Kategorie: Selbstbauprojekt

Einzeltest: Monacor K+T "Momo"


Wahrsagerin

Selbstbauprojekt Monacor K+T Momo im Test, Bild 1
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Für die Arbeit im Tonstudio sind Monitorlautsprecher unersetzlich. Ohne sie wäre es dem Mann am Mischpult nicht möglich, die Aufnahme perfekt abzuschmecken. Mit der Qualität des Monitors steht und fällt damit das Endprodukt, denn ohne gescheite Monitore gibt‘s keine ausgewogene Mischung. Ein Glück, dass man einen guten Monitor auch einfach selbst bauen kann.

Natürlich ist ein Monitor nicht wie der andere, trotz des Totschlagkriteriums Frequenzganglinearität gibt es große Unterschiede. Abgesehen von der Klangqualität kann man Studiomonitore in zwei Klassen aufteilen: aktiv und passiv. Die passiven Varianten sind „normale“ Lautsprecher, deren Klang auf Neutralität getrimmt wurde. Aktive Monitore besitzen einen eingebauten Verstärker, welcher oft noch Eingriffe in den Frequenzgang erlaubt – natürlich zum Mehrpreis. Wir präsentieren an dieser Stelle einen passiven Monitor, der schon zu den ausgewachsenen Exemplaren zählt, entsprechende Pegelreserven mitbringt und mit einem Chassispreis von unter 100 Euro pro Seite selbst neben den brutalen Dumpingpreisen des Fertigmarkts problemlos bestehen kann.

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Und auch der Name fand sich schnell: ein Monitor mit Monacor-Bestückung – „Momo“.

Konzept


Die Idee zur Momo fußt auf der Eier legenden Wollmilchsau im 20-cm-Format vom IMG Stage Line: dem SP-8/150PRO. Er bewies im Einzelchassistest der Ausgabe 4/2009, dass er dank stark progressiver Aufhängung, großer Schwingspule und 6 mm linearem Hub in jede Richtung nicht nur sehr hoch belastbar ist, sondern dass er dank gekonnt abgeschmeckter Parameter eine gute Bassperformance aus wenig Luft zaubert. Zudem ist er dank ausgewogenem Frequenzgang und dem gutmütigen Verhalten im oberen Frequenzbereich absolut zweiwegtauglich. Fehlte nur noch der passende Spielpartner. Hochtonhörner hält Monacor International zwar in allen Farben, Formen und Größen bereit, doch das hielten wir für einen Nahfeldmonitor für „drüber“. Viel eher sprach uns der Hochtöner aus der „Triple Play“ (K+T 5/2006) an: die Gewebekalotte DT-300 mit dem dazugehörigen Waveguide-Vorsatz WG-300 für nur 40 Euro. Das Duo glänzt mit reichlich Reserven für die Gewebemembran im (für den Hochtöner) unteren Frequenzbereich und einem sehr homogenen Abstrahlverhalten unter Winkeln. Zusammen mit dem gerade mal gut 50 Euro teuren Stage Line ergibt sich eine äußerst vielversprechende Chassiskombination zu einem sehr attraktiven Preis. 

Gehäuse


Die Größe des Gehäuses gibt der SP-8 vor: gut 20 Liter Bassreflex. Zusammen mit dem dank Waveguide doch recht groß gewordenen Hochtöner ergibt sich fast automatisch ein stämmiges „Regalformat“. Das Reflexrohr wanderte auf die Rückseite, um die Front nicht künstlich zu vergrößern. Die Abstimmung per Rohrlänge ist auf Wandnähe ausgelegt; wer freier aufstellt oder mehr Druck benötigt, muss das Rohr um 2 bis 3 Zentimeter kürzen. Eine Versteifung zwischen den Chassis sorgt für Stabilität der größeren Wände, auch wenn dies bei der Kompaktheit der Box kaum nötig ist. Für den Kontakt zur Außenwelt griffen wir bewusst zur bewährten Speakon-Verbindung. Ebenfalls nicht zu vernachlässigen sind die Gehäusekanten. Diese sollten aufgrund der häufigen Handhabung des Monitors angefast oder gerundet werden. Damit fasst sich die Box deutlich besser an und ist in Sachen Macken in Ecken und Kanten unempfindlicher. Die Oberflächenbehandlung haben wir wie im Editorial beschrieben bewusst weggelassen, in allen Aufbaubeschreibungen geben wir Ihnen allerdings Tipps mit auf den Weg.

