Four dann noch im Hörraum zeigen, dass sich der Aufwand gelohnt hat. Und sie geht die Sache äußerst erwachsen, fast unspektakulär an. Gut, der Bass ist mächtig, tief und erstaunlich knackig, das war klar. Auch Stimmen baut sie vom Grundton her auf, wirkt stets satt und schubkräftig. Trotzdem werden Mittel- und Hochton nicht von der Tieftondecke verhüllt: Sie stehen als sauberer Verbund im Raum und reproduzieren Stimmen wie Instrumente tonal wie dynamisch akkurat. Dem Magnetostaten geht die Luftigkeit kleinerer Kollegen etwas ab, dafür kann er bei Lautstärkesprüngen ordentlich zupacken. Ich dachte kurz über eine minimale Kräftigung des Hochtons über die Reduktion des Spannungsteilers nach, verwarf die Idee nach kurzem Einhören aber wieder – der Hochton passt genau. Wen es hier juckt, dem sei die Änderung auf 3,9 und 12 Ohm aber vergeben. Auch das wird die unerschütterliche Fab Four aber nicht aus der Ruhe bringen. Sie strahlt dank reichlich Membranfläche und entspannt agierenden Treibern eine Ruhe aus, die kleinen Zweiweglern einfach abgeht. Bassdrums kicken satt und massiv, Grund- und Mittelton knarzen prägnant, der Hochton ist sauber und dynamisch – bei jeder Lautstärke. Gleichzeitig wirkt die Box nicht so, als würden ihr die Pegel etwas abverlangen. Natürlich kann man auch eine Fab Four überfahren, dafür bracht es aber schon einen kräftigen Verstärker und ein freistehendes Haus. Dabei wirkt sie tonal ganz harmlos, fast audiophil zurückhaltend. Wer hätte gedacht, dass sich ein so stämmiges Gerät auch den feinen Zwischentönen so verbunden fühlt?


Holzliste pro Box

19-mm-MDF:
2 x 96,2 x 34,5 cm Front / Rückseite
1 x 74,2 x 33,5 cm Front extra 1
1 x 53,8 x 33,5 cm Front extra 2
2 x 100,0 x 36,2 cm Seitenwände
1 x 12,0 x 34,5 cm Mitteltongehäuse hinten
1 x 6,9 x 34,5 cm Mitteltongehäuse unten
1 x 31,4 x 34,5 cm Tiefmitteltonge. hinten
2 x 36,2 x 34,5 cm Deckel / Boden
3 x 32,0 x 34,5 cm Versteifung


Zubehör pro Box



• 2 x Reflexrohre BR 8136 (je 1x A, X, XT)
• 1 x Terminal AT 140 D

Lieferant: Speaker Trade, Solingen

• 4 Beutel Dämmwolle
• Kabel, Schrauben

Lieferant: beliebig


Aufbauanleitung


Der Aufbau der Box ist nicht schwierig, lediglich die Größe macht die Sache etwas unhandlich. Vor Beginn des Zusammenbaus bekommen die Platten diese Löcher: für Reflexrohre und Terminal in der Rückwand, Ausschnitte in den Versteifungen, Kabeldurchführungen in den Mitteltongehäusen, Chassisausschnitte in den Schallwänden. Danach beginnt der Aufbau des Korpus auf einer Seitenwand. Dort finden sich Deckel, Front, die obere Versteifung, die Mitteltongehäuse, die mittlere Versteifung, die untere Versteifung, die Rückwand und der Boden wieder. Die zweite Seitenwand verschließt das Gehäuse für den Moment. Nach dem Entfernen der Klebereste an der 4 mm eingesenkten Front werden die beiden Aufdoppelungen vollflächig verleimt. Nach dem Abbinden ist es essenziell, dass die Chassislöcher für den Tiefmittel- und den Mittelhochtöner nach hinten mit einer Raspel aufgeweitet werden, da sich sonst unschöne Reflexionen ergeben. Dann wird die Box fertig geschliffen und mit einem Finish versehen (siehe Ende dieses Abschnitts). Nun wird die Box mit Kabeln für alle Chassis versehen, die Durchführungen der oberen beiden Konusse werden mit Heißkleber abgedichtet. Dann wird die zuvor aufgebaute Frequenzweiche auf die Rückwand hinter den Tieftöner geklebt und verkabelt (wenn die Kabel lang genug sind, auch gerne außerhalb der Box, das ist einfacher) – das Terminal nicht vergessen! Im Bi-Wiring-Betrieb ist die Weiche in der „Mitte“ zu trennen, d. h. Magnetostat und Mittelhochtöner an einem Zweig, Bass und Tiefmitteltöner am anderen. Nun wird die Box über das gesamte Volumen gleichmäßig mit Dämmwolle bedämpft. Das kleine Mitteltongehäuse wird dicht gestopft, das größere nur locker gefüllt. Wichtig ist, den Bereich hinter dem Tieftöner bis zu den Reflexrohren freizuhalten. Letztere werden einfach zusammengesteckt, mit Klebeband fixiert und eingeklebt. Danach werden die Chassis angelötet bzw. angeschraubt und eingebaut.

K+T-Tipp zur Gehäusegestaltung:


Durch die aufgesetzten Seitenwände und Fronten empfiehlt sich eine mehrfarbige Gestaltung des Gehäuses. Egal ob mit Lack oder einer Mischung aus Lack und Echtholz, hier gibt es viele Varianten. So können zum Beispiel die aufgesetzten Fronten in Echtholz ausgeführt oder andersfarbig lackiert werden. Gleiches geht auch mit dem Korpus und allen Fronten oder nur den Seitenwänden.

Fazit

Die Idee „4 Wege“ geht auf: die Fab Four ist extrem breitbandig, spielt entspannt und locker und ist dank Mivoc-Treibern äußerst bezahlbar. Dabei führt sie die Vorteile der aufwendigen Technik deutlich ins Feld uns lässt sich von nichts aus der Ruhe bringen – eine echte Alleskönnerin mit erstaunlich feiner Note.

Selbstbauprojekt

Mivoc K+T Fab Four


03/2010 - Christian Gather

 
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Autor Christian Gather
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Datum 10.03.2010, 11:55 Uhr
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