Frequenzweiche


Im Speziellen bei einem Monitorlautsprecher interessant war natürlich die Performance der Chassis im Gehäuse. Der Hochtöner stört sich dank Waveguide an umliegenden Wänden und Kanten eher wenig. Viel interessanter der Tieftöner, dessen Performance wir in einem Gehäuse bisher noch nicht kannten. Glücklicherweise gibt er sich sehr gutmütig (blau) und wartet lediglich mit einem Plateau zwischen 500 Hz und 1,2 kHz auf. Die grundsätzliche Filterung durch den recht rigorosen 12-dB-Tiefpass aus 1,2 mH und 15 μF, unterstützt von einer Korrektur des Impedanzanstiegs, wirkt erstmal befremdlich (lila). Im Verbund mit dem Reihensperrkreis aus 68 + 1 μF, 0,68 mH und 8,2 Ohm ergibt sich abgesehen vom kleinen „Hübbelchen“ bei 600 Hz, welches durch die leichte Unsymmetrie des Plateaus zurückbleibt, ein perfekter Verlauf (rot). Hier kommen zwei Kondensatoren zum Einsatz: viel Kapazität des Elkos zum kleinen Preis und die Qualität einer Folie zur Verbesserung des Klangs. Der ohne Weiche fallende Frequenzgang des Hochtöners (blau) wird durch einen Hochpass mit zu kleinem Serienkondensator (2,7 μF und 1,0 mH) perfekt in Form gebracht. Um den Pegel kümmert sich ein Spannungsteiler (4,7 und 10 Ohm) (lila). Die Frage nach dem Sinn des Waveguides – dieser „verbiegt“ offensichtlich den Frequenzgang, der per Weiche wieder glattgezogen werden muss – beantworten die gewonnenen Reserven des Tweeters. Diese kalottemechanisch durch das „Sammeln“ von Schallenergie zu unterstützen und im Gegenzug per Weiche zu entlasten, setzt beachtliche Reserven frei und lässt den Tweeter umso entspannter aufspielen. Dank des nahezu perfekten Tiefenversatzes des Hochtöners zum Bass ergibt sich aus den Zweigen eine perfekte Übernahme bei gut 1,8 kHz auch ohne Verpolen der Chassis.

Messwerte


Entsprechend linear gibt sich das Gesamtkonstrukt in Sachen Frequenzgang, sowohl auf Achse als auch unter Winkel. Die perfekte Balance stellt sich 10 Grad außerhalb der Mittelachse ein. Auch unter größeren Winkel bleibt die Box aber problemlos genießbar, nur ein kleiner Höcker bei gut 2 kHz trübt ein ansonsten perfektes Bild leicht. Der Impedanzverlauf ist mit einem Minimum von 6,5 Ohm sehr gutmütig und innerhalb der 8-Ohm-Norm. Aufgrund der mit 87 dB hohen Empfindlichkeit stellt die Momo (abgesehen vom Klang) keinerlei Ansprüche an die Elektronik. Auch die Klirrmessungen sprechen für die Qualitäten des Monitors. Völlig ohne Ausreißer bewegt sich der Klirr unterhalb bis um die 1-%-Marke herum. Im Hochton fällt nochmals die positive Wirkung des Waveguides auf. Bleibt zu guter Letzt der Wasserfall, in dem als Einziges der Hubbel bei 600 Hz durch leicht verzögertes Ausschwingen auffällt, allerdings erst 20 dB unter Nennpegel. Die umliegenden Bereiche gefallen durchweg durch ein sehr gleichmäßiges, schnelles Ausschwingen.

Klang


Im Hörraum gibt sich die Momo so, wie die Messungen es unterstreichen: sehr neutral. Vom Oberbass an bis zum Hochton verkneift sie sich jegliche Koloration des Klangbilds und konzentriert sich auf das, was die Quelle liefert. Dazu gehören natürlich auch deren Fehler. Wenn ein Abhörmonitor diese verschweigen würde, wäre er allerdings auch nicht besonders gut. Schöngeister sollten sich daher woanders umsehen, hier gibt‘s schonungslose Wahrheiten. Zudem macht diese Box auch eine hervorragend realistische Raumabbildung. Sie entsteht durch die ideale Phase und die saubere Übernahme der beiden Chassis, welche das Duo unmittelbar zu einem großen Ganzen verschmelzen lässt. Darüber hinaus ist es fast schwierig, der Momo spezielle Eigenschaften zuzuordnen. Zu sehr hat man sich an schönende Fehltritte diverser Lautsprecher gewöhnt, welche bei Abwesenheit im ersten Moment Ratlosigkeit verursachen. Und doch hat die Momo einen Anmachfaktor: ihre Ehrlichkeit. Wo andere Lautsprecher aus kleinen Herren große machen und aus dünnen Stimmchen dicke zaubern, da lässt sich diese Box nicht beirren. Jede Gitarrensaite, jeder Bass, jedes Becken und jede Stimme sagt unmissverständlich: So muss ich klingen, und nicht anders. Von den Monitorqualitäten abgesehen überzeugt die Momo aber auch an anderer Stelle: Pegel. Der Tieftöner geht vor dem Anschlagen der Schwingspule einfach in die mechanische Kompression, den Hochtöner entlastet der Waveguide effektiv. Natürlich ist irgendwann mal Schluss, aber bis dahin lässt sich die Momo erstaunlich wenig anmerken und flutet auch große Räume problemlos mit Schall. Wenn ich einen Wunsch frei hätte: mehr Tiefbass. Nicht, dass ich mit der Performance des Stage Line unzufrieden wäre, im Gegenteil. Nur fiel mir dessen vornehme Zurückhaltung in Wandferne besonders auf, weil der Rest des Klangbilds so perfekt einrastete, dass ich mich von der ungeschönten Echtheit nur schwer wieder losreißen konnte.

Aufbauanleitung


Der Aufbau des Gehäuses hält glücklicherweise keinerlei Stolperfallen bereit. Während eine der Rückwände und der Deckel auf der Rückseite der Front trocknen, wird die Versteifung per Stichsäge mit den beiden Löchern versehen. Sie kommt zusammen mit der zweiten Seitenwand nämlich als Nächste dran, dann wird der Boden aufgeleimt. Vor dem Aufleimen der Rückwand ganz wichtig: markieren, wo bei der Box wo ist, sonst gibt‘s hinterher ein böses Erwachen. Nach dem Durchtrocknen wird grob geschliffen, dann werden die Löcher für die Chassis gefräst. Der Hochtöner braucht zusätzlich eine Abschrägung, sonst liegt der Waveguide auf dem Ausschnitt auf. Jetzt kommen das Loch für das Reflexrohr und das Terminal dran. Nach dem Nässen und dem feinen Schleifen ist die Box fertig für die Außengestaltung (siehe Ende dieses Textes). Nun wird die Weiche auf einer Platine, einem Brett oder komplett frei aufgebaut und verkabelt. Sie findet Platz auf einer der Seitenwände hinter dem Tieftöner. Die Zuleitung wird an die Speakon-Buchse gelötet, diese wird nun bereits eingeschraubt. Auch das Reflexrohr wird bereits eingesetzt. Danach wird bedämpft: eine Matte Dämmwolle wird wie ein auf dem Kopf stehendes „U“ um das Reflexrohr gelegt, die beiden anderen Matten kommen L-förmig hinter den Tieftöner auf Boden und Rückwand. Nun werden die Chassis – erst der Hochtöner, dann der Tieftöner – nacheinander angelötet und eingeschraubt. Damit ist die Box fertig!

K+T-Tipp zur Gehäusegestaltung:


Nadelfilz eignet sich gut für häufige Transporte, weil es robust ist. Ebenfalls empfehlenswert: dunkle (dunkelgrau oder schwarz) Strukturlacke oder dunkler Graniteffektlack.

Holzliste pro Gehäuse


19-mm-MDF:

 2 x 43,0 x 25,0 cm Front / Rückseite
 2 x 39,2 x 28,2 cm Seitenwände
 2 x 28,2 x 25,0 cm Deckel / Boden
 1 x 28,2 x 21,2 cm Versteifung


Zubehör pro Box


 3 Matten Dämmwolle MDM-3
 1 x Reflexrohr BR-70TR, ungekürzt
 1 x Terminal CP-6/SW mit NL-2MP
 Kabel, Schrauben

Fazit

Als Arbeitsgerät eigentlich viel zu schade, empfiehlt sich die Momo nicht nur für den Einsatz im Studio mit engem Budget, sondern auch für zu Hause. Dort glänzt die kompakte Box mit allürenfreien Manieren und brilliert mit einem sehr pegelfesten, neutralen und räumlich exzellent sortierten Klangbild. Auch fürs Heimkino plus großem Subwoofer eine dicke Empfehlung!

Preis: um 170 Euro

Selbstbauprojekt

Monacor K+T "Momo"


01/2012 - Christian Gather

 
Ausstattung & technische Daten 
Technische Daten
Chassishersteller: IMG Stage Line, Monacor 
Vertrieb: Monacor International, Bremen 
Konstruktion Christian Gather 
Chassisparameter K+T-Messung
Funktionsprinzip: Zweiweg, Bassreflex 
Bestückung: 1 x IMG Stage Line SP-8/150PRO / 1 x Monacor DT-300 mit WG-300 
Nennimpedanz in Ohm:
Kennschalldruckpegel 2,83V/1m 87 
Abmessungen (B / H / T in cm): 25/43/32 
Kosten pro Box (zzgl. Gehäuse): 170 
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Autor Christian Gather
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Datum 13.01.2012, 09:53 Uhr
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